OF

COMPARATIVE ZOÜLOGY,

AT DARVARD COLIECE, CAUBRIBCE, MASS. jFountrctJ ftn pvfbatc suöscrfijtfon, fn 1861.

Prom the Library of LOUIS AGASSIZ. No.

SITZUNGSBERICHTE

UEB KAISKKI.U IIKN'

lyDEMIG DER UlSSElCHlFTGi

^/^

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

ÜREIÜNDVIERZIGSTER BAND.

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WIEN.

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDKUCKEREI.

IM COMMISSION BEr KARL GEROLD'S SOHN. BUCHHÄNULEK DER KAIS. AKAÜKMIt DER WISSENSCHAKTE>.

1861.

SITZUNGSBERICHTE

DßH

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN

CLASSE

DEK KAISKRLICHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

XllII. BA5iD. I. ABTHEIICNG.

Jahrgang 1S61. Heft I bis V.

(llit 19 Caffln, 3 lartrn. 1 Snrtjjsdjtiitt n. I profiltaffl.)

WIEN.

AUS DEK K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.

IN CUMMISSIUN BEI KARL OEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLEK DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

^ 1861.

m. cm. ZNL

UtMIY

HAXVMB UNIVERSITY

I i\ H A L T.

Seite

I. iiiitzuiig' vom 3. Jänner 186i: Übersicht 3

Beiiss, Über die fossile Gattung Acicularia d'Arch. (Mit 1 Tafel.) 7

II. Sitzung vom 10. Jänner 1861: Übersicht H

Emmrich , Ein Beifrag zur Kenntniss der südbayrischen Molasse 13

III. Sitzung vom 17. Jänner 1861: Übersicht 23

Frauenfeld, Bericht über weitere Bearbeitung der Novara-Samm-

iungen und F'ortsetzung der Diagnosen neuer Lepidopte-

ren von Dr. C. Felder 25

Mauthner, Über die sogenannten Bindegewebskörperchen des

centralen Nervensystems 4S

IV. Sitzung vom 31. Jänner 1861: Übersicht 55

Pokorny , Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. (Mit

1 Karte.) 57

Kner, Über den Flossenbau der Fische. (Fortsetzung.) . . . 123

V. .Sitzung vom 7. Februar 1861 : Übersicht 153

Hyrtl, Über das epigonale Kiemenorgan der Lutodeira, mit einer Tafel und einer osteologischien Tabelle der Clupeiden

Cuvier's 155

Stoliczkciy Über die Gastropoden und Acephalen der Hierlatz-

Schichten. (Mit 7 Tafeln.) 157

VI. Sitzung vom 21. Februar 1861: Übersicht 205

Hyrtl, Über anangisciie (gefässlose) Netzhäute 207

VM. Sitzung vom 7. März 1861 : Übersicht 213

Suess, Über die grossen Raubthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen. (Mit 2 Tafeln.) 217

r. Sonklar, Der grosse Schuttkegel von Wiener-Neustadt. (Mit

1 Karte und einem Durchschnitte.) 233

VIII. Sitzung vom 14. März 1861 : Übersicht 247

Wanket , Beiträge zur österreichischen Grotten-Fauna . (Mit

4 Tafeln.) .... 251

IX. wSitzung vom 21. März 1861: Übersicht 265

VI

Seite

X. vSit«ung vom 11. April 1861: Übersicht . 267

Diesing, Kleine helinintliologische Miltheilungen 269

Boue, Über die Karst- und Trichterplastik im Allgemeinen . . 283

XI. Sitzung; vom 18. April 1861 : Übersicht 293

Heller, Beiträge zur Crustaceen-Fauna des rothen Meeres. (Erster

Theil.) (Mit 4 Tafeln.) 297

XII. Sitzung vom 25. April 1861: Übersicht 375

Andrejevii, Über den feineren Bau der Leber 379

XIII. Sitzung vom 10. Mai 1861: Übersicht 383

Petei's, Geologische und mineralogische Studien aus dem .süd- östlichen Ungarn, insbesondere aus der Umgegend von Rezbanya. (Mit einer geognostischen Karte und einer

Profiltafel.) 385

XIV. Sitzung vom 16. Mai 1861: Übersicht 465

Wiesner, Die Blattbögen und ihre Berechnung. (Mit 1 Tafel.) 467

SITZUNGSBERICHTE

DER

KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

XLIIl. BAIVD.

ERSTE ABTHEILUNG.

Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralog-ie , Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.

I. SITZUNG VOM 3. JANNER 1861.

Freiherr von Wüllerstorf und Urbair, Commodore in der k. k. österreichischen Kriegsmarine, dankt mit Schreiben vom 22. December 1860 für seine Wahl zum correspondireuden Mit- gliede der Akademie.

Eingesendet wurden folgende Abhandlungen:

„Über die fossile Gattung Acicularia d'Arch." von Prof. Reuss in Prag.

„Über die Eigenschaften einiger bestimmten Integrale" von Dr. A. Winckler in Gratz. «

„Bestimmung der Lage eines beliebigen Punktes auf dem Felde nach der als bekannt vorausgesetzten Lage dreier anderer Punkte" von Prof. K. Breymann in Mariabrunn.

Der Secretär theilt der Classe mit, dass für die am 30. Mai 18Ö7 ausgeschriebene astronomische Preisfrage: „Es sind möglichst „zahlreiche und möglichst genaue photometrische Bestimmungen „von Fixsternen in solcher Anordnung und Ausdehnung zu liefern, „dass der heutigen Sternkunde dadurch ein bedeutender Fortschritt „erwächst", drei Bewerbungsschriften rechtzeitig, d. i. vor dem 1. Jänner 1861, eingesendet wurden, und zwar:

a) Die erste von Berlin mit dem Motto: „Jsi iAsu^spiov elvcct ryj ■yvdi)ix-^ TÖv julA/lovTa (pi'koao(psiv" .

b) Die zweite von München mit dem Motto : „Gutta cavat lapidem".

c) Die dritte von Speyer mit dem Motto:

„Ich messe mit scharfem Maass das Licht aller Sterne des Himmels von der glänzendsten Sonne bis zu dem schwächsten Lichtpunkt".

4

Endlich macht der Secretär eine vorläufige Mittheilung üher das neueste Verfahren von Carre, Eis im Grossen mit sehr geringen Kosten zu erzeugen, die er einem Privatschreihen des Herrn Sections- rathes Ritter von Schwarz in Paris entnimmt. Der Secretär hofft der Classe die Versuche selbst mit einem Originalapparate von Carre, den Herr von Schwarz für denselben zu besorgen so gefällig war, zeigen zu können.

Herr Director Kreil liest ein Schreiben des österreichischen Reisenden, Herrn Hauptmanns Karl F r i e s a c h, über dessen Aufenthalt in Süd-Amerika und namentlich über die in Brasilien von ihm aus- geführten magnetischen und geographischen Bestimmungen.

Herr Dr. Reitlinger, Assistent am k. k. physikalischen Insti- tute, überreicht eine Abhandking: „Über die Schichtung des elektri- schen Lichtes", nebst einer „vorläufigen Note über die Lichtenberg- schen Figuren in verschiedenen Gasen".

Herr Dr. Mach legt eine Abhandlung vor: „Über das Sehen von Lagen und Winkeln durch die Bewegung des Auges. Ein Bei- trag zur Psychophysik".

Herr Dr. Adolph Weiss übergibt eine Abhandlung: „Über die Aljiängigkeit der Liniendistanzen im Spectrum des Gases der Unter- salpetersäure von der Dichte desselben".

An Druckschriften wurden vorgelegt:

Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss,, zu Berlin, Abhand- lungen aus dem Jahre 1859. Berlin, 1860; 4o- der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München, Sitzungs- berichte 1860, Heft 3. München, 1860; 8«-

Annale n der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Fr. Wohl er, J. Lieb ig und Herm. Kopp. N. R. XL. Band, 2. Heft, November. Leipzig und Heidelberg, 1860; 8"-

D'Archiac, A., Notice sur la vie et les travaux de P. A. Dufren oy, suivie d'une liste bibliographique de ses pnblications. (Lue ä la Societe geologique de France, danslaseance du 21 mai 1860.) 8"-

Astronomical Journal, Nr. 139 & 140. Vol. VI. Nr. 19 »S: 20. Cambridge, 1860; 4"-

Astronomische Nachrichten, Nr. 1284 1288. Altona, 1860; 40-

Austria, XH. Jahrgang, LI. LllL Heft. Wien, 1860; 8«-

Cosmos, lX\4m>ee, 17^ Vol , 24''— 26^ Livraison. Paris, 1860; 8»- Gazette medicaled'Orient, IV'annee, Nr. 9. Constantiiiople, 1860; 4»- Gese lisch aft,Deutsclie geologische, Zeitschrift. XU. Band, 1. Heft. Mit 7 Tafeln. Berlin, 1860; 8«-

Physikalische zu Berlin, Die Fortschritte der Physik im Jahre 1858. XIV. Jahrgang, 1. und 2. Abtheilung. Berlin, 1860; 8«-

Physikalisch-medizinische, zu Würzburg, Würzburger medizi- nische Zeitschrift. I. Band, 2., 3. und 4. Heft. Würzburg, 1860; 80- Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift.

1. Band, 2. Heft. Würzburg, 1860; 8o-

Grub er, Wenzel, Die supernumer^ären Brustmuskeln des Menschen. Mit 2 Tafeln. (Memoires de TAcad. Imp. des sc. de St. Peters- bourg. VIP Serie, tome III, Nr. 2.) St. Petersburg, 1860; 4"-

Grunert, J. A., Archiv für Mathematik und Physik. XXXV. Thcil.

2. und 3. Heft. Greifswald, 1860; 8«-

L'Hyd rotherapi e, Journal des eaux, redige par M. E. Duval. 2™^ annee, fasc. 11. Paris, 1860; 8o-

Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, heraus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XIV. Heft 4 und 5. Heidelberg, 1860; 8«-

Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, X. Jahrgang, Nr. 36, XI. Jahrgang, Nr. 1. Wien, 1860 und 1861; kl. 4o-

Lotes, Zeitschrift für Naturwissenschaften, X. Jahrgjing, November. Prag, 1860; 8o-

Marignac, C, Recherehes chimiques et cristallographiques sur les fluozirconates. (Estrait des Annales de Chimie et de Physique, serie, LX.) 8«-

Ministerium, k. k. , des Innern, Das Wasser in und um Wien rücksichtlich seiner Eignung zum Trinken und zu anderen häus- lichen Zwecken. (Nach dem Berichte der vom hohen Ministe- rium des Innern zum Behufe dieser Untersuchung eingesetzten Commission.) Wien, 18G0; So- Mi ttheilu ngen des k. k. Genie-Comite über Gegenstände der Ingenieurs- und Kriegs-Wissenschaften, Jahrgang 1860. V. Band, 4. Heft. Wien, 1860; 8«-

aus Justus Perthes' geogr. Anstalt, 12. Heft. Gotha, 1860; 4'*- Nyst, H., Notice sur deux coquilles nouvelles du genre Crassatelle.

Notice sur quelques Bulimes nouveaux ou peu connus. Avec

6

5 planches. Description succincte (riiii nouvoau Mollusque mjirin des rives de TEscaut. Rapport sur 1" decouverte d'ossemens fossiles faite ä Saint-Nicolas, en 18ö9. Sur des ossemens fossiles trouves dans les environs de Saint-Nicolas. Communieation de M. le doeteiir van Ramdonck Sur une de- couverte d'ossements fossiles; notice de M. de docteur Scoliy. (Extrait des Bulletins de TAcademie Royale de Belgique.) 8"- Notice sur une coquille du genre Cyrene extraite du puit arfesien d'Ostende. (Extrait du Bulletin de la Societe Paleon- tologique de Belgique, vol. 1/. 1858 a 1859.) 8*>-

Schmarda, Ludwig K., Neue wirbellose Thiere, beobachtet und gesammelt auf einer Reise um die Erde 1853 1857. I. Band. Turbellarien, Rotatorien und Anneliden. 2. Hälfte. Mit 22 colo- rirten Kupfertafeln und mehreren hundert Figuren in Holz- schnitt. Leipzig, 1861; ¥■

Societe Paleontologique de Belgique, fondee ä Anvers le 1' Mai 1858, Bulletin. Tome \\ feuilles Nr. 1 ä 5. Anvers, 1860; S«- geologique de France, Bulletin, 2""" serie, tome XVIP, feuilles 29—44. Paris, 1859 ä 1860; 8«-

Society, the Zoological , of London, Transactions. Vol. I HL 1835, 1841, 1849. Vol. IV, part 1 6. London, 1850— 1859; 40-— Proceedings. Jahrgang 1830-1838, 1840—1859 und 1860, part 1 & 2. London; 80' A Liste of the Fellows, annual Subscribers and honorary, foreign and corresponding Members. London, 1858; 8«- The Charter, By-Laws and Regulations of the Zoolog. Soc. of London, incorporated March 27, 1829. London, 1860; 8'>-

Wedl, C, Atlas der pathologischen Histologie des Auges. 2. Lie- ferung. Mit 6 Tafeln. Leipzig, 1860; 4«'

Wiener medizinische Wochenschrift, X. Jahrgang, Nr. 50—52. Wien, 1860; ¥■

Wo eben -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 4 und 5. Gratz, 1860; ¥'

Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Dr. E. Erlenmeyer und Dr. G. Le Min st ein, HI. Jahrgang 1860, Heft 21 und 22. Erlangen, 1860; 8»-

über die fossile Gattung Aciciilaria d'Arch. Von dem \v. M. Prof. Dr. Aog. Em. Renss.

(Mit l Tafel.)

Diese Gattung wurde zuerst für einen kaum 3 4 Miliim. lan- gen, im Grobicalke von Pisseloupe bei Pavant vorkommenden fossi- len Körper von d'Archiac aufgestellt und in den Memoires de la societe geologique de France V, p. 386, t. 2S, f. 8 beschrieben und abgebildet. Dasselbe that später Michel in in seiner Iconogra- phie zoophytologique p, i76, t. 46, f. 14, wo zugleich Etrechy bei Etampes als Fundort hinzugefügt wird. Beide zählten die eii»zige Species die A. pavantina ^"kvcXi. zu den Bryozoen, ohne aber ihre Stellung unter denselben näiier zu bestimmen. Auch Pictet führt sie in der ersten Auflage seines Tratte elementaire de paleontologie unter den ungenügend bekannten Gattungen im Anhange zu den Bryozoen an (Tome IV, }). 281).

Orbigny scheint sich zuerst eine abweichende Ansicht über das Wesen der Gattung Acicidaria gebildet zu haben, indem er sie mit Ovtdites Lam. verbindet und die einzige Species als Ovnlites pavantina bezeichnet, ohne jedoch seine Ansicht auf irgend eine Weise zu begründen (Prodrome de paleontologie stratigraph- II, p. 40Ö n. 1292J. Dieselbe wurde von Pictet (Traite elem. de paleont. 2. edit. IV, p. 484) und von Bronn (Lethaea geognostica 3. Aufl. III, pag. 259) adoptirt, von letzterem aber mit einigem Zweifel, da er ein Fragezeichen beifügt und bemerkt, dass der für Ovnlites charakteristischen polaren Öffnungen nirgend Erwähnung geschieht. Eine nähere Untersuchung scheint aber von beiden nicht vorgenommen worden zu sein.

8 R e u s s,

In der neuesten Zeit haben auch Parker und Jones Acicu- larla zu den Foraiiiiniteren gezälilt und in die Nahe von Dactylo- pora gestellt, ohne aber bis jetzt eine nähere Begründung ihres Ausspruches geboten zu haben (Annals and mag. of nat. hist. 1860, V, n. 28, p. 293).

Ich habe mich vor Kurzem wiederholt mit der näheren Unter- suchung des in Rede stehenden Fossilrestes beschäftigt. Die da- durch gewonnenen Resultate gestalten mir nicht, mich der neueren Ansicht über die Wesenheit desselben anzuschliessen; sie befestig- ten in nnr vielmehr die Überzeugung, welche ich schon früher (in Haidinger's gesammelten naturw. Abh. II, p. 67) ausgesprochen habe, dass Äcicularia eine den Eschareen verwandte Bryozoe sei. Weniger gegründet war die dort ausgesprochene Behauptung, dass A, pavantina auch in den neueren Tertiärschichten des Wiener Beckens sich wieder finde.

Zwar erwähnt schon Michelin 1. c. , dass dieselbe auch bei Nussdorf nächst Wien vorkomme. Ich entdeckte denselben Fossil- rest auch, wiewohl selten, im Tegel von Lapugy in Siebenbürgen und im Salztlione von Wieliczka, in grosser Anzahl dagegen im Leithakalke von Kostel in Mähren. Neuere Untersuchungen haben aber dargelhan, dass derselbe wohl ebenfalls der Gattung Äcicularia angehöre, aber eine von der französischen verschiedene Species darstelle. Es gibt daher zwei Arten der genannten Gattung, deren Charaktere ich nun mit wenigen Worten darlegen will.

1. Äcicularia pavantina d'Arch. ist nadeiförmig, am breiteren Ende mehr weniger ausgeschnitten, und endiget, sich langsam ver- schmälernd, am entgegengesetzten Ende in einer einfachen Spitze. In Folge von Zusammendrückung ist der Querschnitt gewöhnlich elliptisch. Die breiteren Seitenflächen sind massig gewölbt und stossen in gerundet-winkligen Rändern zusammen. Doch manchmal wird die Wölbung der Seitenflächen stärker und der Querschnitt beinahe kreisrund. Von einer centralen Höhlung, wie man dieselbe bei Ovulites und Dactylopora wahrnimmt, ist keine Spur vorhanden. Eben so ist am unteren spitzigen Ende kein Zeichen von Anheftung zu entdecken. Die gesammte Oberfläche, mit Ausnahme des etwas zugeschäfrten oberen ausgeschnittenen Randes, ist mit in sehr un- regelmässigen Längs- und eben solchen alternirenden Querreihen stehenden, gedrängten, durch schmale scharfrandige Scheidewände

i'ber die fossile iJattiing' Aviiu/an'a d'Aroli. Q

gesonderten runden Mündungen von ziemlich gleicher Grösse be- deckt. Auf den Seitinrandern der zusunimengedriickten Formen stehen diese mehr vereinzelt. Sie führen in nicht sehr tiefe Zellen, die in ihrer ganzen Weite ausmünden. Jede derselben ist, wie bei den Eschariden und Celleporiden , nn"t jeder der nebenliegenden durch (inen feinen kurzen Canal verbunden. Die an den entgegen- gesetzten Flächen des Gehäuses liegenden Zellen communiciren jedoch nicht mit einander, sondern sind nach Art der Eschariden durch eine imdurchhohrte mittlere Seheidewand von einander geschieden.

Die drehrunden Formen zeigen im Innern eine centrale un- durchbohrte Axe, in welcher man nur hin und wieder kleine unregel- mässige Zellen wahrnimmt, wie sich dies ganz auf dieselbe Weise bei den drehrunden Ästen mancher lebenden und fossilen Eschava- Arten wiederholt.

2. Die zweite Species Acicularia miocaenica m. wenn auch in den Hauptzügen mit der vorigen übereinstimmend weicht davon doch in manchen Kennzeichen ab. Die ebenfalls nadeiförmige Schale verschmälert sich gegen das spitzige Ende hin langsamer und ist am breiteren Ende abgestutzt, aber nicht ausgeschnitten. Zugleich ist die Schale stärker zusammengedrückt; die Seitenflächen zeigen daher keine Wölbung, sondern sind eben oder manchmal sogar etwas eingedrückt, die Seitenränder abgestutzt und deutlich zweikantig. Die viel weniger zahlreichen und verliältnissmässig grösseren Zellen stellen in ziemlich deutlichen alternirenden schrägen Reihen und münden durch etwas verengte, daher entfernter stehende runde Öffnungen aus, welche von sehr ungleicher Grösse sind und von einer sehr flachen ringförmigen Erhabenheit eingefasst werden. An den Seitenrändern der Schale fehlen sie beinahe gänzlich. In Folge des stärkeren Zusammengedrücktseins des Gehäuses tritt die Anord- nung der Zellen in zwei mit der Rückenseite zusammengewachsenen Schichten hier viel deutlicher hervor als bei A. imvantina.

Nach der eben gegebenen Schilderung kann es kaum einem Zweifel unterliegen, dass der Bau von Acicularia mit jenem der Eschariden ganz übereinstimmt und dass die genannte Gattung sich von Eschara nur durch die eigenthümliche Gestalt des einfachen, nicht verästelten oder gelappten Polypidoms und durch den Mangel aller Anheftung unterscheidet. Sie würde sich in dieser Beziehung an die Gattung Lanceopora d'Orb, anschllessen.

jO '^ 1^ " SS- i'bcr die fossile (>attiiiig .Uicii/uiia d'Arcli,

Dagegen weicht der Schalenbau sehr wesentlich von jenem aller Foraminiferen ab; selbst mit Dactylopora und andern Orbitu- liniden, denen sich AcicuJuria zunächst anschliessen müsste, kann ich keine Übereinstimmung iinden. Um so weniger könnte die Rede davon sein , dieselbe mit OindUes zu vereinigen, welche eine glasige fein poröse Schale und eine grosse Centralhöhlung besitzt. Der sicherste Beweis würde freilich dann geliefert werden können, wenn es gelänge, an einer lebenden Species das Thier genauer zu beobachten.

Erkläraug der Abbildungen.

Fig. 1. Aci'cnlan'a pnvniitina d'Arch. Vergrössert.

2. Ein Stück der Oberfläche noch stärker vergrössert.

,, 3. Vergrössorter Querschnitt einer zusammengedrückten Form derselben.

,. 4. Vergrösserter Querschnitt einer beinahe drohrunden Form derselben.

S. Afintlaria miocaenica m. Vergrössert.

6. Ein Stück der Oberfläche, stärker vergrössert.

7. Vergrösserter Querschnitt derselben.

.. 8. Vergrösserter Verticalschnitt, senkrecht auf beide Zelienschichtcn, um die Communication der Zellen durch Sprossencanäie zu zeigen.

l^ciifs. l'rticr (Im- ros.silc Caltiiii» .\ririil,iri,Mr.\i-cli.

A\. dickfiot-i otaatcdrucxerei -Silaurig'sb die Ikadd W math iiaturu- H XLfflBd.I.AbthlSei.

11

H. SITZUNG VOM 10. JANNER 1861.

Herr Bergrath Fr. Rittor v. Hau er übergibt eine Mittbeiliing des Herrn Prof. Dr. Herrn. Emmrich in Meiningen: „Ein Beitrag zur Kenntniss der siidbayerisehen Molasse".

Das c. M., Herr K. Fritsch, legt eine Abhandlung vor: „Resultate mehrjähriger Beobachtungen über die Belaubung und Entlaubung der Bäume und Sträuclier im Wiener botanischen Garten".

An Druckschriften wurden vorgelegt:

Akademie, König!. Preuss., zu Berlin, Monatsbericht. August, Sep- tember und October 1860. Berlin, 1860; 8"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1289. Altena 1861; 4o* Austria, XHI. Jahrgang, I. Heft. Wien, 1861; gr. 8«- Christiania, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 18ö9 und 1860. Christiania und Throndhjem, 1859 und 1860; Folio, 4o- und 8«- Cosmos, X'' Annee, 18' Volume, 1" Livraison. Paris, 1861; S^- Gesellschaft der Wissenschaften, königl. dänische , Oversigt over det Kgl. danske V^idenskabernes Selskabs Forhandlinger og dets Medlemmers Arbeider i Aaret 18S9. Kjöbenhavn; 8"- Lebert, Hermann, Klinik des acuten Gelenksrheumatisnnis. Erlan- gen, 1860; 8"- Marburg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859 und 1860. Marburg und Hanau, 1859 und 1860; 4»- und 8»- Santini, Giovanni, Esperimento astronomico eseguito sul Picco di Teneriffa nel 1856 dietro sanzione dei Lord-Commissarj de!

12

Ammiragliato di Londia dal Professore C. Piazzi-Smitb, Pa-

dova, 1860; S«- Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou, Bulletin. Annee

1860. Nr. III. Avec 5 planehes. Moscou, 1860; So- Society, Royal Geographica!, of London, Proceedings of the,

Vol. IV, Nr. 5. London, 1860; 8«- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 1. Wien,

1861; 4"-

Emmrich. Ein Beifiiig' /iir Kennliiiss der südhayrischen Molasse. ^J 3

Ein Beitrag zur Kenntniss der südhayrischen Molasse.

Von Dr. Hermaun Eiunirich.

(Vorgelegt von dem w. M. Bergrath Franz v. Hauer.)

In meiner Arbeit über die Molasse von Miesbaeli sprach ich es schon aus, dass die Muschelniolasse des Chiemsee, die so total abweichend ist, in Gesteinsbesehaffenheit sowohl wie in Petrefacten- führung von der von mir als das tiefste Glied des östlichen Molasse- gebietes erkannten Meeresmolasse im Liegenden der cyrenenreichen Kolilenbildiing , im Hangenden der Letzteren lagere, und ein junges Glied des südbayrisehen Tertiärgebirges sein dürfte. Früher sprach ich die Vermuthung aus , dass man in ihr ein Äquivalent der Schweizer Muschelmolasse zu suchen habe. In Sandberger's und Gümb el's Abhandlung über das Alter der südbayrischen Molasse ist dieses ausgezeichneten Horizontes gar nicht gedacht, wird da- gegen ebenfalls als jüngere Molasse die des Simsees erwähnt, in welcher ich allerdings ebenfalls die Auster des Waginger Sees auf- fand. Aus der Nähe von Prien führen sie Corbula subpisum wie im Tongr. V. Kl. Spauwen und Pleurotoma denticulata von Dax und Tortona auf und ziehen die dortige Molasse ebenfalls zur oberen Meeresmolasse. Wie freute es mich nun, als ich an der Prien in diesen oberen Schichten die ersten sicheren Spuren von Wiener Schichten auffand, erwiesen durch das nicht seltene Auftreten der Ancillaria glandiformis nwACassis texta, durch ein kleines Exemplar 6ev Pyrula rusticula (was übrigens immerhin noch zweifelhaft sein dürfte, die Erhaltung ist sehr ungünstig), durch Ringicula bucci- nea, Natica glaucinoides , Detitalium elephantinum etc. Und im Liegenden dieser Schichten fand sich dieselbe Muschelmolasse wie

■JA E m m I- i c li.

auf Herreiiwüi-th und wie sie als Baustein aus dem Chiemsee heraus- gefischt wird und freilich durch eine mächtige versteinerungsfreie Schiclitenfolge davon getrennt, die kohlenführende Bildung von Nies- berg (St. Florian) ganz der von Miesbach und Peissenberg gleich, im evident Liegenden. Und als Unterstes der ganzen Bildung, als Lie- gendstes, bei Dössdorf die untere Meeresmolasse wie bei Miesbach und Peissenberg. So Hessen sich im Prienthal zwischen der Prien- miihle, wo die Prien in's engere Thal eintritt, bis nach Prien, wo sie zum Chiemsee heraustritt, in evidenter zweifelloser Lagerfolge vier durch Versteinerungen charakterisirte Glieder unterscheiden.

1. Als Tiefstes die untere Meeresmolasse. lu senkrecht aufgerichteten Bänken und dünnen Schichten eines grauen fein- körnigen Sandsteins, getrennt durch blauen Thou, steht sie etwas unterhalb Uössdorf (südlich von Wildenwart) an dem rechten Prienufer an. Auch hier findet sich die Cyprina rotundata (von Herrn Conserv. Schafhäutl, zuerst als Cyprina Morrisü aus der Miesbacher Gegend bestimmt und als Beweis für die brackische Natur dieser Schichten erwähnt) in mächtigen Exemplaren wie an der Laizenach nach Hrn. Gümbel und wie beim Locherbauer. An Grösse steht ihr eine Isocardia nach, von /. cor. specifisch verschieden. Die Turritella, die ich beim Locherbauer so häufig fand, und welche Herr Sandberger als incisa bestimmte, Herr C. Mayer für eine neue Species erklärt, ist hier nicht selten. Häufig Cytherea sulcataria, seltener eine Nucida, welche ich mit iV. Margaritucea verglichen hatte.

Warum die Herren Sandberger und Gümbel in ihrer Ab- handlung über das Alter der südbayrischen Molasse in den Sitzungs- berichten der k. Akademie der Wiss. von 1858 diese untere Meeres- molasse nicht als besonderes Glied des südbayrischen Tertiär- gebirges anerkannt haben, begreife ich nicht, da sie doch selbst die Beweise dafür beihrachten, dass dieser 1853 von mir festge- stellte Horizont nicht allein in seiner Lagerung, sondern auch in seiner Versteinerungsführung den Schichten von Alzey entspreche. Was ich damals mitbrachte, war theilweise zu schlecht erhalten, um es sicher zu bestimmen, wie ich denn von der Cyprina nur zwei Steinkerne mitbrachte. Doch erkannte Herr Professor Sandberger unter dem Wenigen was ich alsDuplicat besass und ihm mittheilte die bei VVeinheim vorkommende Panopaea llebertiana (.lahrh. der geolog. Kcichsanstalt 1855, pag. 4;}ä). Wenn Herr Bergmeisler

Ein Beitrag zur KtMintitiss der siidi)iiyri.sclieu Molasse. \ 5

G Um bei, wie ich aus einer Correspondenz in Bronn und Leon- hard's Jahrbuch von 1859 ersehe, eine untere, dem Sand von Alzey äquivalente Meeresmolasse als weit verbreiteten Horizont im südlichen Bayern angibt, so kann ich nichts anderes darin erkennen, als diese meine untere Meeresmolasse, die nicht allein überall am Südrand der Molasse, so weit ich sie kenne, auftritt, sondern auch noch in zwei nördlichen Parallelzügen. Ihr östlichstes bekanntes Auftreten ist das am Hochberg beiTraunstein. Die von Herrn Meinhold dort ent- deckte P/e?<ro^ow2« ist nach Herrn Beyrich's eigener Bestimmung nicht laticlavium sondern flextiosum Mayer aus dem Septarienthon von Hermsdorf. Bei Reitham unfern Bernau südlich vom Chiem- see ist Pectunciilus crnssus nicht selten im unteren Sandstein. Von dort setzt sie über Dössdorf an der Prien nach den Gräben von Höchelmoos, wo ich im Sandstein auch TrilocuUna fand. Jenseits des Inn finden wir sie an der Leizenach und beim Locherbauer südlich von Miesbach. Wo ich sie hier fand, bildet sie die Unter- lage der kohlenführenden Miesbacher Schichten. Und dass sie auch weiter westlich das unterste Glied der Molasse bilde, zeigt das zuerst von Herrn Schafhäutl bei Tölz beobachtete Auftreten rein mari- ner Schichten und das von mir bei Kl. Weil beobachtete. Weil unfern des Kochelsees ist der westlichste Punkt, von dem ich sie bis jetzt kenne, doch werden sie spätere Begehungen gewiss auch noch weiter gegen den Bodensee hin streichend auffinden lassen.

Ein zweiter nördlicher Zug ist durch die Amper bei Echels- bach aufgeschlossen, und setzt nach Steingaden fort. Einem dritten, noch nördlicherem Zuge gehören die marinen Schichten im Liegenden des Peissenberger Kohlengebirges an, wo sie sowohl durch den Bergbau aufgeschlossen wurden, wie auch bei Sulzbad durch Steinbruchsarbeiten ausgebeutet werden.

2. In geringer Entfernung folgen den Dössdorfer marinen Schichten die durch Reichthum an Cyrenen und Cerithien aus- gezeichneten Miesbacher Schichten. Konnte ich auch wegen Abwesenheit des Bergmannes die Grube bei St. Florian südlich von Wilden wart nicht befahren, so bot dafür die Halde eine um so reichere Ausbeute. Was ich fand, stimmte vollständig in Gesteins - führung wie in Versteinerungen mit dem was ich von Wester- Buchberg südlich von Chiemsee, von Höchelmoos südlich von Rosenheim, von Miesbach und von Peissenberg kannte. Zahl-

16 E m ni r i c li.

reiche Cyrenen und Cerithien (margaritacetim, plicaüim), die nied- lichen Melanopsen (M. acnminüta), die zierlich gezeichnete Neritina jjicta, zaiiireiche Congerien (BasierotiJ, nicht seltene Östren cya- thula. Auch die dünnschaligen, concentrisch gerunzelten, an eine Verwandte der Tellina fragilis gemrihnenden Bivalven füllen und bedecken ofl'enbar ganze Schichtenbänke wie bei Miesbach und am Peissenberg, ohne dass ich aber auch hier so glücklich gewesen wäre, mir durch das Auffinden ihrer Schlossbildung Sicherheit der Genusbestimmung zu versehaft'en. Ja selbst die Bank vom Unterbau- stollen am Peissenberg, worin die schönen Exemplare des Mytilus ucutirostris , begleitet von zahlreichen Cardien, zugleich mit den Leitfossilien der Cyrenen auftreten, kam ganz in gleicher Welse vor; nur nach der, freilich auch am Peissenberg seltenen, Pyrula Lainei suchte ich vergebens. Von Pflanzenresten fand ich ausser Undeut- lichem nichts als die so weit verbreitete Daphnogene polymorpha.

Aus den Sandsteinen im Hangenden der Cyrenenbildung habe ich nichts bestimmbares gefunden; was mir vorkam, war übrigens marin, so im Sandstein neben dem kleinen Weiher oberhalb dem Rainerbauer Dentalien, Cardien und Reste einer sehr dickschaligen Bivalve, die allerdings an Cyprina rotimdata evinner\. Mein Hammer war zu schwach um dem Gestein etwas Bestimmbares zu entreissen. Im blauen Thon unter Wildenwart fand ich nichts; eben so wenig glückte es mir, an mehreren nördlichen Anbrüchen etwas Sicheres aufzufinden. Überhaupt brachte die sinkende Nacht in meine Beob- achtungen von da bis Kaltenbach eine Lücke, die mir nicht vergönnt war auszufüllen, wenn ich nicht noch einen Tag zugeben wollte, und so manches sollte noch in der Ruhpoidinger Gegend abgesucht und revidirt werden, was dies zur Unmöglichkeit machte. In diese Lücke fällt denn auch die wahrscheinliche westliche Fortsetzung des wenig mächtigen Kohlenflötzes, welches in einem Graben nordwestlich von Urschaling, südlich von Prien, ein gegenwärtig verlassener Stollen, betrieben wurde. Der thonige Schiefer auf der Halde war reich an Cycloidenschuppen, der Sandstein führte undeutliche Cyrenen (?) nebst marinen Versteinerungen (Nucnla, Corbula, Natica). Die Corbulen machen es wahrscheinlich, dass die Bildung schon an das dritte Glied, die obere marine Molasse sich anschliesst.

