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GRIECHISCHE TEXTE AUS ÄGYPTEN
HERAUSGEGEBEN UND ERKLÄRT
VON
PAUL M. MEYER
I. PAPYRI DES NEUTESTAMENTLICHEN SEMINARS DER UNIVERSITÄT BERLIN
II. OSTRAKA DER SAMMLUNG DEISSMANN
MIT INDICES UND VIER LICHTDRUCKTAFELN
BERLIN
WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG
1916
S30g
A
VORWORT.
Is im Jahre 1913 Adolf Deißmann die ehrenvolle Aufforderung an mich richtete, die Papyri ') des seiner Leitung unterstehenden Neutestamentlichen Seminars der Universität Berlin und die Ostraka seiner Privatsammlung herauszugeben, hoffte ich, den Fachgenossen die Ausgabe bald vorlegen zu können. Der gewaltige Krieg, bei dem des deutschen Volkes Sein und Geltung in der Welt auf dem Spiele steht, ist dazwischengetreten. All unser Tun und Denken wurde durch ihn vorerst in Anspruch genommen. Doch jetzt erwächst uns, die wir daheimgeblicben, ob auch der Kampf noch tobt, der uns zum Siege führen wird, die Pflicht, die Friedensarbeit fortzusetzen, einem jeden innerhalb des weiteren oder engeren Kreises seines Amtes und Berufes. Meine während des Krieges entstandene Ausgabe möchte als bescheidene Frucht dieser Betätigung angesehen werden.
Die Papyrussammlung des Neutestamentlichen Seminars der Uni- versität Berlin enthält 45 Stücke, von denen in der Ausgabe 29 vollständig gegeben, die übrigen, meist unbedeutende Fragmente, nur beschrieben oder er- wähnt worden sind. Mit Ausnahme dreier unmittelbar vor Kriegsausbruch 1914 in Ägypten erworbenen Stücke (Nr. 22. 27. 36) sind sie im Sommer 1912 durch Vermittlung von Carl Schmidt bei dem Schech Aly Abdelhay el Gabri in Gizeh angekauft worden und bildeten den kleineren Teil einer Urkundenmasse, deren größerer ebenfalls 191 2 in den Besitz der John Rylands Library in Manchester gelangt ist. Soweit sich die Herkunft unserer Papyri aus ihrem Inhalt erschließen läßt, stammen sie aus dem Faijum. Der nach Antinoupolis gerichtete schöne Soldatenbrief Nr. 20, dessen Vorder- und Rückseite die Doppeltafel I/II des Bandes wiedergibt, ist wohl nicht daselbst gefunden. Wir können daher vielleicht als Fundort aller Papyri das Faijum annehmen.
Die Gesamtzahl der Ostraka Deißmann, zu denen ich auch die beiden Mumientäfclchen Nr. 68. 69 und die dritte Holztafel Nr. 70 rechne, beträgt (ein- schließlich der verschenkten Stücke) 117; von diesen sind 100 in die Ausgabe
l) Diese Texte bilden als Urschriften aus der Zeit und Umwelt der griechischen Bibel einen Teil der in Entstehung begriffenen Biblischen Sammlung des Neutestamentlichen Seminars.
IV VORWORT.
aufgenommen, 89 im vollen Wortlaut, soweit er erhalten, 11 nur beschrieben °). Die Ostraka stammen aus verschiedenen Käufen, die wiederum Carl Schmidt verdankt werden. Die erste Erwerbung fand im Jahre 1904 statt; sie enthielt fast ausschließlich Scherben aus Theben und Hermonthis, ebenso wie die gleich- zeitig erworbene Sammlung der Heidelberger Universitäts-Bibliothek. In den folgenden Jahren bis 191 2 sind mehrfach weitere Stücke hinzugekommen, die fast alle aus Edfu, Elephantine und dem Faijum stammen. Bemerkenswert sind vor allem die Edfu-Ostraka. Ihre Zahl ist zwar in unserer Sammlung nicht groß — es sind 14 — , sie erhalten aber eine erwünschte Ergänzung durch 46 Scherben gleicher Herkunft des Berliner Museums, von denen 43 bisher unveröffent- licht waren. W. Schubart bin ich für die freundliche Erlaubnis, diese unver- öffentlichten Stücke zu transkribieren und zu verwerten, zu großem Danke ver- pflichtet. Ich habe 1 7 von ihnen in der Ausgabe im vollen Wortlaut mitgeteilt (S. io8^ iio'ä- '*■ '^ i2i3 128'-"- '^-'^ I29'^ 166'), die Wörter dieser Texte auch in die Indices aufgenommen. Die übrigen sind zur Erklärung mannigfach heran- gezogen. Sie bilden die Grundlage meiner Ausführungen über die Fährboot- Abgaben (Nr. 8 S. 127 ff.). Mit Nutzen konnte ich sie in der als Einleitung den Ostraka-Texten und ihrer Erklärung vorausgehenden Untersuchung über die Formulare der Quittungen (S. 108 ff.) verwerten, die auf Wilckens grundlegenden Forschungen beruhend das neue Material verarbeitet.
Sechs der in der Ausgabe veröffentlichten Ostraka befinden sich nicht mehr im Besitze Deißmanns: Nr. 15 und 35 sind von ihm an Herrn Professor Allan Menzies, D. D., St. Andrews, geschenkt, Nr. 1 7 an Herrn Professor D. Windisch, Leiden, Nr. 18 an Herrn Pfarrer D. Schlosser, Wiesbaden, Nr. 36 a an Herrn Pastor Lasson, Berlin, und Nr. 60 an Herrn Professor D. Dibelius, Heidelberg. — Sechs der hier vorgelegten Scherben waren schon bekannt gegeben: in seinem Lic/ii vom Osten [2./^. Aufl.) hat Deißmann mit Unterstützung Wilckens die fol- genden Nummern m Abbildung, Transkription und Übersetzung veröffentlicht, Nr.31 (aaO. S.78), 36 (aaO. S.272), 56 (aaO. S.86f.), 57 (aaO. S. 1 36 f.), 64 (aaO. S. 140 f.); Nr. 17 endlich ist von H. Wind i seh in den Neuen Jahrbüchern (XXV, I, 19 10, 204) bekannt gegeben und erläutert. Diese sechs Texte sind in das Sanimelbuch griechischer Urkunden aus Ägypten Preisigkes unter den Nummern 4251 — 4255 und 5665 aufgenommen.
Es ist mir eine angenehme Pflicht, denen zu danken, deren Unterstützung mir bei der Ausgabe zuteil geworden ist. Adolf Deißmann hat wertvolle Bemerkungen sprachlicher Natur beigesteuert, durch welche die wechselseitigen Beziehungen zwischen griechischer Bibel und griechischen Urkunden beleuchtet werden. Seine Zusätze sind in eckige Klammern eingeschlossen und durch ein
2) S. loi'. 107'. 113. 149. 18S'. Nr. 85—89. 91.
VORWORT.
am Schlüsse stehendes A. D. gekennzeichnet. Zugleich hat er mir beim Lesen der Korrekturen hülfreich zur Seite gestanden. Wilhelm Spiegelberg ver- danke ich Lesung und Erklärung der demotischen Texte dreier Ostraka fNr. 7. 23. 46). Ulrich Wilcken hat auch diese Ausgabe durch seine erfolgreiche Mitarbeit bei der ersten Korrektur gefördert: der Papyrusteil zeigt eine erhebliche Zahl meisterhafter Vermutungen, den Ostraka sind mehrere seiner vor Jahren an den Originalen in Heidelberg vorgenommenen Lesungen zugute gekommen; sie sind unter seinem Namen im Apparat der betreffenden Urkunden vermerkt. Nicht fehlen darf endlich der Dank an den Inhaber der Weidmannschen Buchhandlung, Herrn Dr. Ernst Vollert. Durch seine opferwillige Gesin- nung und die Gebefreudigkeit eines hochherzigen Gönners des Neutestament- lichen Seminars, der nicht genannt sein will, wurde es ermöglicht, die Ausgabe in dieser, wissenschaftlichen Unternehmungen nicht günstigen Zeit zu drucken und herauszubringen. Die Buchdruckerei von Breitkopf und Härtel hat sich dabei trotz Setzermangels aufs trefflichste bewährt.
Die Indices sind von mir bearbeitet; beim Ausziehen der Schlagwörter hat mir am Anfang (für die Papyri Nr. 1—8) Herr P. Aloys Seibert freundlichst geholfen, wofür ich ihm auch hier meinen besten Dank ausspreche.
Berlin, im April 1916.
PAUL M. MEYER.
INHALTSÜBERSICHT').
Seile
Vorwort III
Erklärung der Klammern XI
Berichtigungen XII
Zusätze XIII
I. PAPYRI DES NEUTESTAMENTLICHEN SEMINARS DER UNIVERSITÄT BERLIN.
Nr. 1. Gesuch von Katökenreitern an das
Königspaar Faijum . . 4./S. April 144 vor Chr. . . 3
Nr. 2. Unterschrift des Ausstellers einer
Sechszeugen-Urkunde (Immobiliar-
Kaufvertrag) Faijum(?) . Ausgang des z.Jahrh. v.Chr. 10
Nr. 3. Amtsauftrag des Strategen an einen
Liturgen Faijum . . 11. Nov. 148 nach Chr. . . 12
Nr. 4. Amtlicher Bericht des Dorfschreibers
und der Dorfältesten von Theadel-
pheia an den Xi)ava(TTr|<; der ö.Top-
archie Faijum . . 18. Okt. 161 18
Nr. S — 10. Die 6475 Faijum-Griechen und die Familienpapiere des 'Acppobi(Tio<;
Ct^lXlTTTTOU 28
Nr. 5. Darlehnsschuldschein(mitderAbrede
teilweiserHing.abeanErfüllungsstatt). Faijum . . Trajan 32
Nr. 6. Gesuch an den c(pxibiKacrTr|(; um
Verlautbarung eines Bankschecks
und Zustellung an den Erben des
Ausstellers Faijum . . 12. Jan. 125 35
Nr. 7. Vertrag über Hingabe an Erfüllungs- statt in Form eines Lieferungskaufes . Faijum. . 9. Jan. 130 46
Nr. 8. Hypomnema an den Epistrategen
L. Trebius Proculus (Vindikation von
bona materna) Faijum . . 16. Aug. 151 49
Nr. 9. Volkszählungs-Eingabe aus der Me- tropole Arsinoe Faijum. . S.Juli 147 54
Nr. 10. Steuerquittung des <t>iXiiTTtO<;'A(ppo-
biffiou Faijum . . 24. Nov. 144 63
Nr. II. Amraenvertrag Faijum . . Trajan 64
") Nicht vollständig gegebene oder nur beschriebene Urkunden sind durch vorgesetztes gekennzeichnet.
VIII INHALTSÜBERSICHT.
Nr. 12. Hingabe eines Staatspachtgrund- Seite
Stückes an Erfüllungsstatt . . Faijum(Theadelpheia). ly.Febr. 1 15 . . 66
Nr. 13. StaatsnotariellerKaufvertragüber
einen Esel Faijum 18. Dez. 141 ... 69
. Nr. 14. Receptum nautae Herkunft unbekannt . 159/160 .... 73
Nr. 15 — 17. Libelli libellaticarum aus der
decianischenChristenverfolgung.Faijum(Theadelpheia). 250 75
Nr. 15. (Tafel III) 27. Juni 250 ... 77
Nr. 16 78
Nr. 17 78
Nr. 18. Naturalsteuerquittung eines Ex- akter Herkunft unbekannt . 4.Jahrh 79
Nr. 19. Anfang eines Briefes eines Sohnes
an seine Mutter » . 2.Jahrh 81
Nr. 20. Brief eines Soldaten an seine
>Schweiter« (Tafel I/II) . . . Antinoupolis . . . i.Hälftedes3.Jahrh. 82
Nr. 21. Geschäftsbrief Herkunft unbekannt . 3./4.Jahrh. ... 89
Nr. 22. Privatbrief » . » ...92
Nr. 23. Geschäftsbrief > . Ende des 4. Jahrh. 94
Nr. 24. Brief an einen hohen Geistlichen » . 6. Jahrh 96
Fragmente und Beschreibungen.
Nr. 25. Doppelseitige Habequittung . . Herkunft unbekannt. April/Mai 113 . . 98
Nr. 26. Eingabe > . Anfangdes3.Jahrh. 99
Nr. 27. AbschriftenvonGrabinschriften(?).Faijum(?) 2. /3. Jahrh. . . . 100
°Nr. 28. Abrechnung Herkunft unbekannt . Marcus loi
"Nr. 29. Rechnungsaufstellung .... » . Commodus . . . loi
"Nr. 30. Katasterfragment(?) » .2. Jahrh 102
"Nr. 31. Namenliste » . 3. Jahrh 102
"Nr. 32. Vertragsfragment » . 2. /3. Jahrh. . . . 102
"Nr. 33. Vertragsfragment Faijum (?) 2. Jahrh 102
Nr. 34. Privatbrief Herkunft unbekannt . 3. Jahrh 102
"Nr. 35. Privatbrief » . 2. Jahrh 102
"Nr. 36. Privatbrief » . 3. 4. Jahrh. . . . 103
Nr. 37. Privatbrief » . 5. Jahrh 103
"Nr. 38 — 45. Nicht näher bestimmbare Fragmente 103
II, OSTRAKA DER SAMMLUNG DEISSMANN. Formulare.
A. Quittungen über Geldzahlungen: I. Ptolemäerzeit 107
a. Von der Staatskasse ausgestellte Quittungen (a) aus Theben, ß) aus Hermonthis, y) aus Edfu) 107
b. Von Pächtern ausgestellte Quittungen 113
II. Kaiserzeit 114
a. Staatskassenquitiungen (a) aus Theben, ß) aus Edfu, f) aus dem Faijum, b) nicht zu bestimmender Herkunft) ii4'|
b. Erheberquittungen (a)aus Theben, ß) aus Elephantine, f) aus dem Faijum) 1151
B. Bescheinigungen über Naturalleistungen 'i7|
a. Staatsspeicherbescheinigungen 1 1 7|
b. Quittungen der Erheber von Spreulieferungen ii<
INHALTSÜBERSICHT.
IX
Die Texte: Steuerquittungen. g^;,^
Nr. I — 5. Ertragssteuer von Wein- und Gartenland (dtTTOpoipa) 120
26. Nov. 123 vor Chr. . 123
» -123
6. Nov. 1 1 7 vor Chr. . 1 24 28. Juli 112 vorChr. (?) 124 Sept. Okt. 119 vorCbr. 124
Nr. I (Tafel IV) Theben . .
Nr. 2 Theben. .
Nr. 3 Theben. .
Nr. 4 Hermonlhis
Nr. 5 Edfu. . .
Nr. 6.
Nr. 7. Nr. 8. Nr. 9. Nr. 10 Nr. II
Zusatzsteuer für Wein- und Garten-
laiTd (^TrapoOpiov) Edfu. .
Salzkonsumsteuer Theben.
Fährboot- Abgabe Edfu. .
Edfu. .
Quittung einer Pachtgenossenschaft . Edfu (?^. — 14. Badsteuern Nr. II. ...
Nr. 15-
Nr. 12 Karanis(Faijum)
Nr. 13 Elephantine
Nr. 14 Elephantine
-19. Quittungen über Spreulieferungen . . . Nr. 11; Theben
15-
Nr. 16. Nr. 17.
Nr. 18.
Nr. 19. ... Nr. 20 — 30a. Kopfsteuer
Nr. 31.
Nr. 33. Nr. 34.
Nr. 35-
Hermonthis
Theben . Theben . Theben . Theben .
(Xaofpacpia)
Nr. 20. . • . .
Nr. 21. ...
Nr. 22 (Tafel IV)
Nr. 23. ...
Nr. 24. ...
Nr. 25. ...
Nr. 26. ...
Nr. 27. ...
Nr. 28. ...
Nr. 29. ...
Nr. 30. ...
Nr. 30a. . . . 32. Ortsfremden-Abgabe
Nr. 3 1 . ...
Nr. 32. ...
Judensteuer (Tafel IV) Edfu . . . .
Gewerbliche Lizenzsteuer der Flick- schneider Elephantinci?)
-37. Dammsteuer (xuJuaiiKOv)
Nr. 35 Theben.
Nr. 36 Theben
Nr. 36a Theben.
Nr. 37 Theben.
Thebais
Theben . .
Theben . .
Theben . .
Theben . .
Theben . .
Theben . .
'Theben . . Elephantine
Edfu. . .
Edfu. . .
Theben. .
Theben . Theben .
99/98 vor Chr. . . 18. Juli 255 vor Chr. 104/3 vor Chr. • • 17. Dez. 112 vor Chr. Ptolemäerzeit . . .
27. Okt. 155 oder
24. Okt. 144 vor Chr.
25. April 22 vor Chr. 6. April 6 vor Chr. . 24.Juni/6.Juli 5 v. Chr,
2. Jahrh. vor Chr,
74/75 nach Chr.
77/78 . . . 20. Juni 170 .
Chr.
April/Mai 8 vor Chr. Febr. /Sept. 54 n, Aug./Sept. 62 Febr./Aug. 62 März/Mai 63 . April/Aug. 68 14. April 118 . März/ April 145 109 .... 26. März 180. 24. Juni III . 112 ....
Sept./Okt. 32. Juli/ Aug. 33 . 3 I.März ii6 .
6. Febr. 35
9./ 10. Nov. 42 21. Sept. 33 . I. Sept. 62 . . 7. Jan. 67 .
126 127 130 13» 13»
133
'34 134 »35
»35 136
»36
»37 »37 138
138 140 141 141 142 '43 »43 144 144 '45 '45 146 146
147 148 148 149
»5» '54 '55 »55 »56 «56
X
INHALTSÜBERSICHT.
.30. April 45
Nr. 38. Abgabe für die Fünfphylenschaft
der Priester Theben ....
Nr. 39. Abgabe für den Unterhalt der
Lokalpolizisten Theben 2. Juni 62 .
Nr. 40. Wachtturmabgabe wohl Theben . . . .Domitian .
Nr. 41. Beitrag für die Nilflußwachtschifife . Elephantine . . . .2 5. März 137
Nr. 42. Nomarchensteuer Faijum 264/5 • • •
i( Nr. 43. 44. AI = ai K(aeriKOUffai)
Nr. 43 Elephantine . . . .8. Okt. 130.
Nr. 44 Theben(?) 91/92. • •
157
158
159 160 161
163 164 165 Nr. 45 — 50. Staatsspeicher-Bescheinigungen über Naturalabgaben vom Getreideland 166
Nr. 45 Edfu i45od. i34V.Chr. 167
Nr. 46 (Tafel IV) Edfu 12.Sept.115v. Chr. 168
Nr. 47 Theben 17. Juli 77 n.Chr. 169
Nr. 48 Herkunft unbekannt .22. Juni 72 . . . 169
Nr. 49 Theben S-Juh 144 . . . 170
Nr. 50 Theben 30. Juni 162 . . 170
Getreidetransportscheine, Pachtzinsqui Anweisungen.
Nr. 51 — 55. NauKXripoi-Bescheinigungen
Nr. 5 1 Faijum (TheadelpheiaJ
Nr. 52 »
Nr. 53
Nr. 54
Nr. 55 »
Nr. 56. Giroanweisung an einen Staats- speicher-Beamten Theben
Nr. 57. Anweisung an einen Gutsverwalter. Theben
Nr. 58. Pachtzinsquittung Theben
Nr. 59. Pachtvertrag Herkunft unbekannt .
Nr. 60 (vgl. Nr. 60a). Zinszahlungs-Quit- tung Herkunft unbekannt .
|
ttungen, |
||
|
17 1 |
||
|
.24 |
März 261 . |
• 173 |
|
25 |
März 261 . |
• 17.^ |
|
12 |
März 268 . |
• 174 |
|
14. |
März 268 . |
• 174 |
|
etwa 261/268. |
• 174 |
, 2 . Jahrh. nach Chr. 1 7 5
29. Dez. 192 . . 1 76
155 od. 144 v.Chr. 178
, 16. Okt. 70 n.Chr. 179
Ptolemäerzeit . . 181
Rechnungsaufstellungen, Listen, Briefe u. a.
Nr. 61. Nr. 62. Nr. 63. Nr. 64. Nr. 65. Nr. 66. Nr. 67. Nr. 68. Nr. 70-
Stück einer Rechnungsaufstellung , Inventar von Haushaltungsstücken
Liste
Brief eines Vaters an seinen Sohn
Privatbrief
Aus einer Vereinssatzung . . . Amtliches Schreiben von CTuvbiKOi ,
69. Mumientäfelchen
-72. Namenlisten.
Nr. 70 (Holztafel)
Nr. 71
Nr. 72
Faijum
Edfu .
Edfu .
Theben
Theben
Herkunft unbekannt
Theben
Herkunft unbekannt
Theben ..... Herkunft unbekannt Faijum
.3. Jahrh. vor Chr. .2. Jahrh. vor Chr. . . 2. Jahrh. vor Chr. . . etwa3.Jahrh.n.Chr. . 3. Jahrh. nach Chr. . 3 . Jahrh. nach Chr. .3./4. Jahrh. . . . . 2. u. 2-/3. Jahrh. .
2. Jahrh. vor Chr. . , 2. Jahrh. vor Chr. . . 2. /3. Jahrh. n. Chr.
182
185 186 187 188 189 191 193
194
19s 19s
INHALTSÜBERSICHT. ERKLÄRUNG DER KLAMMERN. XI
Nachträge.
Nr. 73. Staatskassenquittung mit Sub- Seii»
skriptionen Herkunft unbekannt . j.Jahrh. vorChr. . 196
Nr. 74. Staatskassenquitlung Faijum 6 vor u. i n. Chr. 197
Nr. 75. Badsteuer Faijum 4/5 nach Chr. . . 198
Nr. 76. Adäration einer Naturalabgabe: Nachtragszahlung an das Aioi-
Kricris-Ressort Theben(?) 68 nach Chr. . . 198
Nr. 77. Erheber(Pächter)-Quittung . . . Thebenf?) 31. März 92 . . 199
Nr. 78 — 80. Staatsspeicher-Bescheinigungen.
Nr. 78 Theben 8. Aug. 216. . . 200
Nr. 79 Theben i6.(?)0kt. 217 . 200
Nr. 80 Herkunft unbekannt
(wohl Theben). 2. Jahrh. nach Chr. 201 Nr. 81. Anweisung an den Sekretär der
Eselbesitzer-Gilde Faijum 20. Aug. 23. . . 202
Nr. 82. Rechnungsaufstellung Faijum 4. Jahrh. nach Chr. 203
Nr. 83. Schreibübung (?) Theben Kaiserzeit ... 203
Nr. 84 — 92. Fragmente und Beschreibungen 204
INDICES.