3. Muschelmolasse. Wie auf der ganzen bisherigen Strecke, steht auch diese in senkrecht aufgerichteten Schichten etwas ober-

Ein BtitiHg- zur Kennlniss dor siidliayrisclieii Molasse. 17

lutlb K;ilteiiba('h an einem kleinen Einschnitt der linken Seite des Tluilrandes an. Das Gestein ist ganz das schon in meiner ersten Ahliandlung in den Jalirhüchein der geologischen Reichsanstalt von riiienisee erwälinte Baugestein von Frauonwörth. Es besteht fast nur aus den zusammengelesenen Schalen und Trümmern von Conchylien, unter denen die Bivalven vorherrschen. Leider ist das, was ich fand, wie die meiste Ausbeute des Thaies, die Sachen der Cyrenenschichte ausgenommen, nicht eben gut erhalten, aber gewiss wird eine fleis- siffe Aufsammlung am Orte mit der Zeit noch besseres Material für die Entzifferung und sichere Bestimmung des Horizontes liefern. Es fanden sich hier: Oxyrhina, Natica, TurriteJla, Pleurotoma, Can- cellaria, Erato laevis, Conus Dujardini, Pectunculus, Nuciila, Cardium, Cardita cf. Joaanetti, Corbula (ob subpisum, welches die Herren Sa ndb erger und Gümbel von Prien angeben?), Tellina, die kleinen Austern und Pecten von Chiemsee, nebst kleinen noch zu bestimmenden Korallen. Am häufigsten ist die kleine Corbida. Ausser diesen fand sich im Gestein des Chiemsees, wo es an dem Süd- gestade von Herrenwörth an der Steinwand und beim Mühlstadel mit nördlichem Einfallen in Felsen ansteht, und auch aus den Untiefen im westlichen Theile des Sees hervorgeholt wird; Gryphaea cf. navi- cularis, Ostrea Unguatida, Pecten cristatus, cf. venustus, pahnatiis, burdigalensis ; eine der turricula verwandte, aber verschiedene P/ew- rotoma, Fissurella graeca, Lamna cf. cormdnca, Notidanus primi- geniiis. Auch nicht eine Species stimmt mit den Fossilien der untern marinen Molasse und sehen wir von der Lamna cornubica, die nicht ganz sicher ist und von Alzey wie lebend angegeben wird, also nichts entscheidet, ab, so sind es sämmtlieh Formen, die uns bei Dischin- gen und in der Schweizer Meeresmolasse wieder aufstossen. Die Gesteinsähnlichkeit mit der Schweizer Muschelmolasse ist gross und ich glaube daher keine Übereilung begangen zu haben, als ich 18S1 diese Molasse des Chiemsees für ein Äquivalent der genannten ansprach. In der Gegend von Miesbach und am Peissenberg habe ich sie nicht aufgefunden. In letzterer Gegend wären diese jüngeren Schichten in der Mulde zwischen Peissenberg und Echelsbach zu suchen, wo ich sie aber nicht getrotlen habe und bei Miesbach im nördlichen Ver- lauf der Schlierachen im Leizenachthalo, die mich das Wetter nicht weiter begehen liess. Dass sie auch weiter östlich auftritt, zeigt die reiche Sammlung des Herrn Apotheker Panr jnii. /u Tiaunstein, der

SH/^I). .1. matliiMii.-nalurw. CI. XLIII. IM I. Al.th. 2

18 Em m r i c li.

zuerst aus dor dortigen Molasse Vieles und Schönes hat aufsammelu lassen und der so von einer Reihe interessanter neuer Fundorte Molassenversteinerungen besitzt.

Über der Muschelmolasse des Chiemsees folgt:

4. Ein ziemlich mächtiger Schichtencomplex gegen die Muschel- molasse hin sich aufrichtend , dann sich nördlicii verflächend und endlich undulirend gelagert. Diese Schichten von Prien, so wollen wir sie nennen, bestehen zu unterst aus versteinerungsarmen Sandsteinen. Leider ist mir die geringe Ausbeute, unter denen die niedliche kleine Corbula häufig war, die in kurzen Lagen gesellig auf- tritt, in den Wogen der rasch strömenden PrienerAchen beim Rückweg durch sie verloren gegangen. Es war aber die Corbula, die von der Muschelmolasse an durch alle die nächstfolgenden Schichten häufig inid zwar oft gesellig auftritt. Relativ reich war die Ausbeute an der Siegenheim er Wand, wo die thonigen Ränke, insbesondere aber der darüberlagernde lose Sandstein zahlreiche Conehylien und einige Korallenäste führt, theilweise freilich in schlechtem Erhaltungszustand. Nalica glaucinoides, Sigaretus cf. Natitoideus, Dentalium elephiui- iinum, Ancillaria glandiformis neben Cancellaria, Mitra, RosfeUaria, Trochns, Turbo. Die kleine Corbula {subpisum nach Gümbel und Sandberger, die aber einem tieferen Horizont anderen Orts zugehört), Area diliivii A u c t., Cardita cf. scalaris nehenTeUina, Venus, Puma, Mytilus, Flabellmn cf. similunare.

Nördlicher fulgt bei der Auer Mühle ein Anbruch am recht- seitigen Prienufer, wo ich zahlreiche Versteinerungen aber im trost- losesten Zustand fand, so dass ich wenig bestimmbares in den Händen habe, der blaue thonige Sandstein zerbröckelte sich mit seinen Ein- schlüssen in den Händen. Nucula, Psammohia, Venus, Dentalium, Lagen der kleinen Corbula notirte ich mir im Tagebuche. Um so erfreulicher war es auf der Halde des S. Salvatorstollens noch eine ausgiebigere Ernte zu halten. Er liegt wieder gegenüber an der linken Thalseite: O.vyrrhina cf. hastalis, Pyrula cf. rusticula, Rin- gicula buccinea, die bewusste Corbula, Leda cf. miuuta fanden, sich nebst zahlreichen anderen Riviilven.

Endlich kommt die blaue Wand dicht neben den ersten Häusern von Prien unter dem ersten Ansteig d«s Fahrwegs zur S. Salvator- kirche hinauf. Sie lieferte sehr wenig, doch löste ich einige Exemplare von Cassis lexta und einige undeutliche von Pgrula reticidata aus

Ein Beifrag' zur Keiintniss der südiiayrischen Mölasse. "1 9

dem Manen Tlion, dami (ritt die Pi'ien heraus in die Ebene zum Chiemsee. Nördlich davon lagert in einiger Entfernung die Muschel- molasse, an der wieder deutliche Schichtenneigung nach Norden mit 20 Grad zu hcobachten ist, während die in der Mulde gelagerte ebenbeschriebene jüngere sandigthonige Molasse theilweise fast horizontal oder mit schwachen wellenförmigen Biegungen gelagert ist.

Die, welche diese Beobachtungen revidireri wollen, werden es mit einiger Beschwerde verbunden finden, da die Anbrüche fast nirgends, der der Muschelmolasse von Kaltenbach und der Anbruch über dem Wehr der Auer Mühle abgerechnet, vom Ufer aus, an dem sie liegen, selbst zugänglich sind, sondern überall durch die rasch strömende Prien entweder über schlüpfrigen thonigen Boden oder über grobes Gerolle watend erst erreicht werden können. Allein, wie ich war, ohne Wasserstiefeln dazu, war es ein beschwerliches unan- genehmes Unternehmen und erklärt wohl, wie mir die Zeit fehlte das ganze Profil längs der Prien in der Vollständigkeit und mit der Sorg- falt aufzunehmen, wie ich es bei mehr Müsse gerne gethan hätte; doch lohnten auch so schon die Besultate reichlich die aufgewendete Mühe und möchte ich nur wünschen, dass Andere die mehr Zeit haben, mehr Beihilfe und sich besser ausrüsten können, sich dadurch ange- regt fänden, die Lücken zu ergänzen und die Fundorte mehr auszu- beuten. Das Profil längs der Prien ist das interessanteste, was mir in dem ganzen Molassengebiet bekannt geworden ist, da es bis jetzt den vollständigsten Aufschluss über die Zusammensetzung des mittel- tertiären Gebirges im südlichen Bayern gibt.

Das Land ZAvischen Chiemsee und Prien einerseits, und Simsee andererseits ist minder günstig aufgeschlossen; doch hotfe ich, dass auch dort ein sorgsames Begehen des nördlich von Hirnsberg zum Simsee heraustretenden Achenthaies ein vollständiges Profil liefern wird; mir war es nur vergönnt auf dem Wege von Rosenheim nach Prien einige und zwar sparsame Aufschlüsse zu erhalten; doch Hessen sich auch hier mehrere Glieder erkennen, die ich sämintlich für jünger halte als die Schichten von Prien.

Die ersten Steinbrüche fand ich zwischen Thalham und Berg- bam, zwischen Piiedering und Soll hüben. Hier fand ich in Sand- stein init nördlichen Einfallen der Bänke, äusserst schlecht erhaltene marine Nersteinerungen (Cardium, Pecten, Dentaliuni, Korallen).

20 K n\ III r i c li.

Tiefer ahwiii-ts luii rechten Bachiifer aber kleine Cyclas ähnliche Bivalven (ob nicht dünnschalige Tellina?), worauf dann im nördlichen Verfolg

ö. der Sandstein mit der \N'aginger grossen Auster, Östren gingensis v. Selil., unter der Kirche von Pitzen kirchen auftrat. Das Gestein ist sehr versteincrungsarm und konnte ich ausser seiner Auster nichts auffinden. Darüber dürflen die Sandsteine des Achen- thales bei Hiedering lagei'n, in welchem ich ausser der genannten Auster und Cardien zahlreich die kleinen niedlich gezeichneten Neri- tinen und Melanopsen zugleich mit einer schlechterhaltenen Fascio- Iari(i(^.) auffand. Die Neritinen sind zwar sehr vei'drückt, stimmen aber ganz in der Zeichnung der Schale mit Neritina fubninigera Sandb. und N. flnviatilis überein, während die schlecht eihaltenen freilich kleinen Melanopsen durch ihre Sclialendieke an Martiniana erinnern; das Mitgebrachte von den Melanopsen ist völlig unbestimm- bar. Am Steinbruch an der rechten Thalseite bilden diese Neritinen und Melanopsen ganze Lagen, das Gestein ist aber leider so weich, verwittert, dass mir dasselbe zu Staub zerfallen ist. Ohne Gummi- oder Wasserglas- Hilfe am Orte selbst angewendet darf Niemand hoffen, Erträgliches von diesen Versteinerungen mit heimzubi-ingen; doch macht das Gefundene schon das Vorhandensein einer jungen Bildung über der oberen Meeresmolasse mehr als wahrscheinlich').

Hiermit schliessen meine Beobachtungen in den Umgebungen des Sim- und Chicmsees und an der Prien ab; aber in der Sammlung des Herrn Paur jun. lernte ich noch ein Vorkommen mariner Molasse kennen, was unter Allen die meiste Ausbeute versprich! und aus welcher derselbe schon eine reiche schöne Sammlung zusammen- gobradit hat. Bei Möhring, welches als Fundort angegeben war, fand ich den auf Gyps untersuchten muschelreichen Sandstein nicht, wohl aber eine Stunde nördlicher am Fussc der alten Römerschanze von Heigeisberg. Ich fand hier in der kurzen Zeit, die mir zu Gebote stand: Turritelln mit Archimcdis verwandt, DentaVmm ele-

1) Hoch erhebt sicli nocli das Land in den SöUliiibener Rergeii filier diese in der Tlial- tiefe und an den Tliahviinden aiifjjeschlossenen Hildiingen , bei der horizontalfii Lagerung dürfen wir wohl unter der Veg:elation8decke verborgene, vom sogenannten geschichteten Diluvium bedeckte jüngere Molassehildungen erwarten, die ich aber nirgends aufgeschlossen gefunden habe. Der Tesebenberg erhebt sich in ähnlicher Weise.

Ein Beitrug /.iir Koiiuliiiss der stidhii) rischi'u Molasse. 2 1

phantinum, Natica cf. millepunctata , Xenophonis cumulans, Cypraea coccinclla , Terehra duplicata , Pccten cf. opercularis, P. cf. biü'digalensifi u. A. Area Noae, Area anliqnata ganz die von Galnlahreii, Limopsis auritus, Pectunculas, Leda cf. minuta, L. cf. striata, Venus, Panopaea etc.

So hat sie mit der Chieinseer Miischelinulasse vieles gemein, dabei aber eine Anzahl von Fossih'en, -welche für einen Jüngern Hori- zont sprechen und es wäre wohl möglich, dass wir es hier mit einem dem Badener Tegel entsprechenden zu thun hätten. Leider bin ich auf meine eigene Ausbeute beschiänkt, da die Kürze des Aufenthalts mir nur einen Blick auf die Sammlung des Herrn Paur gestattete und mir nicht die mindesle Zeit zu Notizen über dieselbe blieb; was ich um so mehr bedauern muss, da sicli ausserdem auch noch von mehreren anderen Punkten Versteinerungen vorfanden, welche wohl im Stande gewesen wären, manche Lücken auszufüllen. Besonders interessant waren die reichen Vorkommnisse vom Hochberg bei Traunstein selbst, \\ 0 sich unter andern mit dem Cerithium margaritaceum der Pectun- culus aronattis von Alzey zusammenfand. Äusserst interessant war der Fund von Fischen, die beim Kellergraben unfern Obersiegdorf aufgefunden wurden, und uns durch den Eifer des Herrn Kreisgerichfs- arztes Dr. Hall und des Herrn Paur jun. erhalten worden sind. Herr Prof Andreas Wagner bestimmte sie als Acosoma salmonea und Palacorhynchus gigas. Von Conchylien kam nichts Bestimm- bares mit vor, von Blättern soll aber eine Daphnogene daherstam- men, welche letztere diesen sandigen Schiefern ein miocänes Alter anweisen würde. Das Auftreten des für die Plattenberger Schiefer in Glaris so charakteristischen Geschlechtes Palaeorhynchus hier in einem Hügel am Südfuss des Hochberger Molassengebirges, freilich in einem isolirten Hügel, ist äusserst interessant, aber leider sind auch hier die Lagerungsverhältnisse der Art, dass die Altersbestimmung ihre Schwierigkeiten hat.

Während die Daphnogene für Miocän sprechen würden, liegt der niedrige Hügel schon südlich der Grenzlinie der Molasse, in einem Gebiet, wo Eocän zwar an der Oberfläche herrscht, aber mehrfach Kreidebildungen darunter hervortreten; so bei St. Johann; wo ich am Wege im Thon einen Belemniten, dem neocomen subfasiformis verwandt, wo nicht identisch, früher auffand, so im Unterbaustollen des Kressenbergs, von wo in Flerrn Paur's Sammlung Neocom-

22 K m 111 r i c b, Ein Beitrag zur Kpiintiiiss der südbayi'ischeii Molasse.

inergel mit Crioccras uiul die Mergel dei' jüngeren Kreide des Unter- berges mit grossen luocerameii , Ilnmiten , BacuUten , Belemnitella mucronata, Pentaoinus Bronnii s;th, sowie auch selbst weiter nördlich noch dies Auftreten unterer Gebirgsglieder unter den jün- geren Molassebiidungen aufTallend ist. Als ich nach der Angabe des Herrn Paur bei der Starzmühle im Ruhrthal bei Tei send ort die Miischelmolasse des Chiemsees suchte , fand ich statt dessen unterhalb der Starzmühle den Nummulitenkalk (Neubeurer Marmor) und im Graben den eisenschüssigen Num nuilitensandstein und daneben eine neue von Herrn Paur zuerst im Gerhardsgraben bei Höllenstein unfern Eisenerz aufgefundenes Kreideglied , einen blauen Thon voll Versteinerungen , worunter zahlreiche Ammoniten. Dar- nach bleiben also für die Bestimmung des Alters jener Fischschiefer nur die Fische selbst, über deren anderweitiges Vorkommen ich nichts kenne.

Kehren wir nun aber zu dem Tertiärgebirge zurück, so liefern die Beobachtungen in der Ptiener Gegend einen neuen Beweis, wie wichtig Südbayern gerade für die Alpengeologie ist als verbindendes Glied der Ost- und Westalpen und wie das nicht allein von seinen Kalkgebirgen, sondern selbst von seinem subalpinen Hügellande gelte.

Noch ist freilich die Kenntniss der Molasse sehr unvollständig, die reichere und schwierigere Aufgabe der Erforschung des Kalkgebirges hat von der Lösung der Aufgaben der Geologie der Hochebene ab- gezogen; aber ich hoffe, dass in nicht so langer Zeit die geognosti- sche Karte Bayerns von Herrn ßergmeister Gümbel, ein Denkmal eisernen Fleisses und wahrer Begeisterung für seine Aufgabe, auch in diesem Gebiete eine buntere Mannigfaltigkeit zeigen wird, als gegenwärtig, ähnlich wie sie ein Vergleich der älteren Darstellung des Alpenkalkgebietes mit der gegenwärtigen nachweist. Was ich hier gegeben habe, kann nur anregen, nicht abschliessen; doch geht daraus wenigstens eine grössere Anzahl von Horizonten hervor, die im Prienihal in unzweifelhaft sicherer Folge sich bestimmen lassen und durch ihre Petrefactenführung gegenwärtig schon einige Ver- gleiche mit entfernten Gegenden gestatten. Doch ich will in dieser vorläufigen Mittheilung auf weitere Vergleichungen mit entfernten Localitäten nicht eingehen, sondern dies auf eine andere Zeil ver- sparen.

23

III. SITZUNG VOM 17. JÄNNER 1861

Das hohe k.k, Ministerium des Äussern überlässt der Akademie, laut Zuschrift vom 13. Jänner 1861 , ad Z. ^-|^, den Reisebericht des Herrn G. G. Miani, über dessen neueste Forschungen zur Entdeckung der Nilquellen, nebst der zugehörigen Karte.

Herr Dr. Hau dl, suppl. Professor der Physik an der k. k. Uni- versität zu Lemberg, übersendet eine Abhandlung: „Über die Kry- stallformen des tellursauren Kalis, des styphniiisauren Ammoniaks und des essigsauren Kalk-Chlorkaliums".

Herr Director Kr eil übei-gibt eine Abhandlung: „Über die täglichen Schwankungen des Luftdruckes".

Herr Professor Brücke legt eine Abhandlung des c. M., Herrn Prof. Dr. Czermak vor, welche den Titel führt: „luv objectiven Erklärung einiger sogenannten subjectiven Gesichtserscheinungen".

Herr L. Mauthner überreicht eine Abhandlung: „Über die sogenannten Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems". Die betreffenden Untersuchungen wurden im physiologischen Insti- tute der k. k. Wiener Universität angestellt.

Herr G. Ritter v. Frauenfeld übergibt einen Bericht über weitere Bearbeitung der Novarasammlungen, nebst einer Fortsetzung der Abhandlung: „Lepidopterorum Ambohiensimn a. D™ L. Dole- schall annis 1SÖ6 öS collecforum species novae diugnosibiis colliistratae a D'° C. Felder. II. Heterocera''.

An Druckschriften wurden vorgelegt:

Annuaire de l'univcrsite catholiquc de Louvain. Annee bissextile 1856. XX^ Annee. Louvain; 12o-

24

Astronomische Nachrichten, Nr. 1290. Altona, 1861 ; A<*- Austria, Xlil. Jahrgang, II. lieft. Wien, 18GI; 8«- Cosmos, X' Annee, iSM^oIume, 2" Livraison. Paris, 1861; 8"- Encke, J. F., Berliner astronomisches Jahrhuch für 1863. Unter

Mitwirknng des Herrn Prof. Wolfers. Berlin, 1860; So- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. 2. Wien,

1861; kl. 40- Lanza, Francesco, Viaggio in Inghilterra e nelia Scozia passando per

la Germania, il Belgio e la Francia durante la esposizione della

industria universale in Parigi. Trieste, 1860; S»- Society, The Royal , Proccedings. Vol. X. No. 40. London,

1860; 8"- The Chemical, The Quarterly Journal. Vol. XIII. 3. No. LI,

October 1860. London; 8o- Vierteljahres Schrift für wissenschaftliche Veterinärkunde. XV.

Band, 1. Heft. Wien, 1861; 8«- Wie ne r medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr, 2. Wien,

1861; 40- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft.

X. Jahrgang, Nr. 6. Gratz, 1861; 4o-

F ran oiifp I d. Bericht iihnv weitere Bearlieitiiiig d. Novarii-Sammlimgen etc. J^^

Bericht über weitere Bearbeitung der Novara-Sammhmgen

nnd Fortsetzung der Diagnosen neuer Lepidopteren von

Dr. C. Felder.

Vorgelegt vou

Georg Ritter von Frauen fe Id.

Ich beelii-e mich der hohen Classe hinsichts weiterer Bearbeitung der Novara-Sammliingen ergebenst Bericht zu erstatten. Durch Herrn Director ßrunner v. Watte nwyl wurden die Orthopteren der Sammlung bestimmt, und wird derselbe demnächst eine Übersicht derselben geben.

Von Herrn Dr. C. Felder überreiche ich eine Fortsetzung von Diagnosen neuer Lepidopteren, deren ersten Theil ich am 19. April 1860 vorzulegen die Ehre hatte. Dieser Theil enthält weitere 51 neue Arten aus Amboina und 15 neue Gattungen als: Conopyga, Pseudosesia , Äphantocephala , CalUdrepana, Elaehy Ophthalmia, Anchyneura, Caenina, Tortricomoryha, Pentaclonia, Cyme, Tineopsis, Physetocneme , Ctenandra, Ortholomia, Hypo- lochma.

Was die weiteren Abtheilungen betrifft, so sind die Arachniden, und Isopoden in Angriff genommen, und hat Herr Custos - Adjunct E. Suess sich der Bearbeitung der Dekapoden unterzogen, von welchen die Paguriden schon vollständig bestimmt sind.

26 ^'- l'raii e nl e 1(1. Bericht iiltt'r weid'ie Bciiiheitimg der Novara-Snmmluiigen

Lepidopterorum Amboinensium

Dre* Li« Dolcscliall

annis 1S56— 68 collectoium

species novae

diagnosibus colliistralai;

a Dro. C Felder.

II. H e t e r 0 c e r a.

A.

Sesiidae, Sphingidae, Zygaenidae, Drepanuiidae, SaUirniidae, Arctiidae et Notodontidae, adjectis Noctiiidis limbatis et patulis Gueneeanis.

o6. Sesia phasiaeforniis Feld.

Alis hyalinis, anticis extiis cyaneo nitetitibus, costa strigaque transversa nigris, limbo extcrno introrsum inciso fusco, siibtns aurco striata, pedibus c^ris intus flavidis, e.vtus cyatteo- nigris, flavo macidatis, ^nae fere omnino fulcis, abdo- mine c;^ris ?iigro, flavido anmUato , cyaneo nitente, fas- cicido anali nigro, flavido bistrigato, Pnae aurantiaco. Coli. Felder. Ad. sectionem S. tipuliforniis L. pertinet.

57. Sesia longipcs Feld.

Alis valde elongatis, flavido hyalinis, anticis certo situ cyaneo micantibus, costa, litura discali, venis discalibus, sfriis e.v- terioribus inter venas margineqne ante cilia nigris, palpis collari pedibnsque anticis fulvis, pcdibus intcrmediis et posfi- cis aurantiacis , his tibia femore triplo longiore, tarso Ion-

und Foi'lsetziing' der Diagiioson neuer Leiiidopteren vou L)r. C. Feldei'. 27

gissimo, supra versus apicem nigro partim jtibato , abdomine aurantiaco, supra transverse nigro fasciato. p

Coli. Felder. Pedum poslicorttm mira stritctitrn ah omnibns congeneribus differl , in cae/eris autent characterihns bene cum Ulis congruit. Venae medianae alarum poslicarum ramus secundus proxime posl cellidae exliniuiii oritttr cellidaque nnticarum renn postice dividitnr.

fonopyia;« Feld.

Caput sat magtium, dense squamatum , vertice pilis brevissimis ^ teclum. Anteunae {cfris) sensim incrassatae , laeves , vix subserrulatae , setuUs minimis sparsis obsitae , apice . .

Lingua brevis. Palpi squamati, ascen-

dentes , caput superantcs , articulo tertio secundi incrassati dimidio breviore. Aliie iit in Melittia formutae, sed vesfi- tae, anticae venu subcostali qninqueramosa , ramo primo lange post cellulae medium Oriente, venu discocellulari venas duas discoidales ramumque iertium medianum emittcntc, ramis medianis approximatis , secundo ad cellulae extimum. Alae posticae venu costali et subcostali valde approximatis, ramo secundo mediano ante cellulae extimum, tertio auteni propius, quam primo, Oriente. Pedes tarsisnudis, anticireli- quis breviores, femore tibiaque duplo breviore dense jubatis, posteriores femoribus squamatis tibiisque squamato - hirsutis. Abdomen (cJ^ris) subrobustum, elongatum, laevigatum, seg- mento anali couico , ambitu pilis longis dense vestito.

Genus secundum alarum poslicarum venas Meliltiis affine, antennis ei pedibus jam sat diversiim, abdominis vero fumiatione ab omnibus Sesiidis mihi cognitis recedens.

58. Conopyga metallescens Feld.

Alis supra plumbeo-cyaneis, apud marginem externum fusco atomatis, subtus omnibus purpurascentibus, atomis plumbeo- cyaneis, posticis limbo interno hyalino, front is lateribus albis, antennis, palpis, tliorace pedibusque plus minus cyaneis, abdomine ochraceo, cyaneo annuluto, villo anali nigro. cf

Coli. Felder. Specimina lanlum duo mulilala et abstersa ante oculos habeo.

23 ^'- Fia iiPii ft! I (I. Bi-richl iilicr w eilen' Beiirbciluiig der Novara-Sammlungpri

Pscudosesia Feld.

Caput sat marjnum, squamatum , veriice pifosmn. Antennae costae climidium fnipcrantes, sensim in clnvam arcnafam nplce fas- cicithttam hicrassatac , (^ris hifiis hrevitcr lamcHatae, apice autem nudae. Lingua hreviuscula. Palpi omnino nt in Conopyga. AJae hyalinae, anticae nt in Se siis formatae, r>ena snhcostali quinqueramosa , ramis nt in Conopy q a positis, rena discoccUuIari venas duas discoidales ramumqnc tertium medianmn emittente, ramis reliquis medianis valde appro.vimatis, nt in Melittia, secundo ad ccllulae e.rtiilf^im emisso. AJae posticae anticis multo latiores, vena costali et suhcostali valde approximatis , ramo secmido mediano terlio appro.vimato, ante cellulae extimum Oriente. Pedes tarsis nudis , anlici hreviores, femore tihiaque duplo breriore dense fasciculato pilosis, posteriores femoribus longe pilosistibiisque squamaio -hirsiitis. Abdomen f(:fris) gracile, compressnm, squamatum, fasciculum analem ut in Sesia formatum gerens.

Alarnm an/icarum i^enis genus hoc Welittiae Hübn. accedif, ponticanim autem et pnlpis Conopygae^ ab amhahiis autem anteunis ahdomiueque gvae'tU, ut in Sesiis formato, a MeWtt'ia. pedibus insuper, optime differt.

59. Pscudosesia insninris Feld.

Alis hyalinis, anticis costa, margine interno, striga transversa limboque externo introrsum inciso nigris, posticis liiura disci margineque omni anguste nigris, frontis lateribus albis, palpis nigris , subtus flavido atomatis, thorace abdomineque nigris, cyaneo atomatis, hoc albido annulato, tarsis anticis flavidis. cf Coli. Felder.

60. Melittia amboinensis Feld.

Alis hyalinis, anticis costa, margine interno, fascia transversa limboque externo glauco partim atomato nigris , collari linca plumbea cincto, thorace subtus cum ptdpis albido squamato, pedibus intermediis et posticis nigris, glauco fasciatis, his supra aurantiaco-, subtus nigra villosis, abdominc supra nigra, aurantiaco annulato, subtus ochraceo. (j^p

Coli, Felder. M. Bombyliformi Cr um., cui valde affinis, minor.

und rorlsetzimg der Diagiioseii neuer Lei)iiliiiileien von Di. C. Felder. 20

61. IMacroglo8sa Yennta Feld.

Alis hyaUnis, ntgro iienatis, anticarum busi, costn, margine interno Umboque eaietno {ad apicem latiore) , posticarum basi margincque sitpra nigro-fuscis , antennis nigvis , palpis supra nigris, snbtus pallide f'ulvis, Ihorace abdomiiieque clon- gato, squamato supra oc/iraceo-brininets, snbtus cum pedibus' fuU'escenlibus, fasciculu aiiali nigra, ad busin virescente, apice fuli'o. cf Coli. Fdder. M. fueifonni L., qua terlia parte major, alaruni forma et signatara similis, aldomiiiis vero structiira lange recedens.

62. Macroglossa Pyleue Feld.

Alis anticis supra virescenti -brunneis , strigis binis basalibus tribusque discalibus transversis subrectis obsolete fuscis, plaga ante medium alteraque exteriore cano-violaceis, posticis supra luteis, striis duabus basalibus plagaque marginali fuscis, sub- tus brunneis, dimidio basali luteo strigisque tribus discalibus fuscis, capite palpisque supra cinereis, striga fusca , subttis albidis, thorace supra cinerascenti-brunneo, subfus ctimpedibus pallide fuloescentibus , abdomine supra nigrescente, maculis trinis lateralibus fulois, fasciculo anali nigro, apice fulvo. p

Coli. Felder. M. Corytho Boisd. et Sitienae Boisd. ^Y a\k er pro,vi7na, sed minor.

63. Snierinthus ambomicas Feld.

Alis cum thorace et abdomine brumieis, anticis subfalcatis, strigis quatuor basalibus, quinta obliqua discali tribusque exterioribus inferius in Sigmatis forma curvatis maculasque binas fuscas amplectentibus nigricantibus , posticis supra maculis totidem analibus fuscis, subtus strigis tribus nigricantibus, antennis

dP

Coli. Felder. Proprium constiluii scctionem , halitu et pedibus posticis bicalcaratis Uli S. Quereus h., cujus staturam super at , affinem, palpis et alarinn posticarum venis autem a caeferis etiam gencris sui sectionibus sat discrepa/iieut.

64. Gynaalocera vircscens Feld.

Alis anticis nigro-virescentibus, venis dilutius marginatis, posticis plumheo - virescentibus , singulis subtus macula basali san-

30 ^'- Fi'auenfeld. Bericht iiher weitere Bearbeitung' iler Xovara-Sanimluiigen

giiinea, posticis ibidem viftis duabus anterioribus maculisque

gvossis inter venas atumariis niyris, abdomine nigro, subtiis

sanguitieo annulato. cf

Coli. Felder. G. papilionariae Guer. secundum alurum fonitniii affinis, stalura minor.

Aphantocephtila Feld. (^äfocvTog, incouspicuus, aefal-n, ccqnit).

Caput minimum. Collare bene distinchim. Antennne (pnae) costae dimidium superantes , anguste bipectinatne. Älae elongatae, obtusae, singularum vena discocellulari anguhim acutissimum 7)i(irgini externo aJae opposifum formante, anticae posticis latiores, cellnla discoidali subovata, versus basin valde an- gustata, vena siibcostali quadriramosa (ramo primo et secundo ante, tertio post cellulae extimmn orientibusj, vena disco- celhdari suprema distincta , vc7ia discoidali secunda et ramo tertio mediano nnacum orientibus, ramis binis reliquis nwdianis ab hoc sat remotis. Alae posticae vena costali ad cellulae extimum emissa,ramo primo siibcostali de flexo, secundo a vena discoidali sat remoto.

Genus Lycomorphae Harr. (Pyromorpliae Herr. Schaff.) affine, aed cha- ractcribus sitpra dalis distinctissimuni.

65. Aphantocephala 9Ioluccaruiii Feld.

Alis nigricantibus, ciliis antetmisque obscurioribus. p

Coli. Felder. -

Callidrepana Feld.

Caput mediocre. Antennae ((S^ris) breves, sat late pectinatae. Lingua brevis. Palpi breviusculi, cuput aequantes. Alae ut in Drepanis formataey anticae vena siibcostali quinquera- mosa, ramo primo et secundo ante cellulae ea'timum orientibus, hoc cum quinto angulato cellulam secundariam sat latam, superius angulum parvum reddenteni formante, ex quo angulo nascitur ramus quartus versus apicem tertium emittens, venu discoidali prima ramo ultimo siibcostali valde approximata, ramo mediano primo in cellulae media Oriente. Venae alarum posticarum etpedes ut in D r ep a n a IIa mtila et ejus uf'finibus.

A Drepaiia Lasj)., ciii valde affine, genus hoc praeserliin unlenni.s ri iH-narinn sitbcustuliiini ulurutn andcarinn disjjosifione revedii.

und Fortselzung- ilor Diiignoseii nciun' Lepidoptereii von Dr. C.Fe Itler. 3 I

66 Callidrepana saacia Feld.

Alis paJlldissime fulvescentibiis , antlcis supra vittis nonmillh an- terior ibiis strigaqne posticaobliqiia brunneis argenteo cäomatis, macula discali brunnea nigro marginatn, antennis pedibusque fulvescentibiis, corpore albido. cf Coli. Fehler. Drepana argenteola Moore affinis hulc videtnr.

67. Attacus Crameri Feld.

d' Plial. Bomb. Attacus Atlas var. Cr am. Pap. Ex. t. 381 C. 382 A. Alis supra rufis, striga basali vice angulata alteraque discali {posticarum acute repando-deiitata) albis, iiigro cinctis, macuUs externis flexiiosis fnlvis obsolet is, margine cervino (posticariim introrsiim linea fusca obsoleta diviso), singiilis. macula discali nigro cincta, in pna magna trigona fenestrata, in(^re autemmulto minore, opacaflavicante, anticarumlunari, posticarum trigona, subtus omnibus multo pallidioribus, briin- nescentibus, striga discali paginae siiperioris albida et latiore.

Coli. Felder. Ah A. Atlante L., cujus perinultas varletates e diversissimis locis ante ine liaheo, non soluni forma fenestvarum , sed etiani signalnris marginalibus constanter difl'ert. Praecl. Cramerus marem t. c. optime figuvavit.

68. Antheraea Rumphii Feld.

P Rumph^ Herbarium Amboinense, pars III. pag. 114 t. 7S D. ^) Alis supra saturate liiteis, ocello singiilarum fenestrato subelliptico, antice subtrimcato, ante medium vena discocellulari persecto, annulis tribus coloratis cincto, striga communi exteriore lata purpurea, anticarum obliqua, continua, macula ad costae apicem nigra albaque terminata, posticarum paulum undulata, subarcuata alteraque ante eam obsoleta undata nigra, subtus omnibus pallide fulvescentibiis, strigis tribus communibiis obsoletis , prima ferrngitiea proxime post ocellum, alteris cinereis, corpore luteo, thoracis limbo antico cinereo, postice simim formante. p

Coli. Felder.- Gloriosa liaec phalaena ah A. Mylilta Drury el Pernyi Guer.^ quibus major, cliaracterihus supra scrijjlis perbene differt , ex figura autem praecl. Rumphii citata vix recognoscitur.

1) Cf. Moore, Cat. Lep. Ins. of E. J. C. II. p. 386, 387, „one of Ihe earliest noiioes of Ulis Insect (A. Mylitta) or of a species very neurly related to if, is given by the venerable Riunphiiis" etc.

3;^ V. Fra iienf el d. Bericht über weitere Be;irlH'iluiig- der Novara-Sammlungen

Elacliyoplitalina F e I d. {ilayOg, minutNn, 6'j>^a\ix6<;, oculus). Caput pari'iim, valdc rctractum. Oculi minimi. Atitennne fPfiaeJ breves, sat lulc pectinatae. L'nigua nulla. Palpim'inuti, caput aequantcs. Alae breciter ciUntae, integerrimue, auticae apice obtiisae, margine externo convexo, vena siihcostali quinque- rnmosa (ramo primo ad cellnlae eaHimum Oriente), vena dis- coidaU secunda fere in medio venae discocellularis arcuatae Oriente, ramis ultimis medianis approximatis , primo remo- tiore, posticae rotimdatae, vena costali ad basin cum sub costali connata, dein costae valde approximata, post hiijus medium desinente, vena subcostuli lange post cellulae irregu- lär Her clausae extimum ramificante , ramo tertio et secundo mediano valde approximatis. Pedes breves , setosi, tibiae posticorum calcaribus duobus apicalibus minutis. Abdomen (Pnae) subrobustum , alis posticis dimidio fere brevins, ano subvilloso.

Genus ah oiiiniOns Saturniidis jaiii hahitu discrepaiis , Ociiiarae Walker secundiüu nlarum formain forlasse accedens.

69. Elacliyophtalma tricolor Feld.

Alis iitrinqne nigris, anticis fascia abbreviata alba, posticis angulo anali luteo, antennis abdomineque nigris, ano luteo. p

Coli. Felder. Magnitxdo Sericariae Mori L., faeies vero Cnethocainparum vel potius Orgyi darum.

70. Leucoiiia egens Feld.

Alis parce squamatis, linea anteciliar i ciliisque brunnescentibus, anticis aciitis, corpore pedibnsque albis. p

Coli. Felder. .4 L. V-nigruni Fabr. nngido superiore cellulae alaruni anti- carum prominente ranioque subcoslali priuio posllcarum ad cellulae exti- mum emissu di/fert, quare seclionem proprium consti/uit.

7 1 . Lcuconia subargentea Feld.

Alis dense squamatis, subargenteo- albis, anticis obtiisis, antennis fulvescenlibus, corpore albo, palpis, pedibus anticis tarsisque pedum posteriorum f'ulvis. c^p

Coli. Felder. A praecedenle non sulum forma ularum, sed c/ium aulcnnis lutins et nuOcompresse pectinatin renuipic dincoiduli ularum poslicuruiu raiuo tertio uiediuno mayis appro.vimala recedil , tertium igilur nectionem form nt.

und Fortsetzung der Diagnosen neuer l.epido[>leri'n von ür. C. Felder. 33

Aucliyneara Fei d. (a^you, prope, vtOpov, venu).

Antennne {cfrisj sat late pectinatae. Palpi dense jubati, caput superantes. Alae integerrhnae, unticae venu subcosiali quin- queramosa, ramo primo in cellidae medio, secuudo ante ejus eci'timum Oriente, hoc cum quarto ad cellulae ex'timum emisso cellulam secundariamdistinctam formante, tertioprope apicem alae a quarto emisso, vena discocellulari in medio evanescente, rena secunda discoidali ramisque duohus ultimis medianis sat approximatis , ramo primo mediano in alae medio Oriente. Alae posticae anticis latiores, vena discocellulari angulum acutissimum in cellulam porrectum formante , ramis duobus subcostalibus proxime post cellulae extimum tinacum orienti- bus, vena discoidali a ramis duobus medianis ultimis unacum Orient ibus sat remota. Tibiae posticae calcaribus quatuor sat longis. Genus Laeliae Steph. valde affine, alaruui aulem oenis medianis diversum.

72. Anchyneura praeusta Feld.

Alis albidis, anticis costa extimoque brunnescentibus , supra vitta terminali diffusa fusca. cf Coli. Felder. Laelia coenosa Hübn., cid facies suhsinnlis , diiplo minor.

Caenina Feld. (Nomen proprium.) Antennae ((fris) sat late jicctinatae. Palpi sqnamati, caput duplo superantes. Alae integerrimae, vena discocellulari singidarum angulum parvum formante, anticae vena subcostali quinque- ramosa, ramo primo post cellulae medium, secundo ante ejus extimum Oriente , TTbc cum quinto angulato , ad cellidae ex- timum emisso cellulam secundariam sat latam formante, ex cujus apice nascitur ramus quartus prope apicem alae tertium emittens, vena discoidali prima ramo quinto subcostali et secunda venae medianae valde approxiinata , ramis hujus rectis, aequaliter distantibus, primo paulnm ante alae medium emisso. Alae posticae ramo primo subcostali post cellidae ex- timum Oriente, vena discoidali ramo tertio mediano propiore, quam hie secundo, ramo primo mediano sat remoto. Tibiae posticae calcaribus duobus sat longis.

Dasychirae Stepli. (Selcniticae Esp.) affin is , palpis aittcm sat dincrepans. Sit/.b. d. nialliem.-naturw. Cl. XLIll ß(\. I. Abtii. 3

34 *• l*" ""ii ue iifi'lil. Bericht über weitere Beai'l>eilun,!? der Novnra-Sam niiungen

73. CneDiDa lymaiitrioides Feld.

Alls brunneo cUiatis, anticis supra saturate brimneis, litura dis~ call lunari albida, posticis ibidem nigricuntibus. cf Coli. Felder. //ai«V»sLymanti'iae disparis L., secl pltts quam dimidio minor.

74. fispia unicolor Feld.

Alis, corpore anteunisque pallide luteis. cT Colt. Felder. C. punctit'ascia Wo Ik. major.

75. Cispia dichroa Feld.

Alis luteis, supra anticis fascia lata discali sinuata cana maculisque marginalibus obscure ferrugineis, posticis ibidem plaga interna obscure ferruginea, subtus unicoloribus. Coli. Felder. Specimen nostrum outennis ahdomineque caret. Feminam fortasse C unicoloris sisdt.

76. Cispia suffusa Feld.

Alis saturate luteis, anticis ^fris supra macula basali atomaria ferruginea, Pnae extus inter venas obscure ferrugineo striatis, posticis hujus utrifique plaga interna obscure ferruginea.

Coli. Felder. Praecedenfe tertia parte minor.

77. Cispia pamila Feld.

Alis corporeque pallide luteis, anticis supra saturatioribus, macula interna atomaria ferruginea. cT Coli. Felder. C. unicolore duplo minor.

78. Earias flaiida Feld.

Alis sericeo nitentibus, anticis supra flavidis, posticis ibidem albidis, subtus omnibus albido-flavicantibus , corpore toto flavido. p Coli. Felder. Slatnra E. Cloranae L. , sea alae latiores ohiusioresqve ^ facies Noctuidarum generia Xautliodis Gue.

Tortricoinorpha Feld. Caput mediocre. Antennae filiformes, costac dimidium supcrantes, brevissime ciliatae. Lingua mediocris. Palpi validi, arcuati, capitis verticem duplo supcrantes , articulo tertio aciculari, nudo , secundi dimidium aequante. Alae clongatae, ciliatae, anticae apice obtusae vel subacutae, venu subcostali quinque- ramosa, ramis tribus jrrimoribus ante cellulae e.vtimum orien- tibus , quarto et quinto e trunco communi post illud emissis, venu discoidali secunda a ramis medianis ultimis valde appro-

uiiil Forlsetzung der Diagnoseii neuer Le[)iil(i()teren von Dr. C. Felder. 35

ximatis remotiore, pllca submediana bast tantum venae medianae approximata, dein deflexa. Akte posticae anticis latiores, venis novem: venu subcostall longe post celhdae extimum ramificante , venu dlscoididi subcostcdi sat approxi- mata, vena mediana inter ramum primum et tertium plus minusve aiigalata, hoc ideo quasi venam discoidalem sistente. Pedes mdidi, postici vilfosi, calcaribus quatuor tibialibus (internis sat longisj. Abdomen {cfrisj alas posticas dimidio fere superans.

Germs kreinä-AYürn (divisioni's Nyctoolidaniin Herr. Schaff.) a Cliloeo- phora Sleph., cum qua leoem liahcl afßiiitatcin , jam venae (liscoidaUs alarian posticaruin positione diversuin.

79. TQrtricouiorpha atrosignata F e I d.

Alis brunneis, anticis subacutis, supra litura apicali obsoleta albida, posticis disco intusque hyalinis, supra macula cuneata atra, vena submediana divisa squamisque elatioribus f'or- mala, pedibns flavidis, albo villosis. <^ Coli. Felder. Eariade Clorana L. paulo minor.

80. Tortricouiorpha affinis Feld.

Alis brunneis, anticis subacutis, supra litura apicali fiavida, posticis disco intusque hyalinis. cT

Call. Felder. Praecedenti valde similis, sed alae posticae absqite macula atra. Ambae a congeneribus alarum forma corporeque graciliore recedunt.

81. Tortricouiorpha albifascia Feld.

Alis fuscis, anticis fascia exter?ia obliqua iuterrupta alba, subtus diffusa, pedibus albidis, tibiis tarsisque posterioribus fusco variegatis. cf Coli. Felder. Hujus affines sunt plures species javanicae nondum descriptae.

Pentaclonia Feld, (nhrz., quinqiie, xloiv, ramus). Caput mediocre. Antennae filiformes, costae dimidium vix aequantes, distincte ciliatae. Palpi fere ut in To r t r i como rp h a. Alae elongatae, ciliatae, anticae apice obtusae, vena subcostali quinqueramosa, ramis duobus primoribus ante cellulae extimum orientibus, tertio et quarto a qninto post illud emissis, ramis medianis sat remotis, plica submediana venae medianae valde approximata, ante ejus ramificationem subito deflexa et quasi

3*

36 ^- 1'' i"a u t'ii fe 1(1. Beiii'lit iil>ei' weili-re Beailieitiiiig der .Nuvaiii-S;iinmliiii^eii

ramum qnartum (seil, pritnum) medianum sistente. Alae posticae anticis pauIo (mgustiores, venis octo : vena siihcostali simplici, vena lUscoidali ei seit approximata, ramis medianis ut in Tortricomorpha. Pedes graciles, postici nudi, cal- caribus qiiatuor tibialibus longis, externis brevioribns. Ab- domen {(Sris) alis posticis fere dlmidio longius.

Gt'«ws Nyctcolidarum, a praccedenle ckaracfcribus liicce dalis bene dignos- c eil dum.

82. Pentaclonia uniformis Feld.

Alis fuscescenlibus , immaculatis , posticis supra obscurioribiis, p(dpis pedibus et peclore flavescentibm. cf Coli. Felder. Tortrrcomorpha albifaseia, cul facie siiiülis , quarta parte minor.

Cynie Feld.

Genus e dlvisionc Lithosiidarum, Dolichae Walk, proximmn, sed palpis Caput superantibus, alis angustioribus, anticarum raruis duobus ultimis medianis sat approximatis , posticarum vena discoidali et ramo tertio mediana e trunculo cominuni post cellulae cxtimum orientibus , tibiis posticis breviits calcaratis abdomineque alas posticas superante distal.

83. Cyme reticalata Feld.

Alis pallide ochraceis, anticis fiisco extus ciliatis, fasciis quatuor difformibus cano- brunneis, fusco cinctis, plus minusve ana- stomosa?itibus, corpore toto in utroque sexu ochraceo. Coli. Felder. Magnitudo üoliches liilaris Walk., cui sigiiatura subsimilis.

84. Cyme sexualis Feld.

Alis corporeque pallide testaceo - rufis, anticis ciliis fuscis, supra

limbo externo rufescente, pitnctis basalibus fasciisque quatuor

cano-fiiscis. cf ^P

Coli. Felder. Praecedente terlia parte major, facie Calligeniae miiiiatae

Forst. Mas in pagina superiore alarum posticarum areolam eloiigatam

subcostulem , squamis elatioribus virescenli-flavidis formatain , subtus

fasciculum pilorum in alarum anticarum margine interno venamque sab

costalem posticarum incrassatam praestat. Alae etiam angiistiores , quam

in C. reticulata.

85. Cyme efasciata Feld.

Alis efascialis , anticis (fris pallide-, pnae laete festaceo-rußs,

posticis pallidissime rufescentibus, ciliis corporeque pallide

testaceis.

Coli. Felder. Species hacc C. sexual i paulo minor ab l/ac et a C. reticulata

ramo pri^^o subcostali alarum anticarum venam costalem haud per-

forante rccedii.

und K()it-:ot/.iiiig (Um- DiiiS'ioseii iimiei' l.ep ili>|ileit'ii von Or. C. Felder. 37

Tineopsis Feld.

Cymae rnlde nffinis , sed nlae hugiores et nngustiores , posticnrn»i ram! mcdinni aeqnnUler et sat longe inter se distanles , tertius et vena diseoi- dntis unaciiin ad cellitlac exlimum Orientes pedesqne validiores et hre- riores.

86. Tiiieopsis saturata Feld.

Alis anticis supra luteis, litura basall fasclisque quatuor anastomo- santibus fuscis, posticis fuscis , iitrinque immaculatis, capite palpis thorace pedibus fasciculoque anali luteis. cf

Coli. Felder. Cyme reticulata plus quam tertia parte minor. Color ad Kutanen et Pitanen Walk, speetat, cum quibus generihus haec nultam propiorem affinitatem habet.

87. Bizone impanclata Feld.

Alis albis, anticis impunctatis , supra strigis diiabus maculaque apicis rifßs, corpore albo, thorace supra cingulo rufo, fas- ciculoque anali fulvescente. cT

Coli. Felder. A caeleris congeneribus absentia punctorum nigrorum in alis anticis sat differl. Magnitudo et facies omnino B. pucUae H üb n.

Physetocncme Feld. CfvariTog, inflatus, Jcvri/xv?, tibia). Caput parvum. Antennae setaceae, crassiusculae, ciliatae, costae dimidium aequantes, triente basali incrassato, villoso. Lingua mediocris. Palpi squamati, minuti, caput aequantes. Alae elongatae, integerrimae, undiqiie (ad costam quoque) ciliatae, ciliis costalibus densioribus et longioribus, anticae cellula valde atigusta, obliqua, costae bitrientem aequante, vena costali rectissima, a costa sat remofa, longe ante ejus medium desinente , vena subcostali triramosa, ramo primo arcuato, post cellulae medium Oriente costaeque post medium desinente, secundo et tertio e trunco communi ad cellulae extimum emisso egredientibus , vena discocellulari intermedia ab- breviata, sola recta, caeteris pcrobliquis, inferiore a venae medianae directione purum declitiante, vena seciinda discoidali ideo quasi ramum quartum media num sistente. Alae posticae vena costali subdefle.va , venae subcostali ante ejus rami- ficationem sat approximata. Pedes validi, tibiis anticis inflatis, posticis sat lotig is , calcaribus quatuor mediocribus munitis. Abdomen (pnae) alas posticas aequans. Nudariae St.cph. nffinis, sed ab omnibus ejus sectionibus alarum anticarum renis, antennarum pednmque formatione distinctissima.

38 V. Frnii enfel rl. Boricht iiher weitere B.'arlu'itiinfr tler Novara-S;niHnliingei>

S8. Pliysrtocneine ciliosa Feld.

Alis nlhia, pcUncidis, idho cUhttis, linea in omni margine nntica- rnmqiie sfrifjis se.i' macidarum (intermediis abhreviatis, sexta may(jin(di) hrunnescentihus, antennis fdbis. p Coli. Felder. Nndaria nuindana L., cid valdc ,st'nnlis, paiilo major.

89. Easemia Doicschaili Feld.

Alis ntrinque nif/ro-funcis, violncco niicantihiis , anticis dimidio

basali plumheo irrorcdis fttscinque ahhrevifda discali in cfre

alba, in Pna mirantinca, nno nurnntiaco.

Coli. Felder. Secimdun) rdtrnnn fonnnin K. luptifcrae Boisd. affiiUH, tufijor aiiteiH.

90. Nyctcinera Mencs Fe Id.

Alis fiiscis, nnticis macida basali cuneata fasciaqne sinnata discali albis, jmsficis albis, limbo sinuato fusco. rf Coli. Felder. Affinis N. Agagli Boisd.

91. Nyctemera conflnens Feld.

Alis albis, anticarum venis , macidis hibus costalibus limboqiie externo brunneis, confliientibus , hoc albo quinquemacnlato. posticis limbo brunneo, albo bimaculato. cT Coli. Felder. N. speculari Walk, affinis videlur.

92. Syntomis Ticina Feld.

Tota nigra, alarum anticarum plagn bipartita maculisque diiabtis elongatis bipartitis, posiicarmn macnla interna hyalinis, thoracis maculis duabus hnmeralibus abdominisque pluribns lateralibus flavis. Coli. Felder. S. Imaone Cram., cui valde affinis, terlia parle minor. Ctenandra Feld, (^kzz'k;., pecten, dv-hp-, was).

Antennae breves, (fris anguste bipectinatae, pnae subtus bifaric lamellatae, Inmellis basi et apice brevioribns, singulis setam gerentihus. Lingua brevissima. Palpibrevissimi. Alaeelongatae. (fris latiores, anticae vena snbcostali quinqneramosa, ramo primo posf cellnlae e.vtimum Oriente, secundo et tertio a quarto emissis, vena discoidali prima sat remota , secnnda ramo tertio wediano approximata , ramo mediana secundo huic propiore quam primo. Alae posticac venis tantum sex : vena costali et discoidali omnino absentibus, vena subcostali simplici,

und Forlsetziiiij; ilci- lliiigiio.-^:«'!! iieiier Le(iii;o|)l('i-i'ii von üi'. C. Felder, 39

rrmn's medianis aeqnicUstantihus, vena mediana primaria inter ramum seeimdum et iertium oblique siirsum directa. Pedes iit in Nadia, paulo auteni robustiores. Abdomen ut in hoc geilere, sed robustius, alis posticis fere duplo longiiis. Genus divifiionis Sjnloniidiinim^ antennis jam bene dlgnoscendum.

93. Ctenaudra naclloidcs Feld.

Alis brunneis, anticis cfris maculis quahior, pnäe quinque albidis, posticis cfris sujjra immaculatis, subtus macula exteriore albida, (j'nae macuHs tribus albis f prima interna ma.vima), antennis brunneis, capite palpis thoracisque medio lividis, pedibus abdomineque fuscis, hoc dorso lateribus ventreque livido maculatis.

Coli. Felder. Speeies colore sif/nndirisqire Nacliis, forma aiäem alariim Syntomidibus smilis. Statura illron Nacliae Ancillae L. terlia parte siiperat. 94. Staiiropns Melastomatis Dole seh all in litt. Alis rufescenti- brunneis, supra lunulis marginalibus ferrngineis. anticis ad basin plaga cervina, ferrtigineo cincta, litnra maculaque discalibus elevatis aliisque exterioribns seriatis ferrugineis, posticis in pna basi, in (^re dimidio postico albidis. Coli. Felder. S. alterno Walk, affinis.

91). Phalaera Aiiiboinae Feld.

Alis brunneis, anticis supra basi, intus posticeqne subargenteo atomatis, fasciis permultis luntdaribus nigrescentibus, strigis duabus basalibus tertiaque exteriore plague apicali rufescenti- brunneae extus bisinuatae adhaerente nigris, capite ad ver- ticem flavido plagaque antica thoracis ferrugineis, abdomine supra nigi'o, flavescenti an?iulato, subtus flavescente. p Coli. Felder. Ph. Sanganae Moore accedere videtur.

Ortholoinia Feld. f6p36g, rectus, löjp.cc, 7nargo). Caput sat magnum. Oculi nudi. Antennae setaceae, crassiusculae, costae dimidium aequantes, subtus bifarie lamellatae, lamellis linearibus, magnitudine decrescentibus. Lingua valida, medio- cris. Palpi capite duplo longiores, ascendentes, dense squa- mati , articulo secundo caput superante , incrassato, antice dense jubato-squamoso , tertio secundi dimidium aequante. graciliore, snbacuto. Alae elongatae, cellulis claitsis, costae

40 ^ F rn u e n fe 1 «1. Rerirlit über weitere Hearbeitimg der Novarn-Snmmlungen

(limifUum aeqnatitihus, ant'wae marginc costali et interno ferc at'qiirih's Io)ffjifii(finh, rectis. externa pnitluni co)n'exo, vena siibeostafi quinquej'amosn, ramo pn'nio ante cellulae ex'thnum Oriente, secundo et iertio e quarto post cellulae extimum emisso }Wope apicem alae ascendentibus, qninto cum vena (Uscoiclali prima ceUulam secundariam anfjusfissimam formante, vena discoidali secunda in superiore parte ve?iae discocellnlaris Oriente, ramis medianis aequaiiter approximatis. Alae posticae anticis latiores, vena costali in triente siio hasali venae subcostali valde approximata, ramo hnjns secundo post cellulae extimnm venaque discoidali in medio venae discocellnlaris haud angulatae orientibus , ramo secundo et tertio mediana e truncnlo cammuni emissis. Pedes validi, posticorum tibiae calcaribus duabus validis. Abdomen (cfrisj sat amjustum, alas posticas dimidio superans, dorso laferibnsque fascictdatis, fasciculo anali deflexo, farcipato. Inter genern Notodontidanim descripta Anfaea Im. Herr. Schaff, iiuixi- mam adhtic affiniiatem cum nostro habet. Magis aittem affim'a sunt alia plura americana, habitn Noctuidis quihu^dam (Nystalea, Cucullia) valde similia.

96. Ortholoinia inoluccana Feld.

Alis cano-brunneis, anticis supra obscurioribus, vialascenti-tinctis, strigis obsoletis fuscis, lituris duabus discalibus, macula parva versus angulum intertium pnnctisque seriatis exterioribus (singulo dilute brunnescenti cinctaj nigris, elcvatis, marginc interno nigra et dilute brunnescenti vario, subtus immaculatis, Costa dilute brunnescente , apice striolis tribns fuscis notata, abdoniitie catio brun?ieo. cT Coli. Felder. Antaea luturnä Cvixm. plus quam Icrtia parte minor et forma alarum valde aliena. Hypolochma Feld.

Caput mediocre. Oculi nudi. Antennae ('cfrisj castae bifrientetn paulum snperantes, setaceae, breviter lamellatae, lamellis longitndine decrescentibus, in triente apicali minimis. Lingua brevis. Palpi squamati, capnt dupla superantes, rectissime assurgentes, articulis distinctissimis, secundo capitis verticem aequante, tertio longo, (ätenuato, subconico. Thorax scapnlis distinctis. Alae breviusculae , integerrimae, anguste ciliatae, anticae ad basin dense elateque squamatae, subtus fasciculo

und K()r(.si'(ziiiii^ flor [)i:ij>n()scn nciur Lepiilopteion von Dr. C. Felder. 41

piloruni sat hngorum prope hasin instruciaß, celhila discoidaü minuta angnsta, alae tricntem aequaitte, vena snhcostali quhi- queramosa, ramo primo post cclliilae medium Oriente, secundo et quarto e truneulo communi ante ejus extimum emissis, hoc in medio tertium emittente et cum quinto ad cellidae eoctimum egrediente cellulam secundariam formante, vena discoidali prima ramo ultimo suhcosfali valdc appro.vimata, secunda infra renulae discocellularis medium Oriente, ramis duobns uUimis medianis ab hac et inter se aequaliter distantihns, ramo primo paulo remotiore, longe post celhdae medium emisso. Alae postieae anticis latiores, cellula alae trientem aequante, latiore, vena discocellulari tenui, sed distincte angulata, vena costali in cellulae medio Oriente, ramo primo suhcostali pau- lum ante cellulae extimum ascendente , vena discoidali ramis medianis sat approximata, horum secundo et tertio e trunco commnni post cellulae extimum emissis. Pedes sat longi, validi, squamati, posticorum tihiae calcaribus quatuor longis. Abdomen squamatum, ano fasciculato-pilosum, alas posticas triente superans. Genus Notodontidariini aloriua anticnruni mira sfrucfura et i^enis distinctis- shumn, milli mihi eoc/nito propius aecedens.

97. Hypolochma sericea Feld.

Alis corporeque pallidissime cuno-brunneis , sericeo nitentibus, a?iticis supra in dimidio basali squamis multo densioribus cinereis tectis, albido atomatis, fasciaqne angusta recta brunnescente , nigro cincta persectis, subtus unicoloribus, fasciculo pilorum nigro. cf Coli. Felder. Facies Cymatophoridarum. Magnihtdo Demadis Coryli L., Olli signaUira etiam panliim siiiiilis.

98. Ophideres Caesar Feld.

Alis anticis supra saturate ferrugineis , glanco-violascenti variis, vitta lata discali medio subangulata ^ in cfre lunula etiam postica adjecta virescentilms, subtus fuscescentibus , violaceo su/fusis , limbo interna f'asciaque discali abbreviata lutes centibus, posticis utrinque pallide luteis, limbo terminali fusco subtus violaceo tincto. Coli. Felder. Species venusta, maynitudiiie 0. Proci Cr am., signaturis nlarifin anticaruin 0. Ancillae Crani. similis.

42 ^'- Frau en f L'l <1. Bericht iilier weilcrp Bonrbpiliiiiji der Novara-Sammlimgen

99. Potaniftphora aiiiboinensis Feld.

Alis supra fiiscis, (tnticis ferri(f/hien thictis, extus glaucescenti

variis, striga obliqua rectissima glaucescente , mucuUs ovdi-

nariis distinctis punctisqtie diiobas adjaceidihns brunnes'

centibus, posticis supra fascia lata discali abbreviata, pallide

cijanca, subtiis omnihiis laetioribus , atiticarum fascia siib-

cnii'äta abbreviata , posticarum striya lata discali rix nndn-

lata albidis. cf

Coli. Felder. A P. Manila Cram., cui affmissinuufnscia in paginn inferiore

alarnm anlicarum et superiore posticarum strigaqiie in harum pngina

inferiore vix nndidata mullo latioribxs differt. Facilc eam varielatem

loenlem speciei supradictae exisfimnrem , sed ex Amboina ipsa specimina

femlnina omnino cum P. Manila ti/pica congruentiu accepi.

100. Potamopliora albata Feld.

Alis anticis supra brunneis, plus quam dimidio basali cano tinctis, maculis ordinariis grossis flavidis , macula supra venam sub- mcdianam, litura briinnescente notata strigaque transversa obliqua, extus subconcava fnscis, posticis albis, nndique fusco limbatis , subtus omnibus conculoribus, anlicarum macula discali fasciaque lata abbreviata, posticarum pagina omni (exceptis margine toto interuo limboque externoj

albis. cf Coli. Felder. Nisi, marem et feminam P. Manllae Cram. colore et signu- turis sat inter sc congruere , scirem, haue praecedentis marem putarem

101. Anisonenra sphingoides Feld.

Alis amplis , anticis (J'ris fere integerrimis , posticis ejusdem sexus sat profunde sinuatis, regione anali truncatis, omnibus in utroque sexu fuscis , violaceo tinctis, supra strigis tribus communibus perobliquis nigricantibus , rufcscenti-brunneo cinctis, prima discali sccundaque exteriore latiore angulosis, tertia antemarginali repanda, anticis linea concolore distincta fe.vuosa subbasali, macula orbiculari pone haue, uigricante, obsolcta, reniformi in <^re distincta, late rufescenti-brunneo nigroque cincta (cinguli brunnei extimo inferiore flavido) subtus omnibus strigis tribus communibus obscnrioribus, posticis vittis ante venas singulas obscuris. Coli. Felder. A. Zcu/oroidi -G iie, valde affinis ridetur, sed seeundum hu jus descripdonem colore macutae reniformis, linea iiua lantum ante- marginali distincta paginaque inferiore strigis (in posticis vittis etiamj persecta differt.

und Foi'(,se(/.iing der PinijiiostMi neuer Lopidoptcren von Pr C. Felder. 43

102 Patula Cyolops Fohl.

A/is nfrliisque sc.vus fusccsauidhiis, nujtra str!(]iis (juatuor eoni-

munibns subflcvKOsis, continms, obscurioribus (tertia versus

costnm et marginem infernnm nlariim tmticarum fasciolam

formnnte) , antlcis macula ocellnri magna, bene orbiculari,

sti'iga hcllcina lata continiia ample,va,siibtus maculis ex'terln-

ribns in fundo nlgricante inordlnafe dlgestis alüsque obsole-

tioribus angustissimis subtrigonis prope marginem albis.

Coli. Felder. Species optima, P. Miieiope L. Cr am. major et colore

utriiisque sexus palUdlore, liaiid nitente, forma orbicidari maculne ocel-

laris, striffis margini magis approximatis, continuis et haud macularibns,

fasciola costali anticarum longiore et aiigustiore , absenlia macularum

inter strigas duas ultimas in pagina superiore posticarum macidisqite

in pagina inferiore minoribus (submarginalibus miilto anguntiorihus)

constanler discedens, nt plurimis idriustjiie insecti speciminibus compa-

rnlis persiittsiim mihi habco.

103. Argiva acrotaenia Feld.

Alis cfris sttpra afro-fiiscis, pnae brnnneis, atiticis ntriusqne

se.vus ntrinque fascia subapicali snbarcuata, a costa fere

nsque ad marginem externum extensa, in c^re angustiore

Intescente, in pna albido -fluvicante , macula reniformi (in

^re obsoletiore) angusta, inferins bifida, cum striga adjecta

helicina (in Pna nsque ad marginem internum posticarum

porrecta) ellipsin formante, singulis pnae ntrinque striga

discali flexuosa in fundo nigra -fusco maciilaque adjacente

flavescenlibus, striga exteriore maculuri refracta fusca.

Coli. Felder. Species affinis A. hieroglyphicae Drury, sed signaturae

helicinae fasciolaeqne alarum anticarum latioris forma secundum ptn-

rima specimina comparata manifeste diversa.

104. Spirama remota Feld.

Alis cfris ntrinque nigro-fuscis, anticarum striga exteriore recta punctisque postpositis nigricantibus, pnae supra carneo- brnnnescentibus, lineis binis communibus submarginalibus fortiter angulosis nigris, anticarum fasciola angulata basali. strigis duabus pone discum, distincte angulosis, siibobliquis, arcuatis, nigrescentilms , tertia externa geminata fusca, posticarum fasciis tribus discalibus iiigro-fuscis (tertia extus late nlbido cincta) strigaque exteriore tenni albida nndiqne late nigra- fusco marginata , subtus omnibus laete testaceis

44 V. Pra II e nft'M. Bericht iilier wcitcip Rcarheidinn^ der Noviira-Sammliingcn etc.

8h'if/is trihns commnnibiisfnsc'is (intermedia muUoangiistioreJ, mnculae reinfarmis (darum anticarum parte dUafata in ntroque sexa orbicnlari, atra, in Pna a strigis dnabns discalibus sat remota.

Coli. Felder. Fetnina hiijus S. Isabellae Gii e. proxinic accedil, sed macu- lae reniformis colore, strigis discalibus anticavum ab illa sal remotis strigarumque in alanim posdcarum pagina sttperiore formalione facile dignoscifiir.

105. Haniodes pallida Feld.

Alis jyallide ochraceis, striga communi postica fusca, supra temiissima, anticis graciliter subfalcatis, supra macula orbi- cnlari punctiformi, nigricante, rcniformi distincta, bnmnea, nigrescenti cincta, corpore ochracco. cf Coli. Felder. H. propitiae Guer. affinis videtur.

A d d e n d a: 106. Pamphila Prasias Feld.

Alis c^ris supra ferrugineo - fuscis, pnae obscurioribus, utriusque sexus basi ferrugineis , anticartnn fascia submaculari , posti- carum fascia postica in (^rc ferrugineo -fulvis, in Pnaful- vescentibus, subtus omnibiis ferrugineis (cJ'ris saturatioribus) , anticis fascia paginae superioris, in -Jre areola interna, squamis carente , nitida prope basin, jwsticis mncula majori postica, cum fascia anticarum concolore.

Coli. Felder. Statura et forma P. Aiigiadis nieae , cujus feniinam putavi. Non muho autem pos( edilionem primae harinn diagnosum partis , ex Manila plurima specimina et mascnlina et feminina hujns speciei Am- hoinam etiam incolentis recepi.

Mrtiilliii L' r. ülier ilii; so;^eii;tuii(oii Hiiulegcweltskörpeiclien elc. 4 l>

Über die sogenannten Bindegewehskörperchen des centralen

Nervensystems.

Von Ludwig maathner.

(Alis dem physiologischen Institute der Wiener Uiiiversität.)

Nachdem ich in einer früheren, von der kaiserl. Akademie in deren Denkschriften aufgenommenen Arheit i) meine in Betreff der zweifellos nervösen Elemente des centralen Nervensystems gewon- nenen Resultate niedergelegt habe, erlaube ich mir hier einige Bemerkungen über jene Gewebsbestandtheile des Hirns und Rücken- markes zu machen, die zwar in histologischer Hinsicht gehörig erkannt sind, über deren physiologische Bedeutung jedoch bis auf den heutigen Tag die widersprechendsten Ansichten unter den Forschern lierrschen. Unter diesen Bildungen von zweifelhafter Function ver- stehe ich die in der grauen Substanz befindlichen sogenannten Binde- gewehskörperchen. Die den Centralcanal des Rückenmarkes ausklei- denden Epitlielialzellen mit den von ihnen abgehenden Fortsätzen, von welchen einzelne Forscher, wie Stilling^) zu glauben geneigt sind, dass sie nervöse Gebilde seien, sind unbedingt sammt den Fort- sätzen der yia mater dem Stützgewebe des Rückenmarkes beizuzäh- len. Ich war namentlich so glücklich im obersten Theile des Hecht- rückenmarkes von den nach rückwärts gelegenen Epithelialzellen des

') Ein Auszug dieser unter dem Drucke befindlichen Arheit findet sich im 39. Bande der Sitzungsberichtü der kaiserl. Akademie: „Beitrüge zur nüheren Kenntniss der morphologischen Elemente des Nervensystems". '

*) Neue Untersiicliungen über den Bau des Hückenmarkes. I8ä6— .'>9, p. 11.

40 M a u l li II t' r. Üher die sogeiiaiuiteii

Centralcanals kolossale Fortsätze abgehen zu sehen, welche, ohne mit irgend weleiien jinderen zelligen Gebilden in Zusammenhiing zu treten, bis an die Peiipherie des Rückenmarkes gelangten und in den Fasern der pia mater untergingen.

ßidder und seine Schüler waren es, welche auch jene kleinen zelligen Gebilde, die sich in der grauen Substanz vorfinden und derea anatomische Charaktere hinlänglich bekannf sind, .sarnmt der ganzen grauen Substanz zum Bindegewebe stempelten, ein Vorgang, der wohl nur von wenigen Forschern in seinem ganzen Umfange gebil- ligt und als richtig anerkannt worden ist, indem die einen wie Stil- ling und Jacubowitsch i). jede Berechtigung zur Ausschlies- sung dieser Zellen von wahrem Nervengewebe von sich wiesen, andere aber, wie Virchow^) und Köllikers) einem Theile dieser kleinen zelligen Gebilde ihre Rechte als Nervenzellen zurückgaben, während sie auf der anderen Seite das Vorkommen von Bindegewebs- zellen im centralen Nervensysteme im Allgemeinen nicht in Abrede stellten.

Die Beobachtungen nun, welche ich über diese Körperchen bei meinen Untersuchungen über das centrale Nervensystem der niederen Wirbelthiere gemacht habe, drängen zur Annahme hin, dass diese Gebilde in der Tliat (wenigstens bei den von mir untersuchten Thieren) vom Bindegewebe zu trennen und als einem specifischen Gewebe angehorig zu betrachten seien. Allerdings wird man den po- sitiven Beweis für die nervöse Natur dieser Zellen nur dann her- stellen können, wenn man dies durch das Experiment erwiesen oder wenn man den Übergang von Fortsätzen dieser zelligen Gebilde in unzweifelhafte markhaltige Nervenfasern mit Sicherheit erkannt haben wird. Wiewohl ich einen solchen positiven Beweis nicht beibringen kann, indem ein Experimentiren über die Natur dieser Körperchen vorläufig unmöglich ist und ich andererseits nicht so glücklich, wie Stilling *) w;ir, wirkliche Nervenfasernvon ihnen abgehen zu sehen, so sprechen dennoch die von mir beobachteten Thatsachen entschieden dafür, dass diese Zellen Nervenzellen und keine Bindegewebs- körperchen seien.

1) Milttieiluiigeu über die feinere Struetur des Hirns und Küokenniürks, 18j7, S. 10.

'^) Celluliirpalhologie S. 2öü.

S) llanilluR'li der (iewelielehre, 3. Auflag^e. S. 293.

■»J L. c. |.ii-. 902.

l5iii(Ic'ge\veI)!>ltör|)C'rclieii des ceiiti'iik'ii Nerveiisyslenis. >47

Ehe ich zur Dai-Ieguiig dieser Tliatsachen schreite, irniss ich vor Allem für diese zelligeii Gehilde das Recht ihrer Existenz in An- spruch nehmen, ein Recht, das ihnen Stilling geradezu streitig macht, indem er erklärt i). dass„ das, was Ridder und Kupffer für Bindegewehszellen der grauen Substanz halten, nichts anderes sind, als die Kerne von grösseren Zellen." „Den Nucleolus dieser Kerne" fährt Stilling fort „halten B. und K. für den Kern. Das Parenchym der eigentlichen Zelle ist so durchsichtig, dass es an Chromsäure- präparaten und an feinen Abschnitten schwer zu beobachten ist und gewöhnlich nur als ein leerer Raum um den Zellenkern erscheint. An solchen Chromsäurepräparaten aber, die mit Carmin imbibirt sind, ist mit genügender Evidenz zu erkennen, dass die von R. und K. für Rindegewebszellen gehaltenen Theile in der That nur Kerne von Zellen sind." Pag. 902 kommt Stilling auf denselbenAusspruch zurück und sagt hier zugleich, dass „an Carminpräparaten die so- genannten Rindegewebskörper roth gefärbt erscheinen; dass ihre Umgebung, ihre Fortsätze dann deutlicher zu erkennen seien, als an den blos durch Chromsäure gehärteten Präparaten". Nach diese^ Angabe muss ich schliessen, dass Stilling nur die eigentlichen Rinde- gewebskörper (seine Zellenkerne) roth gefärbt, die Umgebung (d. i. Stilling's Zelleninhalt) aber ungefärbt sah. Es besteht nun bei mir kein Zweifel, dass Stilling es hierbei nur mit einem, auf manchen Präparaten um alle zelligen Gebilde (um die grossen Ganglien- zellen sowohl, als um die Rindegewebszellen) auftretenden unge- färbten Hofe zu thun hatte, der durchaus nicht die Redeutung eines Zelleninhaltes besitzt, der vielmehr dadurch zu Stande kommt, dass auf Präparaten, die von einem Rückenmarke, das längere Zeit in Chromsäure gelegen hat, stammen, durch die Wirkung der Chrom- säure der Zelleninhalt verschrumpfte und von der Zellmembran oder sammt dieser von dem umgebenden Gewebe sich zurückzog daher die farblose Lücke zwischen ihm und dem umgebenden Gewebe zu Stande kam. Ich kann um so weniger daran zweifeln, dass Stilling dieser Täuschung unterlag, als es gerade auf Carmin- präparaten, namentlich vom Rückenmark der Schildkröten und Fische, mit Evidenz ersichtlich ist, dass diese Körper als solche, wie sie Ridder und seine Schüler beschreiben, im Rückenmarke vorkommen.