I. Kaiser 207
II. Monate, Tage 208
III. Personennamen 208
IV. Geographisches 214
V. Beamte, Ämter, Titel, Militärisches 215
VI. Abgaben, Steuern, Gebühren 217
VII. Gölter, Tempel, Priester, Christliches 218
VIII. Maße und Münzen ai9
IX. Abkürzungen, Zahlzeichen und Brüche, Symbole 219
X. Wortverzeichnis 220
XI. Sachindex zu den Einleitungen und den Einzelbemerkungen 230
XII. Index der behandelten Stellen «33
ERKLÄRUNG DER KLAMMERN.
[ ] umschließt eine Lücke im Original, ( ) die Auflösung einer Abkürzung.
J ]] macht Durchstreichungen im Original, die vom Schreiber selbst herrühren, kenntlich. ( ) bedeutet Einsetzung im Original fehlender Buchstaben durch den Herausgeber. (( )) umschließt Worte oder Buchstaben, die vom Schreiber im Original versehentlich gesetzt sind.
BERICHTIGUNGEN.
Nr. 4: Z. 8 akzentuiere ['Eni2ri]T0övTi [croji.
S. 57 Anm. 24 Z. 2 lies: Ostr. Nr. 51—55 (statt ^(9—52) Einl.
Nr. 10: Z. 3 interpungiere Oailicpi. Ai(efpaviiev) . . ., Z. 5 f. lies eiq xä Ka6[riK0VTa) ■iTepiTi(vO|aevri?) UTr{ep) 0. eßb6|uri(';)) »das Übliche an Siebentel-(Ertrags)steuer für Th. « — Ich möchte die Urkunde jetzt eher als ein von der Staatskasse ausgestelltes &rmÖ0iov CTÜ|aßo\ov auffassen. Siehe S. 197 Anm. 2.
Nr. 20 Rubrik (S. 82) lies: Tafel I/II Recto und Verso (statt Taf. I/II und III).
S. 97 Anm. 11: Z. 3 lies LXX Esth. 8, 22 B (statt 8 B, 22).
Nr. 22 Z. 5 Apparat: h\ croO = h\ ecfoO (Deißmann).
S. 108 Anm. 6: Meine Auffassung des wichtigen Berliner Ostrakon aus Arsinoe im ApoUonopolites, P. 12524 vom J. 81 vor Chr., halte ich nicht aufrecht. Vor allem spricht dagegen das ei? Ti(nr|V;. Auch von Erbstandsgeld kann nicht die Rede sein. Zahler und Quittungsempfänger ist, wie ich annahm, ein Pfand- gläubiger, es handelt sich aber nicht um die Zahlung (Überweisung) eines reKos (eTTiKaTaßoXfii;) auf das Konto des Steuerpächters, vielmehr einer Ti|ari auf das Konto des Schuldners und bisherigen Immobiliarpfand-Eigners bei der ipdiTteCa, die Ttpöq xd Trpo(xax6evxa) xoO k9 L, »zu der früheren Zahlung des 29. Jahres«, hinzukommt. Bei dieser kommt m. E. nur ein dem Schuldner (durch Giro- überweisung) gewährtes Darlehn inbetracht. Im 29. Jahr ist danach ein durch Substanzpfand (Hypothek) gesicherter Darlehnsvertrag geschlossen, im 34. wird das Pfandobjekt dem Gläubiger (durch eTTiKaxaßoXri) zugeschlagen, und zwar zum Schätzungswert (s. dazu Jörs, Zischr. Savignyst. Ji. A. XXXVI 319). Im 36. Jahr leistet der Gläubiger das »Mehr« (den Überschuß) des Schätzungs- wertes über die Darlehnssumme und erhält dafür die Auflassung. Ist diese meine jetzige Auffassung richtig, dann würde sich in einer Ptolemäer-Urkunde des I. Jahrh. vor Chr. die Herausgabe des Mehrwertes seitens des Pfandgläu- bigers nachweisen lassen. Daraus ergibt sich durchaus noch nicht als not- wendige Folge eine Herausgabe -Pflicht des Mehrwertes wie im attischen Pfandrecht (s. Lipsius, Attisches Recht II 702; Partsch, ^rr/w V 498 f. nach Pappulias) und wohl auch im ägyptischen Recht (s. Partsch aaO.). Gegen meine Erklärung des Ostrakon, durch die das bisherige Dunkel (s. Mitteis, Gnmdzüge 165; Jörs aaO.) etvas aufgehellt würde, spricht nicht, daß der Rechts- vorgang verschleiert ist, insofern als nicht von Darlehn, Verpfändung und Ver- fall des Pfandes die Rede ist, sondern von Zahlung eines in zwei Raten im Abstand von sieben Jahren geleisteten Kaufpreises. Für die Formuherung als Kauf lassen sich die demotischen Kaufpfandverträge (s. Spiegelberg, Rec. de Traz;. XXXI, 1909, Separatabziig) und die griechische rrpäffi? ^rri Xucrei anführen, die für die Entstehung der Hypothek aus dem Kauf (Übereignung zur Siche- rung) zu sprechen scheinen (s. Rabel, Ztschr. Savignyst. R. A. XXVIII 351 fit"., bes. 364 f.; Verfiigungsbeschränkungen 79 f.: Schwarz, Hypothek und Hypal- lagma 35. 37).
BERICHTIGUNGEN. ZUSATZE. XI U
Ostr. Nr. 13. 14; (s. auch S. ii6) stammen wohl doch aus dem Faijum, nicht aus
Elephantine.
Ostr. Nr. 17: Z. i akzentuiere TTeT^x^JUVTCi;. — Z. 2: Windisch, in dessen Besitz sich die Scherbe befindet, las, bevor er Kenntnis von meiner Lesung 21" erhielt, wie er mir brieflich mitteilt, Z^^ (statt des früheren l^).
Ostr. Nr. 36: Z. 5 Apparat lies Mivö? Zeßaaroö (statt ZeßaaToO Mnvo«;).
Ostr. Nr. 63: Z. 12 lies ulö? 0oOp(i(;) (statt uiö? 9oüp(io<;)).
ZUSÄTZE.
S. 7 Anm. 33: Zu cryTiMaTCfpacpia JVr. /, 20 vgl. Slrabon, Geogr. 17, 3 p. 787:
6 NeT\os . . . dvaWdiTUJV rd (Txr||uaTa. — Toiroeecria = Besitz-, Grenzstein
s. Preisigke, SB. I 5701. S. 13: Zu ßißXi'biov in der Bedeutung von Nr. 3, 6 s. auch Preisigke, SB. I 5693, 19. S. 14 Anm. 23: Zu oi ^nqpeponevoi Nr. 3, 7 s. noch CPR. I 18 (= Mitteis, Chrest.
Nr. 84), 36. S. 15: Zu ^mT(TipriTiiv) ^iicre(iuatuj(;) Nr. 3, 12 s. noch Preisigke, 5^.15670, i f.
(saec. II): Ka]\ loxc, \onT(o»<;) dTriTripr)T(aT<;) oöffiOKfii; [|h]i(T9u){T€uji;. S. 29 Anm. 2: Z. i — 15 des Berliner Papyrus P. 11664 sind jetzt veröffentlicht von
Jörs, Ztschr.Savignyst. R. A. XXXVI 242; Z. 27 f. 50 f. s. Preisigke, SB. I 5341- S. 35 Anm. 1: P. Lond. Inv. Nr. 1891 = NewPal.Soc. X Tafel 227 = SB. I 5343. S. 43 : Zum Mahn- und Vollstreckungsverfahren sowie zur Erklärung des Amtstitels
des dpxibiKa0Tr|<; s. jetzt Jörs aaO. 230 ff. S. 65 Einzelbem. If.: Zum Titel Optimus ("ApiaToq) Trajans s. Ostr. Nr. 33, 2. S. 79 : Zur Gegenzeichnung in Nr. 18 vgl. Ostr. Nr. /J, 5 f. S. 82 Anm. 2: Zu dvaqpepo[|j^vou] ... €1? t6 ÖTr'(p{Kiov Nr. 20, 13 f. vgl. noch
das dvacpeponevoi; ei? töv dpiGfibv tuiv ktc. P. Lond. 111 1313 S. 256, 10;
P. Berol. 2745, 2 (s. Mitteis, Erinnerungsschrift Laiihn, 1912, S. 4: hier ist
KaGocrujuiLievujv TpavöTifpiTaviLv zu lesen), d. 4v toi dpiGniu töiv kto. im
P. Cairo byz. II 67126, 65, CfTpaTUJUTTi«; d. ^v KdffTpoi? P. Thead. 4, i f. S. 96: Zu Knbeia Nr. 24, 3 s. noch SB. I 5761, 12. S. 96 Anm. 4: Zu okobecnroTTiS Nr. 24, 3 vgl. noch die Horoskope P. Lond.
I 98 R. S. 130, 60; 110 S. 132, 41; s. auch oJKobeaTTOTeiv ebendort 130
S. 137, 163. S. 99: Zu Nr. 26"Einl. id €Ü(Teßti TeX^cr^aia s. noch SB. I 5356, 15. S. 99 Anm. 1: Vgl. noch SB. I 5219, 12 f.; 5827, 14. S. 115 Anm. 25: Vgl. auch Papyrus Nr. 10, östr. Nr. 74. 75- S. 178 Anm. 1: 'ETrnvTXtiM^vn s. noch P. Giss. I 4, 20; S> 'ßf-; 61 1*. II 16. III 14;
P. Brem. 34, 16 [Archiv V 246). ♦
S. 201 Nr. 80, 1 Apparat: Man könnte auch an eine der Toparchien des Hermo-
polites denken.
I.
PAPYRI
DES NEUTESTAMENTUCHEN SEMINARS
DER UNIVERSITÄT BERLIN
FM. Mcycr, Orlechische Texte :iui Ägypten.
Nr. 1. GESUCH VON KATÖKENREITERN AN DAS KÖNIGSPAAR.
Ilülic 20,2, lireite 13,60111. Faijum. 4/5. April 144 vor Chr.
Es liegt eine Abschrift der evreuEi?, des Gesuches, vor, nicht das Original, da die ganze Urkunde mit den beiden Subskriptionen Z. 29 f. von derselben Hand geschrieben ist. Das Gesuch ist nicht nur formell an die Adresse des Königs- paares gerichtet («i? t6 tOüv ßaffiXeujv övo|aa)'), vielmehr — es handelt sich um eine Vcrwaltungssache — dem König auch persönlich überreicht. Das zeigt die Subskription Z. 29: ['ATroJWobiwpuji. T\o\r\cSa\ (vgl. Z. 17), die vom 8. Phamenoth des 26. Jahres datiert ist und eine eigenhändige des Königs oder seines Kabinets- sekretärs") war. Vom folgenden Tage stammt die zweite Subskription: IToil? Ypa|a|aaT€[0(Ti]y. KaTaKoXouGeiv'), die von ApoUodoros herrührt. Danach befand sich dieser bei Überreichung des Gesuches in der Umgebung des Königs, wahr- scheinlich anläßlich der Anwesenheit (napoucTia) *) desselben im Gau.
Die Namen des ApoUodoros und Dionysios lassen uns die genaue Zeit der Urkunde bestimmen: 'ATToXXöbujpo«; TuJv rrpiuTiuv cpiXuJV Kai ^TTicrTctTri? Ka\ Tpof- HaT£Ü5 TÜJv KaToiKUJV iTineujv (Z. 12 f. 17 f. 28) ist uns unter dem gleichen Hof- Rangtitel (»einer der ersten Freunde«) und in derselben Stellung') als »Chef und Intendant der Katökenreiter« für das Ende der Regierung des Ptolemaios VI Philomctor'^) und den Anfang des Ptolemaios VIII Euergctes'), und zwar sowohl für den Arsinoites als den Herniopolites, bezeugt. Danach müssen wir das 26. Jahr unserer Urkunde auf Ptolemaios VIII Euergetes II beziehen; sie ist
1) S. Mitteis, Grtindziige 13; Semelca, Ftolemiiiichcs Prozeßrecht 188; Zucker, Gcrichttorgatmation im ptol. Ägypten 8 ff. Vgl. Nr. S, 13 Einzelbem.
2) Über den kgl. Kabinetssekretär s. meine Ausfiihrungcn A7(<' VI 459 Anm. 5; VIT 291 ; Semeka aaO. 23 Anm. 1 ; Wilcken, Gnindsiige 6 f. Wie die als Kabinetssckretäre fungierenden beiden Ober- beamlcn, der €TriaToXoTpai)0^ und der 6ironvri|aaTOTP«<po<; , zu scheiden sind, bedarf noch näherer Untersuchung.
3) Wilcken, dem ich den Vorschlag [TOt]i; YPOMMaT€[0(Ji]Y verdanke, verweist auf Parallelen wie r. Land. I 23 S. 39, 51.
4) S. Deißmann, Licht vom Osten''- 3 280 f.
5) S. Lesciuier, Institution^ militaires de VEgypte sous les Lagides 195. — Die KOÖ* iinrapxiav entaTCtTai des 3. Jahrh. vor Chr., die ähnliche Funktionen haben, nehmen eine niedrigere Stellung ein; s. M. Geher, P. Fr Hb. S. 64.
6) r. Teb. I 32, 15 f. 21 (36. J. Phil. = 146/5 vor Chr.; Faijum).
7) P, Rein. 7, 28 f. (etwa 140 vor Chr.; Hermopolites). In den Anfang der Regierung des Euergetes II (<;t\va 144 — 141 vor Chr.) gehört auch die Inschrift Dittenberger, OCL I 128 (Sohn des Actos). — Auf ApoUodoros wird als y'v6m€vo? CmOTiiTri^ kto. Bezug genommen im /'. TW. I 6ib VIII 222 f. 231 f. (118/7 vor Chr.) und 72 VII 153. 167 f. (114/3 vor Chr.).
Nr. 1. 4/5. APRII, 144 VOR CHR.
also auf den 4-/5. April 144 vor Chr. zu datieren. Die verlorene Adresse der evteuEi? lautete:
BaffiXel TTTo\€|aaiuji Kai ßaffiXicrfftii KXeoTrdTpai xfii dbeXqpfji GeoT? EüepTe- xai? xö'Pt''^ Ol beive? (etwa oi KaTOiKoi iTTTTeT«; oi €V TuJi 'ApcTivoiTtii vojaüii) *).
Nicht im Widerspruch mit dieser Zeitansetzung steht, was wir über Aiovü- Oioc, ö «pxi(Tuj|aaTOcpuXaH (Z. 18) wissen: in mehreren P. Tcb. ist von einer durch ihn im J. 151/150 vor Chr. (ev Tilti Xa L) vollzogenen Neuaufnahme von Klcruchen als Katökenreitern die Rede'). Er bekleidete zweifellos die Stellung des npos Tfji (TuvräEei (em öuvräEeuj?) tüiv KaTOiKUJV iTTnetJUV '°). Dieser Beamte ist Unter- gebener des eTTiaTÖTriq Kai fpaUMCcreü? t. k. i. Das ergibt sich auch aus der Voranstellung des Apollodoros in Z. 17 f. Dann ist aber im Gegensatz zu der bisher herrschenden Ansicht") die Rangklasse xüiv TrpiÜTUJV cpiXujv eine höhere als die der » Erzleibwächter «; denn es erscheint ausgeschlossen, daß ein Unter- gebener einen höheren Rangtitel führt als sein Vorgesetzter. Wir haben danach als zweite Rangklasse — wenn wir von den 6|iÖTi|Lioi xoTs 0uff£ve(Tiv absehen — die der TrpüiTOi q)iXoi, als dritte die der dpxicTiuinaTGcpüXaKe? anzusehen.
Der obere Teil der Eingabe und die ersten 11 bis 12 Buchstaben auch der erhaltenen Zeilen fehlen. Im großen und ganzen sicher läßt sich das Petitum von Z. 14 ab ergänzen. Schwieriger ist die Ergänzung der vorhergehenden Zeilen. Die regellose Anwendung des Genitivus absolutus ist, wie häufig in Urkunden des täglichen Lebens"), für den Stil der Eingabe charakteristisch.
Sie zerfällt, soweit sie erhalten ist, in
A. die Darlegung des dem Gesuch zugrunde liegenden Tatbestandes
(Z. 1-13),
B. das Petitum (Z. 14 — 27),
C. die schon besprochenen Subskriptionen (Z. 29 f.).
A. Auf drei Amtshandlungen höherer Beamter wird Bezug genommen: I. Die Petenten sind unter die Kleruchen, und zwar als Katökenreiter auf- genommen. Auf ihre Neuaufnahme weist der technische Ausdruck '^j 7Tpo0eXr||Liq)-
8) Vgl. P. Teb. I 124, 1—3.
9I S. P. Teb. I 62,67; 63, 60; 64-a,3l ; 79 IV 51 f. ; s. S. 4 f. 10) S. Lesquier aaO. 196.
11) Zu den ptolemäischen Rangtiteln s. Strack, Rhein. Mus. \N 161 ff.; WiUrich, X/ioYS. 116 ff.; Wilcken, Grundziige 7 ; Bouch^-Leclercq, Histoire des Lagides III 102 ff. Dieser letztere hat die auf Grund einiger Urkunden auftauchenden Zweifel an dem Vorrange der Klasse der dpxi(TUJfiaToq)U- Xaxei; mit Unrecht zurückgewiesen {aaO. 115 Anm. 2. 3). [Zur Wirkung der ptolemäischen Rangtitel auf den Sprachgebrauch der Septuaginta vgl. Bibelstudien q^^i. 106 ff. 159 ff. u. a. Stellen. A. D.]
12) S. Moulton, Einl. in die Sprache des Neuen Testaments, dtsche Ausgabe, 191 1, S. 16. 114. Vgl. auch Nr. 8, 11 ff. [Ein Einzelbeispiel Licht vom Osten^i 91. »Ungriechisch«, wie man den ähnlichen Gebrauch des Gen. abs. im N. T. oft genannt hat, ist er nur dann, wenn man die leben- dige und darum wuchernde Sprechsprache aus dem Bereich des »Griechischen« ausschließt. Vgl. die treffenden, auch das Vulgärlatein berücksichtigenden Bemerkungen von Pfister, Rhein. Museum N. F. LXVn (1912) 206. A. D.]
13) S. Lesquier aaO. 188. Vgl. die anläßlich der Aufnahme zu leistende Abgabe des iipoö- Xlimjjeuu^ aT€q)avo?: P. 7'fi. I 61 b, 254 Bem, ; Wilcken, Grundziige 2%'^.
CESUCH VON KA'r()KKNREITERN AN DAS KÖNIGSPAAR. 6
ennev Z. 24 und oi irpö ifmujv ■rrpo(TelXrl^i^evol Z. 26 hin. Da wir weiter als Vor- gesetzten der Petenten den Aiovümo? 6 dpxKJujuaiocpuXag kennen gelernt haben, durch den im Jahre 1 51/150 vor Chr. Neuaufnahmen unter die Katökenrciter stattfanden, werden wir sie wohl als zu diesen Trpo(TXTinq)9evT€i; iv töji Xa L bid Aiovuaiou ei? tou? KaTOiKOu? lirndq gehörig betrachten dürfen.
2. Die Worte 0uv]ebpeuCTa[vTujv Z. 2 und tuiv autKp[ie]evTiuv Z. 4 lassen keinen Zweifel darüber, daß auf die (verwaltungsrechtliche) Entscheidung eines Beamten mit seinem Konsilium, seinen (TunTtapovies = (Tuvebpeücvrei;, hin- gewiesen wird"*). Eine solche auvebpeia, Sitzung, unter dem Vorsitz unseres eirKTTaTriq Ka\ YpaMM«Teüi; toiv KaroiKUJV inneoiv Apollodoros wird nun P. Tcb. I 6ib VIII 221 ff -- 72 VII 151 ff erwähnt: eTr\ rriq Tcvriöeiffni; 7rap"ATroXXobu»-
puji öuvebpeiaq. Sie findet nach dem J. 150/149 vor Chr.'') auf Berichte
der Lokalbcamten hin statt, wonach einzelnen von den neuaufgenommenen Katökcnreitcrn entgegen den Bestimmungen'') Saatland zugemessen worden sei (7Tpoffr|TTtX0ai KaTaneiierpfiaGai xicTiv [tü)V TT]p[o(TX]ri9eevTU)V tis thv KaioiKiav dmo (JTTopinou Kopi in? äjXX[riq ir\c,\ \i.r\ KaOn kg u(Tr| ?)"')• Einer dieser Berichte, den wir um das J. 148 vor Chr. anzusetzen haben, liegt vor im P. Teh. I 7g IV 47 ff. (vgl. I 13 ff.); hier heißt es: . . inv KaTanenerptmevtiv . . . tois TrpoaXnq)- e€Tcr[i] bid Aiovuoiou tüjv dpxicTuj|aaToq)u(XdKU)v) ei? toü«; KaToiKous iimei? dTi[ö crTT]opiVou d[vlT\ Tfi? ^TTiaTaXeiöriq xep<^o[u] (tov KU)HOYpa|i|iaT€a) Trapabebeixjejvai Kai ToTi; irapd toO K.
Was nun in Z. 5 — 7 unseres Papyrus stand, werden wir als Inhalt"'} dieser
14) S. A7«ö VII 291; Zucker aaO. 58. Iio; Semcka aaO. 108 ff. — Zuv€Öp£lJ0VT£5, auveöpeu- (lavxe^ s. P. Amh. 11 33, 8; P. Paris. 63, 140 f.; 19', S, (Juveftpeia P. Tcb. I 43, 30; 6i b VIII 223. 234; 72 VII 155. 171, (JUvebpiov P. Teb. I 27, 31 ; P. Paris. 15, 22. [Entsprechend ist der Sprachgebrauch der Septuaginta, die öUveSpiov vor (JuveSpefa bevorzugen. A. D.] Zu ounnapövre? s. Mayscr, Gram- matik d. gricch. Papyri 503 [technisch auch Act. Ap. 25, 24. A. D.]; zu au|iißou\tov (in römischer Zeit) = consilium s. Deißmann, Neue Bibelsttidiai 65. — Tä OUYKpieevra = Ta {JUTK€Kpin6va s. P. Teh. I passim; P. Grenf. I II (= Mitteis, Chrest. Nr. 32 = v. DrufTel, Phihhgtts 1913, 196 ff.) I 9. II 3. 8; BGU. 915, 13. lu-fKpKJiq /'. Teb. I passim; BGU. 1185, 27; P. Lond. II 359 S. 150, 4. ZuTKpina /'. Amh. II 68, 34; P. Lond. II 276 S. 149, 2; Wessely, Spec. isagog. Taf. 4, 13; II n. 19, 17. Zirf- Kpfveiv P. P. 11 9, 2, 5; P. Giss. I Nr. 108, 14 (Add. S. 168); P. Magd. 24, 12; P. Tor. 13; P. Fay. 12,30; BGU. 103S, 14; /'. y%n I 55, 30; 56,7.17. [Der Sephiagintagebrauch der um ffutTcpfvu) gel.igerten (Jruppc verdiente eine Untersuchung. A. D.]