'j L. c. pag. 871,

48 M n u t h n e r. Ülter die sogenannten

Es kann, wie gesagt, über die Existenz dieser Körper kein Zweifel sein, wohl aber darüber, ob es Bindcgewebszellen sind. Wenn die ganze graue Substanz aus Bindegewebe besteht, und wenn diese Zellen Attribute des Bindegewebes sind , so werden sie sieb voraus- sichtlich einigermassen glcichmässig in .der grauen Substanz vertiieilt vorfinden müssen, und dies gibt in der That sowohl Kupffer in seiner Abhandlung über den Bau des Froschrückenmarkes an, als auch später Bidder und Kupffer in ihrem gemeinsamen Bückenmarks- werke. Kupffer sagt i) : „Quae cellulae safis confertim atque aequahilifer per tot am suhstmitiam einer eam diffusae cernimtur, in millo tarnen medullae spinalis loco certa quadam earum disposit ione animadversa".

Bei Bidder und K u p f f e r 2) heisst es über diese Körper : „Sie sind ziemlich glcichmässig durch die ganze graue Substanz verbreitet, ohne dass sich ein bestimmtes Gesetz in ihrer Anordnung nachweisen Hesse". Dies ist nicht richtig. Abgesehen davon, dass sich diese Zellen in jenen Theilen der grauen Substanz in geringerer Menge vorfinden müssen, wo die grossen Ganglienkugeln in Masse neben einander liegen, zeigte mir eine aufmerksame Untersuchung, dass diese Körper im Bückenmarke eine ganz ausgezeichnete Anordnung zeigen, ja dass sie da in der grauen Substanz eine ähnliche gruppen- weise Anordnung darbieten können, wie die grossen Ganglienzellen.

Ich habe hierüber folgendes gefunden. Zuerst muss ich eine merkwürdige Gruppe dieser Körper aufführen, welche sich in der medalla oblongata des Hechtes vorfindet. Die graue Substanz erstreckt sich hier nach vorn bis an die Peripherie des Bückenmarkes und bildet da zu beiden Seiten des medianen Faserzuges, der sich von der Stelle, wo sich bei höheren Thieren der vordere Sulcus befindet, bis zum eröffneten Centralcanale erstreckt, je eine Insel. In dieser Insel der grauen Substanz , die von zahlreichen markhaltigen Fasern durchsetzt wird, findet man die vielfach eiwähnten sogenannten Bindcgewebszellen, welche in den Vorderhörnern der grauen Sub- stanz und dem davon abgehenden mächtig entwickelten Fasernetze sieb nur vereinzelt vorfinden, in einer grossen Menge, beider- seits symmetrisch in einer s e b r a u f f a Menden Gruppe angeordnet.

•) De nieilnlliC spinalis in ranis (extura etc. 1854, pag. 19.

'-'_) Untersiiehnngen iiher die Textur des Uiiclvemnaikes. 1837, S, 4ä.

Biiidegewehskörpercheu des oeiitiiilen Nervensystems. 49

Diese Gruppe hat jederseits die FoiMii einer Ellipse; die lange Axe derselben steht in ihrei* Verlängerung auf dem medianen Faserzuge senkrecht; sie misst 1/3 Millimeter. Die kurze Axe der Ellipse, mit dem medianen Faserzuge parallel, hat eine Länge von i/g Millimeter. Die Gruppen sind jederseits % Millimeter weit von der Medianraphe entfernt.

Ausserdem dass diese Körper diese zwei abgegrenzten Gruppen bilden, sind sie im verlängerten Marke des Hechtes noch in aiilTallen- der Menge, ohne aber eine ähnlich umschriebene Anordnung zu zeigen, hinter jenen Ganglienkugeln angehäuft, die neben dem eröfftieten Centralcanale liegen (die ich aufgefunden 1) und deren merkwürdiges Verhalten gegen Carmin ich beschrieben habe 3).

Diese Anordnung- der sogenannten Bindegewebszellen in der medulla oblongatti des Hechtes ist hinreichend, um uns zu überzeu- gen, dass diese Zellen nicht blosse einer ßindegewebssubstanz ange- hörige heterogene Elemente seien. Denn dass im verlängerten Marke des Hechtes an einem ganz umschriebenen und eigenthümlich gele- genen Gebiete eine eigene Art von ßindegewebssubstanz angehäuft sein soll, eine solche nämlich, in welcher sich die Bindegewebs- körperchen in grosser Masse und in eigentliümlicher Anordnung vor- finden, widerspricht um so mehr einer wissenschaftlichen und über- haupt einei" rationellen Anschauung, als in diesen Theilen der grauen Substanz sich keine Ganglienzellen und keine Blutgefässe (abgesehen von den Capillaren) vorfinden, denen allenfalls die graue Substanz zum Stützgewebe dienen könnte.

Dieses sehr in die Augen fallende Verhalten der besprochenen Zellengebilde im Hechtmarke veranlasste mich ihr verschiedenes Verhalten in den verschiedenen Theilen der grauen Substanz und vorzüglich auch in den Commissuren näher zu erforschen und ich habe in dieser Hinsicht Beobachtungen am Rückenmarke der Forelle (Salmo fario) gemacht, die mich über die Anordnung dieser kleinen Zellengebilde in demselben Folgendes lehrten: Sie kommen nur einzeln , nicht zusammengehäuft in den seitlichen Flügeln der grauen Substanz- neben grossen und unzweifelhaften Nervenzellen vor. Ebenso finden sie sich nicht massenhaft in jenem Theile der

1) Sit7.niig:sberichfe XXXIV. Band, S. 34. *) Sitzungsherichte XXXIX. Band, S. 386.

Sitzb. d. mathem.-naluiw. Cl. XLUI. Bd. I. Abth.

oQ M a u t h n e r. Über die sog'enannten

grauen Substanz, welche Owsjan niko w der substantia gelatinosa Rolan di der höheren Thiere vergleicht, und die, wie 0 wsj anniko w sehr richtig angiht, im äussern Ansehen eine grosse Ähnlichkeit mit einem gezackten WMxwAAAin (cum arhoris folio crenato) AM'h\Q\e\. i).

Eine hemerkcMiswerlhe Verschiedenheil in ihrer Aiiordnung zeigen sie in den drei (von mir^j I)eschriebenen)Cümmissuren. Wäh- rend sie in der vordersten Commissur nur in sehr geringer Menge erscheinen, häuft sich ihre Zahl bereits in der zweiten, unmittelbar vor dem Centralcanale gelegenen Commissur, um ihr Maximum in der dritten, jiinter dem Centralcanale gelegenen, zu erreichen. Es wäre sehr verkehrt, aus dem massenhaften Auftreten dieser Körper in der letztgenannten Commissur auf die bindegewebige Natur derselben zurückschliessen zu woüen, indem diese Commissur einerseits augen- scheinlich aus Fasern derselben Art besteht, wie die unmittelbar vor dem Centralcanale gelegene, und mich andrerseits die Behandlung von Hückenmarksschnitten mit einer Mischung von Salpetersäure und chlorsaurem Kuli lehrte, dass diese F'asern keine Bindegewebsfasern seien, indem sie durch genanntes, alles Ijindegewebe zerstörende Reagens, nur deutlicher hervortreten.

Hinter der hinter dem Centralcanale gelegenen Commissur liegt nun im Rückenmarke der Forelle beiderseits an die Medianlinie grenzend eine ähnliche Gruppe der sogenannten Hindegewebskör- perchen, wie ich sie früher im verlängerten Marke des Hechtes beschrieben habe. Diese Gruppen haben einen mit der Medianlinie parallelen Längsduichmesser von 1/7 und einen Qnerdiirchmesser von 1/10 Millimeter. Hinter diesen scharf begrenzten Gruppen ist dem massenhaften Vorkommen der kleinen Zellen plötzlich eine Schranke gesetzt, sie finden sich in der dahinter liegenden grauen Substanz {Suhst. gel. Rol. Ows.) nur einzeln.

Bei einer solchen Anctrdnung dieser kleinen zelligen Gebilde in derselben Grundsubstanz, der grauen Substanz nämlich, bleibt der Gedanke ausgeschlossen, dass diese Körper blosse dem Bindegewebe angehörige Zellen seien.

1) Disquisitiones micr. de medull« spiiialis texfiira etc. 1834, pag. 29. Ich kann hiebe!

die Bemerkung nicht unterdrücken, dass crena zwar Zacke bedeutet, crenatus

aber kein lateinisches Wort ist. •'i) Band XXXIV, S. 33.

Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems. J) |

Was den Punkt über die ungleichmässige Vertlieihing der Binde- gewebskörper im Rik'kenniai'ke in historischer Hinsieht bclriin, nuiss ich bemerken, dass schon Ousjannikow angii)t, dass diese Zellen sich nicht gh'ichmässig im Rüekenniarke von Petromyzo n vorfin- den i): Qiun cellulw vel telce cellulosce corpuscula, non ublque pari multitud i n e rep e rta, circum cellulas iierveas fihrasque Muellerianas ingenti numero conferta animadvertuntur 2).

Kupffer gibt zwar an, dass sich in keinem Tiieile des Frosch- rückenmarkes eine eigentinimliche Anordnung der Bindegewebszellen bemerkbar machet), setzt aber sofort hinzu: nisi qiiod in massa cinerea, qua; ventriculi quarti fundum format , atque in filo termi- nali largior illarum,qvamin reliquis medullae partibus, multitiido exstare videtur. St i Hing sagt bei der Kritik der von Kupffer für die Bindegewebskörperchen angegebenen Charaktere über ihr Vor- kommen*): „Sie kommen ebenfalls (wie die grossen Nervenzellen) überall in der grauen Substanz vor, aber auch bald an der einen, bald an der anderen Stelle vorzugsweise, oder gehäuft oder ausschliess- lich." Eine eigenthümliche Anordnung derselben in dem Marke irgend eines Thieres ist ihm aber nicht bekannt. Kölliker spricht endlich von einem massenhaften Vorkommen gedachter Zellen an einzelnen Stellen des Nervensystems ^).

Wenn nun diese Anordnung der vielgenannten Zellen im Rückenmarke der Forelle und in der niedulla ohlongata des Hechtes es mehr als wahrscheinlich machte, dass sie specifische, in den ver- schiedenen Theilen der grauen Substanz verschieden und eigens angeordnete Zellen seien, so wurde dies durch die Untersuchung des Schildkröten-Rückenmarkes zur Gewissheit erhoben.

Wenn man einen mit Carmin infiltrirten Querschnitt aus der Dorsal- oder Lumbalanschvvellung des Rückenmarkes von Emys europaea oder Testudo graca unter dem Mikroskope betrachtet, so sieht man zuvörderst, dass die graue Substanz vollkommen aus- gebildete Vorder- und Hinterhörner bildet, wie bei Vögeln und Säugethieren (dass mithin Bidder's und Kupffer 's Ausspruch,

ij L. c. pag-. 24.

2) Von Reissner in seiner unten angezogenen Arbeit bestritten. S. 564.

3) L. c.

4) L. c. pag. 898.

5) L. c. pag. 293.

o2 M a II t h n c r. Uher die sogenannten

dass bei Amphibien (im Allgemeinen) von einem Vorkommen der Hinterliürner kaum die Rede sein kann *) unrichtig ist). Man sieht ferner, dass in den Vorderhöinern sehr grosse (langlienkugeln mit zahlreichen Fortsätzen liegen, dagegen in den Hinterhörnern aus- schliesslich die von Bidder und Kupffer beschriebenen Binde- gewebskorperchen mit einem Durchmesser von yogo Viso Vno Millimeter sich finden, während die grossen Ganglienkugeln einen zehnmal grösseren Durchmesser (wenigstens nach einer Richtung hin) darbieten (einen Durchmesser von i/gg i/i^ Millimeter), und in der Tliat keine Übergangsstufen von den Zellen der einen zu den Zellen der andern Art existiren.

Sonderbar! Für jene Thierclassen mit entwickelten Hinterhörnern des Rückenmarkes, M^elche Bidder und Kupffer (so wie Met zier und Schilling) untersuchten, und von welchen sie die Angabe machten, dass sich in den HinterhiJrnern keine grossen und un- zweifelhaften Nervenzellen finden, für das Mark des Menschen, der Säugethiere und Vögel hat sich ihre Angabe nicht bestätigt. Es ist eine ziemlich von allen Forschern übereinstimmend beobachtete Thatsache, dass sich auch in den Hinterhörnern des Rückenmarkes des Menschen, der Säugethiere und Vögel unbestreitbare Nerven- zellen befinden s), und ich selbst habe mich von deren Vorkommen im Hinterhorne des menschlichen und des Kaninchen-Rückenmarkes überzeugt.

Für eine Thierclasse aber, welche Bidder und K u p f f e r n i c h t untersuchten, für die Classe der Schildkröten, ist ihre Angabe richtig. Ich habe niemals in dem Hinterhorne des Schildkröten-Rückenmarkes eine grosse Ganglienkugel gesehen.

Insoweit würde der Bau des Rückenmarkes der Schildkröten mit dem Schema übereinstimmen, welches Bidder und Kupffer vom Baue des Rückenmarkes überhaupt entwarfen.

Macht man aber einen Querschnitt durch einen Theil des Schild- kröten-Rückenmarkes, welcher zwischen den beiden Intumescenzen liegt, so wird man mit Erstaunen bemerken, da sich da weder in den Vorder- noch in den Hinterhörnern eine einzige grosse Gangl ienkugel befindet. Man wird ferner an Schnitten, welche

') I.. i: pag. 64.

2) Siehe S 1 11 1 i n g- , I. e. pag. 848.

Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems. 53

gerade in die Bahn der vorderen Nervenwurzel fallen, dieseljje aus der Spitze des Voiderliorns iiervorc^elien sehen in einer Weise, wie ich es hei keiner andern Thierchtsse noch beobachtet habe. Die vordere Nervenwurzel stellt schon innerhalb des Rückenmarkes, während sie durch die weisse Substanz zieht, einen vollkommen gesammelten, sogar von einem Neurileni umgebenen Strang dar, welcher als rotlier Streifen, umgeben vom ungefärbten Marke schon mit freiem Auge sichtbar ist.

Mit Bidder und Kupffer müsste man annehmen, dass im Schildkröten-Rückenmarke vordere und hintere Colonnen der grauen Substanz mit Ausnahme der beiden Intumescenzen keine nervösen Elemente enthalten. Man müsste weiter gehen und erklären, dass die aus dem Rückenmarke entspringenden motorischen Nerven mit Ausnahme jener, die aus den Intumescenzen hervorgehen, aus Bindegewebe bestehen, d(Min wiewohl ich den Übergang eines einzelnen Fortsatzes jener problematischen Zellen in eine markhaltige Faser nicht gesehen habe, so erkennt man doch leicht, dass eine grosse Anzahl ihrer Fortsätze in den gesammelten Strang der vorderen Nervenwurzel eingeht, wahrscheinlich um zum Axencylinder zu werden. Die Annahme , dass die Fasern jener motorischen Nervenwurzeln, die nicht aus den Intumescenzen entspringen, von Ganglienzellen stammen, welche in den Intumescenzen liegen und die ihre Fortsätze nach aufwärts und abwärts abschicken, um sie an der Austrittsstelle der einzelnen Nervenwurzelu in dieselben übergehen zu hissen, ist unstatthaft, weil die Zahl der in den Intu- mescenzen liegenden grossen Ganglienzellen nicht hinreichend ist, um mit ihren Fortsätzen die vorderen VV^u'zeln aller Rückeumarks- nerven zu bilden und man andererseits den Verlauf und Querschnitt dieser auf- und absteigenden und in die Nervenwurzeln einbiegen- den Fasern auf Längs- und Querschnitten des Rückenmarkes erkennen müsste.

Man muss also die sogenannten Biudegewebszellen , welche in den Vorderhörnern des Schildkröten-Rückenmarkes liegen und deren Fortsätze eine Reihe der vorderen Nervenwurzeln bilden, als Zellen ansehen, denen neben unbekannten Wirkungen auch theihveise eine motorische zukommt. Bei diesem merkwürdigen Grössenunterschiede zwischen den motorischen Kiementen in den Intumescenzen und dem dazwischen gelegenen Theile des Rückenmarkes wird man unwill-

54 M a u t h n e r. Über die sogenannten Bindegewebskörpeicheii etc.

kürlicli daran eriiinorf, dass aus den Iiitumescenzen die motorischen Fasern für die Muskeln der vorderen und hinteren Extremitäten ent- springen, dazwischen ai)er die bewegenden Nerven fiir die Rücken- muskeln abgehen, die bei den Schildkröten zum Theile so viel wie keine Wirksamkeit äussern, zum Theile, wie bekannt, in iliror Form eigenthümlich metam()ri)bosirt sind.

In den Vürderhürnern des Schildkröten-Rückenmarkes kann man also von einer motorischen Wirkung der viel ])('s[»ro;lienen zelligen Gebilde mit Recht sprechen. Was ihnen aber ausser dieser für Wir- kungen zukommen, welche Bedeutung überhaupt die graue Substanz als solche hat, bleibt vorläufig in tiefes Dunkel gehüllt.

Ich kann diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne zu erwähnen, dass der ganze Kern des kleinen Gehirns der Fische (Hecht) aus ähnlichen zelligen Gebilden besteht, wie sie in der grauen Substanz des Rückenmarkes vorkommen, zelligen Gebilden mit einem Durch- messer von 1/050 Millimeter. In diesem aus kleinsten Zellen gebildeten centralen Theile des kleinen Gehirns, welciier den weit überwiegenden Theil des ganzen kleinen Gehirns ausmacht, sieht man nur einzelne grössere Gefässstämme, und hie und da einen durchziehenden aus markhaltigen Fasern bestehendin Nervenzug. Diesen ganzen Kern des kleinen Gehirns der Fische für Bindegewebe zu erklären, wird Niemandem in den Sinn kommen. Die specifische Wirkung dieser Zellen im kleinen Gehirne der Fische ist jedoch ebenso dunkel, wie sie es zum grössten Theile im Rückenmarke ist i)-

1) Die Gründe, welche Reissner in seiner mir n.iclifriiglicli ziig;eivoninieneu Arbeit (IJeitrag-e zurKenntniss vom Baue des Rückeninarlies von Petrotiiyzon fluv. L. , Rei- chert's und Dubois' Archiv, 18G0), pag. JJG.^J fiir die bindegewebige Natur un- serer Zellen geltend macht, beziehen sich auf die äussere Ähnlichkeit derselben mit Kernen von augenscheinlich bindegewebiger Natur. Wie wenig beweisend die iius- serliche Übereinstimmung zweier Gebilde für deren Identität ist, kann man sich leicht klar machen, wenn man bedenkt, dass man es einer Zelle als solchen nicht ansehen kann, ob sie-eiue Ganglienzelle oder eine Krebszelle sei !

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IV. SITZUNG VOM 31. JÄNNEK 1861

Der Secretär gibt Nachricht vor) dem Ableben des auswiirtigen correspondirendeii Mitgliedes, Herrn Dr. Wilhelm W e r t h e i m, in Paris.

Herr Prof. Dr. J. Purkyne dankt mit Schreiben vom 28. Jän- ner I. J. für seine Wahl zum wirklichen Mitgliede der Akademie.

Eingesendet wurden folgende Abhandlungen:

1. „Nouvelle theorie sur Torigine et le mouvement des cometes", von Mehemed Ali Efendi, Oberstlieutenant im türkischen Geniecorps, durch das c. M., Freiherrn v. Schlechta.

2. „Beiträge zur österreichischen Grottenfauna", von Herrn Dr. H. Wankel, durch Herrn Regierungsrath, Prof. Hyrtl.

3. „Mineralwasser-Analyse des Bronislawbrunnens in dem Bade- orte Truskawiec auf der Cameralherrschaft Drohobycz in Gali- zien", von Herrn R. Günsberg, Assistenten am chemischen Laboratorium der k. k. technischen Akademie zu Lemberg.

4. „Über die Gesetze der Doppelbrechung", von Herrn Dr. V. von Lang, d.Z. in Paris.

Herr Prof. Kn er übergibt die vierte Fortsetzung seiner Abhand- lung: „Über den Flossenbau der Fische".

Herr Prof. Brücke legt eine Abhandlung ^,über den Metall- glanz" vor.

Herr Director v. Littrow überreicht eine Abhandlung: „Physi- sche Zusammenkünfte der Asteroiden im Jahre 1861 '^

An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie, königl. bayer., zu München, Grenzen und Grenzgebiete der physiologischen Forschung. Festrede von E. H a r 1 e s s. Ein- leitende Worte zur Feier des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs Maximilian IL, gesprochen von Just. Freih. V. L i e b i g. Rede auf Sir Thomas ß a b i n g t o n M a c a u 1 a y.

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den Essayiston nnd Geschichtschrelber Englands. Vorgetras^^on von Georg Thonuis von Rudliart. Gedäclitnissrode auf Fried- rich von Tliiei'scli. Vorgetragen von Georg Martin Thomas. Verzeichniss der Mitglieder der k. h. Akademie der Wissen- schaften. 1860. München, 1860; 4o- Annalen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Friedr. Wöhler, J. Liebig und Herrn. Kopp. Band. XLI, Heft 1. Leipzig und Heidelberg, 1861; S"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1 20 1 und 1 292. Altena, 1 80 1 ; i"- Au Stria, XHI. Jahrgang, III. u. IV. Heft. Wien, 1861 ; 8o- Bauzeitung, Allgemeine, XXV. Jahrgang, 10., II. und 12. Heft

sammt Atlas. Wien, 1860; Fol. und 4o- Cosmos, X' Annee, 18' Volume, 3' et 4^ Livraison. Paris, 1861 ; 8o- Flora, oder allgem. botan. Zeit., Nr. 39—48. Regenshurg, 1860; 8»- Gazette med^d'Oiient, IV' Annee, Nr. 10. Constantitiople, 1861; 4<'- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, hei'aus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XIV, Hefl 6. Heidelberg, 1860; So- Land- und forstwirtlischaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr 3, Wien,

1861; kl. 4o- Ludwig, K., Lehrbuch der Physiologie des Menschen. II. Band, 2. und 3. Abtheilung. Zweite neu bearbeitete Auflage. Leipzig und Heidelberg, 1860 und 1861 ; 8»- Verein, geognostisch-montanistischer , für Steiermark, X. Bericht.

Gratz, 1861; So- Villa, Antonio, Suiroriginedelle perle e suUa possibilita di produrle artificialniente. Belazione. (Extr. dal Politeciiico Fase. 48, Giuguo 1860.)Milano, 1860; So- Osservazione zoologiche, eseguite durante l'ecclisse parziale di sole de! 18 luglio 1860. (Extr. dagli Attidella Societä Italiana diScienze naturali, Vol. II.) Mil., 1860; So- Straordinaria apparizione di insetti carnivori. (Extr. dal Giorn. Ing. Arch. ed Agroii. annoVllI.) Milano, 1 860 ; 8o- Wicner mediz. Wochenschrift, XI. Jahrg. Nr. 3 u. 4. Wien, 1861 ; 4o- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschafl.

X. Jahrgang, Nr. 7. Gratz. 1861 ; 4o- Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereines, XII. Jahr- gang, 10.— 12. Heft. Wien, 1861 ; 4o-

P o k o r n y. Uiitersuchung'eii über die Torfmoore Ungarns. 37

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. Von Dr. Alois Pokorny,

k. k. Gymnasiallehrer und Privatdoeentcn ai der Universität lu Wien.

(Mit I Tafel.) (Vorgelegt in der Sitzung am 21. Juni 1860.)

Einleitung.

Eine im Sommer 18S9 mit Unterstützung des hohen k. k. Ge- neralgouvernements in Ofen unternommene Bereisuiig der Torfmoore des ungarischen Tieflandf^s bot Gelegenlieit, über die Lage, Ausdeh- nung, Mächtigkeit und Bescliaffenheit derselben zuverlässige Daten zu erheben und durch Aufnahmen in der Natur und Sammeln von später zu untersuchenden Torfproben die Entstehung und Bildung derselben zu ermitteln. Es handelte sieh hiebe! nicht so sehr um detailiiite Aufnahme einzelner Torflager, als um eine Recognoscirung des ganzen Tietlandes bezüglich des Vorkommens, der Beschaffenheit und des Werthes seiner Sumpfbrennstoffe. Des-shalb schien es angemes- sen, ohne kleine isolirte Torflager, wo sie sich leicht berühren liesseii, von der Untersuchung auszuschliessen, hauptsächlich grössere Moor- terrains und Sumpfgebiete zu bereisen und unter diesen wurden der Hansagsumpf zu vier verschiedenen Malen, die Moore des Platten- see's, der Sar-ret bei Stublweissenburg und am Sär-viz, die Mar- czalsümpfe, ferner im Theissgebiete der Hosszu-ret im Bodrogköz, der Ecsedi-fjäp, der Berettyu-Sarret bei Füszes-Gyarmath, endlich der Alibunaer und Illancaer Morast im Banate einer näheren Unter- suchung unterworfen.

Die durch diese Bereisung gewonnene Anschauung genügte, um die Beschaffenheit der im Tieflande vorkommenden Torfmoore

d'8 P o k o r n y.

im Allgemeinen zu beurtheilen. Über das Vorkommen ähnlicher und anderer Bihliingen giihen werthvolle, zum Theil von Torfftrohen begleitete amtliche Mittheilungen der k. k. Stalthalterei-Ahtheilungen zu Ofen, Pressburg, Ödenhurg, Kaschau und Grosswardein über ihre Verwiiltungsgebiete weitere Aufschlüsse. Endlich haben die Herren Professoren Dr. .1. v. Szabo in Pest und Dr. A. Kerner in Ofen ihre wichtigen Wahrnelinumgen über einzelne ungarische Torfmoore gefalligst zur weiteren Benützung mitgetheilt.

Einen Theil der mitgebrachten und eingesendeten Torfproben Hess Herr Professor Dr. A. Schrot ter bereitwilligst im Laborato- rium des k. k. polytechnischen Instituts auf Wasser-, Aschengehalt und Brennkraft untersuchen, wodurch es möglich war, auch die Qualität der ungarischen Torfe zu beurtheilen.

Auf diese Weise konnten aus Ungarn, dessen Torfmoore und deren Verhältnisse bisher ganz unbekannt geblieben, 18 grössere Torfterrains von mindestens tausend Joch Ausdehnung und Sl kleinere sporadische Torfuioore in allen Theilen des Landes nach- gewiesen, beschrieben und kartographisch vei'zeichnet werden. Von den meisten derselben sind Torfproben in der Sammlung der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien niedergelegt. Zugleich genügen die gewonnenen allgemeinen Resultate über die Moore des Flachlandes zur Beurtheilung ihrer Bildung und ihres technischen Werthes.

Die ungarischen Torfmoore im Allgemeinen.

Unter Torfmooren werden hier nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche Vegetationsformen verstanden, durch welche sich Reste einer Massenvegetation von vorherrschend krautartigen byprophilen Ptlanzen als eine mehr oder minder mächtige Schichte brennbarer Körper anhäufen. Die brennbaren Zersetzungsproducte solcher Moore werden unter dem Collecfivnamen Torf zusammen- gefasst, obgleich sie in ihrem Aussehen, in ihren Eigenschaften und im Werlhe ausserordentlich verschieden sind. Da durch die stete Verwechslung der verschiedenen Torfsorten die Kenntniss und Beurtheilung dieser Brennstoffe sehr schwankend geworden ist.

Uiitersiichiingeii über die Torfmoore Ungarns. 59

SO witr CS nöthig, diese zu den Alhivialgebilden gehörigen jüngsten Koliletigesteine einer näheren vergleichenden Untersuchung zu unter- ziehen, um Merkmale zu gewinnen, wodurcii die verschiedenen Körper dieser Gruppe sich untersciieiden. In der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt vom 17. April 1860 wurde dieser Ver- such gewagt, eine Eintheilung derselben in vertorfte Pflanzen, eigentliche Torfe, harzige und kohl ige Körper und Halbtorfe vorgeschlagen und eine Charakteristik der österreichi- schen Torfsorten vorgelegt. Auf diese Arbeit gestützt, kann sich vor- liegende Abhandlung auf die Verhältnisse der ungarischen Torfmoore selbst beschränken.

Bekanntlich hat die neuere Pflanzengeographie mit immer grösserer Schärfe zwei Hauptformen von Torfmooren unterschieden, welche durch ihre Vegetation, ihre Vegetationsbedingungen, und wie zuletzt von mir nachgewiesen wurde, auch durch ihre Producte differiren. Es sind dies die Hochmoore und ihr Gegensatz, die Flach muore.

Die Hochmoore, von Lesquereux auch sup ra-aq uatische Moore, von anderen Holz-, Wald- und Sphagnenmoore ge- nannt, siedeln sich nur auf organischer Unterlage, auf Holzmoder, Heidemoder oder auf Flachmooren an und bedürfen zu ihrer Speisung weiches, von gelösten unorganischen Stofl'en möglichst reines Wasser. Sie wachsen durch die Hygroskopicität der Torfmoore über das Wasserniveau, in der Mitte sich wölbend, heran und bilden leichtere und mitteldichte braune Torfsorten von geringem Aschengehalt.

Unter dem Namen Flachmoore begreife ich die als Grün- landsmoore, infraaquatische Moore, Wiesen-, Rasen-, Röhrichtmoore, schwingende Moore und schwimmende Inseln unterschiedenen Moor- formen. Durch ihre ebene Oberfläche, welche nie ein benachbartes Niveau bedeutend überragt und durch ihre Vegetationsdecke, zu deren Speisung hartes Wasser mit reichlich gelösten unoi'ganischen Stoffen genügt, unterscheiden sie sich von den Hochmooren eben so sehr, als durch den Umstand, dass sie unmittelbar auf unorgani- schem Boden auftreten und zuletzt dichtere, braune oder schwarze, stärker zersetzte Torfsorten von grösserem Aschengehalte liefern.

Beide Hauptformen der Torfmoore kommen in Ungarn vor und es soll hier zunächst von ihrer Verbreitung und Beschaffenheit da- selbst gehandelt werden.

ßO P o k 0 r 11 y.

1. Ungarische Hochmoore.

Hochmoore kommen in Ungiirii nur im Karpalhengebirgo vor und gehören meist der Sandsteinzone desseliien an. Siestimmen in jeder Beziehung mit den beicannten mittelcnropäischen und nordischen Hoch- mooren, welche liier im östlichen Theii Europa's ihre äquatoriale Yer- breituMgsgrenze finden, vollkommen überein. Sie erscheinen gewöhn- lich in flachen, muldenförmigen Thälern , sind nach den zahlreichen Holzresten grösstonthoils aus einer Waldvegetation hervorgegangen und reichen, wie die aus den Arvaer Torfmooren ausgegrabenen Thierreste beweisen, in ein hohes Alter zurück.

Die ungarischen Hochmoore sind meist von geringer Ausdeh- nung und treten sporadisch auf. Nur im obersten Arva-Thal, dessen Gewässer noch der Waag und Donau zuströmen, während jenseits der fast unmoiklichen Wasserscheide an der galizischen Grenze mit der Dunajpc das Stromgebiet der Weichsel beginnt, ist ein grosses zusammengehöriges Torfterrain gelegen, dessen Flächenraum nach amtlichen Angaben auf 6 8 Qnadratmeilen veranschlagt werden muss. Ein grosser Tlieil dieses Terrains ist mit Hochmooren erfüllt, welche durch die eigenthümliche terrassen- luul plateauförmige Ter- raingestaltung in dieser so grossaitigen Entwiekelung begünstigt wurden. Vielleicht gehören auch die Torfmoore von Neu-Walddorf, Bela-Ilokusz und Hunsdorf bei Kesmark in derZips, am östlichen Fuss der Tatrakette gelegen, so wie mehrere der Liptauer Buri (Waldmoore) grösseren zusammenhängenden Torfgebieten an, was erst zu entscheiden ist.

Kleine , aber sehr interessante Hocbmoorbildungen in den östlichen Karpathen, im Quellengebiet der Szamos. bat Herr Professor Dr.A. Kern er bei der Bereisung des Biharer Gebirges entdeckt und mir gütigst hierüber Mittheilungen gemacht. Man beobachtet hier das seltene Auftreten von echten Hochmooren im Kalkgebirge, das sich bei näherer Untersuchung dadurch erklärt, dass die Thalsohle aus Sandstein und dem füi- Wasser impiMineahlen Detritus desselben besteht und die Grundlage des gewölbten Hochmoors ein an dem Fuss der Thal wände noch fortvegetirendes Wiesenmoor ist. In der Localität Oncesa unterhalb der Petra-talhariuluj treten die Hoch- moore in der Mitte der von einem Bache durchschnittenen Tbalsohle an beiden Seiten des Baches, wie nebenstehende Skizze zeigt, auf

Uiitersiicliunn-en iilier die Torfmoore Ungarns.

6t

Es sind echte Hochmoore, stark c^owölbt mit Sphagnen, Eriophornm vaginatam, Scheuchzeria palustris, Empetrum nigriim! Calluna

a Kalk, b Sandstein, c Flaclnnoor, d Hochmoor, e Fluss in der Thalsohle. Hochmoor iiu (luRllrngebiete der Szamos.

vulgaris (eine Pflanze, die dem ungarischen Tieflande fehlt einen der östlichsten Verhreituiigspunkte hat) u. s. f.

Ans Ungarn sind bisher folgende Hochmoore bekannt: a) Grössere Torfterrains.

1. Das Arvaer Moorphiteaii.

b) S p 0 r a d i s c 1) e Hochmoore.

2. Cserne (Trencsiii).

3. Verbicz

und liier

4. Diibrova ö. Szelnicze

6. Sz. Kerest

7. Trjechov

8. Neu- Walddorf

9. Bela-Piokusz iO. Hunsdorf 11. Oncesa

VI. Vale-Gropili

(Liptau).

(Zips). (Süd-Bihar).

2. Ingarische Flachmoore.

Im ungarischen Tieflande kommen nur Fiachmoore vor. Über die jedenfalls nur unbedeutenden Flachmoore der Gebirge, insbe- sondere der Karpatben ist nichts Näheres bekannt.

Der Untergrund dieser Moore besteht gewöhnlich aus einem sehr zähen, feinen bläulichgrauen Tbon, seltener aus compactem, scharfkantigem Quarzsand. Biswellen trennt nur eine geringe Schichte impermeablen Thones das Moorbecken von einer wasserdurchlassen-

Ö2 Pokorny.

de» Schotter- oder Siindscliichte. Die grösston ungarischen Moore i'iihen auf den nii(ch!i<Ton Alluvial- und Dilnvialfiehilden des ungarischen Tieflatidt's, die ahwechselnd aus Sand und Thon hestehen. In den grösseren Mooihcciken kann man üherall das Anftreleri sogenannter Inseln (szigelh), liiihle und Hügel (honiok und haloni) waliinehnien, welche aus den Sauden, Thonen und in selteneren Fällen aus dem Schotter des benachharten, etwas erhöhten wellenförmigen Terrains bestehen, meistens nur unmerklich über das Niveau des Moores her- vorragen, aber festen, loiffreien Boden besitzen und als Wiesen oder Felder i)enützt werden.

Die Speisung dieser Moore erfolgt theils durch atmosphä- risches Wasser (Hegen- und Schneewasser), welches in den Vei'- ticfiingen des Bodens, ungeheuren Pfützen vergleichbar, zurückbleibt, ohne ablliessen zu können, theils aber auch durch das Hochwasser der Flüsse, durch sogenanntes Gnmdwasser imd Quellen, vorzüglich aber durch sich verlierende Flüsse. Das trübe, schlammige Inunda- ti()ns\\asser der ungarischen Flüsse erzeugt, wo es bald wieder ab- fliesst und verdunstet, bald aber wiederkehrt, nur Süm[>fe ohne Torf- bildung und zwar theils Röhricht, theils Sumpfwiesen. In grösserer Entfernung jedoch und an tiefei-en Stidlen der Oberfläche, wohin der- gleichen Hochwasser theils überfluthend. theils aus dem permeablen Boden aufsteigend nur in längeren Zwisclienräuuien gelangt, dabei sich klärt und lange Zeit zurückbb ibt, entstehen unter sonst günsti- gen Verhältnissen leicht Torfmoore. Die Quellen, übrigens seltene Erscheinungen im Tiefbuide, treten gewöhnlich am Fusse der Sand- terrains auf und sind durch geringere Temperatur und hölieren Salz- gehalt dei' Moorbildung eher hinderlieh als befördernd. Bei der ausserordentlich geringen Neigung der Bodenoberfliiehe finden auch die fliessenden Gewässer der Ebene häufig keinen Abfluss und geben dann Veranlassung zur Bildung von Seen, Sümpfen und Mooren. Hieber gehih'en die zablieicheu verschwindenden Flüsschen, soge- nannt(! Moorrinnen, welche in einem Moore ohne Abfluss sich verlieren, während andere grössere Flüsse, nachdem sie in ein \N'assernetz sich ausgebreitet haben, endlich wieder abfliessen. Zu letzteren Moorformen gehören einige der grössten Torfterrains von Ungarn, wie der Särret des Berettyo und der Sebes Koros, der Ecsedi-Läp durch die Kiaszn;i veranlasst, während der Hosszu-ret im Bodiügköz nui" diwch das zurüctkbleibende geklärte Inundations-

Untersiiphnng'eii (11)01- die Torfmooro Ungarns. ()3

wassor der Theiss und div*? Bodrocf, der Hansag theils durch die Hoclnvässer des Neiisiodlersees und durch atniosphärischos Wasser nach schiiocreiclien Wint(M'n und in nassen Jaliron, theils aber auch durch die Rahnitz gespeist wird. Eiijjcntlii'unlich ist die Speisung^ des 17 Meilen langen schmalen Sumpfterrains im Pest-Snlter Coinitat zwischen Ocsa und Baja, durcli die Seilivvasser des henachbai-ten Sandplateaus. Die Art der Speisung ist nicht nur für die Torfhildung von grosser Wichtigkeit, sondern nuiss aucli hei der Toi'fgewinnung und bei der Trockenlegung der Sümpfe genau ermittelt und berück- sichtigt werden.

Die Mächtigkeit der ungarischen Flaehmoore ist nidil sehr beträchtlich. Zahlreiche Sondirungen in den verschiedensten Tbeilen des ungarischen Tieflandes ergaben in der Regel schon bei 6 8 Fuss Tiefe festen Untergrund und nur einmal bei Högyesz in den Marczalsümpfen wurde erst bei 15 Fuss der Untergrund erreicht. Bei älteren Torfmooren, wehdie an der Oberfläche bereits in das Stadium der Moorwiesen übergegangen sind, ist noch von der Mäch- tigkeit die oberste Schichte von 1 1 '/o Fuss, die aus Torferde und verwittertem Torf besteht, als Abraum abzuziehen. Bei jüngeren Mooren, die noch als Rohrdecken bestehen, befindet sich unter der lockeren Vegetatioiisdecke eine mehrere Fuss mäclitige Schichte von wässerigem Schlamme. Bei Hochwassern ist selbstverständlich die Mächtigkeit des aufgelockerten und gehobenen Moores etwas bedeu- tender, als bei niederem Wasserstande und in trockenen Jahren. Im Allgemeinen übersteigt daher die abbauwürdige Mächtigkeit der ungarischen Flachmoore, wo sie bereits dichter sind uiul sich gesetzt haben, nicht 5 6 Fuss, in den meislen Fällen ist sie sogar viel geringer. P^s hängt die Mächtigkeit mit der geringen Tiefe der ungarischen Sümpfe und Seen, aus welchen die Moore hervorgegan- gen sind, zusammen. Die grösste Tiefe des Neusiedlersees beträgt nur 13 Fuss, die des Plaltensees 18 Fuss; ausgedehnte Suiiipfge- biete wie das Moorbe(!ken bei Kelhely am Plattensee, der Ecsedi Läp, der Berettyo Särret haben an den tiefsten, fiir unergründlich gehaltenen Stellen in 8 10 Fuss Tiefe festen Untergrund; ja der ausgedehnte Alibunaer Morast im Banat ist selbst in seinem Innern nur 3 4 Fuss tief.

Die Entstehung der ungarischen Flachmoore lässt sich in den älteren derartigen Bildungen durch Untersuchung der in ihnen

64

I' () k o r n V.

erhaltenen Pflaiizenreste leiclit iiacliweisen. Ältere Torfmoore (Fig. 2), die als solche aiieli ohne inensohliche Kiiiwirkun": ihre Entwickelutiff

Fiff. 2.

n Muorerde, b schwarzer Torf, c brauner lUchter Torf, (/ brauner eieliler Torf, e Tlion. DiircLscliiiitl ciiifs älteren Flarlimoors.

vollständig abgeschlossen hahen, sind oberflächlich mit der Vegetation fruchtbarer \Viesen bedeckt, deren Reste keinen Torf, sondern eine schwarze unverbrennliche Erde bilden helfen. Unter diesen Moor- wiesen liegt eine oft nur einige Zoll, selten einen Fuss oder darüber mächtige Schichte eines schwarzen, dichten Torfes, in welchem sich nur selten Reste von echten Moorpflanzen als Torfbildner erkennen lassen. Doch findet man bisweilen Wurzeln und Wurzelfasern, Rhizome und Blattscheiden, die sich sämmtlich durch ihre kohl- schwarze Färbung auszeichnen und auf Aspidium Thclypteris, Sclrpus maritimus Schoenus nigricans, und ähnliciie Pflanzen hin- deuten. Unter diesem schwarzen Torfe liegt aber ganz allgemein ein brauner Torf, der nach abwärts zu immer lichter gefärbt und leichter ist und der entweder ausschliesslich nur aus den leicht kenntlichen Resten des Schilfrohres besteht oder auch Rasenstöcke, von Riedgräsern eingeschlossen enthält. Der unterste Torf ist von einer lichten, röthlicbbraunen Farbe, breiartig und verbreitet einen penetranten Schwefel- WasserstofTgasgeruch.

Hieraus, so wie aus dem Vorkommen von Süsswasserschneckeii, die sich in stehenden Gewässern aufhalten, erhellt, dass ursprüng- lich an der Stelle solcher ungarischer Flachmoore seichte Wasser- ansammlungen bestanden, welche, wie zahlreiche analoge Fälle der ungarischen Sümpfe bekräftigen, zuerst mit untergetauchten Was- serpflanzen, später mit Rohr und Riedgräsern und zuletzt mit Moor- pflanzen sich bedeckten. Ein solches Flachmoor lässt 5 Stadien in seiner Entwickelung unterscheiden, von denen jedoch nur die drei mittleren torfhildend sind. Diese 5 Stadien sind: 1. das Hydrophyten-

Uiitersuchungeii über die Torfmoore Ungarns. (J5

nioor, 2. der Rohrwald, 3. die Rohi-wiese, 4. das Wiesenmoor, und 5. die Moorwiese.

Die Pflanzen des Hydropliytenmoores verfaulen, ohne zur Torf- bildung beizutragen, das Schilfrohr hingegen niuss als jene Pflanze hervorgehoben werden, aus welcher der grösste Theil des ungari- schen Torfes besteht und welches die gemeinschaftliche Unterlage der ungarischen Flachmoore abgibt. Man überzeugt sich durch Sondirungen in den Rohrwäldern und Rohrwiesen, namentlich in den schwingenden Rohrdecken (sogenannten Lap) sehr leicht von der Wichtigkeit dieses Torfbildners, dessen Reste hier ausschliesslich eine 5 6 Fuss mächtige Schichte zu bilden pflegen. In der Rohr- wiese ist das Rohr schon im Aussterben begrifl'en und wird von rasenbildenden Gräsern und Halbgräsern, namentlich Agrostis stolo- nifera und Carex-Arten verdrängt und ersetzt. Bei hinreichender Feuchtigkeit geht die Rohrwiese in ein Wiesenmoor über, womit aber die Torfbildung naturgemäss abschliesst, da das Wiesenmoor nicht die hygroskopischen Mouse des Hochmoores besitzt, welche ein Emporwachsen des Torfmoores über das Wasserniveau bis zu einer bestimmten Grenze ermöglicht. So wie aber selbst das supra- aquatische Hochmoor zuletzt mit dem Auftreten von Flechten seine Entwickeluug als Torfmoor beendigt und in eine Heide übergeht, eben so folgt dem noch torfbildenden Wiesenmoor die Moorwiese als Anfang der Vegetationsformen des trockenen, torflosen Bodens.

Die hier gegebene Entwickelungsgeschichte der ungarischen Flachmoore erleidet bisweilen einige Modificationen, In manchen Fällen wird das Rohr durch die isolirten Rasenstöeke der Carex stricta sehr bald verdrängt, und das Röhricht geht in ein sogenanntes Zsombekmoor über. Gewöhnlich ist die torfige Unterlage eines solchen sehr gering; doch siedeln sieh Zsombeks auch mitten in Rohrwäldern auf mächtigen Schilftorflagern an. Die Zsombekmoore gehen nach der Austrocknung gewöhnlich in Wiesen ohne Torfbil- dung über. Ein solches Moor kann daher als Torfmoor nur insoferne betrachtet werden, als die abgestorbenen Rasenstöcke selbst den Brennstoff abgeben.

Im Moorgrund gedeiht die Schwarzerle (^Alnus gluthiosaj vor- züglich. Daher treten auch Erlenwälder in verschiedenen Stadien der Moorbildung vicariirend auf. Meistens ist aber dann die Bildung von Torf unterbrochen und auch die Gewinnung des bereits vorhan-

Sitzl.. rt. malheni.-iialurw. Cl. XMII. Bd. 1. Ahlli. ä

QQ I* o k o I- II y.

denen Torfes erschwert oder unmöglich gemacht. Doch sind Erlen- wälder in den ungnrischen Mooren nicht selir häufig, am gross- artigsten im südlichen Theile des Hansäg, im Schurmoor bei St. Georgen nächst Pressburg, bei Ecsed im Ecsedi-Läp. An einigen Stellen des Hansägs, so namenllich am Eichbühl und im Wieselburger Torfstich, werden Hölzer im Torf gefimden. Sie gehören Erlen an und beweisen das Vorhandensein ähnlicher Sumpfwälder an Stellen, wo gegenwärtig Moorwiesen vorkommen. Die näheren Umstände dieser Verwandlung sind noch nicht genügend erkannt.

Viele ungarische Moore befinden sich noch in einem jüngeren Stadium ihrer Entwickelung; in den grösseren Moorterrains lassen sich oft sogar alle Stadien derselben mit ihren vicariirenden Formen neben einander beobachten. Für die Praxis dürfte es aber genügen, im ungarischen Tieflande nur drei Hauptfoimen von torflühreiiden Mooren zu unterscheiden, um so mehr, als diese ihrer Eigenthüm- lichkeiten wegen landesübliche Namen erhallen haben. E«; sind dies die schwingenden Rohr decken (Läp), woliin die torfführenden Rohrwälder, Rohrwiesen und zum Theil Wiesenmoore gehören, ferner die eigentlichen Wiesen moore mit den sie bisweilen be- deckenden Moorwiesen (Sär-retje) und endlieh die Zsombek- m 0 0 r e.

Man trifft diese Moore bald in grösseren beckenförmigen Ver- tiefungen des Terrains, welche Seen oder seeartige Sümpfe von meilenweiter Erstreckung enthielten; oder sie sind in schmalen flachen Thalrinnen der Länge nach in unmerklichen terrassenförmigen Abstufungen vertheilt; oder sie treten endlich sporadisch in den Mulden eines wellenförmigen, gewöhnlich sandigen Terrains auf. Man kann daher in dieser Beziehung Moorbecken, Moorthäler und Moor m u 1 d e n unterscheiden.

DieM 0 0 r b e c k e n des ungarischenTieflandes liegen theils an Seen theils an Flüssen. Im erstem Falle waren es selbständige Seen, die nur zur Zeit der Hochwässer mit dem Hauptsec communicirten, oder förm- liche Seebuchten, die sich allmählich mit Vegetationsmasse anfüllten und sodann trennten. Besonders lehrreich sind in dieser Beziehung die beiden am südlichen Ufer des Plattensees gelegenen Moorbecken. Da das östliche Moorbecken bei Kethely durch eine Landbarre schon seit Langem vom Plattensee schärfer getrennt und durch den Haupt- canal hinreichend entwässert ist , so konnte die Moorbildnng hier

Uiilei-suchuiigeii ülier die TorfinDoie Uiig'arns. 67

weiter sich entwickeln , als in dem untern Theil des Moorbeekens von Keszthely, welches noch jetzt einen offenen See bildet, der mit dem Plattensee durch die Brücke bei Fennek zusammenhängt. Die beiden Moorbecken des Hansag am östlichen Ufer des Neusiedler- sees waren ursprünglich in einer ähnlichen Verbindung nut letzterem, während jetzt schon seit Langem diese Verbindung wenigstens in trockenen Jahren ganz aufgehört hat.

Die an Flüssen gelegenen Moorbeckeii waren seefi»:mige Wasseransammlungen, durch den Mangel des Gefälles entstanden, in welchen sich der Fluss verlor, um erst am entgegengesetzten Ende von Neuem gleichsam zu entspringen. Man sieht dies noch an den Moorbecken des ßerettyo; sonst sind solche Moorbecken durch Canäle ganz trocken gelegt, wie der Sär-ret bei Stuhlweissen- burg, oder Avemgstens der Abfluss geregelt, wie au der Kraszna im Eesedi-Läp. Von diesen Moorbecken, welche durch das Verschwinden eines Flusses und sein Auflösen in ein Wassernetz gebildet wurden, sindjeneMoorbecken zu unterscheiden, die durch Überstauungswasser gespeist werden, wie der Hosszuret im Bodrog-köz oder der Sebes- Körös-Sär-ret.

Die Torflager solcher Moorbeckeii beginnen stets mit der Lap- bildung, welche an vielen Stellen lange Zeit hindurch stationär bleibt, während sie an anderen Punkten durch die Abnahme des Wassers in Wiesenmoor oder Zsombekmoor übergeht. Im Allgemeinen sind die tiefsten und wasserreichsten Stellen in derEntwickeluug am weitesten zurück; während die an den Flüssen und Canälen gelegenen Thei.'e durch Überschlemmung oder auch durch Austrocknung die Stadien der Flachmoorbüdung schneller durchlaufen. Dazu kommt noch, dass die Moorbecken in der Regel mit Bodenanschwellungen und Erbe- bungen versehen sind, von denen aus ebenfalls ein Fortschreiten der Möorstadien ausgeht.

Zur bessern Versinnlichung der Läpbildung möge beifolgender Durchschnitt des ersten Läps in dem Canal des Berettyo-Sär-ret zwischen Füszes-Gyarmath und Nagy-Bäjom (Fig. 3) dienen. Dieser Lap ist vom Canal durchschnitten; der feste Untergrund aus Thon wird in dem ganzen und gedehnten Moorbecken constant erst in 8 Fuss Tiefe erreicht. Oberhalb desselben befindet sich eine 2 Fuss mächtige dünnflüssige Schlammschichte mit spärlichen Hohrwurzeln, über welcher sich die (i Fuss mächtisfe Rohrdecke erhebt. Auf dieser

68

P o k o r II y.

Rohrdecke hat sich inselförmig eine dichtere Rasendecke von Gräsern angesiedelt, die durch Abmähen in ihrem compacten Wachsthum

Fia:. 3.

w//////////////////////y////////////////v/s

a Canal, /> sclnviniinondp Insel, c Rolirwiese, d Rohrwalil, e Rolirdecke, /"Schlamm, g fester Thon. Diirrlisclinilt eines Läps bei Fiiszes-Gyarmath.

noch hefördei't wird. Diese Grasrasendecke bildet nun eine sogenannte schwimmende Insel, den ersten Anfang eines sich immer mehr aus- breitenden Wiesenmoors. Das Rohr des ursprünglichen und benach- barten Rohrwaldes ist auf denselben noch nicht gänzlich verschwun- den. Es treibt noch hie und da kin-ze Halme, kommt aber liier nicht mehr zur Blüthe und wird gemäht als Heu verwendet.

Fi-. 4.

A,

.w^1#-

n Craszna-Canal, h Hutweide, c Zsombi'k, rf dctto mit Rolir, e Erlenwald, fMoorthon, g Halbtorf

und Wiesentorf, k Scbilftorf, i Thon-Unterg-ruud.

Darchschnitt des Ecscdi-Läps bei Ecscd.

Die Wirkung einer Üherschleiiimung durc'h Inundationswasser auf die fortschreitende Moorentwiekeluug lässt sich namentlich au Canälcn, die häufig trübes Wasser führen, beobachten. An dem Kraszna-Canal bei Ecsed (Fig. 4.), der in einem etwas erhöhten Ter- rain eingeschnitten ist, kann liian beiderseits ausgedehnte Hutwei- den beobachten mit einer mächtigen Schichte von schwarzen Moor-

Untersiichiingen über die Torfmoore Ung'arns. ß9

tlion , unter welchem in einiger Entfernung vom Ciin-.il Torf liegt. Die Hutweide geht, je weiter man vom Canal sich entfernt, anmählieh in ein Zsombekmoor über, weiches zuletzt noch Reste eines aus- sterbenden Rohrwaldes aufweist. Hinter dem Zsombekmoor tritt ein Erlensumpfwald, der, wie die Sonde lehrt, gleich dem Zsombekmoor auf einem Lager von Schilftorf ruht, während die oberflächliche Schichte aus einer erdigen Mischung von Halbtorf und Wiesentorf besteht. Ähnliche Vorkommnisse am Rande der Moorbecken und um die inselförmigen Bodenanschwellungen im Innern der Moore sind ziemlich allgemein verbreitet.

Die Moorbecken enthalten die ausgedehntesten und wichtigsten Torflager des ungarischen Tieflandes. Sie verdienen desshalb zu- nächst eine genaue auf Vermessungen und Sondirungen gegründete Aufnahme. Eine solche ist um so nothwendiger, als in einem Moor- Terrain von mehreren Quadratmeilen selbstverständlich alle ange- führten Stadien der Moorentwickelung und selbst weite torfFreie Stellen vorkommen. Am ergiebigsten sind jene Stellen, wo die Moorentwickeiung ihren natürlichen Abschluss in den Moorwiesen erhalten hat. Hier findet man die dichtesten und in gewisser Beziehung reifsten Torfsorten, Aber auch mächtigere Läpbildungen und Zsom- bekmoore können lohnende Ausbeute an Brennstoft' gewähren , wie noch später dargestellt werden soll.

Bisher sind aus dem ungarischen Tieflande folgende mit Flach- mooren erfüllte Becken bekannt:

1. Hansag östliches Becken (mit den Torfstichen Ottohof und Wieselburg).

2. Hansäg westliches Becken (mit dem Torfstich St. Johann).

3. Sär-ret bei Stuhlweissenburg.

4. Moorbecken bei Keszthely (Zaia).

5. Moorbecken bei Kethely (Somogy).

6. Berettyö Sär-ret mocsarok "\

7. Bekeser Sär-ret \ um Füszes-Gyarmath.

8. Sebes Koros Sär-ret mocsarok)

9. Ecsedi-L;ip (Szäthmär). 10. Hosszu-ret (Zemplin).

Zu i]en grössten Moorterrains gehört noch das 17 Meilen lange schmale Sumpfgebiet des Pest-Solter Comitates. welches jedoch durch seine Lage und Beschaffenheit vielleicht richtiger den Moor-

70

P o k o r n V.

thälern beigezählt werden sollte, du es in einem verlassenen Fluss- beet der Donau vorzukommen scheint. Manche Moorhceken, wie das hei Sünicgh (Zalaer Comitat) sind durch Cultur und Brand ihres Torfgeiialtes schon verlustig, ein Schicksal, welches den Sar-iet bei Stuiihveissenhurg zum Theile auch schon trilTt. Von anderen muth- niasslichcn Moorbecken fehlen nähere Untersuchungen.

Die Moorthäler treten nach den bisherigen Wahrnehmungen blos in dem wellenförmigen Terrain am rechten Donauufer auf. Hier kommen hauptsächlich im Löss schmale flache Thalrinnen vor, welche, nur durch eine geringe Bodcnanschwcllung getrennt, häufig parallel laufen, einen geringen Fall haben, dadurch locale stehende \^'asscransammlungen veranlassen und Moorltildungen begünstigen.

Ein ausgezeichnetes Beispiel dieser Art hietet der aus dem Sar-ret bei Stuhlvveissenburg entspringende Sär-viz, welcher an mehreren Punkten seines jetzt regulirten Laufes, als bei Szabad Balhyän, Kaloz, Hatvan und Örs dergleichen locale Torfbildungen aufweist. Doch sind auch hier letztere durch die geringe Breite deT Thalrinne, durch Brand und Überschlemmungen, so wie durch

a Malom-esiUor, b Haiiptcanal, c Löss, d blauer Letten, e Wiesenmoore. SÄr-r(5t bei HiUvAii.

sogenannte Inseln wesentlich beeinträchtigt. Bei Hätvän z. B. befindet sich (Fig. 5) in etwas erhöhtem Terrain (Löss) einerseits der Mühl- canal (Malom-csätor), andererseits der Hauptableitungscanal einge- schnitten. In der Mitte der Thalrinne geht aber überdies noch eine freilich nur unbedeutend über das Terrain sich erhebende Lössinsel durch, welche die beiden Torflager der Thalrinne trennt. Beide sind bereits im Stadium der Moorwiese angelangt und unbedeutend, da in dem am Mühlcanal gelegenen schon in S Fuss Tiefe der feste Untergrund (ein blauer Letten) erreicht wird, während das andere am Hauptcanal gelegene, ofTenbar durch Brand zerstörte Lager gar nur 3 Fuss tief ist.

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. IJ' |i

Die Müorthüler, welche ilireii ursprünglichen Zustund noch nicht durch Ableitungscanäle verloren haben, wie zum Tlieile die Marczal- sümpfe, zeigen dieselben verschiedenen Entwickelungsstadien, wie die Moorbecken. Auch hier ist vorherrschend die Lapbildung, welche den übrigen Moorbildungen vorangeht.

Zu den bisher bekannten Moorthälern gehören folgende Fiuss- gebiete:

1. Der Marczalfluss (Veszprem und Zaia).

2. Sar-viz bei Pöjöske]

3. Zalafluss ( (ZaIa).

4. Keszthelybach ^

H. Sarviz (Stuhl weissenburg).

6. Kapos (Tolna).

Während Moorbecken und Moorthäler zusammenhängende Systeme von Moor- und Torfbildungen sind, findet man im ganzen ungarischen Tieflande sporadische Flachmoore von sehr verschieden- artiger Ausdehnung und Beschaffenheit. Die grösseren derselben nähern sich den Moorbecken und die zahlreichen verschwindenden Flüsschen erinnern, wo sie mit Moorbildungen verbunden sind, als Moorrinnen an die eben beschriebenen Moorthäler, Am häufigsten jedoch treten die sporadischen Flachmoore ohne Zusammenhang mit fliessenden oder stehenden Gewässern in eigenen Moormulden, namentlich im Sandterrain auf.

Die nähere Untersuchung lehrt, dass auch in einem solchen Fall die Thalmulde von einer impermeablen Bodensehichte bedeckt ist, welche sich aus dem hier sammelnden und nicht wieder abfliessenden Wasser absetzt. In dem geklärten Wasser siedelt sich auch hier zuerst das Röhricht an. Zumeist geht dasselbe aber nicht in \\ iesen- moor, sondern durch das baldige Verdunsten des Wassers in ein Zsom- bekmoor über. Dabei ist die Mächtigkeit des Moors in der Regel nicht bedeutend. Beifolgende Skizze (Fig. 6) macht die Bildung eines solchen Zsombekmoors aus dem Sandterrain zwischen Debreczin und Nagy-Käroly anschaulich. In einer grossen Mulde zwischen Nyir-Bel- tek und Lugos (im Szaboicser Comitat) wird die Einförmigkeit des sterilsten Flugsandes, der beträchtliche von jeder Vegetation ent- blösste Hügel bildet, durch eine üppige und ausgedehnte Moorent- wickelung unterbrochen. Eine Sandwelle theilt die Mulde in zwei von Zsombekmooren ausgefüllte Theile, der Rand des Moores, in eine

72

P o k o r n y.

lockere friiclilhare Moorerde übergehend, wird als Feld zum Aiihau benutzt, während zwuschen den Zsombeks bei hiiireicheuder Troeken-

Fiff. 6.

n Sand, b Thon, c Moorerdc, d Halbtorf, e Zsoinke'k, /"Mais, g Pteris. Zsomb^kmoorc im Sandterrain bei Nyir-B6ll^){.

legung des Moors Vieh weidet und die Sonde lehrt, dass unter den Zsombeks eine 3 4 Fuss mächtige Schichte von Halhtorf liegt, welche selbst wieder auf einer Lettenschichte ruht. An der breitesten Stelle der Mulde laufen sogar drei solche Zsombekmoore parallel. In der Mitte der Fiugsandhügel haben sich Büsche von Adlerfarn (^Pte- ris aqiiilinaj n\s einzige auffallende Vegetation derselben angesiedelt. Zur bequemen Übersicht folgt nun hier eine Aufzählung der sporadischen Fl ach moore des ungarischen Tieflandes nach den bisherigen Erfahrungen. Diese Aufzählung ist voraussichtlich noch sehr unvollständig, da die Zahl der kleineren Moore, namentlich der Zsombekmoore, eine sehr grosse ist. Auch wurden schon hier einige zu unbedeutende oder an grössere Moorgebiete sich anschliessende Flachmoore mit Stillschweigen übergangen, oder mehrere kleinere benachbarte zusammengefasst.

Sporadische Flachinoore in Fngarn.

I. Röhricht- ii n d Wi e s e n m o o r e.

i. Schurmoor (Presshurg),

2. ßöös (Insel Schutt).

3. Laah (Pressburg).

4. Szap (Comorn).

5. Eos ,D ,>,

> (Raab).

6. Kajärj '^ ^

7. Nagy-Kanisza (Zala).

8. Füred-Tihany) .

9. Szigligeth ) ^'^"^^'

Untersiicliuiigeii über dio Torfmoore ITiiy^arns. 73

10. Köveskalla (Z;.!;*).

11. Rnkosfeld (Pest- Pills).

12. Nagy-Köros (Pest-Solt).

13. Dinnyes (Stuhlvvelssenburg).

14. Bakta (Heves).

15. Kanyapta Sumpf (Aba-uj-Torna).

16. Sarkozi

CSzathmar).

17. Mikola ' ^ ^

18. Hertnek (Saros).

19. Sandorf / ,„ .\

> (Banat).

20. Urmenyhazaj

21. ? Ghymes (Unter-Neutra).

22. ? NeiihäusI (Unter-Neutra).

23. ? Sassin (Ober-Neutra).

24. ? Trstye (Trencsin).

25. ? Szernye Sumpf (Beregh-Ugocsa).

26. ? Dar da (Baranya).

27. ? Güsslng ( ^ü- 1 ^

'^ > (Eisenburg).

28. ? Vasvär j ^ ^^

29. ? Bares ) .^ .

> (SomogY).

30. ? Darany ) "^ ^^^

31. ? Pauliscb (Banat).

II. Zsombekmoore.

32. Puszta Gubacs (Pest-Solt).

33. Tisza Ugh (Szolnok).

34. Csath (Borsod).

35. Puszta Sz. Laszlo (Jaziglen).

36. Nagy-Kallo ]

37. Nylregybaza) (Szaboles).

38. Nyir-Belfek )

39. ? Edeleny (Borsod).

40. ? Er Mihalyfalva (Nord-Bibar).

Die mit einem Fragezeicben (?) bezeiebneten Flacbmoore sind als Torfmoore bisber zweifelbaft.

Der Torf der ungariscben Flacbmoore ist sebr mannigfaltig. Wenn man alle brennbaren Reste von Sumpfpflanzen, die sieb daselbst

74

k () r II V.

iuihäuferi, dazurot'liiiet , so d.irf niiin kciiiou Anstand iicliinen, nucli die Eingangs erwälmten vertorften Pflanzen als solchen zu bezeich- nen. Zu den letzteren gehören aber in Ungarn vorzugsweise die isolirten Torfrasenstöcke, weiche den landesüblichen Namen Zsoin- bek führen und die zusammenhängenden Torfrasendecken, welche das Schilfrohr in den sogenannten Laps bildet.

iJie vertorften Pflanzen schwinden beim Trocknen nur un- bedeutend, höchstens um ein Dritlheil ihres frühern Volumei»s und ver- ändern sich dabei nur wem'g. Sie haben, wo sie nicht mit Erde oder Schlamm verunreinigt sind, ein sehr geringes specifisches Gewicht. So wurde das Gewicht eines Zsombeks von Stublweissenburg = 0-1 1 gefunden. Das Gewicht einer schwingenden Rasendenke (Insel) im Berettyö-Sariet bei Füszes-Gyarmath ergab im Mittel von 3 Proben 0-19 und eine Pi'ohe aus dem Ecsedi-Lap 0-16.

Die chemischeAnalyse, welche Hr. Prof. Schrott er imLabora- torium des k. k. polytechnischen Instituts von Herrn E. Teirich ausführen liess, kaim annähernd den ßrennwerth der ungarischen Zsombek und La'p beurtheilen helfen. Diese Analyse lieferte folgende Resultate:

Zsombek von Stublweissenburg

Torfrasendecke

(Lap) von Füsies

Gyarniatb

Specifisches Gewicht

011

9-26

28-43

2238 6

23-21

0-19

13-19

11-26

2396- 6

21-87

Wassergehalt in 0/^

Aschengehalt in "o c . . .

Heizkraft in Wärmeeinheiten

Äquivalent einer Klafter 30zölligen Fichten- holzes in W. Centnern

Zsombek und Lap gehören daher zu den leicbtesten, lockersten Brennstotfen, welche, wenn sie ziemlich rein von erdigen Beimen- gungen sind, an Heizkraft den bessern leichtern Torfsorten des ungarischen Tieflandes sich nähern. Die Zsombeks haben in luft- trockenem Zustande weniger Wassergelialt als die Läps, welch letztere hingegen in der Regel reiner von Mineralheimengungen sind. Die sehr geringe Dichte dieser beiden Brennstolfe beeinträchtigt ihre Verwendbarkeit.

Uiitersiichung'eii üher di.' Torfmoore Uiigiirns.

75

Der eigentliche Torf zeichnet sieh dadurch vor den Torf- rasen aus, dass er eine bei-eits starker zersetzte, im frischen Zustande plastisclie Masse bildet, welche beim Trocknen bedeutend schwindet. Die ungarischen Flachmoore enthalten zweierlei Torfsorten: einen braunen leichten Torf, der fast nur aus den Resten von Schilfrohr zusammengesetzt ist und desslialb Schilftorf genannt werden kann, und einen schwarzen dichtem Torf, der oberflächlich vor- kommt und aus einer Wit'senmoor- Vegetation hervorgeht; man kann ihn Wi es e nto rf nennen.

Die Volumsverminderung des frischen Torfes beim Trocknen ist sehr wiclitig zur annähernden Bestimmung des in einem Torflager von gegebenen Dimensionen enthaltenen Torfquantums. In dieser Bezie- hung liegen sehr genaue Beobachtungen über den ungarischen Torf vor, welch Hr. Friedrich Egerer, Verwalter im Baron wSina^ sehen Torfstich zu Ottohof, auf meine Veranlassung gemacht hat.

In diesem Torfstich wurden genau übereinander liegende Torf- stücke, welche einen Durchschnitt des Torflagers darstellten, aus- gehoben und sowohl im nassen als im lufttrockenen Zustande einer sorgfältigen Messung und Wägung unterworfen. Zugleich wurde aus einem ähnlichen Durchschnitt eine auf gewöhnliche Weise gebaggerte und eine stärker mit Wasser vermischte und zertheilte Torfmasse (aufgelöster oder Maschineutorf) erzeugt. Bei der Lufttrocknung ergab sich folgende Volumsverminderung:

Von lOOVoliimth

frischen Torfes

Ijlieben

verschwanden

1. (oberste) Schictite, schwarzer Wiesentorf

2. Schichte

27.7 25-7 269 23-4

40-6 28-8 23-6 13-9

72-3 74-3 73-1 76-6

S9-4 71-2 76-4 86-1

3. Schichte

4. Schichte . .

5. (unterste) Schichte, röthlicher stinlicnder Schilftorf

Im Mittel der Stichtoif des Torflagers . . Gebag-gerter Torf

oo . - - . .

Aufgelöster Torf

Man sieht hieraus , dass beim ungarischen Torf im Durchschnitt der Stichtorf auf weniger als ein Drittheil (28-8o/o), der Baggertorf

76

I' o k o r n v.

iuif weniger ;ils '/^ (s:feiiauer 23-6«/o) und der aufgelöste Torf auf weniger als 1/7 (genauer 13-9''/(,) des ursiininglichen Volumens schwindet. Die unteren Schichten des Lagers schwinden mehr, und nur die unterste, mit Mineraltheilen stärker vermengte macht eine Ausnahme davon.

Da es sich heim Torfbetrieb häufig um die Förderung grosser Massen frischen Torfes handelt, so ist es nicht unwichtig, das Gewicht desselben zu kennen und zugleich das Wasserquantum zu erfahren, welches bei der Lufttrocknung vordunsten muss. Das Gewicht des frischen Torfes erhielt bei der Fjufttrocknung folgende Verluste:

Von |I»0 GcHiehtsth. fiisclien Torfes

Speeitiselies (_io-

wiebt «les lufl-

tiuekeiKM.ToiiVs

blieben

versibwaiiden

1. (oberste) Schiclite scliwar-

zer Wiesentorf

31 7

68-3

1-05

2. Schichte

21-9

78-1

ü-78

3. Schichte

11) -5

80- S

0-96

4. Schichte

16-7

83-3

0-67

5. (unterste Schichte) röthli-

cher stinkender Schilftorf

170

83-0

0-41

Im Mittel des Stichtorfs des

Lagers

21-4

78-6

0-67

Gebaggerter Torf ....

21 3

78-7

1-08

Aufgelöster Torf

22-S

77-5

1-16

Diese Tabelle lehrt, dass der ungarische Stichtorf im Durch- schnitt lufttrocken, nur fast 1/5 (21-4Yo) des ursprünglichen Ge- wichtes besitzt, daher Y5 des Gewichtes als Wasser verdunsten müssen. Der Baggertorf zeigt nahezu dasselbe Verhältniss, der auf- gelöste Torf ist sogar etwas trockener als der Baggertorf. Übrigens nimmt der Wassergehalt (die Nässe) der Torfsorten wie voraus- sichtlich mit der Tiefe regelmässig zu , so dass von den untersten Schichten beiläufig nur i/g tles ursprünglichen Gewichtsquantums übrig bleibt , während bei der obersten Schichte 1/3 des Gewichtes sich erhält.

Ebenso regelmässig nimmt aber bei den ungarischen Torfen das specifische Gewicht mit der Tiefe ab, so zwar, dass die untersten

llnfersucliungeii iilier (Uc Torfmoore Ungarns.