15) S. P. Teb. I 61 b VIII 231 f. = 72 VII 166 f.
16) S. i'. 7Vi5. Ip. 554; Rostowzew, AWc/M/7; yiWcken, Grundziige lii; Lesqaier aaO. 1 68 ff. — M. Geizer hat (P. Freib. S. 61 f. 66 f.) an der Hand des P. Frtib. 7, 6 und P. Lille 4 (= Wilckcn, Chrest. Nr. 336), 25 darauf hingewiesen, daß der Grundsatz, den Kleruchen nur Ödland, keine -^ anöpnxoc, zuzuweisen, den rtolemäern im 3. J.ihrh. vor Chr. wahrscheinlich noch fremd war. Die Kleruchen waren damals noch in erster Linie Soldaten, die nicht zur Sclbstbewirtschafttmg der ihnen statt des Soldes überwiesenen KXfipoi kamen, sie vielmehr verpachteten.
17) P. Teb. I 61 b VIII 216 ff. = 72 VII 143 ff.
18) Z. I — 4 beziehen sich auf die Zusammensetzung des Konsilium des Apollodoros. In Z. 2 wird sein Name und Titel gestanden haben, es folgen mit <Juv;€6peu<j4[vl|iTiuv die Namen der Bei- sitzer, Z. 3 Schluß steht nicht ;(pu\aKO(;, das zu dpxiauJuaxo'qpuXaKO? ergänzt werden müßte, auch keine Abkürzung wie (pU oder q)U^. Andernfalls hätte man gern den Dionysios (s. oben; Z, 18)
6 Nr. 1. 4/5. APRIl. 144 VOR CHR.
'AnoXXobiupou (JufKpKTi?'') ansehen können. ApoUodoros wendet sich gegen diese Zuweisungen von Saatland und bestimmt
a) dvTi TJfi? TTpoffriTTf^Mevri? äTr[6 (TJTTopifiou 7Tapabe<i)Hai [ifiMiv c(tt6 xtpffojy eic; ävTiKarepTaffiav e[ni] toT«; briXuiGiiffi (sie) tüjv [. . ., »statt des Saatlandes, das uns, wie berichtet, zugemessen war, solle man uns vom Ödland zur Bebauung''") anweisen^') unter den angegebenen Bedingungen ...«;
b) es folgt Z. 7 als weitere Bestimmung: koi t6 TT]apd t6 eK(p6pi[o]v bid- cpopoy [dvJaXaßeiv, »und die gegen den (im Verhältnis zum)''^^ Pachtzins sich er- gebende Differenz einzuziehen«. Aidcpopov bedeutet hier nicht, wie in Urkunden der römischen Zeit'^), Zuschlagsgebühr. Es handelt sich wohl vielmehr um den Unterschied im Ertrage für den Staat: für das unrechtmäßig an Katöken als Kleruchenland zugewiesene vollwertige Saatland ist nur die dpxaßieia geleistet; die Verpachtung als ßacriXiKr) Tf) an YfuJPTOi hätte einen höheren Betrag erzielt. Diese Differenz '■') soll nun nachträglich eingezogen werden.
3. Auf die (TuYKpicJiq des ApoUodoros erfolgt nichts, bis der bioiKtiriiq, der Reichsfinanzminister''), auf seiner Inspektionsreise in den Gau kommt (Z. 7 f )'*). Nach Untersuchung (eTTiCTKeipdiuevo]? Z. 10) stattet er dem Königspaar Bericht ab, indem er der aüfKpiffK; des ApoUodoros entsprechend die Ansicht vertritt, man müsse das überwiesene Saatland seitens des Staates »zurücknehmen« (dvo.Xr)|a- \\i(.aQa\y], statt dessen Ödland zumessen (dvTJiKaTanerpncTeiv), und weist in diesem
unter den Beisitzern des ApoUodoros gefunden. So wird in dem Worte ein Eigenname stecken. Z. 4 Anfang steht ]uTiJUv, also wolil irepi TiJüv ajÜTÖiv. Es ergibt sich danach etwa das Gerippe: eK(?) TÜJV UTTÖ 'ATToXXo&aipou ToO eTi(iöT(iTou) KOI fpa{inxaTiwc,) tüjv KarofKiuv iimeiuv, (Juv^ebpeu- ön[vTUJV TÖJV bei'vujv, Ttepi tiüv a ütöiv auf Kp'i8]evTiuv [ÜTrofpaV]q)evTO(; ....
19) Im /'. Ted. I 61 b VIII 231 ff. und 72 VIII 167 ff. wird vom öloiKriTil? im J- 124/3 ^'O'' Chr. auf sie als grundlegend für die ganze Frage Bezug genommen (oi |U€Xpi Tf|i; 'ATroXXo6ljüpou CUVKpi- aeu)?, Ol n€Tä Trjv auveöpeiav KaTeaxn''ÖT€5); auf ihren Inhalt wird nicht näher eingegangen.
20) Ei(; dvTiKOTepYaöfav ; vgl. ei? Karepyaaiav z. B. P. Amii. II 68, 21; P. Oxy. IV 721, 14; BGU. 1120,29; s. Rostowzew, Kolonat lod {.
21) Zu Tiapa&eiKvuvai Tfjv, KXt^pov, ein Landlos anweisen, s. /'. Teh. I 79, 16 Bemerkg.; Lesquier aaO. 188. — In römischer Zeit wird das Wort als term. techn. für die Übertragung des als iölUJTtKf) ffi verkauften Staats-Üdlandes an den neuen Besitzer gebraucht; s. Rostowzew, Kolonat 95 f.
22) Vgl. z.B. P. Teb. I 72, 425; 99, 10; Roßberg, de praepositionum graecanim in chartis Aegyptiis PtoUmaeorum aetatis usu, Diss. lenensis, 1909, S. 54.
23) S. P. Giss. I Nr. 60 Einl. S. 31 mit Anm. 5.
24) Auch sonst hat öiacpopov in Ptolemäer-Papyri häufig diese Bedeutung (s. bes. P. Teb. I Index; /'./'. II Nr. 4 III 9 ; Nr. 20 II 13; III Nr. 69 Verso, 4 usw. ; vgl. Otto, Priester u. Tempel W. bt, Anm. 5), aber nicht immer. Tu irpö? 6€iTnaTi(J|aöv bidqpopa der Rosettana deute ich auch jetzt noch als »Zuschlagssteuer für die Prüfung«.
25) Wilcken ist jetzt, wie er mir mitteilt, zu dem Ergebnis gekommen, daß es im 2. Jahrh. vor Chr. keine Provinzialdiüketen gegeben hat.
26) Kai hl Tilil Z. 7 Schluß könnte sowohl zu . . (£T£i) als zu einem Monatsnamen ergänzt werden. Möglich ist es, daß zwischen der ouyKpiai? und dem Bericht des öioiKriTii? an das Königs- paar kein zu langer Zwischenraum liegt. Aus Raumgründen scheint mir aber die Ergänzung £v TÜil [. . (£T£l) wahrscheinlicher.
27) Zum Worte s. Rostowzew, Kolonat 24. 58; Wilcken, Grundzüge 282; Lesquier aaO. 226.
GESUCH VON KATüKENRKITERN AN DAS K()NIGSI'AAR. 7
Sinne ApoUodoros an (Z. 9 — 13). Ihm haben die Petenten, wie sie Z. 13 bemer- ken, ihre Angelegenheit (rd koö' dauTOÜ?)'') schon auseinandergesetzt, bevor sie nun das Gesuch an das Königspaar richten.
B. Das Petitum:
Es hat die Form °') [beoiueGa i)|iu)v] .... ni?i üirepibeiv ^)x».<^ '") (m öXitujv [bia^uJVTa? Kjal toT? ibio(i)s ^ErjaeevriKOTaq''), dXXä, däv cpaivriTai, [TrpoffTdSai
"ATrojXXobiüpiui .... Ka\ Aiovuffiuui .... [ iäjv 2xt>v fmä? kXh-
pou? KTtt. Sein Inhalt läuft darauf hinaus, das Königspaar möge (durch den Kabinetssekretär) den beiden Oberbeamten der KäTOiKOi iTTTreTs, dem dniffTütTtis Ka\ TpaiuiuaTEuq ApoUodoros und dem Trpö«; ir^i (TuvtaEei Dionysios, Anweisungen zu ihren Gunsten geben, nämlich
I. die im J. 1 51/150 unter die Katökenreiter Neuaufgenommenen .sollen für sich und ihre (kriegsdienstfähigen) Nachkommen (r||aä? re koi toü? ^Kfovou?'') ^Huiv Z. 19) im Besitz aller Landlose bleiben, die ihnen damals gemäß dem in ihren Händen befindlichen Grundriß ^') zugemessen sind, ohne deswegen denun- ziert, unter Anklage gestellt oder festgenommen zu werden (Z. 19 — 21). In der definitiven Erledigung des Gesuches scheint das nur einigen bewilligt zu sein. Das glaube ich schließen zu können aus der im P. Teb. I 6ib VIII 236 fif. und 72 VIII 173 ff. gegebenen Rubrik: otq ^TriKexüjptlTai Kaid id TTep\ aÜTcüv ibiai (fehlt 72) Trpo(TTeTaTiaeva ^x^iv oiou? ttot^ KaTa)i£)ieTpr)VTai KXripou<; dcJuKOcpavTr|-
28) S. Roßberg aaO. 36 f.
29) Vgl. Lacjueur, Qtiaestioncs efigrafhicae et papyrologicac seUctat, Diss. Argent. 1904, S. 3 ff.
30) Vgl. P. /'. IINr.32, 1,31; P. Magii. 6,11; 8,i2f.; P. Rein. T, 26; P. LeU h U 19. S. auch P. Cairo hyz. ed. Maspcro II 67205, 8: \y(\ irapopäv e|ae. [Entsprechend ist der Sprachgebrauch der Bittgebete LXX Ps. 26 (27), 9 |nf) imepföri; |ue 6 Oeö^ 6 oumip ^lou und vieler anderer Stellen, die den wiederholt von mir hervorgehobenen Zusammenhang zwischen der antiken höfischen und kulti- schen Sprache zeigen. Auch der Hinweis auf die göttlichen Wohltaten (Z. 14) ist in den Gebeten häufig, vgl. Sap. S<i/. 16, 11 u. 24 u. a. Stellen. A. D.]
31) Vgl. J'. Teb. I 50, 33; 124, 30, sodann Wilcken, Clirtst. Nr. 395, 15 und die daselbst an- geführten I'arallclstellen; Grundzüge 355; Hirschfeld -Festschrift S. 129; PSI. I loi, 14; 102, 12; P Cairo hyz. II 67151, 12: iEaaSevr]? ÄTropio. — Aiatiüvra? oder dgl. (vgl. P. Land. I 24 S. 32, 3) hat Wilcken vorgeschlagen.
32) "EKfOvoi steht P. Lille I 4 (= Wilcken, Chrcst. Nr. 336), 27; P. Teb. I 79, 85; Dittenberger, OGI. I 56, 27. 29; 90, 3, /'. Ilal. I, 264 ist es ergänzt. 'ErfOVOl steht /'. Teb. I 104 II 25. 33; nCV. 1185 I 13; die liclegc in den Inschriften s. Dittenberger, iV//.' III S. 230, vgl. auch Mayser, Gnim- matik d. griech. Papyri 228. — Auch in den Urkunden der Kaiserzeit steht €iq- und IfT- ohne Unter- schied; s. z. B. Nr. <?, 6f.; 5, II ff.; //, 12. [Ebenso schwankt sehr häufig in I.XX und / 71»». 5, 4 die Übcrliefenrng zwischen CKYOva und €TTOva. A. D.]
3j) Ix'lMaTOTPaq>(a ist »Grundriß« ; vgl. etwa neTaöxiMlTßeiv bei Prelsigke, S.B. Nr. 5174, 10; 5175, 12, »die Gest.ilt, den Grundrili eines Hauses verändern, es umbauenc. [Wichtig (lir Phil. 3,21. A.D.] — Tonoe€0(a (kui tÖ kot' övtnov) ist »Klurangabc, I.iegeplan«, vgl. xujpotpaipia. XUtpo9€a(a: s. P. Giss. I Nr. 100, lo Einzelbem., auch P. Cairo hyz. II 67151, 112: KOTÖ xiie, örfpo- feiTviac;. — Über die Zerschneidung der ägyptischen Ciemarkung in viereckige, rechteckige ,s. r. B. P. Oxy. X 1270,.26: kl öp8ofiuviou) und quadratische I.andparzcUen (uXiv6(<;, nXlveelov) s. I.uckhard, Das rriviithiiis im pfol. und röm. Ägypten, Diss. 15onn 1914, S. 8 ff. (Dasselbe gilt von der Struktur der ägyptischen Städte).
8 Nr. 1. 4/6. APRII. 144 VOR CHR.
Touq Küi dKOiriTopriTOui; Ka\ dveniXrinnTOui;^*) -aaaaiq aiTiaiq^') öviaq. Unter den unter dieser Rubrik Verzeichneten befindet sich auch einer tuiv npooeiXim- |Liev(JUV ^v Tilii Xa L (151/150 vor Chr.) eic; tou? KaroiKOu? iTTTreiq (s. P. Teb. I 61 b, 241 f.; 72, 179 f.).
Die Worte fmä^ le Km tou? eKTÖvous fi|iU)V stehen nicht im Widerspruch mit dem Eigentumsrecht des Königs am KXiipoi;^*). Dieser geht zur Zeit unserer Urkunde normalerweise vom Vater auf den Sohn über, der Kleruche kann auch durch Testament über ihn verfügen^'); das Obereigentumsrecht des Königs wird aber hierdurch nicht berührt.
2. Nach dem oös KaTa[|ie|ueTpr||ne9]a KXripous Z. 19 f. kann tou? KaTeöxrilne- vou? KXripous in Z. 22 nur im Sinne von KaTOXinoi KXfipoi gebraucht sein = vom Staat (d. h. vom König) vorübergehend beschlagnahmter Landlose, die nach der Aufhebung der Sperre wieder dem Kleruchen oder seinen Nachkommen zu- fallen'^). Auch solche kXtipgi bitten die Petenten für sich und ihre Nachkommen behalten zu dürfen. Dem entspricht im Königserlaß BGU. 1185 I 12 f. (i. Jahrh. vor Chr.) das laeveiv b' auroT? oös Kaieffx'l L^auev KXripoui; kqi ToTq dvTovoiq, »es sollen aber ihnen und ihren Nachkommen verbleiben die von uns (dem Königspaar) beschlagnahmten Landlose«. Auch das neveiv be r)|Liiv kui syTOVOI? Kupiuj? Touq KaTeffxiinevouq) KXr|(pou?) oioi iroTe eiffiv .... eujq toO vß L ....
P. Teb. I 124 II 25 und [xoüq be ^TTiXe]K[TOui; kto [KpareTJv iLv KaTeüxtlKCtcTi
(sc. Ol ßacTiXei?) K\r|(pujv) Suu«; toö [vß L .... P. Teb. I 5, 44 ff. werden wir danach ebenso aufzufassen haben''). — Was es für eine Bewandtnis mit dem zusammen mit den beschlagnahmten KXfipoi genannten t6 rrapot tok; vo|idq [. . . . (»das längs, neben, außer dem Weideland« [. . .) hat, weiß ich nicht.
3. Die Gnadenerlasse (cpiXdvGpujTTa) ''°), auf Grund derer sie unter die Katöken- reiter aufgenommen sind, sollen in Kraft bleiben, indem sie nicht nur unter den Chargen geführt werden [\ä\ qpepoiuevujv [nnuiv ^v ToTlq kot" dEiiJU)aa)^').
4. An Steuern sind nur die den Katökenreitern obliegenden zu leisten
(z. 25f.)n
34) Zu ävenfXimTTTOc; vgl. F. Tel. I 124 II 28: ei«; eTriXtimjiiv v(\\ÜMO\i^.
35) Vgl. auch /'. Teb. I 124 II 26 f.; 5, 47 f.
36) S. Wilcken, Grundsiige 282 f. 385 f.
37) S. Schubart, BGU. 1185, 16 Anm.
38) S. Wilcken aaO.
39) Anders die Herausgeber und Prelsigke, Archiv V310; Fachwörter S. ^ s.v. aKOTTifOpriTOi;. — Karexeiv im Sinne von »beschlagnahmen« s. u. a. F. Teb. I 53, 25; 61 b, 254. 267. 285; 72, 239; 105, 48. — K. = »in Besitz nehmen, s. u. a. F. Teb. I 5, iio; 61 b, 3. 226. 233 f.; 72, 159. 169. 171; 73, 4- 29.
40) S. dazu Lesquier aaO. 246 f. [Vgl. I (3) Esra 8, 10 und besonders 2 Macc. 4, 1 1 (tÖ . . . fpiXdvepuma ßaaiXiKÖ). Von hier aus gewinnt der oft als auffällig empfundene Ausdruck cpiXavepiu- itia ToO BeoO 7iy. 3, 4 mehr Farbe; vgl. die Andeutung Licht z'oiii OsteW-'i 275 und besonders Weinreich, De dis ignotis, Hai. Sax. 1914, 50 ff. A. X>.]
41) S. /■. Teb. I 124 II 34.
42) Vgl. für die Liturgien /'. Teb. I 124 II 37—40.
GESUCH VON KATÖKENREITERN AN DAS KÖNIGSPAAR. 9
Der obere Teil des Papyrus fehlt.
[ ]..[......]
[ ffuv]ebpeucrd[v]-
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IC [. . . TT€p\ Tuiv a]ÜT(I)v cruf Kp[i9]evTUJV [ ]q)evTO<; ^Tr\ toO . . , •
S [ ävT\ TJnq TTpocrriTfe^Hevr!«; än[b alTiopiVou TTapal)e(i)Eoi ) ^joA-^-
ffluTv ÖTTÖ xtpffo]y ei? üvTiKaTepYaöiav ^[ni| toT? bn^^wöfjm tuiv
r Ktti t6 TTJapü t6 eK<p6pi[oJv biacpopoy [dvJaXaßeiv. Kai ^v tiIii jr
[. . (?T€i) ToO bioiJKTiToö ^TnßaX[6]yTo<; ei? tov [vohov K]a\ ^T^piuv 4£f|^ (Juv [aÜTUJi J. öevTuiv irepl tuiv afÜTJÜJV, ^E tl)v 6 bioiKtiTr)?
10 [d7:i(JK€i|jd|uevo|? (ivevfcfKayo h\x\v oi6|aev[oq] (beiv) üvaXr|)ai|je(Teai Tiiv [ÜTTO (Jnopiiaou, dvijiKaxaiaeTpricreiv b' iiepav, Karü Taütd
[bfe le ^ATToWobujpiui Tu)V d qpiXuJV Ka\ ^nficTTdrei) Km TpcfUMaxei)
[tüjv KatoiKUjJv iTr[TTeuuv), dji küi tu Kaö' eauioü? ^KTe6ei)ieviuv fmüjv. [Teu£6|Lievoi] be Kai aüroi r\z ^%tTf. irpö? OTravTa? eüepfeöiaq,
15 IbetVeöa i)|iOjv| tuiv uff'Cfrujv GeiBv, lat] üireptbeTv i'nad? dn' öXiTiuv (biaZuJVTa? K;a\ toT? ibio(i)i; etrifföevriKOTa?, dXXd, tdv (paivriiai, fiTpoffTdSai 'ATTojXXobiüpuji tuiv TrpuÜTUuv cpiXiuv Ka\ ^iriaidTei koi -fpaiM^^Tei) [tüuv KaTOiKUJvl iTTTreujv Ka\ Aiovuffiiui tiIji dpxi<Juj)iaToq)uXaKi, [ cä]v ex^'v lind? re Kai xoü? ^Kfövou? fm^wv oö? Kara-
20 [ne|U€Tpii|ne6Ja KXiipouq, Kaö' d? e'xoiaev (TxnMctTOYpacpiai;,'' dauKO(pavni- ' .■ [tou? Ka\ dKairijTopilTOu? Kai dverriXtiiuTTTOui; Ttdffti? aiTiaq övia?, [öiuoiiu? be Kafi tou? KaTeffxnUtvou? KXnpou? Kai t6 nopd td? vojad?
[ |v eEaKoXouOoüvTuuv Trpoi; ti'iv dviiKaiepTaffiav, ijeveiv
[bfe KÜpia Td <p |iXdv9piuTTaf dqp' oT? Ka\ npoaeXnncperiliiev, ni'i q)epo^6vuJV
25 [nfiüjv ev TOi]q' kut' dEiuu|Lia, (kqi) |a€Tpe(i)v i'md? id ei? tiiv ittttiki^v [d ne|neTpiiKa<Ti]v oi npo f||au)v TrpoaeiXrmnevoi. Toutou be t«vonevou [reuEoneBa T|fi? irap' unüuv ei? tov ßiov ßonOeia?.
EÜTUxeire . ['AiTioXXobujpuji. TToinffai. L k? OaiaevujG r| . 4. April 144 v.Chr.
30 [Toi]? TpaiJMaTe[0(Ti]v. KaTaKoXouGeiv. L K?r <t>a|aevuje 6. s.Aprili44v.Chr.
1-4 s. Anm. 18. 4/5 eirt toO .. [L? 6 1. ör|\u)e£iai. 8 f. 9i)v [aÜTÜJi Wilcken. 9 Das 6 vor &ioiKr|TTi? ist aus i korrigiert. 10 (öetv) Wilcken, der 11. a. auf J'. i'aiis. 63 Z. 32 verweist und danach auch Z. 27 in den i'J'Z. ergänzt. 11 (ivT]i . . . Wilcken. — Vor Kora Taütd (so nach Wilcken zu akzentuieren) freier Raum. 12 An-
fang etwa lö' ^neareiX;^. — ^niiöTaxeil s. Z. 17, 1. eTTiatctTrii; €l l'ap. 13 ijt Pap. 16 [ftiaZüiv- TO? Wilcken. 20 Das \x von exoMev ist korrigiert.
22 Das K und u von KXiipoui; ist korrigiert.
23 Die Interpunktion nach Wilcken. 30 To'k •fpei|JM'*T€iö(JijY : nach Vorschlag Wilckens. — Das erste k von KaTaKoXouOetv ist aus e korrigiert.