77

Scliic'litoii im lufttrockenen Zuslaiule ^^/^nvA so leicht sind, als die obei-fliichlichen. VViilireiul sich die mittlere Dichte des Stichtorfs auf 0-67 ergibt, hat der Baggertorf 1-08 und der geschlemmte Torf li6 nach einer andern Probe sogar 1-27 specifisches Gewicht. Jedoch muss bemerkt werden, dass obige von einem Punkte des Torfstiches zu Ottohof entnonwiietien Daten nicht vollkommen mass- gebend für alle ungarischen Flachmoortorfe sind. Sie gelten nur für die dichteren, schweren Sorten, da dies gerade eine Stelle ist, wo wie die chemische Analyse herausstellte, ungewöhnlich viel Mineral- theile dem Torfe beigemengt waren , wodurch das Gewicht sich etwas höher stellt. Überhaupt dürfte dies der Fall bei allen unga- rischen Torfen sein, deren Gewicht im lufttrockenen Zustande über 0-6 steigt. Es sind dies ältere dichtere Torfe, die sich oberflächlich schon im Stadium der Moorwiesen befinden und durchschnittlich eine schwarze Farbe haben.

Was den Brennwerth dieser dichteren Torfsorten aus den ungarischen Flachmooren betrilTt, so ergibt sich dieser aus folgenden Analysen :

1. Ottoliof Stichtorf oberste Sciiiclite

2. OttohofStichtorfunterste Sctiictite

3. Ottohof aufgelöster Torf

4. Alter Torfstich im Schur- Moor

Specifi- sches Gewicht

Wasser- gehalt in Vo

Asche

in o/o

110

15-06

21-43

0-60

9d9

32-99

1-27

13-90

24-21

?

9- 4

32-00

Heizkraft in Wärine- Einlieiten

2116-0

206Ö-4 2187-3

1380

Äquivalent einer Klafter

30 zölligen Fichtenholzes in W. Centner

24-76

25-38 23-96

33-17

1 und 3 nach der Analyse des Herrn E. Teirieh im Luboratorium des k. k. polytechnischen Institutes, 2 nach der Analyse des Herrn .1. Wiesner, ebenda, 4 nach einer Analyse des Herrn Dr. A. Bauer.

Die beiden Torfsorten 2 und 4 kiinnen wegen ihres hohen Aschengehaltes nur mehr als Halbtorf betrachtet werden.

Die leichteren braunen Torfsorten der ungarischen Flachmoore haben meist ein specifisches Gewicht zwischen 0-2 0-5 und einen geringern Aschengehalt Hieher gehören beispielsweise

78

I* o k (I r II y.

Specifisches Gewicht:

Torf von Sf. Johiinn im Hansac^ 0-23

der P. Sari bei Kethely 0-25

Eszterliazy'schen Herrschaft Süttör 0-41

Trockener Torf von Santlorf bei Ilanea im Banat 0'43

S/äp 0-46

Den leichtesten Torf fand ich im [{abnitz-Canale an einer Stelle (ugrado) zwischen Pnszta-Föhlszigeth und den Kiraly-to. Er bildet im Wasser aufsteigende, dieSchillYahrt bisweilen hemmende Massen und besteht nur aus feinen unverwesten Fasern des Schilfes. Getrocknet hat dieses lockere Fasergewerhe nur ein Gewicht von 009, also weniger selbst als die lockersten Zsomheks. Dieser Torf ist jedoch eine rein locale Bildung, welche dadurcili entsteht, dass das rasch tliessende Wasser hier ein Torflager durchströmt, und dessen untere Schichten, welche Schilftorf von 0*4 0*6 Gewicht besitzen, auswäscht.

Die chemische Analyse der leichteren Torfsorten des ungarischen Flachlandes ergab folgende Resultate:

Spcoifi-

sches Gewicht

Wasser- gehalt

Asche

14 63

17i9

14-7Ö

16 öl

11- 3

17- 3

11- 3

lä.

Heizkraft

inWärmeeiü-

heiten

Äquivaleot einer Klafter

30 zoUigeu

Fichtenholzes

in W. C.

1. Torf vom Wieselburger Torfstich

2. Torf vom Torfstich zu St. Johann

3. Torf von der Rustenwiese im Schurmoor 1. Probe .

4. Torf von der Rustenwiese im Schurmoor 2. Probe .

0-2.3 0-23

2302-3

2380-5

2390

2392

22-76

22-02

21-93

21-91

1. nach der Analyse des Herrn E. Tei rieli im Laboratorium des k. k. polytechni- schen Institutes; 3. und 4. nach einer Analyse des Herrn Dr. A. Bauer.

Nach diesen Daten liegt die Heizkraft der ungarischen Flach- moortorfe, der Zsombek und Lap (wenn man vom Halbtorf mit mehr als 30»/o Asche absieht) zwischen 2100 und 2400 Wärmeeinheiten; der Wassergehalt schwankt von 9 15%; der Aschengehalt von 11 28%. Die leichteren Sorten stehen über der Mitte der Heizkraft

Uiitersiichiingeii über die Torfmoore ITngarns. "J^

(22S0 Wärmeeinheiten); die (lichteren Sorten unter denselben. aber beide Sorten gewöhnlich in demselben Torflager vorzukommen pflegen, so ist diese mittlere HeizkraCt als die im grossen Durchschnitt geltende anzusehen.

Der Torf der ungarischen Flachmoore gehört demnach, ver- glichen mit dem Torf der Hochmoore, welcher bei sehr unbedeuten- dem Aschengehalt eine Heizkraft bis 3180 Wärmeeinheiten liefert, zu den geringeren Torfsorten. Dies darf jedoch nicht hindern, seinen wahren Werth als BrennslotF da anzuerkennen, wo er in grosser Quantität vorkommt und billig herzustellen ist. Welche Quantitäten von diesem BrennstotT in dem brennstofTarmen Tietlande Ungarns auf- gespeichert sind, erhellt aus folgender Betrachtung:

Ein Wiener Joch Zsombekmoor zu 1600 Q Klafter enthält, ohne Rücksicht auf den tortigen Untergrund, wenn auch nur 1/5 des Areals mit Zsombeks erfüllt ist und diese zu 24 Zoll Höhe angenom- men werden, bei obiger Dichte der leichten lockern Sorten von 0-11 und ohne Rücksichtnahme auf das jedenfalls unbedeutende Schwinden derselben beim Trocknen mindestens 1429-40 Centner BrennstofF von etwa 2260 Wärmeeinheiten, also ein Äquivalent von 61-5 Klaftern SOzölligen Fichtenholzes,

Ein Wiener Joch Läpbildung (schwingende Rohr- und Rasen- decke) enthält bei 3 Fuss Tiefe und einer Volumsveränderung von 1/3 durch das Trocknen, ferner bei der geringen Dichte von 0*19 im lufttrockenen Zustande mindestens 12344-83 Centner Brennstoff, welche bei einer Heizkraft von etwa 2400 Wärmeeinheiten ein Äqui- valent von S65-2 Klaftern 30zöliigen Fichtenholzes abgeben.

Ein Wiener Joch eigentliches Torfmoor, den ungarischen Fiach- mooren angehörig, liefert bei einer Mächtigkeit von 3 Fuss abbauwür- digen Torfes, und bei einer Volumsverminderung von mehr als 2/3 (genauer 71 -20/0) durch das Trocknen, ferner bei der mittleren Dichte von 067 im lufttrockenen Zustande mindestens 18809-61 Cent- ner Torf, der zur mittlem Heizkraft der ungarischen Flachmoortorfe, von 2250 Wärmeeinheiten ein Äquivalent von 8075 Klaftern 30 zöl- ligen Fichtenholzes abgiht. Für jeden Fuss Mächtigkeit berechnet sich das Torfqnantum bei einem solchen Torfmoor auf 6269*87 Cent- ner Torf. Bei den leichteren Torfsorten, deren mittlere Dichte 0-4 beträgt, liefert jeder Fuss Mächtigkeit bei einem Joch 3735*93 Cent- ner Torf, jedoch von höhere^' Heizkraft.

^Q I' (> k n r II y.

Nach diesen Anhaltspunkten lüst-t sich leiclit der Werth eines hestinimten Torfnioors schätzen. Es mag hier nur noch erinnert wer- den, dass wie der specielle Theil näher nachweist, in deui Berettyo Särret die der jjfräflich Bhuikenstein'schen Familie angeliörige Läp- bildung allein über 11.000 Joche beträgt und dass der Flächenraum der Torfmoore des Hansägs auf mindestens 22.000 Wiener Joch geschätzt werden muss. Es gibt aber in Uugarn 18 grössere Torfterrains von 1000 und mehr Joch Ausdehnung und bei 50 kleinere Torflager, so weit die bisherigen Untersuchungen reichen.

Was nun dieAusbeute der ungarischen Flachmoortorfe anlangt, so lassen sich im Allgemeinen nur wenige Andeutungen geben, da die Localverhältnisse allein die Rentabilität eines derartigen Unter- nehmens entscheiden können.

Doch wird die Torfgewinnung allenthalben dringend zu empfehlen sein, wo grössere Tortlager durch Entwässerungs- odei- Schutzbauten ausgetrocknet und anderen Culturformen zugeführt werden, weil sonst der Torf rasch seine Eigenschaften als Brennstoff einbüsst, verwittert und somit nutzlos verloren geht. In den meisten Fällen sollte desshalh die Entsumpfung des Landes mit der Torfgewinnung gleichzeitig vorgenommen werden , so wie letztere dazu beitragen kömite, die Austrocknung grösserer Moorterrains an sich lohnend zu machen, und noch überdies beträchtliche Landstrecken für eine höhere Cultur (als Erlenwald, Feld oder Wiese) zu gewinnen. Auf eine Neubildung oder Regener i rung des Torfes in den ausgebeuteten P'lachmooren des ungarischen Tieflandes ist, wenn man auf den Nutzen von Grund und Boden allein sieht, nicht zu rechnen. Obgleich nämlich alle Stadien der Moorbilduug in den grösseren Sumpfgehieten sich beobachten lassen, so fehlt es an jedem einigermassen verlässlichen Anhaltspunkte, die zu ihrer Entwickelung nöthige Zeit festzustellen. Geologisch sind die ungarischen Flach- moortorfe gewiss sehr junge Bildungen und ihre Entwickelungs- geschichte lehrt, dass sie bei ihrer geringen Mächtigkeit in nicht zu langer Zeit das ursprünglich vorhandene Wasser ausfüllen, ohne über dessen Niveau sich beträchtlich erheben zu können. Andererseits liegen keine Erfahrungen aus Einschlüssen oder direclen Beobach- tungen vor, wie gross diese Zeit selbst ist. Wie lange ein bestimmtes Stadium, wie z. B. die Läpbildung währen muss, um ein Wasser- becken von bestimmter Tiefe zu füllen, ist desshalb gänzlich ungewiss.

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. q\

Es ist wahrscheinlich, dass die Röhrichtmoore unter Umständen sehr lange stationär bleiben, bis sie in Wiesenmoore übergehen. Meistens ist es künstliche Entwässerung, welche diesen Übergang beschleu- nigt. Da im ungarischen Tieflande erst in neuester Zeit Torf gesto- chen wird, so liegen auch keine genügende Erfahrungen aus Torf- stichen vor. Die ältesten Stiche im Baron Sina'schen Torfstiche bei Ottohof im Flansäggebiete sind 12 Jahre alt. Sie sind n\it Rohr- hochwald bedeckt, der einzelne offene Wasserstellen liat und in einer Tiefe von 4 5 Fuss im sandig thonigen Untergrund wurzelt. Doch ist bei weitem noch nicht die ganze Tiefe mit Rohrwurzeln erfüllt und es ist nicht abzusehen, wie lange der Rohrhochwald bei unver- ändertem Wasserstande an dieser Stelle sich erhalten wird. Da die Rohrwurzelstöcke nur sehr locker den Raum erfüllen, so ist die Masse des in diesem Zeiträume gebildeten Brennstoffes jedenfalls sehr gering. Viel wichtiger als rascher Torfbiklner tritt hier in diesen Torfstichen ein Riedgras (Carex paludosaj auf, welches in einem lOjälirigen Stiche 20 Zoll tiefe Rasenstöcke bildete, deren dichtes Wurzelgeflecht mit angeschwemmten Moortheilchen innig gemengt eine frischem Fasertorfe täuschend ähnliche Schichte bildete. Die Verwachsung der Torfstiche erfolgt im Allgemeinen ziemlich rasch, so dass im vierten Jahre bereits der ganze Stich mit Schilf und Ried- gräsern bedeckt ist. Alles dies sind aber erst Vorbereitungen zur künftigen Torfbildung und man kann noch nicht daraus entnehmen, in welchem Zeiträume sich wirklicher, hinreichend zersetzter und dichter Torf bildet. Es wird desshalb vom praktischen Standpunkte aus räthlicher erscheinen, die ausgebeuteten Torfgründe in Cultur- formen zu verwandeln, welche einen sichern Ertrag in kürzerer Zeit versprechen. Wo der Grund sieh nicht hinreicbend entwässern lässt, ist die Anlage von Erlenwäldern, die vortrefFiich gedeilien, vor Allem zu empfehlen; in massig feuchtem Morgrund sind Wiesen, in trocke- nem Felder einzuführen.

Der Torf der ungarischen Flachmoore eignet sich am besten zur Gewinnung durch Baggern oder bei grösserem Betriebe zur Erzeugung eines aus einer breiartigen Masse durch das natürliche Schwinden beim Trocknen entstandenen Masehinentorfes i)- I^''^

1) Vgl. über Torfg-ewinnung und Torfveredlung. (Wiener Zeitung, 1860, vom 20. und 21. März.)

Sitzb. d. mathera.-naturw. Cl. XLHI. Bd. f. Abth. 6

32 P o k o r n y.

Compressionsverfahren erscheint für die dichteren erdigen Torfsorten, zu denen der ungarische Torf gehört, minder passend; so wie über- haupt kostsj)icIigcre Gewinnungsmethoden bei dem oben nachgewie- senen geringen Brennwertli desselben sicli riiclit lohnen. Bezüglich i\e\' Verwendung des ungarischen Torfes ist hier nocli zu erwähnen, dass er besonders reich an Destillationsproducten ist und in dieser Hinsicht vielseitige Anwendung gestattet. Es muss jedoch der Praxis überlassen bleiben das Nähere über die rationellsten und ergiebigsten Methoden der Gewinnung und Verwendung des ungarischen Torfes unter besonderen Localverhältnissen aufzufinden. Hier war es nur die Aufgabe, auf das Vorhandensein grosser Vorräthe von Brennstoff, zum Theil im brennstoffärmsten Theil des Landes aufmerksam zu machen, die Eigenschaften desselben und seine Verbreitung darzulegen und hiedurch zur Verwendung eines sonst nutzlos verschwindenden Brenn- materials aufzumuntern.

Die ungarischen Torfmoore im Besonderen.

1. Pressburger Comitat.

aj Moor Schur bei St. Georgen i).

Lage. Südöstlich von St. Georgen am Fusse der Karpathen in einer Niederung, welche westlich an die Pressburg- Tirnauer Eisenbahn , nördlich an den nach Slavisch - Eisgrub führenden Weg, östlich an die beiden PallfVy'sehen Meierhöfe und südlich an das Gebiet von Weinern grenzt. Der gesammte Moorbodencomplex wird auf 968Katastraljoche geschätzt und führt den Namen Schurwald.

Bewässerung. Mehrere Bächlein des Gebirges ergiessen sich an der Westseite des Sumpfes, in welchem sie sich verlieren und an der Ostseite als Schwarzwasser abfliessen. Die dunkle Farbe des letztern rührt hier, wie in allen Mooren, unstreitig von den aufgelösten Humuskörpern des Torfes her.

Untergrund. Im westlichen Theil ein grünlicher Lehm mit Glimmer und Quarztheilchen, aus der Verwitterung des benachbarten

•) Koi-nluiber, das Moor „Schur" hei St. Georgen in den Verhandiiing'en des Vereines für Naturkunde in Pressbiirg 18:>8, 2. Heft, pag. 29— :$«. Amtliche Mittheilung'en vom Biirg-ermcisfer der k. Freistadt St. fieorcren.

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 83

feldspathreichen Granits entstanden. Im östlichen Theil wahrschein- lich Kiesboden oder Schotterlagen.

Culturart. Der grösste Theil des Terrains ist mit einem schönen Niederwald von Schwarzerlen bedeckt. Im nordöstlichen Theile findet man Wiesen mit sauren Gräsern (Rustenwiese).

Torf. Die durchschnittliche Tiefgründig-keit des Moorbodens im Walde wird auf 4 Fuss geschätzt. Der Erlen-Sumpfwald hat demnach hier, wahrscheinlich wie an ähnlichen Orten eine ziemlich mächtige Unterlage von brennbarer Moorsubstanz oder Torf. Eigent- licher Torf wird jedoch nur an zwei Orten ausserhalb des Waldes angegeben: in dem alten Torfstich in der Nähe des nördlicher ge- legenen PalfFy'schen Meierhofes und auf der sogenannten Rusten- wiese. Der in den dreissiger Jahren eröffnete Torfstich ist gegen- wärtig bereits wieder aufgelassen. Auf der Rustenwiese ist das St. Georger Schwefelbad etablirt, wobei das an Schwefelwasser- stoff reiche Torfwasser benützt wird. Die Ausdehnung dieses Torf- lagers wird auf 4 6 Joch geschätzt, die durchschnittliche Mäch- tigkeit auf 3 Fuss, doch wurde in der Mitte auf 6 Fuss noch nicht der Untergrund erreicht.

Analysen. Torf vom alten Torfstich nach Dr. Bauer enthält 9-4 Procent Wasser, 32 Procent Asche und hat nach Berthier's Methode einen Brennwerth von 1S80 Wärmeeinheiten. Es wären demnach erst 33 Centner desselben das Äquivalent einer Klafter dreissigzölligen Fichtenholzes. Die analysirte Probe war offenbar nur Halbtorf.

Zwei Proben vom Torf der Rustenwiese ergaben: die eine 11 -30/0 Wasser 17-3Vo Asche, 2390 Wärmeeinheiten, oder 22 Ctr. Torf als Äquivalent einer Klafter dreissigzölligen Fichtenholzes, und die andere 11 'So/o Wasser, 15% Asche und 2392 Wärmeeinheiten.

h) Moor zwischen Laab und Zankendorf i).

Zwei Meilen nördlich von Marchegg, am westlichen Abhänge der Karpathen, dem Stromgebiete der March angehörig. VAn Torf- lager von circa SO Jochen Ausdehnung, welches die Gutsinhabung in Stampfen ohne bedeutende Resultate zu erzielen, im Jahre 1836 eröffnete, bis im Jahre 1846 der Torf sich selbst entzündete und

1) Amtlicher Bericht des Stulilrichteramles Pressliur;

84 P o k o 1- II y.

ausbrannte. Gegenwärtig befindet sich eine Wiese mit üppigem Gras- wuchs daselbst.

cj Moore auf der grossen Insel Schutt*).

Im Stuhlriehteramtsbezirk Szerdahely kommen südlich von Szerdaliely, namentlich in den Gemeinden Värbony und Böüs aus- gedehnte Torflager vor. Das grösste derselben liegt in der Gemeinde Varbony, umfasst beiläufig 400 Joch und liegt in einer Sumpf- niederuiig, dem sogenannten Rudasto an der Hoos-Värbonyer Strasse nördlich von Böös. Es soll 5 6 Fuss mächtig und den gi'össten Theil des .hihrcs mit Wasser bedeckt sein. Die Moorsiimpfe der Gemeinde ßöüs werden auf 300 Jocli geschätzt, sind jedoch weniger reichhaltig als vorige. Das gleichfiills auf der Insel Schutt befindliche Torflager von Szäp gehört zum Comorner Comitat (s. dasselbe).

3. Ober-Neatraer Comitat.

Hier wird im Szenitzer Stuhlbezirke Torf vermutliet, weil im Jahre 1857 im Burer Walde in der Illawina auf der k. k. Familien- herrschaft Sa SS in (Säsvär) in Folge eines Waldbrandes, der 5 Joch verwüstete, der Boden noch nach 7 Wochen derartig heiss war, dass dünne Holzstücke auf 4 5 Fuss in die Erde gebracht, sich bedeutend erhitzten und aus den so entstandenen ÖfTnungen Rauch aufstieg, was auf einen ziemlich tief eindringenden Erdbrand hindeutet. In der Tliat ist der grosse Burer Wald, dessen nördlichster Theil nur das Ober-Neutraer Comitat bei Szenicz, Sandorf und Sassin berührt, durch seine Lage am westlichen Fusse derKarpathen, also eigentlich bereits in derMarchniederung, vollkonmien zur Moorbildung geeignet.

3. Inter-Neutraer Comitat.

Nach dem amtlichen Bericht des Comitats-Physicus Dr. Joseph von Nagy kommen hier Torfmoore vor.

ay Kleinere Moore in den muldenförmigen Vertiefungen des Gebirges bei Ghymess (nordöstlich von Neutra, vielleicht Hoch- moore).

by Ausgedehntere Moore in der Ebene bei Jardoshedgy gegen Neuhäusl. Wahrscheinlich Flachmoore, dem Flussffebiete der

') Ainllieher -üericlit des Stulilrieliteramles Szerdahely.

Untersuchungen über die Torfmoore Ung-arns. 85

Neiifra angehön'g und mit den Moorsümpfen der untern Waag bis in die Gegend von Coniorn sich erstreckend.

4. Comorner Comitat.

Torflager bei Szäp.

Am linken Donauufer, an der Grenze des Pressburger Comita- tes , südlich von Böös gelegen. Dieses sehr interessante Torflager wurde von dem k. k. Strom-Assistenten Karl von Bobics gelegentlich der Skarpirung der Donaiuifer entdeckt und eine Beschreibung des- selben sammt einer Torfprobe eingesendet.

Das Lager, welches auf der grossen Insel Schutt liegt und mit jenen bei Böös und Varbony gelegenen eine ähnliche Entstehung gehabt haben dürfte, wurde am Donauufer in einer Länge von 110 Klaftern verfolgt; es scheint sich von Südwest gegen Ostnord zu erstrecken, doch ist seine weitere Ausdehnung unbekannt. Bei klei- nem Wasserslande wurde an mehreren Stellen mit abgemessenen 5 Fuss die Mächtigkeit noch nicht erreicht.

Dieses Torflager ist mit einem 6 Fuss tiefen, durch die Donau- ergiessungen abgelagerten Schlammgrunde überdeckt. Es gehört daher jedenfalls einer früheren Bildung an.

Der Torf ist nach der eingesendeten Probe vorzüglich. Er ist sehr dicht, von dunkelbrauner Farbe, fest, zeigt beim Zerschneiden lebiiaften Wachsglanz und dürfte, Avas der Bericht des Herrn von Bobics niciit ausdrücklich erwähnt, schon an seiner ursprünglichen Lagerstätte, in einem ziemlich trockenen Zustande sich befinden. Diese schätzenswerthen Eigenschaften erhielt das Torflager durch die mächtige Schlammdecke, welche dasselbe bedeckte und den Torf verdichtete, die Gewinnung des letztern aber nicht lohnend macht. Herr von Bobies bemerkt noch, dass bei der Canalisirung der Insel Schutt an mehreren Stellen Torflager von 1 2 Fuss Mächtigkeit, jedoch von geringer Ausdehnung und minderer Qualität vorgefunden worden sind. Moor- und Torfbildungen gingen und gehen daher auf der Insel Schutt häufig in Niederungen vor sich, die ohne schlammigen Überfluthungen ausgesetzt zu sein, hinreichende Wasserzufuhr durch Durchsickerung erlangen, um durch längere oder kürzere Zeit das Gedeihen massenhafter Sumpfvegetationen zu ermöglichen und deren Reste aufzuhäufen.

36 P 0 k o I- II y.

5. Trcntschincr Coiuitat*).

a) Kill Torfmoor von uiigefülir 10 Joch beider OrtscliaftCserne, eine Meile nördlich von Czacza in der Nähe des Jitblonka-Passes an der schlesischen Grenze. (Wahrscheinlich ein Hochmoor.)

b) Ein anderes in der Gemeinde Trstye, z\\ei Meilen nord- östlich von Illawa. (Fhu-hmoor?)

6. Arva-Taroczer Coniitat -).

Das oberste Arva-Thal ist in meilenMeiter Erstreckung mit Hochmooren erfüllt, namentlich in dem Gebiete, welches nördlich von den Ortsclraften Jablonka, Pekelnik, Chisne, Lipnicza, östlich von dem galizischen Czarny-Dunajecz, von Hladovka, Suchahora, südlich von Trsztena, westlicli von Also- und Felsö-Usztya, Slanicza, Klin, ßobrow und Zubrohlava eingeschlossen wird.

Dieses Torfgebiet, welches auf beiläufig 6 Quadratmeilen ver- anschlagt werden kann, erstreckt sich über die uiimerklii'he Wasser- scheide der Karpathen östlich nach Galizien in die Thäler der Duna- jec. Es umfasst einen grossen Theil des Flusslaufes der schwarzen Arva und der Szlanna (Szlanicza) und liegt in dem grossen Gebirgs- zuge des Wiener Sandsteines in einer mittleren Höhe der Thaisohlen oder vielmehr Gebirgsterrassen von 18 2500 Fuss.

Die Moore dieses Gebietes sind echte Hochmoore mit einer ausserordenlich kümiiierliclien Vegetation von Moosen, Flechten, Heidelbeeren und andern kleinern Sträuchern. Ihre Mächtigkeit wird auf 6 9 Fuss angegeben. Der Torf selbst ist nach den eingesendeten Proben von vorzüglicher Qualität, theils leichter reiner Moostorf, theils dunkelbrauner sogenannter Specktorf. Eigenthümlich ist es jedoch, dass in manchen Gegenden, wie in den Mooren von Naineszto nicht der Torf, sondern die zahlreichen in demselben vergrabenen Baumstämme zum Brennen benutzt werden. Im Allgemeinen ist die Verwerthung dieser ausgedehnten Torfgründe eine verhältnissmässig sehr geringe, was sich theilweise aus dem Überfluss an Holz und Braunkohlen erklärt. Ausser zum Brennen, wozu man den Torf in

1) Amtliclier Bei'icht der Coniitats-üehörde.

2) Nach den aiuUichen Berieliteii des k. k.-Bezirks- Wundarztes W. Jeit teles inThiirdos- sin, des k. k. ße/.irks- und (Jericlitsarztes Dr. Josef H am m e fs <;li ini d in Unlei- kuhin uikI des k. k. Be/.irksarztes Or. Miklositi^a in Na'ines/.to.

Untersuchung'en über die Torfmoore Ungarns. 8*7

primitivster Weise sticht und trocknet, wird derselbe, noch mit Thier- mist vermischt, zum Düngen des sterilen Bodens verwendet.

Die nähere Luge und eigentliche Ausdehnung der einzelnen Moore ist unbekannt. Nur bei Nameszto werden von Dr. Miklosiiza zwei Torflager im Hotter der Gemeinden Szlanieza und Klin ange- geben, wovon das eine zwischen ßobrow und Zubrohlawa auf IS Joch, das zweite zwischen Nameszto und Klin auf 4 5 Joch, die Tiefe beider auf eine Klafter geschätzt wird.

Da diese Gegend bereits von Seite der k. k. geologischen Reichs- anstalt aufgenommen ist, so stehen nähere und sichere Angaben über dieses grosse Moorgebiet in baldiger Aussiclit. (Vergl. S. 60.)

7. Liptaacr Comitat.

Nach einer amtlichen Mittheilung der k. k. Comitatsbehörde kommen hier im Stuhlbezirke Sz. Miklos und zwar in den Gemeinden Verbicz (in der Nähe von Sz. Miklos, südlich an der Waag), Stroujan Sz. Kerest (2 Meilen südwestlich), Trjechow, Dubrowa (1 Meile südlich von Sz. Miklos) und namentlich in Proszek (bei Szelnicze nordwestlich von Sz. Miklus) Torfmoore vor, über deren weitere Beschaflenheit noch nichts bekannt ist, deren nähere Untersuchung, namentlich der Torfmoore in Proszek aber sehr erwünscht wäre. Sie sind auch unter dem Namen der Borisümpfe bekannt.

Anmerkung. Aus dem Barser, Houther, Neograder und Sohler Comitate so wie aus den Stuhlbezirken Sz. Marlon und Znyo-Varallya im Arvaer Comitate sind von Seite der Behörden negative Resultate bezüglich des Vorkommens von Torfmooren eingelangt.

b. Wieselburger, Ödeuburger und Raaber Comitat ').

aj Der H a n s ä g - S u m p f . An der Grenze dieser drei Comitate ist das Sumpfterrain des Hansag oder llanysag gelegen. In seiner von West nach Ost sich erstreckenden Längsachse von dem Ufer des Nensiedlersee be lllmltz bis in die Nähe von Leyden und Sz. Miklos an der Raaber Bahn misst dieser Sumpf ö'/j Meile und in seiner grössten Breiten- ausdehnung von Norden nach Süden (etwa von VVüst-Sommerein

1) Nach ämtlichen ;\litthei!iing-en dei- k. k. Statthalterei-Abtheiinng- Ödeniiurg- und eige- nen Bereisungen.

88 P o k o r n y.

oder Andau bis Piiszt;i Oszli bei Kapiivär) 2i/s Meile. Nach einer altern aber sehr genauen Karte ij des Hansags beträgt der Flächen- raum des ganzen Sumpfes beiläufig SS.üOO Joch oder bei 9 Quadrat- meilen und selbst nach der neuesten General- und Administrativkarte von Ungarn lässt sich der Sumpf nicht unter 66.800 Joch oder bei- läufig Q^/o Quadratmeilen abschätzen.

Der grösste (nördliche) Theil gehört dem Wieselburger Comitat, der südliche Theil dem üdenburger Comitat. Im Osten grenzt der Hansag-Sumpf auch an das Raaber Comitat.

Die Grenzen des Hansags sind im Norden das Tegelgebiet von Ilimitz, Apethlan, Pammaggen und Tadteri, sodann die Strasse, die von Tadten bis St. Johann führt; hier biegt die Nordgrenze bedeutend südlich ab, und verläuft zuletzt südlich vom Prädium Kaiserwiese gegen den Hirschbrunnen am Zannegger Wald und den Wieselburger Torfstich. Im Osten wird der Hansag vom Ottohof, dem Gebiete von Puszta Bormasz und Reti begrenzt. Im Süden bildet die Rabnifz über Kapy, Bö-Särkany, Ascalag bis zur P. Földszigeth die Grenze. Von hier dehnt sich das Sumpfgebiet über die Rabnitz bis nach Oszli, P. Ontes und durch den ganzen grossen Kapuvarer Erlenwald bis gegen Agyagos, Szergeni und Sütttör aus. Die Westgrenze bildet der Neu- siedlersee.

Com municationen. Der Hansäg kann zu Wagen nur an zwei Punkten der Quere nach, d. h. von Norden nach Süden durchschnitten werden. Zuerst an dem berühmten über eine Meile langen Damm, welchen die Fürsten Eszterhazy von ihrem Stammschloss Eszterhäza nach Pammaggen aufführen Hessen. Dieser Damm gewährt selbst bei hohem Wasserstande einen sicliern Übergang und es führt auch die Verbindungsstrasse von Ödenburg nach Wieselburg am östlichen Ufer des Neusiedlersees über denselben. Eine zweite Verbindung zu Wagen ist bei günstigem Wasserstande zwischen St. Johann und Bö-Särkäny durch die sogenannte Moorrinne möglich.

Weit zugänglicher wird das Innere des Hansag durch die grösseren Canäle, deren Schiffbarkeit freilieh sehr vom jeweiligen Wasserstande abhängig ist. Von grösster Wichtigkeit ist die durchaus schiffbare 6— 8 Fuss tiefe Rabnitz (Klein-Raab), welche den Kapuvarer

1) Unter dem Titel : die Gegend von Neusiedlersee bis an die Raab und die Donau in UüKarn mit den Entwürfen zurEntwiisseruna: des Hansa'ffund des Neusiedlcrsees 1826.

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 3Q

ErleriAvald östlich von Kapuvar herabkommend durchschneidet und sich im Walde mit der westlicher herahgelangenden Repze, welche zugleich das Abzugswasser des Eszterhazycaiials und bei Hochwasser Zuflüsse vom Neusiedlersee mit aufnimmt, vereinigt. Der Lauf dieser Flüsse ist gegenwärtig auf weite Strecken hin vollkommen regulirt und dadurch eine vorzügliche Wasserstrasse zum Holztransport nach Raab geschaffen. Von den übrigen Canälen ist nur der grosse Canal vom Torfstich in Ottohof zur Zuckerfabrik Sz. Miklos an der Raaber Rahn und der grosse Haupt-Entwässerungscaiial Nr. 1 in der Mitte des Hansag-Sumpfes von Westen nach Osten verlaufend, schiffbar. Doch hängt bei der schon weit fortgeschrittenen Entwässerung des Sumpfes die Schiffbarkeit des letztern in seinem obersten Theile bei Pamhaggen ganz vom Wasserstande ab.

In dem trockenen Sommer des Jahres 18S9 konnte der ganze Hansäg nach allen Richtungen trockenen Fusses durchschritten werden, und nur die Canäle und einzelne mit Rohrwald bewachsene Stellen setzten dieser Art des Durchwanderns unüberwindliche Hin- dernisse entgegen.

Bodengestaltung und R ewässerung. Obgleich der Han- sag als der tiefsten Niederung des oberungarischen Beckens ange- hörig, nur sehr wenig über das Niveau des Neusiedlersees (welches zu 61° = 366' über der Meeresfläche angenommen wird) sich erhebt, so ist doch keineswegs seine Oberfläche als vollkommen eben zu betrachten. Abgesehen von der geringen Senkung des ganzen Ter- rains in der Richtung des Hauptcanals und der Rabnitz, welche den Wässern den Abzug gestattet, kommen hier, wie in allen grossen ungarischen Sumpfgebieten, Anschwellungen des Bodens vor, welche trotz ihrer unbedeutenden Erhebung, die in der Regel einige Fuss nicht überschreitet, aus dem eigetitlichen Sumpfterrain und selbst aus den gelegentlich der Hochwässer entstebenden Inundationen merklich hervorragen und bei ihrer oft beträchtlichen Ausdehnung den ununter- brochenen Zusammenhang des Morastes aufheben.

Die genaue Kenntniss dieser Rodenerhebungen würde den ange- gebenen Flächenraum des Hansäg-Morastes bedeutend reduciren. Doch berücksichtigen die vorliegenden Karten dieselben noch so wem'g und ungenau, dass nicht einmal eine beiläufige Abschätzung ihrer Ausdehnung möglich ist. Da diese Rodenerhebungen so unbedeutend sind, dass man ihr Vorhandensein meist erst aus der veränderten

90 P o k o r n y.

Culturform (Wiese, Hutvveido), die plötzlich im Sumpfe auftritt, erkennt, so ist die Vernachlässigung dieser Torraingestaltung von Seite der Cartographen leicht erklärlich, obwohl diese Erhebungen von ausnehmender Wichtigkeit für das Sumpfgebiet sind und hier eine sehr scharf geschiedene Höhenregion bilden, welche die Beschaffenheit und Benützbarkeit des Terrains gänzlich ändert.

Diese Bodenerhebungen heissen im Hansaggebiete ßühle; in anderen Sumpfgebieten werden sie Inseln (szigeth) oder Hügel (halom) genannt. Diese ßühle bestehen theils aus Salzboden (Szikes hier Zick genannt), wie z. B. die Felberhöhe bei Andau, theils aus Thongrund, wie in den meisten Fällen, bisweilen auch aus Schotter (wie z. B. der Eichbühl an der Grenze des Leydner und St. Johantiser Territoriums).

Eine ganze Reihe solcher Buhle, so wie überhaupt eine (freilich sehr geringe) ßodenansehwellung erstreckt sich in der Richtung von St. Johann nach Bö-Särkany und theilt den Hansäg in zwei gesonderte Moorbecken von ungleicher Ausdehnung. Das kleinere östliche Moorbecken liegt in dem Viereck zwischen Wieselburg, St. Johann, Bö-Särkäny und Leyden. Es umgibt den Zanecker Sumpfwald und erstreckt sich nördlich vom Wieselburger Torfstich, umfasst östlich die ausgedehnte Leydner Moorwiese und den Torfstich bei Ottohof, geht südlich bis an die Rabnitz in der Nähe von Reti und Kapi und ist westlich von oberwähnter Bodenerhebung, namentlich vom Plum- penbühl beim St. Johannser Wald, vom Flug-, Eich- und Spitzbühl begrenzt. Theilweise setzt sich dieses östliche Moorbecken noch in den Niederungen zwischen genannten Buhlen fort. Die Buhle ent- halten gewöhnlich Ziehbrunnen für das weidende Vieh. In dieses Moorbecken wurden die in der Übersichtskarte des erzherzoglichen Gutes Ungarisch Altenburg (1852 von Herrn Ingenieur C. Markovics herausgegeben) uiiter No. V und VI verzeichneten Canäle geschnitten, um die Entwässerung des nördlichen, zum erzherzoglichen Gute Ungarisch Altenburg gehörigen Theiles zu bewerkstelligen. Hier im Wieselburger Hotter ist auch, etwa eine Meile südlich von Wiesel- burg, der erzherzogliche Torfstich eröffnet. Südlieh von diesem und allseitig von Torfmooren umgeben liegt der grosse Zaneker Sumpf- wald, von welchem sodann der mächtigste Theil des ganzen Moor- beckens sich südlich bis zur Rabnitz ausdehnt. In dem südöstlichen Theil des Moorbeckens liegt der Baron Sina'sche Torfstich bei Otto-

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 91

hof, von wo ein grosser Canal bis zur Zuckerfabrik Sz. Miklos an die Eisenbahn führt.

Das zweite westliche Mo erb ecken ist ungleich grösser und umfasst das Terrain , welches beiläufig von dem Viereck St. Johann, Bö-Särkany, P. Oszli und Taaden eingeschlossen wird. Doch gehört eigentlich auch der grosse Kapuvarer Erlenwald und das Inun- dafionsgeiiiet bis in die Gegend von Süttör und Kapuvar auch noch hieher. Seine nähere Begrenzung ist folgende : Südlich von St. Johann liegen eine Reihe von Buhlen, die mit den früher erwähnten nur eben etwas westlicher sich gegen Bö-Särkäny hinziehen. Es sind der Wali Bühl, Budits Bühl, Schwanenbühl, Veigl Bühl und der Zanter Riegel. Auch der St. Johannser Wald liegt höher und trocken, während der östliche St. Peter und der westliche Moorwald sumpfig sind. Zum Theil zwischen den genannten Buhlen zieht sieh ein ehemaliger Zufluss der Rabnitz , die Moorrinne, jetzt durch den Canal Nr. II ersetzt und entwässert hindurch. Das eigentliche Moor- und Torf- terrain beginnt aber erst beim Canal Nr. III, der den sehr charak- teristischen Zanter Riegel durchschneidet und den Torfstich bei St. Johann berührt. Von hier erstreckt sich nun ein ungeheures gleichförmiges Torfterrain durch den St. Johannser, Andauer und Taadener Hotter bis zum Lobler See, welcher auf einer Boden- erhebung liegt.

Die Nordgrenze des gegenwärtigen Sumpfes ist überall bedeu- tend zurückgewichen. Man erkennt die Spuren in den geringen Nie- derungen überall leicht an den abgestorbenen Rasenstöcken (Zsom- bek). Auch ragen hie und da merkliche Buhle wie z. B. die Felber- hühe bei Andau hervor. Eine Eigenthümlicbkeit sind ferner in diesem nördlichen Theile die zahlreichen Wasserbecken, welche jedoch gleichfalls im Verschwinden begrifTen sind, wie der Gareis - See, Dorfsee, Taadenmarsch und die Rundlacke. Letztere ist gegen- wärtig mit einer dichten Rasendecke völlig geschlossen, der Boden schwingend, in einer Tiefe von 2' noch sehr wässerig und mit feinem Moorschlamm erfüllt. Aus der Tiefe dringt starker Geruch nach Schwefelwasserstoff. Die Oberfläche der Rundlacke liegt 3 Fuss tiefer eingesunken unter dem das kreisrunde Becken umgebenden Moorterrain. Die Sondirung ergab in der Lacke selbst nur feinen Moorschlamm, keinen Torf. Westlich vom Lobler See gegen Pam- maggen erstrecken sich an der Nordseite des Hauptcanals nur Zsom-

92 P o k o r n y.

bek-Moore, trockene Hutweidon und selbst schon Felder an Stellen, wo noch vor 30 40 Jaliren Höliric-Iit stand. An der Südseite des Haupt- canals befindet sich aber jetzt noch Röhricht und Rohrwiesen und zuletzt höchst ausgedehnte Zsombek-Moore bis zumEszterhazy-Dannn. Dieser kann als die Westgrenze des hier beschriebenen Moorbeckens betrachtet werden. Jenseits des Dammes bis zum Nensiedlorsee, nördlich bis Illmitz und Apethlan, südlich bis Schrollen (Sarröd) dehnt sich in der Niederung das ausgedehnte Röhricht ans, welches in den letzten zwei Jahren der Schauplatz der Verwüstungen der Zug- und Wanderheuschrecken war. Auf dem grossentheils gegen- wärtig trockenenTegelgrunde dieses Terrains wurde keinTorf beob- achtet, wesshalb dieser Thei! des Hansags hier nicht weiter zu betrachten ist.

Die Südgrenze des eigentlichen Moorbeckens geht bis in die Nähe von Süttör, Szergeny und Agyagos. Auch der ganze grosse Erlenwald steht auf Moorgrund bis zur Puszta Öntes und Oszli. Öst- lich vom Erlenwald setzt sich das Moorterrain bis zur Puszta Föld- szigeth fort, dann macht aber die Rabnitz die Südgrenze bis Rösär- kany für dieses Moorbecken, sowie im östlichen Becken des Hansags bei Kapi und Reti.

Der natürliche Zufluss der Gewässer in dieses westliche Moor- becken des Hansags erfolgt hauptsächlich von Süden durch die bedeutenden W^assermengen, welche die Rabnitz bei Kapuvär, so wie die weiter westlich fliessende Repze bei Szergeny, endlich die Ikva unterhalb Endred dem Sumpfgebiete zuführt. Auch das Hochwasser des Neusiedlersees dringt in seltenen Fällen jouseits des Eszterhazy- dammes. Gegenwärtig ist durch die Regulirung der Rabnitz und Repze, so wie für den nördlichen Theil des Sumpfgehietes durch den Hauptentwässerungscanal Nr. 1 (Fö csatorna) die vollständigere und raschere Ableitung der Gewässer in solchem Grade bereits erzielt worden, dass grosse Theile des Sumpfes, namentlich die nördlich vom Hauptcanal liegenden, bleibend trocken gelegt sind und auch sonst nur bei Hochwässern Inundationen eintreten. Durch diese Canalisi- rung, so wie durch die Trockenheit der letzten Jahre ist sogar der mit so vielen Sagen geschmückte Königs -See (Kiraly-tn) in dem an der regulirten Rabnitz gelegenen Theil völlig ausgetrocknet.

Cultur fo rmen. Durch die seit 30 Jahren ausgeführten Ent- wässerungsanstalten hat die Oberfläche des Sumpfgebietes sich so

Untersucliiingen über die Torfmoore Unfjarns. 93

bedeutend geändert, dass sie nur wenig den Schilderungen aus früheren Zeilen gleicht. Eigentlich unzugängliche Stellen gibt es, wenigstens bei niedrigem Wasserstande, fast gar nicht mehr und in Folge dieser leichtern Zugänglichkeit und der eingetretenen grössern Trockenheit hat sich auch die Benützbarkeit des Bodens allenthalben gesteigert. Während am Nordrande der Ackerbau immer weiter um sich greift, hat das Röhricht, welches ehedem die einzige Nutzung im Innern des Sumpfes bot, allenthalben besserem Graswuchs weichen müssen, wie dies die weit ausgedehnten Wiesen im Leydener, Wieselburger, St. Johanner Hotter und überhaupt im ganzen nörd- lichen Theile des Haiisäg beweisen. Die fruchtbiirslen Wiesen liegen hier überall auf Torfgrund , welcher gegenwärtig eben nur mehr so viel Feuchtigkeit besitzt, um den üppigen Graswuchs zu befördern. Die trockenen Stellen der Buhle, so wie die Zsombek-Moore werden als Hutweiden benützt.

Noch gibt es im Gebiete des Hansags ausgedeiinte Wälder, unter welchen der den südlichsten Theil des Sumpfes einnehmende fürstlich Eszterhäzy'sche grosse Erlenwald der wichtigste ist. Es ist dies ein Hochwald von Schwarzerlen (^Alnus glutinosa) und Birken (Betula alba) gebildet. Auch der kleine Erlenwald bei Puszta Föld- Szigeth und der grosse Seewald am Königsee enthalten hochstäm- mige Bäume von Erlen. Sonst liegen noch im Sumpfterrain der Moorwald in der Moorrinne, der St. Peter- Wald und der Zanegger Wald , welcher letztere der bedeutendste ist und hauptsächlich Pappeln (^Populus trenmla und canescensj , aber auch Eichen und mancherlei Mischholz enthält. Der übrige Theil des wilden Hansags, so weit er nicht Wiesenland oder Röhricht ist, wird oft von kleinen Buschweiden (^SalLv cinerea und repens) auf weite Strecken hin bedeckt. Eigenthümlich sind noch einige Erlenwäldchen, die als Niederholz betrieben, nur durch Stockausschlag sich verjüngen.

Torf. Im Hansäg sind bisher nur an drei Punkten eigentliche Torfstiche (überhaupt die einzigen im ganzen ungarischen Tiefland) erölTnet.

Der grösste Torfstich beflndet sieh bei Ottohof im Leydener Hotter und gehört zur Baron Sina'schen Herrschaft Sz. Miklös. Die beiden anderen Torfstiche gehören zum erzherzogliehen Gute Unga- risch-Altenburg; und zwar liegt der grössere davon am Nordrande des Zanegger Waldes in der Nähe des Hirschbrunnens (Szarvasküt)

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bei Wieselhurg , der kleinere über bei St. Johann, zwischen dein Schwanen-Bühl und Zanler Riegel.

Der Torfstich des Herrn Bar o n Sina von Ottoliofbei Sz. Miklos im Leidener Hansag umfasst in seiner gegenwärtigen Begrenzung einen Flächenrauni von 600 Joch Torfboden. Er wurde 1849 erüfTnet. befindet sich aber erst unter der Verwaltung des Herrn Friedrich E gerer in einem regelrechten Betrieb. Zur Heguli- rung des Wasserstandes so wie zum Transport des Torfes ist ein System von Canälen angelegt, welche einerseits mit dem zur Zucker- fabrik Sz. Miklos führenden grossen SchifTlahrtscanal , andererseits mit dem Herzogscanal und der Rabnitz communiciren. Durch diese Canäle lässt sich der Wasserstand im Torfstich während des Betriebes im Sommer beliebig senken, während des Winters zur gehörigen Durchfeuchtung des Grundes aber heben.

Das Terrain bildet ein von Canälen begrenztes und durch- zogenes Rechteck, in welchem in regelmässigen Abständen zuerst die sogenannten Materialgruben und sodann an diese anschliessend, die eigentlichen Stiche (Formen) eröffnet werden. Der angrenzende Plan dient zum Trockenfeld, der Materialgraben zur Aufnahme des Abraums.

Im Torfstich zu Ottohof wurde bis 1859 nur gewöhnlicher Bagger- und Stichtorf erzeugt und an der Luft getrocknet. In den Jahren 1854 1856 betrug die jährliche Ausbeute 100.000 Cent- ner, steigerte sich jedoch später auf 5 600.000 Centner.

Die Mächtigkeit dos Torflagers beträgt durchschnittlich 5 Fuss, die grösste Tiefe 7 Fuss. Der Untergrund ist ein bläulicher Thon oder auch Sand. Der Torf ist in seiner obersten Schichte schwarz, erdig, plastisch, beim Trocknen bedeutend schwindend und dicht; er wird hier Pechtorf genannt. Nach abwärts wird er immer lichter, zeigt deutliche Zusammensetzung aus Pflanzentheilen, namentlich aus flachen, papierartig zusammengedrückten Resten von Schilf und hat getrocknet ein geringeres Volumen und Gewicht als der obere Torf. Man nennt ihn hier auch braunen und rothen Fasertorf, letzteren wegen seines üblen Geruches nach Schwefel wasserstttff auch ironisch Vanilletorf. Über die Eigenschaften und den Brennwerth dieser Torf- sorten ist ohnehin im allgemeinen Theil (S. 75 78) gehandelt worden.

Die ausgebeuteten Stiche sind zum Theil mit Schwarzerlen und Weiden bepflanzt, grösstentheils aber sich selbst überlassen wor-

üiitersiichting-en iil)er dii! Torfmoore Ung'ains. 95

den. Im letzteren Falle bedecken sie sieh bereits im 4. Jahr mit üppig wucherndem Schilfrohr und Riedgräsern, deren Reste neue Torfschichteii zu bilden im Stande sind. Doch sind die hier erölTne- ten Stiche noch zu jung, um bereits eine wirkliche Regeiierirung von Torf bemerken zu lassen. Die bisherigen Ausfüllungen mit Pflanzentheilen , unter welchen besonders die Wurzcistöcke eines Riedgrases (Care.v ydlndosa) , das in 10 .Jaliren ein dichtes \N'ur- zelgeflecht von 20 Zoll Höhe hildete, hervorzuheben sind, können höchstotis als vertorfte Pflanzen erst betrachtet und verwendet wer- den. Inwiefern eine Benützung derselben als Brennstoff lohnend wäre, und zu einer etwaigen Cultur der torfbildenden Pflanzen füh- ren könnte, muss künftigen Versuchen und Beobachtungen vorbehal- ten bleiben.

Der Torfstich im Wie sei burger Hotter, welcher gegenwärtig durch die erzherzogliche Verwaltung ausgenützt wird, ist vom Orte selbst 3/4 Meilen in südlicher Richtung entfernt.

Das Torflager umfasst 250 Joch und liegt am nordöstlichen Ende des Hansags. Trotz der Entwässerungscanäle erzeugt schon jedes mittlere Hochwasser der Donau und Rabnitz in diesem Torf- lager Aufstauchwasser, welches über die Grasnarbe steigt und die Torfgewinnung erschwert. Es wird hier hauptsächlich Stichtorf erzeugt und nur wenig gebaggert.

Die Erzeugung betrug :

18S4 iSS.») i8S6

Stichtorf . . 3,154.500 5,146.500 7,063.400 Baggertorf . 298.080 580.500 489.000

Zusammen . . 3,452.580 5,727.000 7,552.400

Stück Torfziegel , von denen circa 1300 Stück als Äquivalent einer Klafter weichen Holzes von 3 Fuss Länge gelten. Der Kostenpreis pr. Tausend stellte sich durchschnittlich auf 1 fl. 26 kr. C. M. Gegen- wärtig werden circa 10 Millionen Torfziegeln erzeugt, und theils in der Zuckerfabrik, theils in der Ziegelei von Wieselburg verwendet. Die Mächtigkeit des Torfes ist hier verschieden und wechselt von 2 5 Fuss Tiefe. In den anstossenden Zanegger Wiesen, be- sonders in dem südlichen Theile des Zanegger Waldes ist der Torf stellenweise über eine Klafter mächtig. Über Eigensciiaften und Brennkraft dieses Torfes vgl. S. 78.

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Der ei-zli er 7,0 Pouche Torfstich bei St. Johann liegt 1/3 Meile südlich von St. Johann und gehört in seiner Ausdehnung von 80 Jochen dein nördlichen Rande des llansags an. Er ist seit 1843 im Betriehe und gegenwärtig bereits fast völlig erschöpft. Der brauchbare Torf ist hier nur 18 36 Zoll mächtig. (Vgl. S. 78.)

Versuchsweise ist auch auf den fürstlich Eszterhax y 'scheu Herrschaften SüttÖr und Kapuvar in den hiezu gehörigen Theilen des Hany Torf von vorzüglicher Qualität gestochen worden. Nach einer amtlichen Mittheilung der fürstlichen Güterdirection zu Eisensfadt erstreckt sich dieses Torflager über den grössten Theil des beiläufig 9000 10.000 Joch beiragenden herrschaftlichen Hany's und besteht aus 2 Schichten, von welchen die oberste I1/3 bis 3 Fuss mächtige als gut ausgebildet , die untei e 4 6 Zoll starke als schwammig und unreif geschildert wird. Unstreitig besteht hier wie im ganzen Hansag die untere Schichte nur aus Schilfresten (Lap), welche überall einen lichteren aus Fasern und Blättern zu- sammengesetzten Torf geben , der aber ebenso verarbeitet und ver- werthet \verden kann, wie der oben liegende amorphe Torf der Wie- senmoore. Noch wird erwähnt, dass das Wasser wegen Mangels an Gefäll nicht abgeleitet werden kann , was die vollständige Ausbeute hindert und die Wiederurbarmachung der ausgetorften Stellen un- möglich macht. Jedoch dürfte auch dieses Hinderniss nicht unüber- windlich sein und die ausgebeuteten Stellen Hessen sich, wenn auch nicht unmittelbar in Felder und Wiesen , so doch in Culturen von den hier vortrefflich gedeihenden und nutzbringenden Erlenwäldern umwandeln.

Was nun den Umfung des eigentlichen Torfterrains im ganzen Hansäg betrifft , so muss das kleinere östliche Moorbeckeu auf mindestens 6600 Joch geschätzt werden, wovon auf den Torf- stich bei Ottohof und den Leydener Holter etwa 4000 Joch, auf den erzherzoglicben Anlheil, namenllich auf das Torfmoor westlich vom Zanegger Wald , am Canal Nr. VI etwa 1600 Joch, dann auf das Torfterrain südlich vom Eichbübl etwa 1000 Joch kommen. Das grosse östliche Moorbecken hat in seinem nördlichen erzherzog- lichen Antheile zwischen dem den Zanter Riegel durchschneidenden Canal Nr. 111, dem Hauptcanal, Lobler See, Garreis-See und der Felberhöhe allein schon mindestens SOOO Joch, während der Torf- grund im südlich vom Hauptcanal gelegenen Theile nicht unter

Uiitersucliiingeii iilier die Torfmoüie Ungarns. 97

10.000 Joch angenommen werden kann. Hiebei sind die Erletiwälder nnd hlosscn Rolirsünipfe mit llalhtoif nicht eingerechnet.

Nach dieser massigen Schätzung beträgt das Torfterrain des Hansägs bei 22 Tausend Joch. Nimmt man die mittlere Mächtigkeit nur zu 3 Fuss, so ergibt sich hieraus eine Masse von 17,600.000 Kubikklaftern gewinnbaren Torfes , welcher selbst bei Annahme einer mittleren Reduction auf 28*6 Procent, = -^ des ursprüng- lichen Volumens, wie sie durch genaue Versuche gefunden Murde, noch immer 5,033.600 Kubikklafter trockenen Torfes gibt, was bei einem specifischen Gewicht von 0-678 für eine Kubikklafter luft- trockenen Torfes 8024-8 Pfund und daher für das ganze Quantum eine Masse von 404,935.829 Centnern liefert.

bj Andere Torfmoore im Raab er Comitat.

An der Moorrinne, welche westlich von Martinsberg von Nagy Ecs bis gt'gen Asszonyfä sich erstreckt, werden einer ämtlichen Mit- theilung zu F'olge in den Gemeinden Ecs und Ravazd kleine Torfmoore angegeben. Ebenso in der i^/-, Meile von Ravazd westlicher gelege- nen Gemeinde Kajär, hier wahrscheinlich an der Moorrinne von Kis-Pecz in der Nähe der daselbst befindlichen Mühle.

9. Veszpremer Comitat.

Im Vespremer Comitat liegen zwei grössere Complexe von Torflagern; an der nord\\ estlichen Grenze des Comitats die Mar- czalsümpfe, an der südöstlichen zwischen Palota und Üsi der Anfang des Sär-ret-Sumpfgebietes, welches zusannnenhängend im Stuhl- weissenburger Comitat behandelt werden soll.

Am Marczalfl usse werden hier in den Gemeinden Külsö- Vath, Egerallya, Adorjänhäza, Gergely, Marczaltö, Also- und P'elso- Görszöny Torflager angegeben.

Nach eigenen Untersuchungen sind im ganzen Marczalfluss- gebiete die tiefsten Stellen theils mit Torf, theils mit anderen Moor- producten erfüllt. Die einzelnen Parcellen sind jedoch oft weit von einander getreimt und von keiner beträchtlichen Ausdehnung, da die grössten nach einer oberflächlichen Schätzung nur hundert Joch umfassen. Auch hier liegt der Torf gewöhnlich unter fruchtbaren Moorwiesen, selbst unter Hutweiden. Gleich bei Marczaltö in südwestlicher Richtung gegen Egyhäzas-Keszo befindet sieb eine

Sitzb. d. inatheni.-natui-vv. Cl. XLUl. Bd. I. Abtli. 7

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ausgedehnte Wiese, wo die Sonde erst in 8 11 Fuss Tiefe den s;indigcn Untorgrund erreichte und wo durchschnittlich 5 Fnss guter Torf anzunehmen ist. Hingegen wurde in der Rlclitung gegen Gör- szöny, so wie hei diesen Orten ;tn anscheinend sehr günstigen Localitüten nur Moorwiesen ohne Torfhihlung bemerkt. Der Torf ist daher entweder hier durch spätere Überschlernmungen ziemlich tief vergraben, oder das täuschende Aussehen der schwarzen Moorerde hat die Angabe von Torf veranlasst. Überhaupt deutet die weite Ver- breitung der schwärzesten mit Wasserschnecken vermischten Moor- erde in der Gegend von Acsad eine grosse Ausdehimng der Rloore in der Umgebung des Tapolcza-Baches in früherer Zeit.

Ein grosses Torflager liegt in der Thalmulde bei Högyesz in südwestlicher Richtung gegen Szergeny, wahrscheinlich aber auch nördlich gegen Szelmczeje Puszta sich foi'tsetzend. Die Sonde erreichte an manchen Stellen seihst bei 12 Fuss noch keinen Unter- grund. Durch Gräben ist ein Theil des Torflagers, das theils als Wiese, theils als Hutweide benützt wird, aufgedeckt. Der Torf ist leicht, faseiig und von lichtbrauner Farbe.

Bei Szergeny ist die sumpfige Thalmulde von einem Damm durchschnitten, über welchen die Strasse nach Vinar führt. Theils Rohrwiesen, theils Rohrwälder bedecken hier das Torfmoor, welches sich hier olfenbar noch in einem jüngeren Entwicklungsstadium befin- det, als die am unteren Lauf des Warczal betindlichen, namentlich das bei Högyesz. Diese Rohrformation erstreckt sich bis Külsö- Vath. Ganz ähnlich sind dann die Verhältnisse bei Adorjanhaza und Egerallya.

10. Zalacr Coniitat.

In diesem auTorfuiooren reichen Comitale ziehen sich iniNorden die torfhältigen Marczal sümpfe bis in die Gegend von Sümeg. Hier breitet sich im Südwesten des Marktes eine weite Moorebene aus, welche aber gegenwärtig schon ganz trocken gelegt und in fruchtbare Äcker umgewandelt ist. Doch dürften noch hie niid da Torfparcellen mit Moorerde abwechselnd anzutreflen sein.

Nach einer amtüclien Miltheilung werden in diesem Sumpfge- biete in den Gemeinden Csab Rendek, Rigacs, Megyes, Szegvar und am Kigyos viz in den Gemeinden Sarosd und Galsa Torfmoore von beiläufig 88 Joch Ausdehnung angegeben. Olfenbar ist letztere

Untei'sueliungen iilier die Torfmoore Uiig'ariis. yiy

Angabe zu niedrig; da die ganze Gegend, so z.B. auch beiHany am Kigyos moorig ist und kleine Zsombeknioore seihst in dem wellen- förmigen Terrain gegen Devecser in ehemaligen Wasseransamm- lungen allenthalben vorkommen.

Ausser den Marczal-Torfmooren, deren Wässer nach Norden und zuletzt in die Raab tliessen, besitzt das Zaiaer Comitat noch ähnliche Systeme von kleinen Torfmooren an Bächen, welche ihr Wasser theils dem Plattensee, theils dem Murflusse zusenden, so namentlich am Szee (Szea oder Sar?) viz zwischen Zaia Eger- szeg und Nagy Kapornak und am Zalafluss, südlich von Szt. Groth- Mezövaros liegen. Die grössten Torflager des Comitats liegen jedoch am Platten-See.

Die Torfmoore der erwähnten Bäche sind noch wenig bekannt. Wahrscheinlich sind alle tieferen Stellen der seichten Thalmulden mit Torf und Moorproducten erfüllt. Bisher werden nur im Paesaur Stnhlbezirke Torflager in den Gemeinden Pölöske, Szt. Andras, Bucsa, Szt. Tämas, Sandorhaza und Hetes in einem Gesammtum- fange von 1270 Joch angegeben. Auch in der Gemeinde Gross- Kanisza findet man am Kaniszaflusse Torfmoore von unbekannter Ausdehnung.

Ganz ähnlich ist die Thalmulde des unteren Zaiaflusses süd- lich von Szt. Groth-Mezövaros bis zu seinem Einfluss in das Moor- becken von Balaton Hidveg , so wie des mit ihm parallel nur durch einen schmalen und niedrigen Bergrücken getrennten Baches bei Keszthely reich an Torf. Hier finden sich in den Gemeinden Zala, Sz. Läszlo und Gyülevecz Torflager von 139 Joch und in den Gemeinden Karmäcs, Vindornya-Fok, Vindornya-Lak, Szanto, Tomaj und Keszthely Torflager von 3S46 Joch Ausdehnung. Nordwestlich von Keszthely, etwa i/o Meile liegt in einer Moormulde das Warmbad Heviz. Der Grund des reinen Wassers ist mit feinem Moorschlamm erfüllt, so dass das Bad ebenfalls zugleich als Moorbad benützt wer- den könnte. Überhaupt finden sich in ungarischen Mooren aufstei- gende bald wärmere, bald kältere Quellen nicht seifen, deren Wasser mit den in diesen Torflagern überall verbreiteten Zersetzungsgasen geschwängert ist. Doch wird ausser bei Keszthely nur noch im Schurmoor bei Pressbnrg eine nützliche Anwendung zu Bädern gemacht. Dieses Warn)bad ist von einem mächtigen Torflager um- geben, dessen guter Torf bisher noch nicht benützt wird.

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100 P o k o r n y.

Die Tor fm 0 ore des Plattensees liegen Iheils am Rande des Sees, tlieüs in eigenen geschlossenen Becken.

Solche Haiulnioore sind in der Regel sclmial, ^egeri das Wasser einen R(ilir,mirlel, gegen das Land zn {Vnchtbare Wiesen bildend.

Im Zalaci- Comitat kann man sie am westlichen Ufer des Plütten- sees hei Bala ton-Fü r ed , enlwiekelter jedoch in der nöidliclien ßuci)t der Halbinsel Tihany, in den Gemeinden Aszofö und Tihany beobachten. Ihr U/nfang wird hier nnr auf etwa 10 Joch geschätzt. Die Sonde ergah an der Grenze des Rolirw aldes, so weit nämlich noch gemäht wird, eine 3 Fuss mächlige Schichte von Rohruurzcln (Lap), darunter Schlamm und in 5 Fuss Tiefe bereits festen Thon- grund. In den schöneti Moorwiesen gegen Aszofij liegt jedoch bis 5 Fuss niäclitiger erdiger Torf. Der kleine von Rohr umgürtete See in dem Krater bei Tihany zeigt in der Umgehung ziendich tief Moorerde, aber keinen Torf.

In dem interessanten Becken von Tapolcza, aus welchem die Berge von Szigliget und der Sz. György hegy inselartig sich erheben, werden in den Gemeinden Szigliget und Hegymagas Torf- lager von 200 Joch Ausdehnung angegeben. Ebenso sind bei Köveskalla, llenye und Sz. Bekalla kleinere Torfmoore er- wähnt.

Die grössten Torf- und Moorbecken des Plattensees befinden sich am südlichen Ufer desselben. Es sind zwei völlig von einander geschiedene Becken, von denen das eine südlich von Keszthely gele- gene noch zum Zalaer Comitat gehört, während das östlichere Becken bei Kethely in der Somogy liegt.

Das M 0 0 r b e c k e n von Keszthely ist im Norden von der Strasse nach Csali, im Westen von der Fortsetzung derselben über Sarmellek, Egenföld , Balaton Hidveg nach Balaton Magyaröd, im Südosten von der h^isenbahn, die vom Plattensee bei Balaton Bereny über Vörs, Fönyed gegen Kis Komarom geht, endlich im Nordosten von der Strasse, die von Keszthely über Fenek nach Kethely führt, begrenzt. Alle diese Strassenzüge sind nämlich am Rande des sum- pfigen Moorbeckens in bereits erhöhtem Teriain angelegt.

Durch die Bodenanschwellung zwischen Keszthely, Puszta Uj major und Fenek, ist dieses Becken vom Plattensee völlig geschie- den, mit dem es gegenwärtig nnr durch die Dammbrücke bei Fenek selbst zusammenhängt.

UnlersiK'hiingoii iiticr die Torfmoore Ungarns. 101

Gespeist wird (l;\s Moorbeckeii vorzüglich diircli die; Zuflüsse (los Hiiclies, der vom W;u'ml)ad Heviz lierahkomint, dann vom Sz. AiaLu.sei' Dacli, von dem Zalafluss, der liei Balaton-Hidveg ein- iriüiidet und von dem von Süilen her längs der Comitatsgrenze sich erstreckenden Halar-arok hei Fiiszta Kapolna.

In seiner ganzen ursprünglichen Ausdehnung umfasst dieses Moorhecken bei 11.000 Jocli oder über eine Quadratmeile. Ein gros- ser Tlieil im Innern ist noch eine otlfene Wasserfläche, die eine Fort- setzung des Plattensees bildet. Die nördliche moorige Niederung, welche sich von Csali bis zu diesem Wasserbecken erstreckt, ist durch Canalisirung grösstentheils trocken gelegt, ebenso die Moor- fläche, welche südlich bis gegen P. Kapolna und Balaton Magyarod sich ausdehnt. Die Torflager der Gemeinde Balaton Magyarod werden allein auf 2000 Joch geschätzt.

Eine nähere Untersuchung ergab in den Wiesen bei Csali nur Moortlion; hingegen bei Sarmeliek beiindet sich da, wo die Kraut- äcker beginnen, 6 Fuss tief guter Torf in weiter Ausdehnung. Hinter dem bei der P. Libuj gelegenen Eichenwäldchen kommt man zunächst in ein Zsombekmoor, wo der torfige Untergrund kaum 3 Fuss beträgt. Verfolgt man von Balaton Hidveg den Zalafluss bis in das Innerste des Moorbeckens, so findet man allenthalben mehr oder minder mächtige Torflager. In den hohen und dichten Rohrwäldern daselbst zeigt die Sonde, dass hier überall mindestens 4 6 Fuss tief, Schilftorf (Läp) liegt. An den Orten, wo gemäht wird, ist das Ver- bältniss noch günstiger; am günstigsten aber in einzelnen Moorwie- sen, die an der Obei-fläche vortreffliches Heu liefern und auf einer Unterlage von 9 Fuss tiefen guten Torf ruhen. Diese Moorwiesen grenzen am rechten Zaia-Ufer gleich unmittelbar an den Rohrwald an; hingegen am linken Ufer ist die Lapbildung vorherrschend. Auch im Innern des Wasserbeckens (Balaton) liegen grosse Rohrinseln, der Kerek-Lap und Lik von ähnlicher Beschaffenheit.

Diese sumpfige Moorniederung zieht sich südlich, abwechselnd mit thonigen Anschlemmungen bis zur P. Kapolna, wo ein Streifen Erlenwald auftritt und endigt beiläufig an der Stelle wo der Eisen- bahndamm den Hatar-ärok überschreitet. Die Eisenbahn hält sich bereits in höherem Terrain und durchschneidet nur hie und da kleine Zsombekmoore . wie zwischen Fönyed und Vors. Der östliche Theil des Moorgebietes beginnt tnit Rohr, welches in festem Thongrund

^ 02 I' o k o r n y.

wurzelt, ohne Tori' zu Itildeii. Docli fiiuleii sich aueli hier gegen Feniiyek locale Bihlungen von Zsoinhckmooren.

Der (jesiinimtunifiing der im Zaiaer Cornifale vorkoinrnenden 'rorfinoore heträgt nach einer aintliclien Schätzung 72öG Joch, eine Ausdehnung, welclic in der Wirklichkeit gcnviss viel hedeulendi'r isl.

11. Somogyer Coniitat.

Hier liegt zunächst das zweite grosse Moor hecke n hei Kel h el y am südlichen Ufer des Plattensees. Es ist durcl-i einen schmalen Streifen erhöhten Landes vom Plattensee völlig geschieden und hat zalih-eiche olVene Wassei^tlächen (Spiegeln) in seinem Innern. Es erstreckt sich nördlich von Balaton-Keresztnr his zur Pnszla Fonyod, südlich his zur P. Sari hei Kethely , ferner östlich his Tot S/,. Pal und Fkizsak. Im Westen wird es von den Bergrücken des Biuo-hegy , im Osten von den Höhen zwischen P. Fonyod und Lengyeltoti begrenzt. In dieser Ausdehnung umfasst dieses Moorbecken mindestens 20.000 Joch oder 2 Quadratmeilen.

Ein Torflager von vorzüglicher Qualität befindet sich im Be- sitze des Grafen Hiinyady bei der P. Sari in einem Umfange von ungefähr 17.00 Joch und 3 6 Fuss mächtig. Nach den einge- sendeten Proben gehört der Torf zu den besten Sorten, die im un- garischen Tieflande angetroffen werden. Übrigens enthält nach einer Becognoscirung längs des Nagy-Canals auch der nördliche Tlieil des Moorheckens zwischen Balaton- Keresztur und P. Fony()d aus- gedehnte bis 6 Fuss mächtige Torflager, welche hie und da durch thonige Bodenanschwellungen unterbrochen sind. Diese Moore sind obernächlich meist mit Zsombek bewachsen und dienen als Hutweiden.

Der südliche Tlieil des Moorbeckens ist fioch sehr wässerig. Die zahlreichen grossen olfenen Wasserlachen sind blos mit Wasser- pflanzen, die keinen Torf bilden, bedeckt. Ihre Tiefe beträgt 2 i)is 4 Fuss Wasser , darunter 2 Fuss Schlamm. Diese Wasserlachen werden von BohrwäUlern umgeben, die auf einer bis 4 Fuss mäch- tigen Schichte von Bohrwurzeln (La|)) ruhen. Es zeigt sich daher auch hier die Erscheinung, dass die gegenwärtig bereits trockenen Bänder des Moores den besten und meisten Torf besitzen.

Ausser diesem grossen Moorbecken findet man an den Ufern des Plattensees in der Somogy nur kleine Böhrichtmoore am Rande des Sees, -SO bei Boglär , Leile und ÖsziUl.

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 103

Noch wer(l(>n im Somogyer Comitat sehr ausgedehnto Torfmoore in den Goinoinden IJarcs und Daraiiy aiiiiegebeii, abt-r als unreif bezeicliiiet. Eine nähere Untcrsiichung könnte allein darthiin, in wiefern diese Nachrichten gegründet sind, da sonst über diese Torf- lager nichts bekannt ist, die grossen Diausümpfe für Torfbildung im Allgemeinen als günstig erscheinen, und über die Qualität und Ver- wendbarkeit des in Ungarn fast ganz unbekannten Torfes leicht unrichtige Ansichten entstehen können.

13. Toluacr Comitat.

In den längs des Ka pos -'Canales gelegenen Thalwiesen ent- stehen durch die von Bauern und Hirten gemachten Feuer nicht selten Hoderibrände, woraus auf das Vorhandensein von Torf daselbst ge- schlossen wird. Wahrscheinlich ist hier ein ähnliches Moorthal wie am Sär viz im Stuhlweissenburger Comitate.

13. Baranyacr Comitat.

Im Dardaer Bezirke existiren kleine Turflager an der Donau, welche bis jetzt nicht für betriebswürdig gehalten wurden.