Übersetzung. Auf Grund (?) des Urteils des Apollodoros mit
seinen Beisitzern erging . . . inbetreff derselben Angelegenheit der Bescheid
unter dem . . Jahre (?), statt des Saatlandes, das uns, wie berichtet, zugeme.ssen war, solle man uns vom Ödland zur Bebauung anweisen unter den angegebenen Bedingungen und die gegen den Pachtzins sich ergebende Differenz ein-
FM. Meyer, Griechische Texte aus Ägypten. 9
10 Nr. 2. AUSGANG DES 2. JAHRH. VOR CHR.
ziehen. Und nachdem im . . Jahre der Finanzminister in den Gau gekommen
war und andere danach mit ihm in betreff derselben Angelegenheit ,
stattete der Finanzminister auf Grund dessen nach geschehener Untersuchung Euch Bericht ab, indem er die Ansicht vertrat, man müsse das Saatland zurück- nehmen, anderes Land statt dessen zumessen. Einen entsprechenden Auftrag erteilte er dem ApoUodoros aus der Rangklasse der ersten Freunde, dem Chef und Intendanten der Katökenreiter ; ihm haben wir unsere Angelegenheit schon auseinandergesetzt. Damit wir aber gleichfalls Eurer allen gegenüber bekundeten Wohltaten teilhaftig werden, bitten wir Euch, Ihr großen Götter, uns, die wir von geringem unser Leben fristen und inbezug auf unser Vermögen geschwächt sind, nicht zu übersehen, sondern, falls es Euch gut scheint, dem ApoUodoros aus der Rangklasse der ersten Freunde, dem Chef und Intendanten der Katöken- reiter, und dem Dionysios dem Erzleibwächter Anweisung zu erteilen, uns und unsere Nachkommen im Besitze der Landlose zu belassen, die uns gemäß den in unseren Händen befindlichen Grundrissen zugemessen sind, ohne Denunziation, Anklage oder Festnahme aus irgendwelchem Grunde befürchten zu müssen. Das- selbe erbitten wir inbezug auf die vorübergehend beschlagnahmten Landlose und das längs dem Weideland, .... was erforderlich ist für die Bebauung (?). Es mögen aber in Kraft bleiben die Gnadenerlasse, auf Grund derer wir (unter die Katökenreiter) aufgenommen sind, indem wir nicht nur unter den Chargen ge- führt werden. Und wir bitten, nur die den Reitern obliegenden Steuern zu leisten, die (auch) die vor uns Neuaufgenommenen geleistet haben. Geschieht dies, dann werden wir Eurer Hülfe für das Leben teilhaftig werden. Lebt wohl. An ApoUodoros. Zu erledigen. Jahr 26 am 8. Phamenoth. An die Unterintendanten zur Befolgung. Jahr 26 am 9. Phamenoth.
Nr. 2. UNTERSCHRIFT DES AUSSTELLERS EINER SECHS- ZEUGEN-URKUNDE (IMMOBILIAR-KAUFVERTRAG).
Huhe 16, Breite 16 cm; über dem Text ein unbeschriebener Raum von 12 cm. Faijum(?). Ausgang
des 2. Jahrhunderts vor Chr.
Daß die uTroTpaqpri einer ffu-fTpaVH eEaiudprupoi; vorliegt, einer Sechszeugen- Urkunde, die in ptolemäischer Zeit fast immer auch eine Hüter-Urkunde (Guf- Ypaqpoqpij\a£-U.) ist"), unterliegt keinem Zweifel. Aus dieser Tatsache ergibt sich als frühester Zeitansatz das Ende des 2. Jahrh. vor Chr. Dazu stimmt auch die Schrift. Erst damals vollzieht sich die grundlegende Änderung in der Struktur dieser Urkundengattung'), indem die >Innenschrift« zu einem kurzen, vom Beamten
i) S. die Anm. 2 angeführte Literatur.
2) S. Gerhard, m/ohgus hXlll SOi; Paul M. Meyer, Ä'/;i> VI 454 f. ; Wilcken, Archiv lll (,2^. V204; Mitteis, H'Om. Vrivatrecht 300 f. 308. 309; Cruniiziige ^4. jg; Jörs, Zfsclir. Savigtiyst. Ji. A. XXXIV 114 A. 2. 119.
UNTERSCHRIFT DES AUSSTELLERS EINER SECHSZEUGEN-URKUNDE. H
des YpaqpeTov') hinzugefügten Exzerpt wird, sodann zum Protokoll eigenhändige ÜTTOTpotqpai des Ausstellers der Urkunde und des auTfpa^pocpuXaE treten, sowie endlich der die Publizität bewirkende Registrierungs-Vermerk^) des TpocpeTov- Beamtcn, der das von ihm geschriebene Exzerpt versiegelt.
Auffallend ist, daß fast das ganze Blatt, soweit es erhalten ist, frei von Schrift ist und nur die sechs letzten Zeilen beschrieben sind '). Das ließe sich so er- klären, daß die ÜTTOTpacpai des Ausstellers der Urkunde und des ov[-^pa(po(p()\ai zuerst geschrieben sind und oben für den eigentlichen Kontext und das Exzerpt des rpaqpeTov-Bcamten genügender Raum freigelassen wurde, der dann aber später aus irgendwelchen Gründen nicht ausgefüllt ist. Wahrscheinlich ist mir das jedoch nicht'). Auch das glaube ich nicht, daß die verkürzte > Innenschrift« und die »Außenschrift« oberhalb des freien Raumes gestanden haben. Die nicht agoranomischen Doppelurkunden der Zeit bestanden zwar meist nur aus einer schmalen und hohen Kolumne'), der besonders umfangreiche freie Raum zwischen Kontext und ÜTrofpacpai wäre aber unverständlich. So bleibt wohl nur die An- nahme übrig, daß eine ersteKolumne verloren gegangen ist, auf welcher der Kontext stand. Ich verweise hierfür auf die zwei Kolumnen enthaltenden Sechszeugen- urkunden P. Giss. I Nr. 2 (173 vor Chr.) und P. Teb, II 382 aus augustischer Zeit').
Der unserer Urkunde zugrundeliegende Vertrag ist ein Immobiliar-Kauf- vertrag über Ackergrundstücke. Der Verkäufer, ein Makedone AnunTpio? TTt o- Xenai]ou oq Ka\ Ada[YO?] ") , auf dessen einseitige Erklärung nach griechischem Rechtsbrauch sowohl Kontext als Unterschrift abgestellt waren, betont, den Kaufpreis »wegzuhaben*'"), und verpflichtet sich, das Grundstück zu tradieren (Z. 4f.). Die Vertragsurkunde ist dem »Hüter« in Verwahrung gegeben.
3) Mitteis (Grundziige 59. 80) faßt fpa<f(.\ov auch in ptolemäischer Zeit (wie in der Kaiserzeit) als Filiale oder gleichbedeutend mit äfopavoiueTov iNotariats-Zentrale). Mir scheint die Trennung der beiden I?ehörden in ptolemäischer Zeit wahrscheinlich, fpaqpeiov ist die Registrierungs- (Schreib-) Steuer für die AifUitTiai ouTTPatP«' (■^'- ^'- "^ 53 s-; s. /'. Ilih. I 66, 1/2 Bern.) und seit dem Ausgang des 2. Jahrh. vor Chr. ebenso für die griechischen Vrivaturkunden ; zugleich wird das Registeramt selbst so bezeichnet.
4) Zur övafpaipii s. Preisigke, Girmvesm ^l<iS.\ Partsch, GGA. 1910,748 ff.; Mitteis, Grund- ziige 79 ; Dihaiomata 1 49 ff.
5) Der untere Teil mit dem Vermerk des auTTpa<PO<P"^oE »""1 ^" Registrierung bt fort- gefallen. Vgl. dazu y. 7<*.I 104,41 f.; 105, 62 f.; r. Kein.<),yi\ 10,32; 14, 38 f.; 16,48; 20, 39f.;
22. 35f-; 23. 34f-; 34-
6) Ausgeschlossen ist, daß es sich etwa um eine später durch das rpa(p€iov-Amt ausgefertigte, verkürzte Abschrift handelt, wie solche in der Kaiserzeit von der ßißXioenKtj ^TitTtiacurv fiir agora- nomische Urkunden, aber auch cHaMOpTUpo, ausgefertigt wurden, Datum, dvaTP«<pi^ -Vermerk und ünofpaqir) enthaltend; s. Mitteis, Cr««(/:«,!,v 64 Anra. 2; 55.
7) S. Wilcken, Archiv V 203.
8) Für r. Teb. II 382 ist der Charakter als Hüter-Urkunde zweifellos (s. Wilcken, Archiv V24of.). Im r. r^iü. II386 (= Mitteis, Chrest. Nr. 298: 12 vor Chr.) handelt es sich um Depo- sition eines demotischen Ilclratsvertragcs. Hierzu laßt sich /'. Magd. 12,4 vergleichen (äo<p'p<i;T>- dTov Ttef^vai aüxnv napä Zumüpuji TÜJi novoxpdcpuji; s. dazu den Herausgeber S. 106. 222) und /'. Rtin. 7, 22, auf die schon Jörs aaO. 114 A. 2 hingewiesen hat.
9) Die unkontrahierte Form Aaato^ findet sich auch V. Eltph. a (= Mitteis, Chrut. Nr. 31 1 , i. 10) S. H. Erman, Archiv I 8i f. und dazu Deißmann, Licht vom Osttn^i 77.
12 Nr. 3. 11. NOV. 148 NACH CHR.
Ari|ur|Tpioq TTT[oX€|ja{]ou oq koi Aäa[fo?] [oiLijpXoTUJ aTTex[iiy rd b]uo TaXavta [Kai] räq [biff]xiXia<; TfpiaKodai; bJpaxMdq to[0 x«]^- [koO] xnv T[i|ir)v Tiliv .] . cipoupiijy [kui troiri]- 5 [cTiu] KaSoTi [TTpo^eTpaTTTai] Kai Te[eei|uai rriv] [auf]Tpa(pnv [Kupiav Tiap' 'AiT]oXXuj[viujij. Der Papyrus bricht ab.
6 Den Schluß der Zeile habe ich frei gelassen, 'ATtoXXuuvio? exu) Kupfav und der datierte dva- in der Annahme, daß der Makedone Demetrios ypaqpri"^ <^™i^''l' j s- Anm. 5. schreibkundig ist. In den folgenden Zeilen stand
Übersetzung. Ich, Demetrios Sohn des Ptolemaios, der auch Laagos ge- nannt wird, bei<enne wegzuhaben die zwei Talente 2300 Drachmen Kupfers als Preis für die . . Aruren und ich werde meinerseits das tun, wozu ich mich oben verpflichtet habe. Und die Vertragsurkunde habe ich als rechtskräftige bei Apollonios hinterlegt.
Nr. 3. AMTSAUFTRAG DES STRATEGEN AN EINEN LITURGEN.
Höhe 18,8, Breite 9,5 cm. Kaijum. 11. Nov. 148 nach Chr.
Die Urkunde repräsentiert ein tnicTTaXiLia des (TTpairiYos 'ApcTivoiTOU ©e^i- crrou Kai TToXenujvoq fxepibuuv Theon, dessen Amtstätigkeit etwa in die Jahre 144/45 bis 148/9 zu setzen ist'), an einen in der Metropole Arsinoe heimatsberechtigten Mann namens Herakleides, der im »Kiliker-Stadtbezirk« eingeschrieben ist (Z. 4)"). Das tTriffiaXua in der uns hier vorliegenden Form einer epistula mit dem End- vermerk (Z. 15 f.): iV ouv t6 KeXeu(Te(^v) eibrji; .... [ejireffTeiXä croi ist als »Amts- auftrag« zu charakterisieren (s. meine Ausführungen P. Hamb. I 18 S. 77)^). Es enthält die Aufforderung an einen zum Liturgen Bestellten, vor dem procurator Augusti Eirenaios zu erscheinen (Z. 16: (Tva) eüGeuji; em xov Kpd(TiffTOv)*) eni- TpoTT(ov)') KatavTiiffris*)), und erfolgt auf Grund eines aus Alexandreia an ihn
1) S. Martin, Archiv VI 168.
2) 'Anö KiXiKWv sc. ünqjoftou = övaTpacpoiaevoc; ett' ci)Liq)ö&ou KiXi'kujv, vgl. Nr. g Einl. Zu dem ä|uq)obov KiXi'kujv s. Wessely, Die Stadt Arsinoe (Sitzungsber. Akad. d. W. Wien 145) 29. [Dieses ciTtö ist genau das dtro von Hebr. 13, 24; vgl. meine Notiz Hermes XXXIII (1898) 344 und Licht vom Osteif-i 136. A. D.]
3) Zur eigenhändigen subscriptio des aTpaTr\-^öc,: Zeöri,u;€iuj|uai), »gezeichnet, genehmigt«, s. Preisigke, Girowesen 455.
4) S. Zehetmair, De appcllationibus honorificis in papyris graecis obviis, Diss. Marpurgensis 1912, 22 f. [Wichtig für den Kp^TiOTO? ©coqpiXo? Lukas 3, I. A. D.]
5) S. Z. u : eic; E. töv toO Kupfou Kaiflapoi; eiriTpoTtov.
6) S. P. Hamb. 125, 11 Einzelbem.
AMTSAUFTRAG DKS STRATEGEN AN EINEN LITURGEN. 13
gerichteten Schreibens des bei der Zentrale daselbst fungierenden Oberrechnungs- beamten und Finanzkontrolleurs der AioiKricrii; -Verwaltung des Gaus'), 6 toO vonoö d(K)XoTi(cJTriq), Aelius Nicias (Z. 5 f.). Er ist Vorgesetzter des Strategen; da ist nach den Ausführungen Wilckens [Archiv V 263) die Bezeichnung dieses Schreibens als ßißXibiov auffallend (^v ijj dvdnenHie ßtßXib({if))), das sonst »immer nur den Klaglibell oder die Bittschrift o. ä.« bedeutet«'). Das ßißXi'biov des iicXo- TiffTnq handelt 7T€p\ toO TrapavTeXfivai toT? bi' aÖToO ^|acpcpo(nlvoi?) e(b(e(riv) iJTr£pT€9(£T(Tiv) UTTO Tou K. f)T€|j6(vo?) .... iXc, EiprivaTov ....
TTapane^Xeiv , TrapaneXia wird in den Papyri der Kaiserzeit meist als technischer Ausdruck verwandt für die amtlich zugestellte Privatladung des Klägers an den Beklagten zum Konvent zu erscheinen^]. In den Urkunden der Ptolemäer- zeit'°) wird dagegen das Wort stets, ebenso wie gelegentlich in den römischen Rechtsquellen") der lateinische Parallelterminus (litis) denuntiatio in seiner umfassen- den Bedeutung, zur Bezeichnung der rein amtlichen Ladung des Beklagten durch den Magistrat gebraucht. In unserem Falle handelt es sich aber nicht um ProzeO und um eine prozeßeinleitende Ladung von Beklagten, sondern um amtliche Ladung seitens eines Vorgesetzten in Verwaltungsangelegenheitcn "). Wir dürfen also nicht etwa an eine evocatio litteris ad niagistratum (sc. tÖv (TTpairiTov) datis'^) denken.
Das Wort elbcq entspricht dem lateinischen species, es bedeutet »Gestalt, Form'''), Art"), Unterart, einzelnes Stück einer Gattung (eines genus)t"^). In
7) S. Wilckcn, Gnindziige 208 f. ; Paul M. Meyer, I'. Giss. I 48 S. 67 f. [Zum Scphmginta- Gebrauch von vo|n6(; s. Bihclstudien 142 f. A. D.]
8) Daß es sich hier um eine an den ^KXoYiöTti<; gerichtete Khigschrift handelt, die von ihm nur mit einer subscriptio versehen (vgl. etwa ßOU. 613 = Mitteis, Christ. Nr. 89, 28: ÜIT0^V1^- HOToi; MouvoTi'ou) und dem arparriYÖi; des Gaues des Beklagten übermittelt ist (vgl. die Ausfuhrungen Wengers, ( 'ierteljahrsschr. f. Sozial- u. Wirtschaflsgcsch. XII 236 f., zu P. Giss. I 82, auch /'. ImhI. Inv. Nr. 1891 = 1\ Jouguet bei Kühn, Antinoofolis 143 Kol. II 't. 6 ff.), ist wegen des 46nX(uOev KTO. Z. 12 f. und aus allgemein sachlichen Gründen ausgeschlossen.
9) S. Mitteis, Grundziige 36 f. 40; dazu Steinwenter, Studien s. r'om. VersäumnisverfakrtH, 1914, 23 ff.; Bcitr. s. öffentlichen Urkundemoeseti der Römer, 1915, 51 f.
10) S. r. Ilamb. I 25 S. 109.
11) S. Ilcumnnn-Seckel, Handlexikon'^ s. v. denuntiatio ■%) na); Voc. Iiir. Rom. II S. 169 f.; Steb- wcnter, Versiiuiiinisvcrf. 18.
12) Daß das Wort TrapaYT^Xfa auch im Sinne der römischen testatio (2)ia{uapTiip(a) als Kach- wort für außerprozessuale, private Anzeigen und Mitteilungen — sowohl rechtsgeschäftliche wie Tat- sachen-Anzeigen — , die durch den Strategen an den Adressaten übermittelt werden, verwandt wird, hat Steinwenter, Vrktindenrvcscn 51 erwiesen.
13) Vgl. r. Giss. 1 34 (= Mitteis, Chrest. Nr. 7$), 5—9; V. Hamb. I 4, ilf. (s. Mitteis, Ztsehr. Siwignyst.R.A. XXXII341; Steinwenter .naO. 16 f.); Mitteis, CÄr«/. Nr. 87, 5 f.; /'.O.ry.HUSö (= Mitteis, Chrest. Nr. 591,29; P. Lond. Inv. Nr. 1S91 I lo— 12 (s. I.ewald, l'ierteljahrsschr. f. Sozial- u. Il'irt- schaftsgcsch. XII 476); P. Brem. 17, 4 f. (Wilcken, Archiv IV 386; s. Martin, les Epistrateges 163 f.).
14) S. z.B. y. C««>oi;'5.(ed.Maspero)I67097VersoD6s.66; 1167126,29.54; 67151,91; 67167,58.
15) S. z. B. P. Ttb. I 58,21; 60, 44; 6ia, 156; 124, 32. 39; P. Ups. I 105, 18; BGU. 316, 27; CPR. 16, 17; /'. Oxy. I34I II.
16) S. z. B. /'. Grenf. II 76, 8; P. f.ips. I 28, 15; P. Lond, I 103 p.ao2, 68; 77 p. 233; HI 1007 p. 263, 15. 28; P. 0.xy. I 109, i; VI 905, 6; BGU. 729, 13; /'. Afomic. 4, 15; 6, a6; 7, 23; P. Cair» hyz. I 67006 Verso Z. 45. 59. 86; II 67154, 19. Vgl. auch KOT fXhoe, in Anm. 18.
14 Nr. 3. 11. NOV. 148 NACH CHR.
den Papyri wird es speziell für > Art von (einzelne) Steuer, Liturgie oder anderer Last« '^) gebraucht'^ Die weitere Entwickelung zur Bedeutung »Steuer oder ähnliche Last«, die uns sehr häufig begegnet''), liegt nahe. Eibt] dwuiviKOi [P. Rein. 56, 6; P. Cairo byz. I 67038, 3; 67039, 3) ist von Wilcken [Chrest. Nr. 419, 6) als Wiedergabe des lateinischen species annonariae erklärt worden. Wie species hier und sonst in den Rechtsquellen°°) »Früchte, Erzeugnisse« be- deutet, so auch ei'bti gelegentlich in den Papyri: vgl. die e'ibri ÖTTUjpi'fjeia /'. Lotid. III 974 II p. 1 16 ""]. Endlich hat das Wort die Bedeutung »Schriftstück, Aktenstück, Bericht« ").
Und diese ist hier mit Wilcken anzunehmen, dem ich die richtige Über- setzung und Auslegung des Passus Z. 6 f. verdanke. Nach ihm ist folgender- maßen zu übersetzen: >betreffs der vorzunehmenden Ladung derjenigen Per- sonen, die nach Ausweis des Schreibens [h\ aÜToO = biä tou ßißXibiou) mit Akten zu tun haben (in Aktenstücken enthalten sind, oi encp€p6|uevoi eib emv))^^), die überwiesen sind von .... an ...... Die Akten sind vom praef. Aeg. M.
Petronius Honoratus "*') bei der letzten Gaurevision anläßlich des Konventes (Z. gf. : ev il) Ivti^to iTTOiricraTO tou vo|hoO bia\oYi(cr|Liu))) °^) an den procurator
17) Besonders in der Phrase Kaöapöv dirö .... koi navTÖ? eiöoui; od. ähnl., so BGU. 197, 14; 227,20; 236,9; 237,13; 666,20; 708,16; 883,9; 1049,16; P.Oxy. in 506,37; 577; 633; IV 719, 24; IX 1200, 32; 1208,20; X 1276,16; P. Giss. I 51, iif.; 100, 20; F. Lips. I 6 II 6; P. Strafib. i 52, 5. 15; P. Flor. I 28, 6. 15; /'. Lotid. II 163 p. 183, 13; F. Amh. II 95, 4. 13; 96, 3. Vgl. auch F. ftry. VIII II 34, 12 f.
18) S. Preisigke, A7»ö XII 433. Die hier von ihm aufrecht erhaltene Erklärung des kot' dSoc; in P. Oxy. II 237 VIII (= Mitteis, Chrest. Nr. 192) 43 ist nicht zu billigen, wie schon früher Eger, lycwald, Mitteis dargetan haben. Es bedeutet »Stück für Stück, jedes Objekt einzeln auf dem Personal- folium« (s. Mitteis, Grundz. 103), nicht »nach Sachengruppen«, obwohl sprachlich einer solchen Deutung nichts im Wege stände. Parallelen bieten P. Oxy. VI 937, 22 (tÖ Ka6' Ahne, = TÖ Ka9' iv); F. 7"c*. I, 60, 117; 6ib,35o; 72,340; P. 7'rf. II 337, 13; /'. /"ly. 42 a I 5 ; /". ZsW. III 604 p.71,3.
19) s. p. r«*. 124,59; 27,105; 72,463- — y. Z'«/. 34,7; BGU.^l^,y, 431,2; 528,4; 711,7;
880, 5; F. Amh. II 121, 8; /'. Lond. III 847 p. 54, 11 (ei'ör] vonapxia;. — P. Fay. 42 a II 11; 55, 6; 64,4; 218; .sc:/. 65 I 2; 194, «7; 362 fr- 1 passim; 486,13; 572— 574 passim; 732 Verse 4; 779,4; 902,21; 942,3; P- Lond.\\i,li p. HO, 5; 255 p. 118, 13; 111856 p. 92, 18; FSI.\ loi, 5; 105, 19; 106 passim; P. Paris. 17, 22.
20) S. Heumann-Seckel, Handlexikon^ s. v. species 5).
21) S. F. Hamh. I 44 S. 184; dort ist PSI. I 106 passim {s. Anm. 19) von mir unrichtig erklärt.
22) S. P. Teb. n 287, 12 Einzelbem.; dazu F. Oxy. VII 1032, 17.
23) Zu Ol €)nq)£p6|a€voi (the persons involved or concemed in the matter in handj und TÖ en- q)ep6|U€va vgl. die /'. Oxy. VII 1032, 18 Einzelbem. von Hunt aufgeführten Parallelen; zu ihnen sind hinzuzufügen BGU. 250 (= Wilcken, Chrest. Nr.87); /'. Strafih. I 40, 27; CFHcrm. 53, 12; P. Monac. 14, 12; F. Lond. II 164 p. 116; Preisigke, SB. 5113, 23f.; 5114,44 f.
24) Nach Cantarelli [prefetti di Egitto I 50 Nr. 46) war er durch zwei Papyri bezeugt für den 28. Aug. 147 und 28. Januar 148. Hinzu kommt ein alexandrinischer Papyrus vom 3. Febr. 148 (Lefebvre-Jouguet, Bull. soc. arch. d'Alexandrie 1912 Nr. 14, 6) und unser Papyrus vom 11. Nov. 148, durch die also seine Präfektur bis mindestens zum Ende des Jahres 148 erstreckt wird. — Zum Rangtitel 6 KpaTiOTOc; des praef. Aeg. s. Stein, Wiener Studien 1912 (XXXIV), 166 ff.
25) S. Wilcken, Archiv IV z6?> «.; Grundzüge ZZ-
AMTSAUin'RAG DES STRATEGEN AN EINEN LITUROEN. 15
Augusti Eirenaios verwiesen (Z. 8 f.: Ü7repT£9(eTaiv) Otto dq EipnvaTov . . .)'*)•
Die Namen der für die beiden nepibeq in Betracht l<omnienden Personen teilt der eKXoficTTrii;, zweifellos im Auftrage des procurator, in seinem Schreiben an den Strategen mit. Worauf sich die Akten im allgemeinen beziehen, wird nicht gesagt; sie waren sicher nicht gleichartiger Natur. In unserem Fall handelt es sich aber, wie Z. 1 2 ff. zeigen, um ein liturgisches Amt: Herakleides ist ^TnT(npnTn?) fiiaefwcreuj?) geworden. Da ßafftXiKoi bzw. brinocrioi niaGwiai, d. h. Großpächter auf dem Gebiete der ßa(Ti\iKr| bzw. brifioala -fn, in den Urkunden nicht bezeugt sind, vielmehr nur oiJcriaKol möGujTai "'), so werden wir annehmen können, daß auch hier Verhältnisse der oüffiaKti -fH zugrunde liegen: der dTriT(r|p»lTriq) niaQ{üjaew<i) ist wohl als ^TriTripnTii«; oücTiaKfi? maeujcTeuiq aufzufassscn = >Aufpasser eines Patrimonial-Pachtgutes«. Seine Liturgie ist mit der ^TTirriptidK; cüuiaKf)«; niaGiiötot«; BG(7. 61Q (a. 155) zu identifizieren und wohl auch den erriTripriTal oiKJiaKiüv [P.Fay. 23: saec. II) = e. oücriaKiüv dbacpiüv (P. Gen. 38 ^ ^ Wilcken, Clirest. Nr. 366; a. 207/8) an die Seite zu stellen''^). Der pKxeujTri? oücriaKÖs heißt Antonius Theon, die tTTiTiipricrK; für seine Pachtgrundstücke wird bestellt xpovujv tivüüv €V€Ka ^v- bermaTO«; Tfji; )ai(TOtij[(Teuj]i; (Z. 13 f), »weil seit geraumer Zeit die Pacht einen li'ehlbctrag ergibt«. Wie fcvb£r|Ma°') wird in ptolemäischer Zeit ?Tl)£ia'") = » Defizit, Fehlbetrag« (Gegensatz eTrifevriMa) gebraucht; das SXXeijaa der Urkunden der Kaiserzeit^') bedeutet 4\.ückstand, reliquum». Es wird also, da der Ertrag der Pacht seit geraumer Zeit nicht den Voranschlag erreicht, ein ^iriiripriTris (oOcria- Kfi?) juiaGujcreuj? von amtswegen zur Verwaltung der oüaia eingesetzt^'). Der
26) 'YnepxfeeoSai in der liedeutung einer prozessualen Verweisung vom höheren an einen delegierten Beamten s. P. Land. II 276 p. 149, 9 (a. 15; Verweisung dureh den Idioslogos zwecks licweiserhebung an defi centurio, öTpaTrifö^, ßaöiX. YPOMMOTtüi; : Ü^^€pe96^tlv €i<; brnKpiOlv TÜrv ötTva; vgl. ^/-f/üV IV 410); ü. in der Hedcutung einer Verweisung vom Niederen an den Höheren s. /'. Oxy. I 97, 14 (= Mitteis, Chn-st. Nr. 347: a. II5/6; vom OTpoTtlfö? an den pracf. Aeg.); III 486 (= Mitteis, Ckiest. Nr. 59, 8 f. 26 f.: a. 131; vom Epistrategen an den praef. Aeg.). 'YitepxiöeoOai Ttiv 61KIIV, TÖ TrpÜYMC) TlV JiaYVUjfflv bedeutet vom (meist delegierten) Richter gesagt >den Prozeß, die Entscheidung aussetzen, hinausschieben« {vgl. scntentiam proferre) zwecks Instruktion durch den Mandanten oder Beweiserhebung (s. BGU. 19 = Mittels, Christ. Nr.85 I 5. II 19: a. 135; BGU. 613 «= Mitteis, Chn'st. Nr.89, 27: etwa a. 160; /'. Oxy. II 237 VII 33; CP/fenn. 26, 16; s. auch Arclih' III 83 Anni. 3). — 'Y. Tiiv 6lKriv >den l'rozeß hinausziehen seitens einer I'rozeßpartei« s. P. I.ips. I 38 I 17; P. Oxy. I 86, 15 u. sonst.
27) S. Rostowzew, Kolonat 181 f.
28) Vgl. auch Wilcken, Oslr. II Nr. 657 (a. 165); s. Rostowzew, Kolonat I9lf.; Wilcken, Grund- ziig:t 158.
29) S. P. O.xy. I 7t, 15. Vgl. €v6€ia CPIlcrm. 6, 22 (= Fehlen, Mangel); P. Parti, 6a I It (2. Jahrh. vor Chr. ; = reli(|uum Rückstand'.
30) S. Kn: iM-.i's passim. 31) S. Wilcken, Ostr. I6io; vgl. ^XAciirov.
32) Während unser enirripriTili; »Aufpasser von Domanlal-rachtgrundstücken« ist, sind die i. T£vri|jaTOfpaq)rie£VTUJv (= •fsvrmaTOfpaqjountvujv üirapxövTUJv) »Aufpasser« von Staatsschuldncm aller Kategorien gehörenden I'rivatgrundstücken, deren Erträge (teviinOTa) beschlagnahmt sind. Die Schuldner behalten auch hier die Bewirtschaftung ihrer Guter. Konfiskation ;ävdAimi|;i(;) tritt erst ein, wenn die Regierung zum Verk.iuf schreitet. S. Wilcken, Grmui^gf 297; Christ. Nr. 363. 364 Einl. — Wie der missus in bona iui römischen Zwangsvollstreckungs-Vorfahren wird der imTtjpilTi^^ zur Bewachung (custodia) des Vermögens neben dem Schuldner eingesetzt
16 Nr. 3. 11. NOV. 148 NACH CHR.
Patrimonialpächter bleibt aber im Besitz des Pachtgutes; das zeigt z. B. das Ostrakon bei Wilcken, Ostr. II 657 (a. 165), in dem drei ^miTipTiTai dem maöiuTris den Empfang einer Pacht-Ratenzahlung bestätigen.
Auch wenn ich mit Recht unseren erriTripriTii«; als e. oücriaKfi«; juicreiucrEuj«; angesprochen habe, ergibt sich daraus noch nicht die unbedingte Notwendigkeit, den Eirenaios 6 toO KUpiou Kaicrapoq eniTponos als procurator usiacus, dem ja die eTTiTTipriTai oüö'iaKuJv unterstehen^^), aufzufassen. Zu welchem Zwecke die Ladung an den zum eniiripriTii«; bestellten Herakleides ergeht, bleibt noch un- klar. Um die Übertragung, das €fXeipiZi€(T6ai, der Liturgie auf den Bestellten kann es sich wohl kaum handeln.
Das erricTTaXiua des ffTpaTriTOS, das die Aktennummer »Metropole Nr. 21 « (Z. i) trägt, ist zugestellt von einem ev KXripqj ÜTTripeT(ri?) (Z. 20), »einem in der Aus- losung befindlichen Amtsdiener«, der also, obwohl er erst zur Liturgie eines ütt- Tiperri? »eingegeben«, aber noch nicht »bestellt« ist, schon als solcher fungiert^^). Wilcken hat an der Hand von P. Flor. 2 (s. Wilcken, Clirest. Nr. 401: a. 265), BGU. 1062 (a. 236) und P. Oxy. I 54, 10 (= Wilcken, Chrest. Nr. 34) darauf hin- gewiesen (hinzu kommt jetzt noch /'. Oxy. X. 1254: a. 260), daß die »Eingabe« im 3. Jahrh. nach Chr. das Entscheidende ist, die »Erlösung« bedeutungslos bzw. ganz in Wegfall kam''). Schon für das 2. Jahrh. zeigen die Anm. 34 auf- geführten Ostraka, daß die Erlösung oft eine reine Formalität war; Eger'*) hat hervorgehoben, daß in BGU. 619 vom J. 155 nur vom eicfboöfivai (s. Z. 20), nicht dagegen vom Erlosen die Rede ist. In unserer Urkunde vom J. 148 findet, wie in BGU. 8g i, wo ich (Recto Z. 7 f.) lese und ergänze: dTeveTO i'i Trpoö'9UJ- vriffi? 'QpiTev[ouq tivöc; tuiv ev KXrijpip ÜTraiperaiv em tou k^ öeou 'Abpi[avoO (a. 135/6), h\ fi? dJbriXouTO . . ."), »Auslosung« statt, sie ist aber gänzlich bedeu- tungslos.
I.Hand. MTiTpoTT(6Xeu)i;) icä.
2. Hand. Qeujv (7Tpa[Tr|T0?) 'Apffi.voiTOu) 0£|ui((Ttou] kqi noX(e)aiJuvoi;) nep{b(ujv)
'HpanXeibr) 'Hpujbo(u) tou Aeovroq
ctno KiXik(ujv) x^'P^'V.
5 ATXio? NiKia? 6 toO vo)ioO e(K)XoTi((TTn<;) ev ijj
33) S. Wilcken, Grundziige 1 58. — Ai6TvriT0(; 6 KpUTiöTOi; (= Claudius Diognetus) im P. Giss. I 48 (= Wilcken, Chrest. Nr. 171) ist proc. usiacus.
34) S. Wilcken, Ostr.l S. 603; II Nr. 271. 272. 285 (alle drei aus dem 2. Jahrh. nach Chr.); Chrest. Nr. 392, 10 f. (saec. II); P. Land. III 935 S. 30, 16; 936 S. 31, 15 (£V KXnpijJ sc. ducpoboTpOM- |uaTeu(;: a. 217) u. a. — Das Umgekehrte finden wir in P. Flor. I 68, 18 (a. 172), wo ein t«v6|H€V0i; üttTipe TT)!; als Amtsdiener fungiert, d. h. also nachdem seine Liturgie abgelaufen ist; vgl. Wilcken, Ostr. II Nr. 285.
35) S. Wilcken, Archiv Hl 530; IV 560; Grundziige 349.
36) Gruitdbuch"vesen 12 K.^.
37) S. Nr. 4 Einl. Anm. 17.
AMTSAUFTRAG DES STRATEGEN AN EINEN l.ITCRGEN.
17
dvtnejiHie ßißXib(iifj) Tr€p\ toO napav-
TeXfivai TOI? hl aÜToö ^nqpepofnevoi«;) eTb(€criv)
ÜTT€pTee(€T(Tiv) Otto toO Kpa(Ti(TTou) f)-f€nö(vo<:) TTeTpiu(v{ou)
'OvujpdT(ou) dv ijj ?VTiffTa inoif\aaTO 10 ToO voiuoö biaXoTi((T|ua)) d<; EiprivaTov
Tov Toö Kupi'ou Kaiffapo? ^ttitpottov
i'br\\wqtv TfTOvevai ffe tTTiTfriptiTriv) m(Te(uja€iui;)
Tivo(|itvn<;) biä 'AvTUJViou 0£ijuvo((;) xpovujv
Tiviliv evexa tvbermaio«; Tfl? IS ni(j9uj[(Teu)]i;. "Iv' ouv t6 KeX€U(T6(4v) eibrj? Ka\
euGtuji; dm tov Kpa(Ti(TTOv) dniTpoTt(ov) KUTav-
Tncrr)? [dJTrecTTeiXd croi. 3. Hand. I.iat]^{tm)xai).
2. Hand. L iß 'Avtiuvivou Kaiff[a]po<; toO Kupi'ou
'Aeüp le. II. Nov. 148.
4. Hand. 20 ''App£[io ]i; 6 K[aiJ Ai6crK(opoq) Iv icXnpiJj OTrtipeT(ti<;) ^eTabeboK(a).
6/7 I. itapafTcXi^vai. 8 £^qf)£po Pap. 9 1. tTT'öTa. 12 f eT^vevai, eiriT hkjÖ l'ap. 13 yivo : das Yi ist nicht sicher. 15 iibi\<^ ist über die
Zeile geschrieben. 17 aiar\i' (3. Hand) ist von der Hand des aTpaTr\-(6(i. 20 I. METuieöuuKa.
Übersetzung, (i. Hd.) Metropole Aktennummer 21. (2. Hd.) Theon Stratege der Bezirke des Themistcs und Polemon im Arsinoitischen Gau dem Hera- kleides Sohne des Herodes Enkel des Leon eingeschrieben im Kiliker-Stadt- quartier GruB.
Aelius Nicias der Oberrechnungsbeamte des Gaus hat in seinem Schreiben betreffs der vorzunehmenden Ladung der Personen, die nach Ausweis des Schrei- bens mit Akten zu tun haben, welche vom vir egregius, dem Statthalter Petronius Ilonoratus, bei der letzten Gaurevision (anläßlich des Konventes) an Eirenaios, den procurator des Herrn und Kaisers, überwiesen sind, mitgeteilt, daß Du Aufpasser der durch Antonius Theon übernommenen (Patrimonial-) Pacht ge- worden bist, weil seit geraumer Zeit die Pacht einen Fehlbetrag ergibt. Damit Du nun das Befohlene weißt und sofort vor dem vir egregius und procurator erscheinst, lasse ich Dir diesen Auftrag zukommen. (3. Hd.) Gezeichnet.
(2. Hd.) Jahr 12 des Antoninus Caesar des Herrn am 15. Hathyr.
(4. Hd.) Ich Arreios der auch Dioskoros heißt, in der Auslosung befindlicher Amtsdiener, habe zugestellt.
PM. Meyer, Griechische Texte aus Ägypten.
18 Nr. 4. nPOIOQNHIEII.
Nr. 4. AMTLICHER BERICHT DES DORFSCHREIBERS
UND DER DORFÄLTESTEN VON THEADELPHEIA AN DEN
AIMNASTHS DER 6. TOPARCHIE.
Höhe 23, Breite 8,7 cm. Faijum. l8. Oktober l6i nach Chr.
Unsere Urkunde enthält eine irpocfcpiLvriffi?. Die Worte rrpocrqpujveTv Tivi, npocrqpaivricri?, die an sich nur auf eine an jemanden gerichtete mündliche Er- klärung") hinweisen, begegnen uns in den meisten Papyrusurkunden in der tech- nischen Bedeutung einer dienstmäßig abgegebenen, schriftlichen Erklärung ""). Häufig wird aber zur ausdrücklichen Kennzeichnung der Schriftlichkeit das Wort £TTP"90S (eTTPötP'JUS) hinzugefügt^).
In der folgenden Liste sämtlicher mir bekannten Urkunden dieser Gattung und Hinweise auf solche bezeichne ich die im Original oder in einer Kopie er- haltenen Trpo(T<pujvr|CTei? mit einem Stern (*).
A. nPOI*QNHIEII DER PTOLEMÄERZEIT.
I. Ein Vorgesetzter (ßacnXiKÖ? ypa^i^iaiexx;?) macht seinem Untergebenen, einem TOTTOYpa|a^aT€ij?, Vorwürfe, weil er ihm keine Mitteilung darüber gemacht habe (Trapä be (ToO oü6[£]v f)|aTv TrpoffTrecpijüvnTai), daß die im königlichen Tarif angesetzten ülpreise in seinem Bezirk überschritten werden: F. F. II 38b = III 53 6 (= Wilcken, Chrest. Nr. 300), 3 (243/2 vor Chr.). 2 a. Gesuch eines Priesters an den König, durch den kgl. Kabinetssekretär dem ßaffiXiKoi; Ypa|Li|aaTeu(; von einer ihm gewährten Vergünstigung Mitteilung machen zu lassen (tui [|5]a(J[iXiKa)i] Tpa|i)uaTeT TTpocr(pujvri9fiv[ai]): P. Leid. G 20 = I 22 (Ptol. XL).
i) So bedeutet iipoaq)iuv£Tv Tivi im P.Magd. 42 (= Mitteis, Chrest. Nr. 8), 6 (221 vor Chr.) >mit jemandem sprechen«; Wilcken, Chrest. Nr. 27, 15 f.: Antrag eines Buleuten in der Sitzung des Rates von Antinoupolis: itepi toutou ... irpoaqjiJuvriodTU) i'jiielv (soll uns Vortrag halten, referieren) 6 upuTOviKÖc;. Ebenso wird das Wort in den Urkunden des 3/4. Jahrhunderts nach Chr. P. Grenf. II 71 II (= Mitteis, Chrest. Nr. 191J 27 (a. 244/8); 70 {= Mitteis, Chrest. 190), 20 (a. 287); P. Gen. 48, 1 (a. 346); P.Flor. I 43, 7 {a. 370); P. Gen. 68, i (a. 382) gleich oder neben 6|UoXoY£iv gebraucht (= »erklären, zugestehen«); a. M. ist Mitteis, Ztschr. Savignyst. R. A. XXXIII 641.
2) S. Preisigke, Archiv IW 114; Girtnvesen 25 A.7. — [Technisch auch LXX l {3) Esra 2,21 itpoö- (pu)vf)aai Tiu Kupi'iij ßamXei. A. D.]
3) "ETTPötpc; irpoaq)ijuvr)0i5 in Nr. 14 der im Text gegebenen Liste, etTpotpiuC irpoocpaivfiaai Nr. 8. IIb. 13. 19. 21 b (P. Oxy. VI 896 II. BGU. 928), ftideeoiv l-fTpa'POv TrpoatpuJvfiaai Nr. 21 b (P. Oxy. I 52), effPö'P'JUi; Tipoaqpuuvflaai Trjv öidBcciv Nr. 24 (/'. O.xy. I 53), eYYpdq>u)(; dirocpaaeK; Trpoatpuuvflöai Nr. 21a (/'. O.xy. III 475). — Vgl. auch das (ierd xeipOYPo(<Pia5) irpoocptutveiv) in Nr. iic, das Trpoa(piJu(vriaai;) xe'POYP«(<P'<f) 'i Nr. 18; s. dazu S. 23.
Jr. 4. TTPOI^ßNHIEII.
19
2 b. Gesuch von kutoikoi iTiTreii; an den König, dem bioiKtiTr|(;(?) Mitteilung
(von einer Vergünstigung od. dgl.) machen zu lassen (Trpoöqjuuvriaai): P. Teb.
I 124 II 2 f. (etwa 1 18 vor Chr.). !C. Hinweis des bioiKViTri«; auf einen von ihm an den ^m tüjv TtpocTobiuv des
Gaus gerichteten Dienstbefehl (TrpocTTTecpuivnKaiaev): P. Teb. I 27, 109
(113 vor Chr.)*).
B. nP. DER KAISERZEIT (Saec. I— IV). I. VON PERSONEN ÜFFENTLICHRECHTLICHEN CHARAKTERS.
13. Hinweis auf einen Bericht des ^RXcTiffirii; toO vo^oO an den Epistrategen : P. Teb. II 287, 7 ff. (Marcus und Veras).
4. Rechtsgutachten von vojaiKoi (iuris prudentes) an iudices pedanei: P. Oxy. II 237 VII 14 f. *VIII 2 ff.
5. Mitteilung einer öffentlichen Urkunde (a) oder eines verlautbarten ') Hand- scheins (b)*) auf Antrag des > Gläubigers» durch den dpxibiKaarri«; an die ßißXiocpijXaKeq (zwecks TrapaGecrn;?)'):
a. *BGU. 825 (a. 191); *PSI. I 74 (saec. III)');
b. */'. Oxy. IX 1200 (a. 266)»).
6. Aufforderung des ßa0iXiKb(; Tpannareui; zum Bericht an den Idioslogos: P. Oxy. IX II 88, 16 (a. 13).
7. Berichte der ßißXiocpuXaKeq:
an den cnpaTtTf ö? ; P. Oxy. II 237 V passim; VI 9 (saec. II). Adressat nicht genannt: *BGU. 11 (a. 92/98).
8. Bericht von Ratsherren der Stadt O.xyrhynchos an den (TTpaitifO";: *P. Oxy. X 1252 R. 20 ff. (a. 288/95).
9. Bezugnahme auf den Bericht eines TpaMHOTeü? rnq noXeuj? an den orpa- iriToq: Archiv III 368 ff. Kol. II 26 (Pius).
10. Bericht eines dnqpoboTpamuaTtO? an den (JTpaTt]TÖs: *P. Oxy. VIII 1119 = Wilcken, Clirest. Nr. 397, 25 ff. (a. 254).
11. Berichte des KUJiuoTpauMCTeü?:
a. an den (TTpainTÖ?: *Atette e Roma VII p. 122 f. = /*. Flor. III 331 = Wilcken, Chrest. Nr. 341 (Hadrian);
4) Die Worte nr|6£nia(; trpoctqjijuviicjeuj? npoöneirnuKufac; in /'. Crtnf. \ 35, 6 (99 vor Chr.) möchte ich auch im technischen Sinne als (amtliche) Mitteilung auffassen.
5) S. Jörs, Ztschr. Savignyst. R. A. XXXIV 107 ff.
6) Armo0iai(O€U)(;) •rtpoöq)iu;vri(Ji(;) = irpoöqjoCivrimi; x«ipOTP<4<P<»' 6€inMO<Hu)M«vou.
7) Vgl. etwa P. Land. III 1157 III p. Ill = Mitteis, Chrest. Nr. 199; dazu Jörs aaO. III.
8) S. I.cwiild, Ztschr. Savigtiyst. R. A. XXXIII 631; Jörs aaO. 12$ A. a. 140.
9) S. Lewaltl aaO.; Mitteis ebendort 641 f.; Jörs aaO.; Wilcken, AnhivW 291; vgl. Ar. 6 Eiul. S. 36.