14. Eisenborgep Comitat.

Ans diesem Comitate sind keine Turflager bekannt. Nur in den Bezirken Nemet Ujvär, Güssing und Vasvar (Eisenburg) wird deren Vorhandensein vermuthet, wesshalb weitere bezügliche Nach- forschungen eingeleitet wurden.

15. Pest-Piliser Comitat 9-

In der tiächsten Nähe der Stadt Pest liegen eim'ge kleine Torf- lager am Bakosbache und in dessen Nähe, ja selbst im Stadtwäld- chen, wo die Mächtigkeit bis 6 Fuss angegeben und die Qualität als vorzüglich bezeichnet wird. In den Jahren 1842 1843 bat der Bildhauer Ferenczy Torf aus dieser Gegend zum Schmelzen von Statuenbronzc nu't Vortheil verwendet. Herr Prof. Dr. .1. v. Szabo bat diese Torflager, die in einer Längenau>delinung von etwa einer Meile hie und da vorkommen, auf seiner geologischen Karte von Pest angedeutet und im Texte beschrieben. Durch Prof. Dr. A. Ker-

•) Dieses und ilie folgenden Comitate des eliemaligen Pest-Ofner Vimu allungsgebietes sind nacl) amtliclieri QiieUen, eigenen Bereisungen und den .Alitttieilungen der Herren Prof. Dr. A Kerner in Ofen und Hr. .1. v. S z a h ö in Fest beschrieben.

I 04 P o k o r n y.

ner ist das Torflati^ei' in der Niihc des Gartons von Dr. Polya an der Waitzner Eisenbahn näiier bekannt worden. Es gleicht gänzlich den Wiesenmooren bei Moosbrunri nächst Wien und ist noch nicht ganz ausgebeutet worden. Die Näiio einer grossen Stadt dürfte die gänz- hclie Ausbeutung dieser kleinen Torfhiger lohnend machen und ich verweise hiehei auf den allgemeinen Theil, der über die Auffindung und Benützung solcher Torfe handelt.

Die Moorbildung im Rakosfelde war in früheren Zeiten weit ausgedehnter , als gegen^^ artig , wie die weite Verbreitung der schwarzen mit Süsswasscrschnecken vermischten Monrerde beweist. Ein grosser Theil des gebildeten Torfes ist durch Austrockuuug und Urbarmachung wieder verloren gegangen, ohne benützt worden zusein.

16. Pest-Solter Comitat.

Am westlichen Abhang der Sandhügel und des Sandplateaus, welclie als die letzten Ausläufer des Cserhät-Gebirges nach Süden die Wasserscheide zwischen der Donau und Theiss bilden, liegt eine grosse Anzahl von mitunter bedeutenden Torflagern, welche von dem Wasser des saudigen Hochterrains gespeist werden und meistens den sogenannten Zsombekmooren angehören, die in Ungarn nirgends so grossartig auftreten, wie hier. Man kann sie von Ocsa, ihrem nördlichsten Punkt in einer Längenausdehnung von 17 18 Meilen, bis an die Grenze des Banates bei Baja verfolgen. Die Breite dieses Sumpfgebietes, des P est-SoI ter M oorterrains, ist varia- bel, durchschnittlich 1000 Klafter.

Einzelne solche Torfmoore finden sich übrigens hier wie im ganzen ungarischen Tieflande in den Mulden des Sandterrains zer- streut vor, so z. B. schon das von Kerner bei der Puszta Gubacs nächst Soroksär beobachtete und jetzt trocken gelegte Zsombekmoor. Das erwähnte grosse Sumpfgebiet aber erstreckt sich nach Prof. Szaho in nordsüdlicher Richtung durch die Hotter folgender Ort- schaften: Ocsa, Sari, Adacs, Peszer, Kun-Szent-Miklos, Szahad- szälläs, Fülöpszälläs, Akasztö, Szont kiiäly, Kalocsa, Keczel, Czä- szartöltes, Hajos, Nadudvar, Sükösd, Csanäd, Szentistvän (bei Baja) bis zur Donau. In den nördlicheren Ortschaften nennt man die Torf- lager Turjäny, in dem südlichen Örieg.

Nach einer amtlichen Mitlheilung wird der Flächenraum der Öriegmoräste im Kalocsaer Stuhlbezirk allein auf 18.000 Joch

Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. lOö

berechnet. Im Kis Köröser Stiililbezirke werdon in der Gemeinde Akaszto 37 Joch, in Acs und Ökerdi l)ei Akasztu gegen 1000 Joch und in Izsak Torflager von unbestimmter Ausdehnung angegeben. Die eingesendeten Proben von Aes-Ükerdi sind theils blosse unver- brennliche Mooreide, Iheiis Zsombek -Torf, zu welchem letzteren aucii die Proben von Akaszto und Izsak gehören. Unstreitig enthalten die ausgedehnten Moräste daselbst auch bessere Torfsorten, welche aus Unkenntniss bisher nicht bemerkt und benutzt worden sind. Jedoch scheinen grosse mächtige und zusammenhängende Torflager diesem Sumpfgebiete zu fehlen.

Noch wird im Pest-Soiter Cornitat im Nagy-Köröser Hotter auf der Hutweide daselbst ein mehrere Joch grosses Torflager, Szur- dok genannt, augegeben. Die eingesendete Probe ist Wiesentorf von guter Qualität. Nähere Angaben fehlen.

17. Stuhlweissenburger Comitat.

Iii diesem Comitate treten die Moore theils ;im Velenczer See, theils im sogenannten Sar-ret bei Stubiweissenburg auf.

Der Velenczer See (Velencze To), dessen Oberfläciie nach der Generalkarte auf beiläufig eine halbe Quadratmeile geschätzt werden muss, ist ganz mit einerMenge von Bohrinseln bedeckt, die grössten- theils nur durch schmale Canäle von einander getrennt sind. Nach Süden setzt sieb der See bei Puszta Dinnye's als moorige Niederung weit gegen Seregelyes fort. Die Piobrinseln bestehen, wie nähere Untersuchungen gelehrt haben, aus compacten 4 51/3 Fuss tiefen Massen von Hohrwurzeln, welche scharf begrenzt mauerförmig vom Grunde des seichten Wassers bis über die Oberfläche desselben emporragen. Selbstverständlich bilden diese Massen einen brerm- baren Körper, eine Art Torf, welcher nach erfolgter Aiistrocknung des Sees leicht gewonnen werden könnte. Es ist aber schon an einem andern Orte 1) hingewiesen worden, dass der unfruchtbare Boden des Sees, aus Tlion und grobem festen Sand bestehend, welcher selbst das Bohr zwingt eigentbümliche Wachsthumsverhältnisse an- zunehmen, eine gänzliche Austrocknung des fisch- und vogelreichen Sees, wie sie beabsichtigt wird, kaum als lohnend erscheinen lässt. Die moorigen Niederungen bei Dinnyes gegen Seregelyes sind

^) S. Wiener Zeitung vom II. Februar 1860, |>. 608.

106 Pokoriiy.

noch nicht iijiher iintorsiiclit , (hiiften ahor Torf von giilcr Qualität enthalten.

Der Sar-ret be i S tn h 1 wei ssenbiirfj^ hestcht ans einem grossen jetzt trocken gelegten Moorhecken und hängt mit einer hin- gen, ahcr sclimalcn Heilie von kloinen Mooren znsammen, welche längs (le.s Sar-viz-Canals angetrotfen weiden. Muthmas>lich setzt sich diesesSystem längs der ganzen Thalmulde desSar-viz his in'sTolnaer Coniitat bei Szegzärd und his zum Einfluss des Sar-viz in die Donau bei Batla fort. Namentlich ist die Donauinsel Ozsäki und die angienzeiide Gegend einer nähereu Untersuchung zu emprehlen.

Mir ist nur der eigentliche Sär-ret bis in die Gegend von Egres an der Grenze des Tolnaer Comitates aus eigener Anschauung be- kannt, wobei der Vorstand des Sar-iet-Canalvereines , Herr Gral Ferdinand Zioliy mich freundliclist begleitete.

Das grosse Moorbecken bei Stuliiweissenhtn-g beginnt an den Mauern der Stadt und erstreckt sich in seiner Längenausdehnung westlich bis nacli Palota und Ösi im Veszprimer Comitate. Im Süden wird es von den Ortschatten Sar Ladany, Kis Keszi und Sar Szt. Mi- haly begrenzt. In dieser Ausdelinung umfasst es einen F'läcbenraum von beinahe 2 Quadratmeilen. Seine Zuflüsse kommen aus dem Ba- konyer Wald, theils aus der Gegend von Moor, Iheils von Veszprim. Während der Sar-ret in früheren Zeiten ein tbeilweise unzugäng- licher Sumpf war und mau noch jetzt beim Ökeritö-to die Stelle zeigt, wo König Mathias fischte, ist derselbe durch die Canalisirung fast ganz trocken gelegt. Ein Theil in der Nähe der Stadt ist in Ackerland umgewandelt, wozu die schwarze, mit zahlreichen Süss- wasserschnecken verun'schte Moorerde ^ich vorti'etTlich eignet. Der grösste Theil des Sär-rets wird aber als Wiesenland beniilzt. Man suchte hier, ähnlich wie im Laibacher Morast, den 'rorfhodeii durch Abbrennen fruchtbarer zu machen, und dies dürfte der (irund sein, warum der Torf hier verhältnissmässig nicht mächtig und sehr ungleich vertheilt gefunden wird. Sehr viel trägt hiezu die natür- licbe Unebenheit des Bodens bei, welche Vei anlassung zur Bildung zaldreicher sogenannter Inseln, Anschwellungen des thonigen Unter- grundes, gibt. Endlich ist noch zu erwähnen, dass gegenwärtig bei Hochwasser die trüben, schlanunigen Flutiien der Canäle das Land weit und breit mit einem weissen Schlamm bedecken, welcher zu den sterilsten Bodenarten gehört, so dass nur die zähesten Moor-

Untprsiidiiingeii über die Torfmoore Uiiffarns. 107

pHiiiizen (eine Art Riedgras, Cladlum Mariscus) eine soielie Über- sciileiiiniuiig aushalten, wäiirend auch sonst keine neuen Pflanzen an diesem Boden sich ansiedeln.

Eine Recognoscirnng dieses Moorbeckens von Szent Mihaly aus ergab in den westlicheren und südlicheren Theilen ausgedehnte Strecken, welclie noch gegenwärtig 5 ^6 Fuss Torf von guter Qualiljit besitzen. Das abgebrannte Terrain in nördlicher und östlicher Kicbtung liegt auffallend tiefer und hat nirgends mehr als 2 höchslens 3 Fuss Torf, ist daher kaum abbauwürdig, und dies um so weniger, als es zum grossen Theile auch überschlennnt ist. Nur eine sehr specielle Auf- nahme mit zahlreichen Sondirungen verbunden, könnte die noch gegenwärtig vorhündenen abbauwürdigen Torflager genauer bt-zeich- nen und es wäre um so dringender, sie bald einer Benülzung als Brennstoff zuzuführen, als sonst der ungarische Torf, wenn er lange trocken gelegt ist, leicht sich in eine bröckelige, erdige unbrennbare Masse verwandelt.

Sowohl die Eisenbahn, welche nach Moor geht, als auch jene, welche nachKanizsa führt, durchschneidet den Rand des grossen Stuhl- weissenburger Moorbeckens. An der ersteren kann man in den Gräben, welche den Eisenbahndamm begleiten, sehr schön die Bildung der Inseln beobachten. Sie bestehen hier aus einem Sand, der durch ein kalkiges Bindemiltel verbunden ist und sind mit 1 2 Fuss schwar- zer Moorerde bedeckt, während auf den tiefern Stellen ein Torflager ruht, das die Gräben mit braunem Torfwasser erfüllt.

Am Eisenbahndamm, der nach Kanisza führt, ist beiSzabad Bat- tyän ein schmales aber langes und wie es scheint sehr gleichförmiges Torflager durchschnitten, welches mindestens 5 Fuss guten Torf enthält. In der Wiese oberhalb des Schlossgartens vonSzabäd Bathyan ist der Torf unbedeutend nur 2 3 Fuss mächtig.

In der Tbalmulde des S är - viz - Canals kommt der Torf nur parcellenweise hie und da in Lagern von 100 120 Joch und von sehr verschiedener Mächtigkeit und Qualität vor. Im Allgemeinen liegt er nicht an dem im böhern Terrain angelegten Särviz-Canale, sondern westlich am Malom Csator (Mühlcanal). So wird in der Wiese bei der Mühle zu Kaloz 3 6 Fuss tief Torf angetroffen, während bei Kis-Hörcsök eine Letteninsel durchgeht. Bei Hätvän wird die seichte Toi'fmulde durch eine Insel unterbrochen; auch ist hier in der Nähe des Hauptcanals durch Brand der Boden gesenkt. (Vgl. S. 70.) Südlich

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von ()rs findet man zwischen (Umi holden Canälen wieder Strecken, wo der Torf li 7 Fuss rniichtiü;' ist.

18. Szolnoker Coiiü at>

In der Niilie von Tisza-Ugh (siidlicli von Szohiok) entdeckte Herr Prof. Szaho ein Torfmoor von etwa 200 Joch Flächenraum. Es bihlet sich fortihmernd am Fusse eines ausgedehnten Sandph\teaus und ist nur mit niederen Siim|)f|iflanzen bedeckt.

19. Heveser Coinitat.

Aus diesem Comitat sind keine Torfmoore bekannt. Nui- bei dem Dorfe Hakta (westlich von Erhui) wurden von Prof. Szabo bereits im Gebirge zwei durch einen schmalen Sandrücken getrennte Teiche beobachtet, von denen der kleinere mit Sumpfpflanzen filzarlig schon so dicht bewachsen war, dass die Decke einen Menschen trug. In 2 Fuss Tiefe strömt Wasser hervor, in 4 Fuss Tiefe wurde die untere Grenze der Mächtigkeit nocli nicht erreicht.

30. Borsoder Comitat.

Nach einer amtlichen Mittheilung sind hier Im Csather Stnlil- bezirk an der Theiss Turfmoore in den Gemeinden Tisza Kürth und Nemcs Bik (nordöstlich von Csäth) und in den Gemeinden Baba, Papi und Igriczi (nördlich von Csäth), ferner in der Gemeinde Csäth seihst. Die eingesendete Probe stammte aus einem Zsombekmoor, welche also hier vertreten sind.

Im Stuhlhezirk F^deleny werden im Gebirge östlich und nord- östlich von Edeleny in den Gemeinden Damak , llegymeg und Lak Torfmoore aufgeführt. Die eingesendelen Proben bestanden jedoch nur aus einem stark eisenhaltigen Fjehni, welcher mit Pllanzenwur- zeln durchzogen war. Das Vorkommen ist daher zweifelhaft.

21. JaKiglcn und Hninaiiicn.

Im Stuhlbezirke Kelegyhäza soll nach einer amtlichen Mittheihing bei der Puszta Sz. Läszlo (2 Meilen südwestlieh von Felegy- häza) ein Tortlager vorkommen. Da diese Gegend zu den Sandplateaus gehört, so ist das Vorkommen von Zsombekmooren daselbst sehr wahrscheinlich.

Untersuchungen über die Torfmoore Uufiarns. 1 QQ

In Gross-Ktimanien hat sich die HofTiiung in dem ausgedehnten Siuiipfyohiet des llortohagy Sarrel ci-gii-bigc Toi-flagor anfzuliiiden, nicht bestätigt. Die Eisenbahn durchschneidet zwischen Karezag und Püspök Ladiiny einen Thcil fies Moores aber weder nördlich gegen Sz. Agota im Berecz-Feneker Morast und bei Asszonyszalliis, noch südlich im sogenannten Kun-Lapos und dessen Umgebung sind eigentliclie Torflager zu linden. Fiibenso wenig hat eine Excnrsion von Kis-Uj- szallas nordiJsth'cli in die ehemaligen Siimpfniederungen von Gyalpar und Hallas zur Entdeckung von Tortlagern geführt. Es konmit hier allenthal!)en höcbstens zur Bildung' von Halbtorf der aus Rohrwurzeln besteht, reichlich mit Schlamm gemengt an manclien Stellen 1 1 y„ Fuss mächtig ist und eben noch brennt, ohne aber pyrotechnisch nur einig ermassen namhaften Nutzeffect zu gestatten. Das schlannnige Innndationswasser, womit diese Moore zeitweilig (zuletzt bei der grossen Überschwemmung 18S5) gespeist werden, und der starke Salzgehalt des zähen Lehmbodens sind hier das Haupthinderniss der Torfbildung.

Bei Kis-Uj -Szallas waren die Gründe nach Angabe des Herrn Apothekers Hollemann 1836 ebenso trocken und als Äcker bestellt, wie 1859; die in der Zwischenzeit bestandene Überschwemmung bewirkte jedoch nur die Bildung von niedrigen Rohr-Zsombeks in dem zähen festen Boden und seichten schlammigen Wasser.

Aus dem Graner und Csongrader Comitate sind bisher keine Torfmoore bekannt geworden.

22. B^kes-Csanäder, Nord- and Süd-Biharer Comitat.

aj Das Särret Sumpfgebiet. Das grösste Sumpfgebiet Ungarns, an den drei Flüssen Horto- bagy, Berettyo und Sebes Koros gelegen und mit dem allgemeinen Namen Särret bezeiclinet, umfasst einen Flächenraum von beiläufig 30 Quadratmeilen. Es gehört zum Theil auch Gross- Kumanien an und wurde desshalb hier schon erwähnt. Der südwestliche Theil liegt im Bekes- Csanäder Comitat (Stuhlbezirk Szeghalom); der nordöstliche Theil im Nord-Biharei- Comitat (Sluhlbezirk Püspök- Ladany) und der südöstliche im Süd-Biharer Comitat und zwar in den Stuhlbezirken Mezo Kcreszies und Szalonta. Gegenwärtig ist jedoch ein grosser Theil dieses Sumpfgebietes durch die Theissregulirung und durch die Eindämmung und Canalisirung des Berettyo und der

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Körösflüsse vor neuen liminlationen geschützt und dadurch trocken gelegt.

Durch geringe BodtMianscluvelkingen wird dieses Sunijifgehiet in drei grosse gesonderte Moorhecken getheilt, in deren Centruni Füszes Gyarmath liegt.

Der neue Berettyo Ableitungscaual zwischen Bakonyszeg und Szeghiilom trennt das südöstliche Moorhecken, Sebes Koros Siirret Mocsarok genannt und die von l^'üszes Gyarmath über die Puszten Csefan, Ilarang, Ösveny und Bucsa nordwestlici» sich «M'streckende Bodenerhebung trennt das nördliche Moorhecken. den Berettyo Sarret Mocsai'ok, von dem grossen siidwestlidien Moorbecken, Mcichos zwischen Füszes Gyarmath und Tui- keve liegt, keinen besonderen Namen führt, im Innern sehr unzugänglich und unbekannt ist, dabei eine Längenausdelinung von mindestens 4 Meilen besitzt.

Durch geringe Bodenerhebungen, welche sich ferner in der Richtung von Szerep nach Puszta Bucsa und Puszta Ecseg hinziehen, werden die Sär retje hei Püspök Ladtiny und die Hortobagysümpfe bei Karezag und Kis Ujszallas von den genannten drei Moorbecken geschieden, mit welchen sie nur durch sogenannte Er, alte mit Rohr erfüllte P'lussbeete und einzelne kleinere mit Bohr bewachsene Sumpfstellen (Läpos) zusammenhängen. In diesen findet man nur Halbtorf oder Zsombek.

Die grossen Moorbecken jedoch haben als die tiefsten Stellen des Terrains bleibende Wasseransammlungen, welche mit einer torf- bildenden Moorvegetation erfüllt sind. Diese besteht aus schwingen- den Decken von Rohrwurzelti , Lap oder Lupös, die zum Thcil schon die ganze Mächtigkeit des Moorbeckens ausfüllen und an der Ober- fläche mähhai-e Wiesen enthalten unil dadurch eine festere Unterlage abgeben. Man nennt sie desshalb Inseln und da sie bei Hochwasser merklicii gehohen werden, hält man sie für schwimmend, welcher Ausdruck jedoch nicht verleiten darf an eine hoi'izontale Foi'thewe- gung derselben zu denken. Eiine solche N'errücknng ist nur in sehr wasserreichen Moorbecken und auch hier nur bei verliältnissmässig kleinen Partien der Moordecke möglich.

Diese im klaren braunen Moorwasser sich bildende schwingende Decke oder Läp gibt im trockenen Zustande einen sehr guten reinen aber lockeren und schwammigen Torf. Nach einer aus dem Berettyo Sarret Mocsarok zwischen Füszes Gyarmath und Nagy Bäjom mit-

Uiitersiiehiiiigeu iiliei- die Torfmoore Ungarns. 111

geiiomineiipu im Liiboratorium des k. k. polytechnischen Institutes in Wien iiiialysiiten Probe hiit dieser Torf nur 13"2 Pereent Wasser und 11-3 Asche hei einer lleizkraft von 2396 Wärmeeinheiten. Er gehört daher xu den besten Torfsorten des ungarischen Tieflandes. Hiebei ist zu bemerken, dass nicht nur die erwähnten Insehi oder mähbaren Wiesen, sondern überhaupt die ganze llohrmasse des Moorbeckens denselben Torf, jedocli in einem nocli mehr aufgelockerten Zustande entliält. Sehr häufig wird derselbe dalu^r als unreif bezeichnet, da er noch aus den wenig veränderten Hesten der Rohrwurzeln besteht. Über die Mittel denselben zu verdichten muss hier auf den allge- meinen Theil verwiesen werden, (Vgl. S. 74.)

Das Moorbecken des Berettyö Sarret Mocsarok, welches nördlich von Füszes Gyarmath liegt, ist am genauesten be- kannt und auch durch den Canal, der nach Nagy Bajom führt, am leichtesten zugänglich.

Längs dieses Canals zeigt das Moorbecken die grösste Gleich- förmigkeit in einer Breitenausdebnungvon 1 1/3 Meile. Zahlreiche Son- dirungen sowohl auf den schwingenden Inseln (Lap), (vergl. S. 68), als auch im Röhricht ergaben erst in einer Tiefe von 8 Fuss festen thonigen Untergrund. Die Torf- und Rohrdecke darf durchschnittlich auf S 6 Fuss veranschlagt M'erden. Darunter befinden sich 2 bis 3 Fuss schlammiger Grund. Unter den Inseln ist die Torfdecke dichter als im Röhricht, im Allgemeinen aber auch hier noch sehr locker. Die schwebenden Inseln sind genau vermessen und auf Prof. Szabö's Tbeisskarte eingetragen. Die grössten, wie der Katalap, Földläp haben 50 60, loch, die kleineren, wie der Hamuläp, Csukalap, Furjan u. s. f. etwa 30 Joch Fläche. Ohne Zweifel vergrössern sich diese als Wiese benutzten Strecken allmählich und durch eine Senkung des Wasserspiegels würde das ganze Moorbecken ein ähnliches Aus- sehen erhalten und dabei der bereits gebildete Scliilftorf sich ver- dichten. Die in diesem Moorbecken vor sich gehende Torfbildimg ist nämlich in jenem Stadium begriflen, in welchem der Rohrwald das Becken schon ziemlich ausgefüllt hat und nun in Wiesenmoor, welches auch noch und zwar besseren compacteren Torf bildet, übergebt.

Die grosse Ausdehnung dieses Moorbeckens und seine Lage mitten im baumlosen Fhichlande in der Nähe der drei Theisseisen- bahnen lässt dasselbe als besonders wichtig erscheinen. Der Antheil

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der gräflich Blankenstein'sclien Faiiiilio heträgt allein 1 1 .088 Jocli. Die grosse Gieichfünnigkeit desseli)en spricht für eine weitere Aiis- deiinuDg in die benachharten Gemoindehotter. Gegen Bajom, etwa Ya Meile vor diesem Orte ninunt die Mäcchtigkeit allmählich ah. Das braune, aber reine und durchsichtige Moorwasser tnibl sich, der Torf geht in Halbtorf iiber und zuletzt hört im schlammigen Sumpf jede Torlbiidung auf.

Die Ausbeutung dieses Moorbeckens würde vor Allem eine (nicht zu bedeutende) Senkung des Wasserspiegels und die hiedurch hervorgerufene Überführung und mohrjährige Benützung des Ter- rains als \\'iesenland bedürfen. Nach erfolgter Ausbeutung wäre die Anlage von Erlenwäldern in dem noch immer feuchten Grunde drin- gend zu empfehlen. Wird dieses Moorbecken ohne Entwässerung sich selbst überlassen, so wird es in einem längeren Zeitraum von selbst in ein \Viesenmoor übergehen und eine um so grössere Masse von Torf sich aufspeichern. Durch piölzliches und gänzliches Ent- wässern aber wird die Torfbildung unterbrochen und es miisste der trocken gewordene Torf bald unmittelbar als Brennstoff ver- wendet werden, weil er sonst leicht verwittert und in eine erdige Masse sich verwandelt. Solche trocken gelegte Torfmassen, die unmittelbar zur Verwendung als Brennmaterial benutzt werden können, hat Herr Professor Szabö auch wirklich am Berettyo in der Nähe von Bakonyszeg entdeckt. Hier konnnt zwischen dem Dorf und Fluss an einer Stelle, welche Lapkaszällo (Läpwiese) heisst, ein Torflager von mehreren Joch Ausdehnung und einer Mächtigkeit von mindestens 6 Fuss vor. Der Torf ist vortrefflich, nur an einigen Stellen durch schwarze schlammige Erdschichten unterbrochen. Ehedem wuchs Rohr an dieser Localität; durch die Canalisirung des Berettyo wurde diese trocken gelegt und verwandelte sich in einen Wiesengrund. In der Nähe befindet sich ein zweites trockenes Torf- lager, aber nur 1 Fuss mächtig. An einer andern Stelle, welche mit dem Namen eges (Brand) bezeichnet wird, sah Professor Szabd eine durch ziegelmeblartige Torfasche ausgefüllte Vertiefung, welche von dem Brande eines Torflagers im Jahre 1836 herrührte.

Diese Thatsachen beweisen, dass auch der nördliche Band des Beretlyu Sarret mit Torfbildungen erfüllt sei, welche durch die Ent- sumpfung des Terrains zum Theil schon trocken gelegt sind. Ahn- liche Bildungen, so wie noch vegetirende Läp kommen mit grosser

Uiitersiichiiiig'cii üher ilie Torfmoore Ungarns. 113

Wahrscheinlichkeit auch noch in dem Hotter der Gemeinden Rabe, Bäjom, Udviir, Szerep uud Piispök Ladany vor.

Das zweite Mo orbecken im Südosten von Füszes-Gyarmath, der Sebes Koros Sär-ret Mocsarok ist wahrscheinlicli noch ergiebiger an Torf. Das Centrum des Beckens liegt zwischen den Ortschaften Csökniö, Komädi und Vesztö. Von letzterem Orte aus besuchte Prof. Szabo dasselbe und fand hier in der Gegend vonTo- sziget (specieller „a koesagos Paldan") einen Lap (schwebende Insel) von etwa 600 Joch Ausdehnung. Man benützt diesen Läp als Wiese und Hutweide und Canäle erlauben eine leichte Verbindung. Es wurden Toifproben bis aus einer Tiefe von 4 Fuss gesammelt; wie gewöhnlich bestanden die unteren Torfschichten nur aus Rohr- wurzeln. Die Mächtigkeit muss sehr bedeutend sein, da man mit einer 2 Klafter langen Stange den festen Untergrund noch nicht erreichte. Ausser diesem grossen Lap gibt es noch mehrere kleinere im Sar-ret der Sebes Koros. Von der Gemeinde Csökmö wurden Proben eingesendet, die aus einem Zsombekmoor herrühren.

Das un benannte Moorbecken im Westen von Füszes- Gyarmath, das man seiner Lage nach Bekeser Stir-ret nennen könnte, ist wahrscheinlich ebenfalls mit Lapbildungen erfüllt. Es ist ganz mit Rohr bewachsen und selbst in der nächsten Umgebung unbekannt und als unzugänglich geschildert, so dass es mir nicht gelang, von Norden in das Innere einzudringen. Herr Prof. Szabo hat von der Puszta Ecseg , also von der Westseite aus, in Gesell- schaft des Herrn Apothekers Bollemann die Gegend „Kep" genannt, besucht und bestätigt die Identität der hiesigen Moorbildung mit jener im nordöstlichen Särret-Gebiete.

b) Andere Moore dieser 3 Comitate.

Im Nord-Biharer Comitate soll nach einer amtlichen Mittheilung im Hotter der Gemeinde E r-Mihälyfalva (Stuhlbezirk Dioszeg), etwa 6 Meilen östlich von Debreczin ein ziemlich ausgedehntes 1 '/, Fuss mächtiges Torflager vorkommen. Die eingesendete Probe besteht aber nur aus eisenhaltigem Lehm, der von Pflanzenwurzeln durchzogen ist, daher das Vorkommen des Torflagers zweifelhaft erscheint. Doch dürften Zsombekmoore in dieser Sandgegend hie und da zu finden sein.

Durch die gefällige Mittheilung des Herrn Prof. Dr. A. Kerner in Ofen sind im Süd-Biharer Comitate mehrere Hochmoore von

Sitzb. d. matheni.-iiüturw. Cl. XLIII. Bd. I. Ahtli. 8

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gössen» wissenschaftlichen Interesse an der Grenze von Siebenbürgen im Queliengebiete des Szamos beiiannt geworden. Unterhalb der Petra-talhariuliij bei Oncesa liegen in einem von Kalkgebirgen gebildeten Thale drei kleine echte Hochmoore auf der aus Sandstein gebildeten Thalsohle, jedes einige Joch im Flächenraum. Ein grös- seres Hochmoor von 20 30 Joch Ausdehnung liegt in Valea Gro- pili, ebenfalls im Quellengebiet der Szamos. (Vergl. S. 61.)

23. Szabolczcr Coniitat.

Nach eingesendeten Proben kommen im Amtsgebiete des Nagy- K Ji 1 1 0 e r und N y i r e g y h a z a e r Stuhlrichteramtes Torfmoore vor, die theils Zsombektorf, theils bessere Sorten von Rohrtorf enthalten. Über ihre nähere Lage, Ausdehnung und Mächtigkeit ist nichts bekannt.

Das grosse Sandgebiet dieses Comitates besitzt in muldenför- migen Vertiefungen zahlreiche zum Theile sehr ausgedehnte Zsoni- bekmoore. Auf dem Wege von Debreczin nach Nagy-Käroly finden sich die grössten derselben zwischen Lugos und Nyir-Beltek, und zwar zwischen Hügelreihen, die von dem sterilsten Flugsande gebil- det werden. (Vergl. S. 71.)

Inwiefern das grosse Sumpfgebiet des Stuhlbezirkes Kis-Värda . an der Theiss torfhältig ist, ist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es ähnlich dem gegenüberliegenden Hosszü-Ret reich an ergiebigen Torflagern ist.

24. Szathmurer Couütat.

Hier liegt in der Nähe von Nagy-Käroly an der Kraszna der grosse Ecseder Sumpf (Ecsedi-Läp), welcher nach der General- karte gegenwärtig noch 4 Quadratmeilen bedeckt. Er soll erst in verhältnissmässig neuerer Zeit durch die Überschwemmungen der Kraszna an einer Stelle entstanden sein, wo früher mehrere Dörfer gestanden sind und viele Sagen von versunkenen Kirchen und Schlös- sern knüpfen sich an diese Gegend. Der Sumpf wird in Kürze bei der Regulirung der Szamos durch Canalisirung der Kraszna trocken gelegt werden. Er wird dann nicht nur der Cultur zugeführt, sondern auch bezüglich seiner Torflagci- ausgebeutet werden können, während er jetzt nur Rohr, etwas Erlenholz, Fische und Wild liefert.

Der Ecsedi-Läp , welcher bei höherem Wasserstand ausser- ordentlich schwer zugänglich ist, wird jetzt von der Kraszna, welche

Uiifprsiieliiiiig-eii über dio Torfmoore Ungarns. 1 1 I>

bei Kis-Majteiiy eintiilt und bei Ecsed den Sumpf verlässt, gespeist und durcb ihr trübes Wasser tbeiivveise verscblemmt. Parallel mit der Kraszna gebt ein Canal am nordöstlicben Rande des Sumpfes in der Richtung von Bagos nacb Tyukod und Ecsed. Diese Wasserwege werden aufboren, wenn, wie projeetirt, die Kraszna von Kis-Majteny nordwestlich bei Sälyi in die Szamos geleitet wird. Die Überführung des Terrains aus dem gegenwärtigen Robrwald in Wiesenland wird die näcbste Folge dieser Ableitung sein.

Hier, wie in allen grösseren Sumpfgebieten treten mitten im Sumpfe öfters kleine Hügel auf, welche bisweilen nur 2 3 Fuss über den höchsten Wasserstand bervorragen und nur einige Quadrat- klafter Oberfliicbe baberi, wäbrend sie in anderen Fällen bedeutend grösser sind. Sie besteben hier meist aus Sand, seltener aus Thon und sind oftenbar Fortsetzungen des bügeligen Terrains der Umge- bung. Auf einem solchen Hügel findet man Reste von Ziegeln zwischen Ecsed und Väliaj (Sär-var genannt), als Spuren eines ehedem hier bestandenen Gebäudes und der Hügel selbst dient als Getreidefeld. Bei Kaplony werden dergleichen kleine Hügel zu Ausflügen und Ruhe- plätzen mitten im Sumpfe benützt.

Was nun den Torf anlangt, so ist dieser sehr ungleichförmig im Sumpfe vertheilt. Beträchtliche Strecken sind gänzlich torflos; an anderen ist der Torf durcb Überscblemmung tbeils verdeckt, theils verunreinigt. Doch gibt es auch weite Flächen, die einen ergiebigen und regelmässigen Abbau gestatten \a ürden. Im Allgemeinen ist die nördliche Seite des Sumpfes ergiebiger an Torf, als die südliche.

Unmittelbar bei Ecsed, auf der Strasse nach Tyukod ist der Moorgrund mit Thon überwiegend vermengt und wird als Hutweide benützt. Verfolgt man den Kraszna-Canal stromaufwärts, so beginnt erst an der Grenze des Tyukoder Hotters das eigentliche Torfterrain in der Art, dass zunächst am Canal nur schwarzer Moortbon, in eini- ger Entfernung Zsombekmoore und noch weiter vom Canal entfernt Schilfmoore und Erlenwälder auftreten, (Vgl. S. 68.) In beiden letzteren geht der Torf 5 6 Fuss tief und in 8 Fuss Tiefe wird erst der thonige Untergrund gefunden. Das Innere des Laps besteht hier abwechselnd aus Erlenwald, Rohrwald und Zsombek. Erst gegen Tyukod beginnen einzelne Rolirwiesen (Lap). Die Sonde ergab auch hier bis in eine Tiefe von 6 Fuss rötblichen, übelriechenden Scbilftorf und erst in 8 Fuss Tiefe den thonigen Untergrund. In den trockengelegten Moor-

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gründen bei Tviikod werden aussorordeullicli üppige Culturen auf Torfboden gezogen.

Aucli am Rande des Sumpfes zwiseben Ecsed und Vallaj, in der Gegend des Sar-vi'tr gibt es mitten im Robre einzelne mäbbare Wiesen (Ldp), vvelcbe sebr übereinstimmend 3 Fuss dicbten braunen und dar- unter nocb 3 Fuss rötblicben lockeren Scbilftorf zeigten. Hier sowie in den daselbst befindlicben für unergründlicb geltenden Wassertüm- peln, die durch kalte aufsteigende Quellen bervorgebracbt werden, findet man ebenfalls in 8 Fuss Tiefe festen Tbongrund.

Bei Börvelly ist der Lap am Rande sebr wässerig; 'die stark scbwingende Decke ist an den abgemabten Stellen etwa 3 Fuss tief, darunter bis in 6 Fuss schlammiges Wasser. Mutbmasslicb mag zu diesen Verbältnissen der hohe Wasserstand Ende Juli 1859 beige- tragen baben. Jedenfalls ist aber bier die Torfdecke beträchtlich dünner als beim Sar-var und an anderen Orten.

Bei Kalmänd, Kaplony und Domabida ist der Rand des Ecseder Sumpfes weitbin torflos. Man kann in den Canäleti zi