20 Nr. 4. nPOKJ'ßNHrEII.
b. an den ffTpariiToq und ßacTiXiKoq fpamnaTeus: *PSI. III 229, 8 ff. (Marcus);
c. Befehl des ßamXiKÖ? YPCMInaTeu«; an den Kuunofp., luerä X€ipoTpa(qpiai;) TTpo(Tcpui(veTv) ib? Kae(riKei) : BGU. 1068 I (=:WiIcken, Clirest. Nr. 62) 13 ; P. Lond. II 173 p.66, 19 ff. (a.ioi); P. Strafib. I 70, 17 ff. (a. 138)"°);
d. Hinweis auf einen Bericht des k. an die ßiß\iocpu\aKe<;: BGU. 1047 II 5. 8 (Hadrian);
e. an den Xinvacririq der Toparchie zusammen mit den Dorfältesten: *unsere Urkunde (a. 161);
f. Befehl zur Ttp. seitens eines iudex pedaneus an den KUJUOfp.: BGU. 969 I 8 f. (a. 142?);
g. an die TrpdKTopeq dpfupiKiuv des Dorfes, also Untergebene, in Form eines Befehls (IfvcucrGTi noi öcpeiXeiv dTraiTeicrGai): *-^G'6''. 330 (a. 153);
h. Adressat nicht erkennbar: P. Flor. I 91, 24 ff. (saec. II: wahrscheinlich an den (TTpairiTÖ?) ; P- Oxy. IV 718 (Commodus: wahrscheinlich an den (JTpaTtTfö? oder ßacr. TP-); ^^ '032, 13 (a. 162)"). 12. Berichte von TTpe(TßuT€poi xtiq Kuifins"):
a. Ersuchen um einen Bericht der Tip. an den (JTpaTriT6<; in einem Gesuch an den Epistrategen : BGU. 195, 28 ff. (a. 161);
b. Bericht an den KUJ|ao-fpa|Li|LiaTeui;: *PSI. III 229, 24 ff. (Marcus)'^).
13 a. Die iTTi|Lie\r)Tai Xinva(T|aoO Kiü|iri5 Naßoüji versprechen eine np. an den arpa- xriTÖ?: P- Flor. III 327, 2 (Hadrian); vgl. P. Flor. III 326 (s. S. 25).
13 b. Bezugnahme auf einen Bericht der iibpoqpuXaKeq des Dorfes (wohl an den (TTparriTo?) : P. Thead. 14 passim (saec. IV).
14. Bezugnahme auf einen Bericht des öpiobeiKTti? u. a. : P. Attth. II 142, 13
(saec. IV).
1 5. Bezugnahme auf Berichte von dpxiTeKTOVe?: P. Teb. II 286 (= Mitteis, Chrest. Nr. 83), 19 (Hadrian).
16. Bericht eines ehemaligen TxpaKTUjp dpYupiKuJv an den ßacTiXiKÖs YpCM^oiTeus: *P. Lips. I 121 (= Wilcken, Chrest. Nr. 173: a. i5i/2)''').
17. Hinweis auf die Mitteilung eines kaiserlichen Bankpächters an einen Giro- kunden"): P. Oxy. III 513 (= Wilcken, Chrest. Nr. 183), 36 (a. 184).
10) S. Wilcken, Archiv IV 562.
11) In P. Lond. III 921 p. 134, 7 f. (saec. II/III) dürfte zu ergänzen sein: KOi Trpo06[iriZti]ToOvTi ao( (sc. ßaa. yp-). ei äXXoxe fjöav ev dinireXiii, [irpoaeqjtuvriaal.
12) Vgl. P. Fay. 39 (a. 183).
13) Z. 28 f. ist zu ergänzen: €m2r)[ToOvTl (Jo\ Trpo0q)UlvoO]n£v Ük; trpoaecpuJVTiaauev (an den OTpaTiTfö(; und ßaa. yp)-
14) Z. 4 ist etwa zu ergänzen: TTpö? [rä emOTaXcvTa (oder CTTiTpancvTa) inrb 0OO] irapa- eeaem . . .
15) S. Preisigke, Archiv IV 114; Girowesen 25 A. 7. Mitteis, Ztschr. Savignyst. R. A. XXIX 480, aßt die npoaqptuvriai^ hier als receptum argentarü.
Nr. 4. nPOKDQNHIEII. 21
i8. Bezugnahme auf irp. der bn^öaioi teuJpToi in ihren Saatdarlehnsquittungen
an die 0itoX6toi''): Goodspeed, P. Chic, igcxj, mit Einl. S. 7 f. (Pias). IQ. Bezugnahme auf Trp. von inrriplTai:
a. in einer Eingabe eines kaiserlichen TrpovoriTri? oüm'a? an den örpa- THToq: P. Lond. II 214 p. 161 (= Wilclten, dir est. Nr. 177: Aurelian);
b. Bezugnahme auf die irp. eines in Auslosung befindlichen unriperris: ^(;f/. 891 R. Z. 7(a. 135/6)").
20. Bezugnahme auf npocTqpujvr|ffei<; nicht mit Sicherheit zu bestimmender Beamten ;
PSI. III 234, 19 (Marcus), wahrscheinlich des Kiu>xoYpa)i|uaTeuq;
PSI. III 232, 19 (Marcus); P. Teb. II 335, 11 (saec. III, wohl an den
{TTpaTTiToq gerichtet); CPIIerm. 23 II S. 11 Z. 8: Trpo(Tqpujvricfi<; Tfvanevti ^E dvxoXfii: ßouXni;
Otto [; CPHernt. loi, 18; P. Flor. III 375, 56.
21. Ärztliche Atteste"'):
a. an den arparriTO?: *BGU. b^-j (a. 130); *P. Oxy. I 51 (a. 173); P. Oxy. III 475 (= Wilcken, Chrcst. Nr. 494), 5 flf. (a. 182J; /'. Flor. I 59, 10 (a. 225 od. 241)'');
b. an den XoTicTTris toO vouoO: *BGU. 928 (a. 288): *P. Oxy. VI 896 II (a. 316; vgl. auch P. Oxy. VI 983); */-'. Oxy. I 52 (a. 325);
c. an den vuKTOffTpaTriYOi;: *P. Lips. I 42 (saec. IV);
d. an den defensor civitatis: */-'. Cairo Preis. Nr. 7 (saec. IV);
e. Adressat nicht genannt: P. Lips. I 37, 22 (a. 389).
22. Attest von evratpiacTTai (Mumifizierern) an den (TTparriTÖs: *P- Oxy. III 476 (saec. II) '°).
23. Auskunft von Priestern:
a. (an den (TTpairiTo??) seitens der Priester eines Tempels über die Qualifikation eines Priesterkandidaten: *P. Teb. II 293 (a. 187)");
b. an den (TTparrifo? und ßa(T. fP- seitens der Priesterältesten eines Tempels über einen denunziertenPriester: *BGU. 16 (= Wilcken, Chrest. Nr. 114: a. 159/160);
c. an den CTTpairiTo? seitens eines Priesters, der sich gegenüber einer Anschuldigung rechtfertigt: *BGU. 250 (= Wilcken, Oirest. Nr. 87: Hadrian).
16) 'Eoxov npo(jq)iu(vii(Ja<;) (xeipofpafqpfif)); s. Wilcken, Archiv 1112^.
17) Es ist hier zu ergänzen: ^T?y«To Ä Trpooq)aivn<Ji<; 'QpiTfv.ou? xivöi; xünf iv kX4p«(> OttqipexiJüv ^n\ toO ks GcoO "AbpiiavoO, fti" fj? ^IbnAoOro ... S. A>. j Einl. S. 16.
18) Vgl. Sudhoff, Ärstliches aus gricchUcheii Vapyrus-Crkutukn, 1909, 239 ff.
19) S. Wilfken, Archiv III 536.
20) Vgl. Sudhoir aaO. 250.
21) Vgl. Sudhoff aaÜ. 165 ff., bes. 171 ff.
22 Nr. 4. nPOI<t)QNHIEII.
24. Berichte eines eXaioxÜTris des tu^väcfiov in Hermupolis Magna an den Rat auf Grund eines Befehls des Epistrategen über die Tage, an denen der Ölvorrat, den die fast täglich wechselnden Gymnasiarchen zu liefern hatten, ausgegangen war: *CPHerm. 1 57—65 (a. 266/7; s. Wilcken, Archiv III 543).
25. Berichte von Handwerkerzünften durch ihren Vorstand an den XoTKTTfii; ToO vo|uoO;
*P. Oxy. I 53 (koivov tOuv tcktoviuv: a. 316); *85 II (k. töiv xaXKOKoX- Xtituiv: a. 338); *85 IV (k. tujv ZueoTnuXixJV : a. 338); *PSI. III 202 I (k. tOjv xoipo|uaYeipujv; a. 338?). *II (k. twv äXieiuv?: a. 338?).
II. TTPOI<J>QNHIEir VON PRIVATEN.
26. Verpflichtung von Schweinezüchtern gegenüber dem arparrifo? inbezug auf Versorgung Alexandreias mit Fleischvorrat: *PGU. 92 (= Wilcken, ehrest. Nr. 427: a. 187); ^649 (= Wilcken, Chrest. Nr. 428: a. 187/8).
27. 'E7TiKpi0iq-Anmeldung'") eines Knaben seitens der Mutter an die Gau- beamten: '*r. Oxy. VII 1028 (a. 86).
28. Kostenanschlag eines Malers an den XoTicJins toO vohgö; *P. Oxy. VI 896 I (= Wilcken, Chrest. Nr. 48: a. 316).
29. Bezugnahme auf die irp. eines Privaten (?) an(V) den ä)iq)6bou Tpa|U|iaT€uq: P. Straßb. I 56, 17 ff. (saec. \lß\\).
Der Gebrauch des Wortes irpoCTqpujveiv in Nr. i und 2 a — c unserer Liste aus ptolemäischer Zeit zeigt, daß es schon damals in der technischen Bedeutung »eine dienstmäßige, schriftliche Erklärung abgeben« gebraucht wird. Während es sich in Nr. 1 um die Mitteilung eines Untergebenen an seinen Vorgesetzten handelt, ist Nr. 2 a— c von Dienstbefehlen an Untergebene die Rede. Und in dieser Bedeutung lassen sich irpocrcpiuvricTii; und TTpoacpuJveiv auch noch in römischer Zeit nachweisen : Nr. 1 1 g unserer Liste enthält eine Anweisung eines KUJH0TpannaTeÜ5 an die ihm unterstehenden TTpdKTOpe? dpTupiKuJv seines Dorfes. Als dienstliche Mitteilung von Amt zu Amt ist auch die irpocrcpujvriffis in den drei unter Nr. 5 verzeichneten Urkunden aufzufassen; der dpxibiKaffTri? »über- mittelt« auf das Gesuch des »Gläubigers« hin verlautbarte bzw. öffentliche Vertrags- urkunden an die ßißXiocpüXaKeq. Eine dienstliche Mitteilung an einen Privaten liegt in _Nr. 17 vor.
In allen anderen, sehr zahlreichen Fällen unserer Liste handelt es sich aber um Rückäußerungen von untergebenen Beamten bzw. Privaten (s. Nr. 26 — 29)'^) auf Anfrage oder Befehl von Vorgesetzten bzw. Behörden. Diese Trpo0cpu)vr|- (Tei? haben eine feste Form mit hypomnematischer Adresse, wie auch unser Papyrus. Vollkommen weicht hiervon allein ab, soweit ich sehe, P. Oxy. II 237
22) In den sonstigen Epikrisis- Eingaben aus Oxyrhynchos steht statt itpoaqpujvöi : 5riXü) ; s. Wilcken, Grundzüge 199; Chrest. Nr. 216 — 218.
23) Diese TrpoO(pu)vria€i(; von Privaten unterscheiden sich nicht von den sonstigen Eingaben von Privaten auf behördlichen Befehl; s. bes. Nr. 47.
Nr, 4. nPOIOQNHIEII.
23
VIII 2 ff. (s. Nr. 4), wo in Briefform die bloOe Darstellung der Tatsachen ge- ' geben wird.
Zwei Hauptschemata, je nachdem es sich rein äußerlich um einen Befehl'^) oder eine Anfrage (Untersuchung) "') handelt, lassen sich unterscheiden. Sie wer- den ohne sachliche oder zeitliche Unterschiede verwendet:
a. ^neclTaXtiv (dneTpctTTtiv) unö (JoO bzw. rrapriTT^^n MOi itpcff-
cptuvricrai . . . . bio (biet toOto, OTtep, Sncp) Trpocrcpwvuj : so Nr. lo. 21 a— e. 22. P. Oxy. I 53 (s. Nr. 25)'').
b. dniZriToOvTi 001, ei , Trpocrqpujvd): soNr. iib. 11 e. 12 b. 233-0. 26.
P. Loiid. III 921 p. 134, 7 f. (s. Anm. 1 1)°'),
dniüriTOUCTr] iri af\ i\x\x{Ki.\a. .... Kaiä toOto briXiIi .... oncp TTpoff-
cpujvüj: so Nr. 28, ^nepujTUj|Lievo<;°') ütto <ToO ... Trpo(T<piuvü): so Nr. iia.
c. Ein verkürztes Schema liegt vor in den unter Nr. 25 aufgeführten Urkunden (außer /*. Oxy. I 53), wo nur TTpo(Jq)uJVOön£V, und in Nr. 7 (BGU. 11), wo nur b^Xo0^ev steht"').
Gelegentlich wird die in Form der Trpo(T(piuvTi(Ti(; erfolgte Erklärung eidlich erhärtet. Dieser assertorische Kaisereid bildet jedoch durchaus kein Essentiale. Wir finden ihn in unserem Papyrus, dem Bericht eines Kujuof pannateui; und der Dorfältesten an den XiiavaffTri? (Nr. iie: a. 161). Außer diesem sind uns nur noch zwei TrpoffqDuuvncreK; des KUJ|aoTpa|i|aaTeu<; an einen Vorgesetzten erhalten: in Nr. 11 a (Iladrian) fehlt der Eid, auch in Nr. üb (Marcus) scheint mir trotz der lückenhaften Erhaltung'") für ihn kein Platz zu sein. Andrerseits läßt der Befehl des ßaffiXiKO? TpaMMCTeus an den KUJjJOYpatinaTeus in den drei Urkunden unter Nr. 1 1 c (aus den J. 101 und 138), >eidlichen Bericht erstatten, wie vorgeschrie- ben«, darauf schließen, daß in dem hier in Betracht kommenden Fall (amt- licher Nachprüfung von Todesfällen) der Eid obligatorisch war. Umgekehrt ist die Tatsache, daß in den Saatdarlehnsquittungen der Staatsbauern (Nr. 18: Pius) das Wort xeipOTpa((pia) meist hinzugefügt wird, öfters aber auch fehlt, im ent- gegengesetzten Sinne zu verwerten. Weiter ist der Bericht des ehemaligen npciKTUjp dpYupiKUJV an den ßacT. Ypa|Li|LiaT€u<; Nr. 16 (a. 151/i) durch Kaisereid bekräftigt; ebenso die drei Auskünfte von Priestern an die oberen Gaubeamten
24) Vgl. Nr. II f.: keXcuaa^ itpoaqjujvflaai, Nr. 26: kotü tö KeAcuflöevra.
25) Vgl. Nr. II d: ^itetriTriaa.
26) Vgl. Nr. 16.
27) Gelegentlich fehlt jede äußerliche Bezugnahme auf eine npoOvuivilöK: s. i. B. P. Fay. 39 (a. 183, Theadelpheia) : iniZr|TOÖVTl aoi ... 6ri\o0n€V.
28) Vgl. r. Flor. I 91, 24 ff. (s. Nr. 11 h).
29) Vgl. auch die unter Nr. 24 aufgeführten irpoaq)iuvii<I€ii; des iXaioxÜTti(; T"Mvaoiou in Ilcrniupolis Magna: aÜTÖ toOto cpav€pöv u^iiv nouli iv' €i5f^T€.
30) Das Schema ist etwa: 'Eiri if\<, teivonevn«; iEerdaeux; [ tf"' ^ itpoT«TPqiMMtvo<;)
KUiMOYpa,>M«Teüg) €m itapovri (so) Tii) ö€tvi Ka( imCiiTioOaiv üntiv ] äno6€ixe*<vai
, KoBa (so) KOI oi np€(jßÜT6poi emZnToOö'iv üfieiv Ka\ inepuixOtim irpoO€<puiviiaav,
[irpoöqpuuvüj ....
l«
24 Nr. 4. 18. OKTOBER 161 NACH CHR.
unter Nr. 23, die alle dem 2. Jahrh. nach Chr. angehören. Von den ärztlichen Attesten unter Nr. 21 enthält nur BGU. 647 (a. 130) einen Eid; in allen anderen, soweit sie vollständig erhalten sind, fehlt er, auch in solchen des 2. Jahrhunderts. Während endlich die an den XoTiffiri«; toO vo)iOu gerichteten Erklärungen von Handwerkerzünften (s. Nr. 25) aus dem J. 338 unter Eid abgegeben werden, fehlt dieser in der Erklärung des koivov tiuv leKxovuJV aus dem J. 316 [P. Oxy. I 53). Zugleich zeigen die Urkunden des Jahres 338, daß auch noch im 4. Jahrhundert der Eid vorkam. — Was die 7Tpo0qpuuvncrei<; von Privaten betrifft, so ist die Epikrisis-Anmeldung Nr. 27 (a. 86), wie alle uns sonst bekannten, eidlich bekräftigt, desgleichen die beiden Verpflichtungen von Schweinezüchtern unter Nr. 26 (a. 187/8), nicht dagegen der Kostenanschlag des Malers an den XofKJTr)? toO vo|aoO in Nr. 28 (a. 316): hier kann das Fehlen wohl aus dem Charakter der rein geschäftlichen Mitteilung erklärt werden.
Aus dem, was wir über die Trpocrcpujvriöeis mit dem Schema eTTiCtiToOvTi (Toi, €{ ...., Trpocrq)ujvou|j€v ausgeführt haben, geht schon hervor, daß in unserer Urkunde der Kuj|aoTpa|uiaaTeui;, der zusammen mit vier Dorfältesten seines Dorfes Theadelpheia ^ ') einen Bericht an den Xi|iva(TTri<; (eKT»i?) TOTrfapxia?) GeniöTOu (nepi'boi;) erstattet, diesem untergeordnet ist. Der KUJ|iOTpan)iaT€u<; bekleidet eine XeiTOup-fia KuüiLiti? ^^), der XinvaffTti? der 6. Toparchie eine XeiioupTia TOTrapxiaq ^'). Die Funktionen des letztgenannten sind im 3. Jahrhundert, und zwar bald nach demj. 225'''), auf die Metropolen abgewälzt: im Oxyrhynchites sind sie auf eine aus zwei Mitgliedern des Rates von Oxyrhynchos bestehende, vom Rate gewählte Kommission übergegangen, die bezeichnet wird als aipeGevreq .... em dvabö- (Teuj? (JnepuäTUJV .... öivuu TOTT(apxi'a<;) (so P. Oxy. VII 1 03 1 = Wilcken, Clirest. Nr. 343: a. 228). Entsprechend finden wir im Arsinoites im J. 239 [P. Flor. I 21) eine in gleicher Weise bestellte Zweimänncr-Kommission für die ganze 0ehi0tou l^epiS bezeichnet als aipeGevie? ... eni le Xi|iva(JnoO [Kaj\ Trebimv KaTaffTTOpä? Km Tfi(?) Tüüv (TTTepuctTuyy biabocreoii;.
Neben den Xl^va(JTal benannten liturgischen Beamten der Toparchie be- gegnen uns Liturgen der kujut] mit derselben Amtsbezeichnung^^). Als solchen fasse ich den in einem von Wilcken [Chrest. Nr. 392) veröffentlichten Pariser Papyrus des 2. Jahrh. nach Chr., der eine Aufzählung von Liturgen enthält, ge- nannten [XijHva<j[Tr|?] Ka\ KaTaaTTopeu?. Auf die Dorf-Liturgie bezieht sich auch 3*^]
31) Diese Vier bilden niclit etwa das gesamte Kollegium der Trp€OßÜT€poi von Theadelphela, ihre Zahl war eine größere: so besteht im F. Fay. 39 (a. 183) das Ältesten-Kolleg aus weit mehr als 8 Mitgliedern; sie nennen sich in diesem Berichte TiJüv ÖKTÜi Kai Tiiiv Xoiirliliv) irp€aß(uT£piJUv) KU))iri5 0. Entsprechend würden wir auch in unserer Urkunde erwarten: tuiv Teöödpiuv KOi Tiiiv XoinOüv npeaßuTepuuv. — Literatur zur Geschichte des Amtsnamens ■np€aßÜT€pO(; s. Ostr. Nr. 6^.
32) S. /'. Straßl). I 57 (saec. II).
33) S. meine Ausführungen zu P. Giss. I Nr. 58 (Heft 3 S. 5).
34) S. />. Hamb. I 19 Einl.
35) Ein nicht näher zu bestimmender Xi|uva((JTii<;?) begegnet uns in dem Ptolemäer-Papynis P. Tei. I 209 (76 vor Chr.). Auch über den Xi|HVi'apxo<; in einem Privatbrief des 2./3. Jahrh. nach Chr. [P. Oxy. I 117, 20) läßt sich nichts sagen.
36) S. auch Jouguet, Vie munüipale 22$.
AMTLICHER BERICHT DES DORFSCHREIBERS USW. AN DEN AIMNAITHI. 25
die Vorschlagsliste von Kandidaten ei? \i[nva]ffT€{av Tf\<; .... Kaiaanopo?, die der KUJ|uo-fpa|U|uaT€u<; TaXei Ka\ 'Ißiijuvo? EiKOCTmevTapoupüiv BGU. 91 (a. 170/1) aufstellt; die Kandidaten haben den geringen, nur auf Dorf liturgen hinweisenden TTopoi; von 700 bis 800 Drachmen. Die zwei ^TrineXriTa\ Xi|ivacrnoO Kuj|iri(; Naßouii endlich in dem von Vitelli {Ateiie c Roma VII p. 120 ff. ; jetzt = P. Flor. III 326) veröffentlichten Heptakomia- Papyrus aus d. J. 117/8'') sind zweifellos mit den Xi|iva(TTa\ Kiiiiari? zu identifizieren '').
Aus den eben angeführten Urkunden ergeben sich deutlich die Obliegen- heiten der XijuvaffTai: ihnen liegt ob die Aufsicht und Überwachung nicht nur über die Bewässerung (Xi|ava(T|i6i;, Xi^vaareia)'') zur Zeit der Überschwemmung, sondern auch über die Besäung (KaTaffiropd) ^°) des Staatslandes ihres Bezirks durch die Staatsbauern nach der Überschwemmung. Wie sie das dem Besäen vor- ausgehende Pflügen (aOXaKi'Ieiv: s. Anm. 37) zu beaufsichtigen haben, so die Verteilung der staatlichen Kornvorschüsse für die Aussaat an die einzelnen Staatsbauern, die dvctbocTiq (bidboffi<;) (TTT€p|udTuuv, ebenso die Aussaat-Arbeiten*'). Die Funktionen der XiiavadTai, der Bewässerungs-Inspektoren, und der KaiacTTTopeT?, der Saat-Inspektoren, sind wohl stets in einer Hand vereinigt. Sie stellen auch die »Arbeitsquittungen« über die TTev9nnepoi; genannte Damm- und Kanalarbeits- Fronde im Faijum aus; hier liegt ihnen also ebenso die Kontrolle ob^'). So erklärt es sich mit Wilcken, daß die KaTaaTTopeiq (= Xi|iva(TTai) Toirapxia«; in BGU. 12 (= Wilcken, Chrest. Nr. 389: a. 181/2) die Stelle der xiu|LiaT€nineXriTai, Deich-Inspektoren (chomatum curatores), einnehmen*^).
An den XiiavaffTrji; TOTrapxi'ai; berichten nun in unserer Urkunde vom 18. Oktober 161 die Dorfbehörden nach der Überschwemmung, inwieweit das Staatsland verpachtet oder dfeiuptnTO? ist**). Der Bericht fällt sehr günstig aus:
37) Es handelt sich um einen Bericht an den öTparriYÖ? des Gans, !n dem sie durch Kaisereid versprechen rä . . . i.h6.<fr\ irdvxa iroiiiaiv aiiXaK(öeö9ai uiötc CTOifia cTvai npi? Koraoiropöv tv rilLiepaii; rpiai. S. zu Nr. 13 a der Liste. '****♦'—
38) Anders Wilcken, Archiv III 236 A. I. — Ein Bericht an den Strategen wird von ihnen in ]'. Flor. III 327 versprochen (s. Nr. 13 a der Liste).
39) Vgl. BGU. 1097, 16 (Claudius): Kai r|av 6 Kpf)po; (sie) Xl|ivaa6f|, YOPT€..[..]l (1. TO't'P- fticJov) Km €0 auTov öittTpov; V. Fay. iio, n f . (a. 94): Xi|ivaiCtTU)Oav r||uü)v toü? kXjipou(; irdvTa<;; r. Fay. III, 20 (a. 95/96): Tov X[i'|uva<J|Li[övi ?>[']92ov tüjv [ejXn[i]aiv[u)v t^üiv ndvTov (sie); vgl. Z. 24; /'. Straß. I 10, II (a. 26S): xfiv Xinvaoeciaav fT^v.
40) Vgl. F. Land. II 256 R. S. 97 = Wilcken, Chrest. Nr. 344 Z. 4f.: ncivra rä nepi xfiv [K«f>- Mrivl eödqjTii Xi|avd^aai] koi Karaa^ueliplai ; s. Wilcken, Archrt<\\\ i^d.
41) S. Wilcken, Chrest. Nr. 343, 18 Einzelbem. Vgl. /'. "Jand. 27, 23 f. (a. \ixt\i]: Kar aonopct
KaieXeovTi et? T'r)v KoiJuriv ««xd^ö^;!] ^pf aoanf. .] . aii; i-f^vcxo üq)' VinOüv i\ ko xajaitopd ;
s. Wilcken, Archiv VI 297.
42) S. Wilcken, Chrest. Nr. 388; F. Grcnf. II 53 d; 66; vgl. ArchrfXW 123.
43) Z. 10 f.: ÜTtö xüiv €Kdaxou xdnou Kaxaaliropeuivj övxuiv Ka[ii xiwMOfeinntXiixürw ; vgl. auch /'. Flor. III 379, 23.
44) Zum Worte ÖYCuJpfrixoi; Z. 9 f. 19 vgl. /'. Faris. 63 VI 168 f. (Ptolem. VL): itovxeXiü? äT€iupflxo5 TtepiXeiq)9>ia€xai ; FGV. 530, 21 (saec. I; : Kxf^na d. ; F. jftuul. 27, 10 (a. loo/i; s. oben):
TTppaeXeujv xati; ... 6- r) lij? äfeuupTtiTOK; oü'.o ai<;; /'. O.xy. IV 705, 74 fSeverus): xr|v T»!*
ÖYeidpifrixov KaxaXineiv; F. Cairo byz. (ed. Maspero) I 67C05, ao: xä KXi^naxa d. — Vgl. d«s do(KiiX(K
l'M. Meyer, Griechische Texte aus .\gypten. A
26 Nr. 4. 18. OKTOBER 161 NACH CHR.
die gesamte btinocria Tfl im Dorfbezirk von Theadelpheia*') ist in der Hand von Staatsbauern. In Z. 1 7 f. wird etwa ein Hinweis auf die Qualität des Landes oder wahrscheinlicher die ökonomische Lage der TeujpTOi gestanden haben. Was hier berichtet wird, war wohl in normalen Jahren das Übliche auf dem Staatsland von Theadelpheia; ja wir können vielleicht aus einer Anzahl von Urkunden entnehmen, daß im 2. Jahrhundert ein Überfluß an in Theadelpheia heimatberechtigten Bauern vorhanden war. So erkläre ich die Tatsache, daß gerade diesem Dorfe Domanialboden in verschiedenen benachbarten Dorfbezirken von der Regierung zwangsweise durch €TTi|aepicr|a6q »zugeteilt« wurde, um dann durchs Los an Gemeindemitglieder zur Bebauung verteilt zu werden ''^j. Von der »Zuteilung« von Staatsland im Dorfbezirk von Theadelpheia an andere Dörfer hören wir dagegen nichts. Wir finden z. B. br||i6cTioi ffiJ^jpTOi aus Th. in Polydeukeia [P. Flor. I 20 = Wilcken, Chrest. Nr. 359: a. 127; 7^. /^»j. 86a, 10: Marcus/Verus; P. Fay. 86, 10: saec. II), in Euhemereia (P. Jand. 27: a. loo/i; 30: a. 106; /'. Fay. 86, 6), in Autodike [P. Fay. 86, 20), in Philagris [P. Jand. 28: a. 104; 26a: saec. I/II?), in anderen Dörfern, deren Name fortgefallen ist (/'. Fay. 86, 16. 21). — Jedenfalls zeigt unser Papyrus uns das gerade entgegengesetzte Bild wie die von Wilcken ins rechte Licht gesetzten Urkunden aus dem Gau von Mendes, die uns wenige Jahre später eine erschreckende Abnahme der Bevölkerung infolge der Pest und die Landflucht der Überlebenden vor Augen führen*').
Auf den Kontext unserer Urkunde folgt Z. 21 ff. das genaue Signalemenf*') des KUüiaüfpa^naTeü? und der vier Dorfältesten, die Bericht erstatten. Zu ver- gleichen ist dazu P. Fay. 3g (a. 183I, eine TTpocrq)ujvr|cri<; von Dorfältesten, gleich- falls aus Theadelpheia (s. Anm. 27 u. 31). Hier folgen auf die bloßen mit dni- bebujKO bzw. cTuveTTibebujKa angeführten Namen der ersten drei Dorfältesten die der übrigen mit ausführlichem Signalement. Auf diese Signalements bezieht sich Z. 26 :
BGU. 475, 6. — Zu Z. 19 vgl. r. Land. II 256 R. S. 97 = Wilcken, Chrest. Nr. 344 (a. 11) Z. 5 f.: Kai |nr]6£n{av apoupav eäaai ep[r)Hovl »i aßpoxov ri cvßpoxov ....
45) ^g'- •^'■- ^^t 'S*^- "i't Einzelbem. 17.
46) S. Wilcken, Giundzüge 2<)'^S.\ Archiv \'\ zijd i.
47) S. Wilcken, Ilirschfeld- Festschrift 123 ff.: /JG^/. 902— 905. 976—980; P. Frühner; dazu jetzt rSI. I loi— 108; m 229—235.
48) Zum parenthetischen Nominativ oüXi'i Z. 2iff. s. Moulton, liinl. i. d. Sprache des NT., deutsche Ausgabe, 1911, 107. — Literatur zum Signalement s. Nr. 7, 5 f. Einzelbem. [In den Signale- ments der Papyri ist die Formel lu? erOüv mit folgender Zahlangäbe lehrreich für die berühmte Stelle Luk. 3, 23 aÜTÖ^ fjv 'Ir|ao0; dpxoiuevoc; luaei iiü<;) ctiüv TpiaKOvra. Obwohl das Alter jedes Ägypters auf Grund der obligatorischen Geburtsanzeigen für Knaben, der mannigfachen EiriKplöK;- Eingaben, der alle 14 Jahre stattfindenden Volkszählungen genau feststellbar war, wird das genaue Geburtsdatum doch vielen bei ihrem Erscheinen vor dem Notar nicht gegenwärtig gewesen sein. Daher die häufigen runden Zahlen, wie in unserem Papyrus (s. auch Nr. 12, andrerseits Nr. 7. 9), »rund 40«, »rund 50 Jahre alt«. Man wird die Angabe Luk. 3, 23, die ich in diesem Sinne auffasse, danach bei weitem nicht so stark für die Chronologie des Urchristentums verwerten dürfen, wie es wohl häufig geschehen ist. A. D.]
AMTLICHER BKRICHT DES DORKSCHREIHERS USW. AN DEN AIMNAITHI.
27
eiKoviaOi^vre?)^') bi' e . . . GeabeXcpeia?). Das ist ebenso aufzufassen wie P. Fay. 36 (= Wilcken, Chrest. Nr. 316) Z. 23: KciaTiup vonoTponpoq eiKoviKa . . . .; der vo- liOYpacpoq, von dem der Kontext herrührt, hat auch das Signalement auf- genommen und geschrieben'"). Auch in unserem Papyrus liegt es wohl am nächsten an den vonofpäcpoq ©eabeXqpeia?, den staatlich für das Dorf Th. kon- zessionierten Urkundenschreiber''), zu denken; ob bi' ^[|ao(0) voi nOTpa<pou)] 0€a- b£X(cp€iai;) zu lesen ist, muO dahingestellt bleiben.
/'S.
•ur
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['AcrujJTTUJi Xi|avaffTfii (^KTn?) TOTT(apxia<;)
[GejuicTTOu [Tiapä] nXouTiuuvos KUJ|iOTpa(n|aaTeuj(;) Kai [ZuJiJXou TToXubeuKoui; Ka\ "Ovvw- [q)pe]uji; OuXeuj«; Kai louxi'ujvo? [Xäpjiaou Ka\ 'ApriTiujvo? Nu(yu)(vo?) [npeajßuiepujv Kiünrifq) 0eab£X(q)eia<;). f ETTiCri ItoOvti [öo]i, ei r) br|[Mo](Tia fn [Träcra] Trapd ^etupfoT'; ^[^It' ^ ^£'- [TtovTaiJ Tiyeq apoupai aTeiupTHTOi, [TTpo(J(p]ujvoO|a£v önvuovTei; [tviv A)iJTOKpdTloJpo[q] Kaia[apoqJ MapKOu [AüpriX]([o]u 'AvTUJvivou ZefßJaffToO Tuxnlv) [Kai Tnv A]ÜTOKp(XTopoq KaicTapos Aoukiou AüpriX{[o]u Oüripoy [leßJaaTOö xuxnv
1 Die Ergänzung des Namens ist nur beispielshalber gewählt, ebenso 'l. 6 Anfang. — s To) Pap. 2 0en((JTOU sc. fi6pi6o<;.
' tl*'9''l4n^
49) Vgl. eiKolviaeevrec;) Stud. Pal. IV S. 62/63 passim, S.75 Z.593, S.76 Z.617, dv£iK6viaT{0(;) BGU. 258, 9 (s. I'reisigke, Fachwörter s. v.); Stud. l'at. II S. 27 Z. 3, elKOVioOat BGV, 1199, 2 (4 vor Chr.), sodann PSI. III 199,5 (*• *^i\'- ^ CrtiaTparriYoli; .... «iKOvfaaxo (es bandelt sich um die zu den Spielen zu Ehren des Antinoos zugelassenen ualöe^: ,esamin6 ed identificö';. — EIkuiv, eiKÖvei; = Leibcsmerkmale, Signalement: /'. Tcb. I 32 (= Wilcken, Chrest. Nr. 448), 21; P. Straf li. ined. Inv. Nr. 2067 (s. rrelsigke, Giro-Msm 39); BGU. 1059, 7; 1127, 36; 1131, 22. — EtK0VIa^6(; = eiKuJv: MM. PER. V S. 87; s. Paul M. Meyer, Philohgiis 1897, 197, vgl. iconismi /'. Oxy. VTI 1022 (= Wilcken, Chrest. Nr. 453), 8; eiKOViaiua Ilcrond. 4, 38. — EIkovio^Ö; = l'crsonenstandsaufnahme: PGU. 95 Verso; 350, 10; 407 Verso 2(?); 562 (= Wilcken, Chrest. Nr. 220), 6; /'. Jfamb. I 15, 12; C/W. I 206 I ilf.; 214, 2; 223, 19; Prcisigke, .SÄ 5166, 14 (ergänze nexpi [n\<i €<Jom€VT)(; oder erepa;] ciKOviaMoO ÖTto-f pct(pfl[<;) ; P. Berol. ined. 357 R. III 9; s. Paul M. Meyer aaO. — EtKOvKciv = einen Auszug herstellen: P. Paris. 65, 11 f.; P. Flor. I 57 = III 382, 76, s. dazu Prcisigke, Giro- wcscn i^zd, Fach'<iiörtcr 66 s.v. eiKOViZuj; Dikaiomata 150 A.4; anders Mitteis, Grundziige Si; Jörs, Ztsehr. Savigttyst. K. A. XXXIV 119 Anm. 4. Vgl. die eiKOViOrai P. O.xy. I 34 Kol. I 12 ;= Mitteis, Chrest. Nr. 188).
50) Vgl. die analoge Bedeutung des i.a\u\i6.T\(!a, €(JUJ|aaTl'oOr] in den TabelUonen-UrkuDdea der byzantinischen Zeit = »ich habe den Vertragskörper (Oiüna, auuMoriov) verfaDt und geschrieben«. S. dazu Wenger, P. Monac. I 3, 21 Einzclbem. I'reisigke, Fach-vörter 167 s. v. owfiaTi'Zui, erklärt das Wort als »verkörpern, insbes. ein Rechts- oder Besitzverhältnis in ein Urkunden - aüina hineinver- arbeiten, so daü dieses 0(1)^0 der sichtbare, öffentlich-gültige Ausdruck jenes Verhältnisses wird«. 51) S. P. Jfamb. I Nr. 4, 15 Einzelbem.
4»
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28 Nr- ö— 10. DIE 6475 FAIJUM-GRIECHEN.
TTütcrav Tr|v irepi rriv KU)nri(v) briyoffi(av) Tnv £[T]va[i] 7r[a]pä [TjeujpToTs o . .
.'. Ka\ [. . .] [.] VOl? TT. . .[. ..]
KOii |an[Ö£H]iav ^ [dTeJaipTHTOv eivai f) [?vo]- 20 xoi eil[M]ev Tiu o[p]kuji. ^j
".* [TTjXouTiuJV iuji; L vti oü\(f|) daTpaTäX(i{j) apiar{ep(u),
Zw\\{oc,) uj<; L n oüX(r|) dvTiKi'vtnaiijj) beE(iu)),
'OvvuJqppis ibq L V oi)X()i) baK(TÜXi|j) |aeT(dXi}j) x(eipos) dpi(TT(epä<;), louxiujv lix; L Xri oijX(ri) baKfiOXifj) MeT(aXiij) x(£>Pos) cipiffTfepäs), 25 'Apr|Tiaiv uj? [L .]e oüX(ri) dvTiK(vn|jitjj) ^62('i|')i
eiKOVicrG(evTe<;) bi' e . . . . 0eabeX(qp€iai;). L ß 'AvTUJvjvou KOI Ouripou tüiv Kupiiuv ZeßctcTTOiv (l)ad)qpi icd. 18. Okt. 161.
17 f. ist fast ganz verwischt oder zerfetzt; auf Einl. S. 26. 19 3- = ä(po)u(pav). 26 S. Einl. [Yj€U)gTOl^ folg' nicht brmoöi'oi?. Zum Sinn s. S. 27.
Übersetzung. An Asopos den Bewässerungs-Inspektor der 6. Toparchie des Bezirkes des Themistes von Plution dem Dorfschreiber und Zoilos dem Sohne des Polydeukes und Onnophris dem Sohne des Ulis und Suchion dem Sohne des [Char]mos und Aretion dem Sohne des Nason, Dorfaltesten des Dorfes Theadelpheia. Auf dein Ersuchen, ob das Staatsland ganz in Händen von Staats- bauern ist oder einige Aruren unbebaut gelassen sind, erklären wir, indem wir schwören beim Genius des Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus und beim Genius des Imperator Caesar Lucius Aurelius Veras Augustus, daß das
ganze Staatsland im Dorfbezirk in der Hand von Staatsbauern ist und
und daß keine Arure unbebaut ist ; andernfalls sollen wir verfallen sein dem Eide.
Plution, rund 58 Jahre alt, eine Narbe am linken Fußknöchel, Zoilos, rund 40 Jahre alt, eine Narbe am rechten Schienbein, Onnophris, rund 50 Jahre alt, eine Narbe am Daumen der linken Hand, Suchion, rund 38 Jahre alt, eine Narbe am Daumen der linken Hand, Aretion, rund [.]5 Jahre alt, eine Narbe am rechten Schienbein, aufgenommen durch . . . Urkundenschreiber i?) von Theadelpheia. Jahr 2 des Antoninus und Verus der Herren Augusti am 21. Phaophi.
Nr. 5-10. DIE 6475 FAIJUM-GRIECHEN UND DIE FAMILIENPAPIERE DES A(I)POAli:iO^ (DIAIIinüY.
Die sechs folgenden Papyri aus der Zeit von Trajan bis Pius bilden einen Teil der Papiere einer im Faijum angesiedelten Familie. Zu ihnen tritt ein von Plaumann veröffentlichter Berliner Text (P. 11 644: Archiv VI 176 ff.) aus der Zeit des Marcus. Weitere schon veröffentlichte Urkunden, die sich auf dieselbe
DIE I'AMlLIKNl'AriEUE DES A^POAIIIOI OlAinnOY. 29
Familie beziehen, sind mir nicht bekannt (s. aber Anm. 7). Die Familie gehört der staatsrechtlichen Kategorie der »6475 Faijum-Griechen« an, deren Organisation bis in die erste Ptolemäerzeit zurückreicht und die Hadrian neben den Bürgern von Ptolcmais bei der Besiedelung von Antinoupolis verwandte' . Plaumann hat die auf sie bezüglichen Zeugnisse'! aaO. zusammenfassend behandelt und faßt sie wohl zutreffend als TToXireuiaa der Faijum-Griechen, das er mit den conventus civium Romanorum vergleicht. In drei Urkunden unserer Gruppe finden wir die Bezeichnung »6475 Faijum-Griechen«:. In dem Berliner Papyrus aus der Zeit des Marcus, dem Entwürfe eines brmoffiaicTi^-Gesuches an den ipxibiKaarf\<;, bezeichnet sich (tiXiTTTTOS 'Aqppobi(T(ou toö «t'iXiiTTrou fs. unten s. 4) als koitoixo? Tiliv (verbessert in KaroiKouvTei;) ^v 'ApffivoeiTr) dvbpiliv 'EXXrjvujv [ ^EaKicfxeiXiujv TerpaKocriiuv 4ßbo|ar|KovT[a| irevie ]. In dem Hypomnema an den Epistrategen Nr. S vom Jahre 1 5 1 spricht derselbe Philippos von sich und seiner Schwester als <t>iXinTT0u Km XapiTiou «luqpoTepujv 'Acppobiaiou toO 0i[XinTTOu KaTOiKOu] tOüv dv Till 'AptTivoiTti dvbpiijv 'EXXr|vujv 2-uoe (Z. 2 f.). Das tüjv i.v Tili 'A. dvbptliv 'EXXi'ivujv 6475 kann sich nicht auf Charition beziehen, die doch nur als TiÄiv 'EXXrjvibojv •*) bezeichnet werden könnte; wir werden daher den ganzen Passus dem Vater der beiden Geschwister, dem 'Aqppobiöioi; «l'iXiTTTrou (s. unten s. 3), zuweisen müssen, dementsprechend habe ich kotoi'kou ergänzt. In der Steuer- subjektsdeklaration endlich vom J. 147 Nr. g wird der 73 Jahre alte Mieter des Hausteiles, Xdpriq 'Arapiou toO Aiovuffi'ou, bezeichnet als KaioiK 0$) Tiüv 2"uo€. Seine Mutter heißt Charition, deren Vater Aphrodisios (Z. 6); ihre Zugehörigkeit zur Familie ist zweifellos. Da nun Charcs ungefähr gleichaltrig mit dem oben- genannten Aphrodisios Philippu (s. unten s. 3I ist, so werden wir seinen Groß- vater mütterlicherseits, Aphrodisios, mit dem Großvater väterlicherseits unseres Aphrodisios, dem Vater des OiXitttto? ^A(ppobi(Tiou is. önten s. 2 , identifizieren können (s. unten s. i). Zur Frau hat Chares seine Stiefschwester Herois vom gleichen Vater, deren Mutter KdTOiKO(; ist (Z. 7); ihr gemeinsamer Sohn wird
i) S. Kuhn, AntinoopoUs 87 f.
2) Dittenberger, OGI. II 668 (a. 60/61): i\ n6\i(; r| TTroXcMaitujv 6iä TSi'y\ cEaKiOxiXfiuv Texpa- Ko;a(uiv eßöoMriK ovra Tr€VT€ . . . ; 5C«(/. /Vr/. IV S. 69 Z. 91 f. (a. 72/73): ^tc [xo.ö dpienoO xörv ?- uoe.
'rTToX€naio(; . [.] ..[..] pp(; xoO 'ATtoXXuuvi'SJou; [k<5t,'oiko? xiiiv is 'Apai;vo(xi3) d>;&piiiv "EX- Xrivuiv (/'. Tel'. II 566; dazu Archiv VI 222: a. I3i,'l32).
'HpctKXeia 'EpnoOxoi; xoO Ai5ü|aou 'Avxivoi? köxoiko? xüiv iv xOj 'Apoivofxri 'EXXrjviftuiv (/'. Berol. incd. 11664 Z. 27; s. Plaum.inn, Archiv W 177 f-; Kühn aaO. 88: a. 133) und ihr Mann
'HpaK\6(6ti; 6 Km OüaXfpio? TTepön«; Tf^? ^TiTovi^? övaTpaqjönevoi; in ÖMcpoftou Tantfiuv (/'. Lond. incd.\ s. Bell, Klio XIII 492: a. 122) = "HpaKXei'ÖTi^ 6 KOI OüaXepioc; 'HpuKXei'öou 'Avxivoeü^ äitoiKOc; TÜJV hl xü) 'Apoivoet'xii ävftpüjv 'EXXtiviuv (a. 133 : /'. Berol. ined. 1 1664 Z. 30 und P. l,ond. incd. [Deklaration] aaO., wo Bell äiroiKlo;) 'ApOi(voi'xou) Ct. 'E. liest'. Er, der Perserepigone aus dem Kaijum, scheint erst im J. 133 (s. Bell aaO.), wo er Kolonist und Bürger von Antinoupolis wird, nachträglich die Qualifikation als Faijum-Grieche erhalten zu haben. Neben ihm werden die 3 ifvu»- Oxf|p6(; in der von ihm an die ßouXti von Antinoupolis eingereichten Deklaration ein jeder als 'Avxi- vo',£Ü5) äitoiK(0(;) 'Ap(Ti(voi'xoij) dv&piüv 'EXXiivutv nach Hell bezeichnet.
r. Berol. 11644 (Plaumann, Arthiv VI 176 «.: Marcus; s. oben den Text). Dazu kommen die Papyri unserer Sammlung. — Vgl', etwa auch BGU. 128 I 3: ToOpißluva "EXXriva (a. 189),
3) S. Plaumann naÜ. 178.
30 Nr. 6—10. DIE 6475 FAIJUM-GRIECHEN.
verzeichnet als ^mKeKpi|Li(evo(;) ev KaxoiKOis (Z. 8). Das zeigt, wie sich schon aus den bisher bekannten Urkunden ergab''), die nahe Beziehung zwischen den »Faijum-Griechen« und den koitoikoi. Daß dieses Wort in ptolemäischer Zeit die umfassende Benennung für alle nichtägyptischen, in TToXiTeuiiara organisierten Militäransiedler war, wie Plaumann aaO. in Erwägung zieht, läßt sich bisher m. E. nicht beweisen. Im 2. Jahrhundert nach Chr. scheint nur das jeweilige Haupt einer solchen Faijumgriechen-Famiiie, ob Mann oder Frau, beide Bezeichnungen (»Katöke der 6475 Faijum-Griechen«) geführt zu haben, und zwar finden wir sie nur in öffentlichen Urkunden.
Auf Grund unserer sechs Papyri und des Berliner Textes P. 1 1 644 können wir folgendes aus der Familiengeschichte ermitteln, was ich der Betrachtung der einzelnen Stücke vorausschicke:
1. 'AtppobicTioq, dessen Tod wohl noch in das i. Jahrhundert nach Chr. fällt, hat zwei aus gleicher Ehe stammende Kinder, OiKitttto? (s. s. 2.) und XapiTiov. Diese ist verheiratet mit 'Aiapiag Aiovu(Tiou; aus ihrer Ehe stammt Xdpns [Nr. g, 6; s. oben S. 29).
2. 4>iXnTTroq, der Sohn des unter i. genannten 'AqppobicTio?, begegnet uns in Nr. S (Trajan) als Darlehnsgeber, in Nr. 6, 12 ff. (Anfang Hadrian) als Dar- lehnsnehmer. Als Darlehnsempfanger werden in der ersteren Urkunde genannt ein TTepöriq ir\% ETriTOVtiq und seine Frau Zap . . . la (nicht Zapanid«; "Acppobiffiou TTepcTivri- Ist das etwa eine Stiefschwester des Philippos, die einen Persernach- kommen geheiratet, dadurch ihr TroXiieuiaa gewechselt hat und »Perserin« ge- worden ist? Zu vergleichen sind dazu meine Ausführungen F. Giss. I Nr. 36 Einl. S. 7 (zu P. Grenf. I 18; auch hier handelt es sich um eine »Griechin«, die durch ihre Heirat »Perserin« geworden ist). — Philippos stirbt zwischen dem 16. Dezember 121 und dem 12. Januar 125 [Nr. 6, 5. 14. 22).
3. Sein Sohn und Erbe [Nr. 6, 22I, 'Aqppobiffioq <t>iXiTT7T0u, ist am Anfang des Jahres 130 etwa 54 Jahre alt'). Er hat Grundbesitz im Dorfe Sethrenpaei der 0e|uiaTOu Mepi? des Arsinoitischen Gaus [Nr. 7, 7 f. 16). Aus seiner Ehe mit Aibujudpiov stammen zwei Kinder, OiKittttoi; und XapiTiov; sie sind Erben ihrer Mutter, die unter Hadrian, als sie noch unmündig waren, stirbt [Ä'r. 8, 4 — 6). Ihr Tod fällt, wie sich aus Nr. g entnehmen läßt, vor das Jahr i3i/2*): danach haben Philippos und Charition bei der Volkszählung für dieses Jahr als Hausvorstände Sklaven und Sklavenkinder deklariert (Z. 131. Sie führen also schon damals einen gesonderten Hausstand, in dem sich auch die Sklaven befinden. Das läßt erstlich auf den Tod der Mutter schließen, sodann auf Trennung von ihrem Vater Aphro- disios. Dieselben Sklaven werden aber bei der nächsten Volkszählung im J. 147 als dem Aphrodisios gehörig bezeichnet [Nr. g, 10) und von diesem als Ver- treter des Hauseigentümers in einem Hause deklariert, dessen Mieter der oben-
4) S. Plaumann aaO. 182 f.
5) In dem Fragment Nr. 33 findet sich der Name 'A]<ppo&{ffiO(; [; vielleicht bezieht es sich auf unseren 'Aqppo&foio?.
6) Aus Raumgründen ist Nr.8,ä, Schluß dito [TpiaKaibeKOTOU bis irevTCKaiöeKCtTOu L (= 128/9 bis 130/1)] ausgeschlossen. Didymarion ist also spätestens im 12. Jahr Hadrians, d. h. 127/128, gestorben.
DIE FAMIIJKNPAPIERK r>RS A<t)POAIZIOI <t>IAITTnOY.
31
genannte Xäpn«;, sein Verwandter, ist {Nr. g, 3. 6. 10—13). Es sind 4 Sklavinnen mit 4 Kindern, die sich also im J. 147 nicht mehr im Besitz der Kinder des Aphrodisios befinden. Aus der Klagschrift Nr. 8 erfahren wir nun, daO zum Nachlaß der Mutter Didymarion, der den Kindern zufällt, Ackergrundstücke, Haus- stellen, sowie vier Sklaven und ihre Nachkommenschaft gehören (Z. 6). Dieser gesamten Nachlaßstiickc bemächtigt sich Aphrodisios, der als Liturge in Vcr- niügensverfall geraten war, nach Angabc seiner Kinder widerrechtlich s. dazu Nr. *EinI.) und nimmt sie für sich in Anspruch (Z. 8—13); ausdrücklich werden die Sklaven Z. 12 und 18 erwähnt. Das läßt sich sehr gut mit den obigen An- gaben der Subjektsdeklaration Nr. (j vom J. 147 in Einklang bringen. Nach diesem Jahre überträgt dann Aphrodisios die seinen Kindern entrissenen bona materna auf seine jetzige Frau ■Iapa[mdq r\ Ka\ 'A]9nväpiov [Nr. 8, 8 f. 12 f.
4. Hiergegen wenden sich seine Kinder ct)|\i7nToq und XapiTiov mit der er- wähnten Klagschrift vom 16. August 151 an den Epistrategen L. Trebius Proculus. Vor diesem Jahre hat Philippos, der zugleich als Geschlechtsvormund seiner Schwester fungiert, Staatsliturgien bekleidet (7\>. <S', 15: ^v bimoaiai? xp€'a(«)<; •f€Tov[evai), die ihr Vermögen sehr belastet haben. Eine ihm am 24. Novem- ber 144 ausgestellte Steuerquittung {Nr. 10) zeigt ihn als Grundbesitzer im Dorf- bezirk von Theadelpheia (vgl. Anm. 7). — Seine Frau NciVri ist die Freigelassene eines civis Ale.xandrinus; sie wird in dem F. Berol. 1 1644 aus der Zeit des Marcus als Eigentümerin eines Grundstücks genannt.
Stammbaum der Familie'). I. 'Aqjpobi'crioi; Aiovuaioc; Aibuno?
2. (|)i\iTnTOi;
{r\ beiva TTepffivti
XapiTiov ~ 'Arapia? ~ Teprio
? ~ Xdpns ~ 'Hpuji?
3. 'AqppobicTioq ~ Aibu|Liäpiov (2. Frau Iapa[inai; r\ koi
'A]er|vapiov)
4. ct){\nTno? ~ NeiKti Xapi'Tiov Xapiiiov Aibufin 'Aiapi'a? ~ 'ÄOriväpiov
üTreXeu9epa r\ Kat ©eo-
bOTtl
7) In einem von Schubart gelesenen, unvcrofTontlichten Berliner Papyrus, dessen Kollation er mir freundlichst zur Durchsicht überlassen hat (1". 11651) — er enthalt eine umfangreiche Grundbesitzerliste von Wein- und Gartenland des Dorfes Theadelpheia etwa aus dem J. 150 nach Chr. — , finden sich viele Namen, die zweifellos unserer Familie angehören : so 'Acppoftföioc; <t>iXiTntou, <t>{XiTnrO(; 'Aq)po6l(Jlou, lapaTTiai; clii^firTrou toO 'Acppcftiaiou, 'Arapfac; <t>iXi'Tnrou, 'Arapla^ AtoaKÖpou, 'Hpiui 'Arapiou (s. oben 'Hpuji? 'ATapiou\ 'Hpiu'i^ <l)iXi'iniou, Oaicjäptov OiXdrirou toO 'Arapfou, Id^ßio<; 'Arapfou ToO <t>iX(TrTrou, XapiTiov Xäprycoc, toö Armrixpiou usw. Besonders charakteristisch ist das häufige Vorkommen des seltenen Namens 'Arapiai;. — In mehreren Faijum-Papyri, die ich vor einigen Jahren fluchtig durchgesehen habe und die m. W. nach Manchester gekommen sind, werden wahrschein- lich auch einzelne Glieder der Familie erwähnt, die sich aber nicht näher identifizieren lassen: so steht in einem nicht datierten Fragment 0iXltr(iiO(;l hm 'A(ppo6(lo(ou) ä6eX(q)0ö;, in einer kot' oiKfcrv diT0Ypa9r) vom }. 146/7 TTaöi'uuv 'A(ppo&i(jiou toO 'Hpiuvo.'t) jitifTpö^l Ai6apoÖTO(; rf)? Aiovuaiou i6ii()[Tri(;) Xao(fpaq)oij(jevO(;) 21 Jahre alt; ein Darlehnsvertrag aus dem J. 133/4 nennt einen 'Aq>po- &(aio<; . [. . . als Darlehnsgebcr.
32 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 5. TRAJAN.
Nr. 5. DARLEHNSSCHULDSCHEIN (MIT DER ABREDE TEILWEISER HINGABE AN ERFÜLLUNGSSTATT).
Höhe ll,S, Breite il cm. Faijum. Trajan. Die Schrift der Urkunde ist sehr verwischt und nicht
leicht lesbar.
Die Urkunde enthält ein notarielles ^agoranomischesl Darlehnsschuldanerkennt- nis') in Homologieform. Sie zerfällt in folgende Teile:
1. Kontext, von einem Notariatsschreiber aufgesetzt. Der obere Teil fehlt, läßt sich aber dem Sinne nach auf Grund von Z. 7 — 16 ergänzen (i. Hand: Z. i — 6).
2. Subscriptio, von einem Vertreter für die schreibunkundigen öiaoXofoOvTee geschrieben (2. Hand: Z. 7 — 19).
3. Subscriptio des Darlehnsgebers (3. Hand: Z. 19 f.); er erklärt, daß ihm das Anerkenntnis der Darlehnsnehmer »geworden« ist, d. h. daß er ein Exem- plar erhalten hat. Vgl. P. Tcb. II 388, 35 f. (a. 98): 6 beiva feTOve ^u r| 6po- XoTLia] KaöiL«; TTpÖKitai; BGU. 446, 20 (a. 158/g): 6 beiva YeiKOve i'q ne 6 ctXaßujv (d. i. hier das Anerkenntnis über den Empfang der arrha), KaBoq itpÖKiTai. Das in unserer Urkunde vorliegende Exemplar ist danach nicht das dem Darlehns- geber eingehändigte, sondern das für die Aussteller der Homologie bestimmte. Das Fehlen des dvafpacpri -Vermerkes (s. Nr. 13, 26) beweist nichts dagegen.
4. Kurzes Exzerpt auf dem Verso als Rubrik (4. Hand).
Darlehnsgeber ist <t>{\inno? 'Acppobicriou (s. S. 30 s. 2). Darlehnsnehmer sind, wie so häufig, ein Persernachkomme und seine Frau Zap . . . la 'Acppobiaiou TTepffivri. Vielleicht ist diese eine durch ihre Heirat zur TTepcrivr) gewordene Schwester des OiXiTTTroi; (s. oben S. 30). Beide haften als Korrealschuldner (dXXr)- Xujv ^fT'JOi Ic, ?kt[i(Jiv]''): Z. 9 f.). Der Mann fungiert zugleich als Geschlechts- vormund seiner Frau. In ihrem Anerkenntnis bescheinigen sie den Empfang eines verzinslichen Gelddarlehns von 40 Silberdrachmen und des in bar erhal- tenen Preises für i '/, Artaben Weizen, rückzahlbar und lieferbar im Monat Payni des folgenden Jahres, d. h. nach der Ernte (Z. 11 — 16). Im Verzugsfalle ist so- gleich außer Verzugszinsen der Darlehnsbetrag mit 5o°/„ Zuschlag zu zahlen^), dem Gläubiger steht Real- und Personalexekution zu (Z. 2 — 6).
Der Preis für die 1 7^ Artaben Weizen ist nicht beziffert. Wir werden also wie in Nr. y und 12 (s. daselbst) auch hier datio in solutum anzunehmen haben. Das Gelddarlehn soll z. T. in Geld (40 Silberdrachmen nebst Zinsen), z. T. in natura {\\ Artaben Weizen) zurückerstattet werden.
1) S. dazu Schwarz, Homologie und Protokoll [Festschrift- Zitelmanii', Sonderabzug S. 15 ff.
2) = mutua fideiussione obligati = ä\\r]\€fTUOi övrec; (Km äWrjXavd&oxoi), et äXAtiXeTfüri^ (dXXriXavdboxoi), äXXriXe^uux; üireuSuvoi; vgl. /'. Ilamb. I Nr. 2, 9; 5, 6; 23, 6 f. mit Einzelbem., s. auch Nr. ij, 6. 3) S. Berger, Straf klausein 118.
DARLEHNSSCIIULDSCIIKIN.
33
Der obere Teil des Papyrus fehlt.
Hand. Tp[a]i[a]voO K[aicrapoi; toO Kupi'ou äveu iTd(Tti<: uTTcpOieaeui^)] Ka\ £i)ptiffiXo-fi'a?- iäv b[k] \ii\ [dTrobuJcriv xaGü T^TpaTrrai], dTTOT€i(TdTuuiffav TrapaxpnM« [^eö' rmioXeiaq] Ka\ TOKUJV, Tri«; TrpdEl'eJuji; oucrr|[? tOüiJ OiKittttuui S ?K Te Tü)(v) 6|ioXoTouyTUjy Ka\ Ik t<u(v) [ÖTT]apx6vTiu(v) aÜToT? TtdvTUJV K[a]6diT£p d^ biKr)?. Z . (px] Kupi'a''^.
2. Hand. ATo? TTereapiou .[..].[..]... TTepan? Tn«; dniTO-
\f\q Ka\ fi Y"vri fJiou Zop . . . la "Aqppobicriou
TTepaivr) |ae[T]a Kupiou tnoO dWriXujv df- 10 füiuv Iq lKT[iffiv] 6(jioXoToö|i[ev] lxi\
Ttapd <|)iXiTnTo[u t]o[ö ^A]9[pobi]0iou xpr\a\v ?v-
TOKOV dpTupiou bpaxiiä[(;] leaöapdKOVTa
Ka\ Tijii^v bid x?P^? TTupoO dpTdßri<; ni-
d? f||i{(Joui; .)a£[T]pif) bponuuv TeTpax9uv iKif)) 15 KUi(nTi?) Kai dTTObu)ff[on]€y i.\i |iriv\ TTaoivi
TOO iaiaiVTO? [?To]ui; KaQihq [TTJpoKiTai.
"ETpaiiJev unep aÜTiuv 'HpaKXeibn? Zuu-
Tripixou bid TÖ firi »beyai aÜTpuq
fpdiLinaTa. 3. Hand. 0[iXiTT]TTO(; 'A(ppo[b]ei[<T]iou [TjCiKOiviv)
20 UV 11 ofioXofiia) KOiGil)? [iTp6]K[eiTai] .
Verso. 4. Hand. 'OiaoX(ofia) Aei'ou Ka\ Tr\<; Tuv(aiK6?) Ka[\] .iTu(poO) d(pTdßris) [05].
7rp6(?) «JJiXiTTTTO Vi bp^axuüjv) \i
"Das Gerippe des fehlenden llauptteiles der onoXofia ist etwa das folgende: Datum, Ort. OnoXo-foOaiv ol b€ive<; lü) öeivi €xeiv itap' aü- ToO . . . Kai diroftiijaeiv ev |urivi TTaOvi toO eiö- lovTOi; . . €T0U(;1 Tp[a]i[ajvoö kto. 3 1. äiro- TiaaTUuaav. (> am Schlüsse ist Kupia''^ sicher, davor scheint öucpri zu stehen: (1')) 0y(YTPa)<P'l Kup(a (€a)T(uj)? 7 TTereapiou ist nicht sicher.
9/10 1. £TTUO> «K. <X*'v. 13 1. x£>Po<;' 1* '• T6Tpaxoiv((Kip); -xouv Pap. 15 1. iy tiiyvi TTaövi (traoiv Pap.). 16 1. eiöiovroe;; die Jahreszifler Lst nicht gesetzt. — I. npoKCiTai. 18 1. eifttvai. 19/20 1. yifoviv noi. — S Pap- = ^- Verso § Pap. = 6p(axMÜ)v), -^ = nu(poO) äfpriSßri?', as = vl^.
Ühersetzuug. (..Es bekennen D. und S. dem Ph., von ihm zu haben
und zurückzugeben im Monat Payni des kommenden . . Jahres) Traians
des Herrn und Kaisers ohne jeglichen Aufschub und Ausflucht. Wenn sie aber nicht zurückgegeben haben, wie schriftlich bedungen ist, sollen sie sogleich anderthalbfach und mit Zinsen zahlen, indem dem Philippos zustehen soll die Zwangsvollstreckung sowohl gegen die Anerkennenden als ihr ganzes Vermögen gleichwie auf Grund eines gerichtlichen Urteils. (Die Vertragsurkunde soll) gültig (sein). (2. Hd.) Ich Dios Persernachkommc und meine Frau S., Tochter des Aphrodisios Perserin unter Mitwirkung von mir als Geschlechtsvormund, wir erkennen au, wechselseitig für einander Bürgschaft leistend hinsichtlich der
l'M. Meyer, Griechische Texte aus .\gyptcn. J
34 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 5. TRAJAN.
Zahlung, zu haben von Philippos dem Sohne des Aphrodisios ein verzinsliches Darlehn von 40 Silberdrachmen und ein Bargeld-Äquivalent für i '/, Artaben Weizen gemessen mit dem Vierchoinikenmaß, wie es auf dem Platz vor dem Dorftempel im Brauch ist, und wir werden die Rückgabe leisten im Monat Payni des kommenden Jahres, wie oben ausgeführt ist. Es hat für sie geschrieben Herakleides Sohn des Soterichos, weil sie nicht schreibkundig sind. (3. Hd.) Philippos Sohn des Aphrodisios: mir ist das Anerkenntnis geworden wie oben ausgeführt.
(Verso) Anerkenntnis des Deios und seiner Frau an Philippos über (den Empfang von) 40 Drachmen und i 7^ Artaben Weizen.
Einzelbemerkungen.
If. Vgl. u. a. Nr. 7, 17; BGU. 190 fr. 2 Z. 2; 272, 10; 1143, 19 f.; P. Gen. 8, igf.; P. Hamb. I 21, 7 f.; P. Teb. II 388, 21 f.; P. Lond. III 999 p. 270, 14 usw.
3 f. Zu [Me9' fmioXeiaq (dazu Berger, Strafklauseln 15 ff.)] Kai tokuuv (^Verzugs-
zinsen) s. Berger aaO. 118.
4 f. Zur Zwangsvollstreckung und Exekutivklausel s. statt aller Mitteis, Grundzüge
19 f. 44 if. 119 ff.
9 Zur Geschlechtsvormundschaft über Frauen im griech.-röm. Ägypten s. Wenger, Stellvertretung 173 ff.; E. Weiß, Archiv IV 1% i.\ Mitteis aaO. 251 f.; Tauben- schlag, Vormundschaftsrechtliche Studien., 191 3) 72 ff. 11 f. Zur Höhe der Vertragszinsen in den Papyri s. Billeter, Gesch. des Zinsfußes 229 ff.; Mitteis aaO. n8. — Die üblichen Vertragszinsen bei Gelddarlehn in Papyri der römischen Zeit betragen 12°/^ im Jahr [\°\^ im Monat = bpax|niaToi tokoi, f| vo|i{|ir| ^KttTOffTri, usurae centesimae). Über ihre Höhe in ptolemäischer Zeit sind wir schlecht unterrichtet. Die aus dem Ausgang des 2. vorchristlichen Jahrhunderts stammenden Gelddarlehnsverträge aus Pathyris in Oberägypten sind alle kurzfristig und zinslos (atOKa). Auch P. Grenf. I 20 bildet keine Ausnahme; hier ist Z. 8 f. nicht mit Grenfell, Wessely [Wochenschr. f. kl. Phil. 1896, 1140), Billeter (aaO. 112) zu ergänzen i Tal. 4000 Drachmen [t6k(ou)] dj? [ttis |j]väs nev[Te bpaxuuiv (= 60°/^ jährlich) bzw. ößoXOüv (= io°/o jährlich), sondern vielmehr (nach P. Grenf. II 18, 9 f.) atOKja e[i<; Mfjjva«; nev[Te; vgl. Z. 10: dTTO Oauijqpi fe'uj? Mexeip X... Doch haben wir es hier zweifellos mit lokalen Gepflogenheiten zu tun. In dem aus dem Anfange des 2. Jahrh. vor Chr. stammenden Faijum-Papyrus P.Hamb. I 28 betragen z. B. die Jahreszinsen 24°/^. Ein verzinsliches Darlehn liegt vor im Ostr. Nr. 60. — Justinian schreibt als gesetzlichen Maximal-Zinssatz, der aber in der Praxis häufig überschritten wurde, je nach dem Stande des Darleihers 4 bis i2°jg jährlich vor (s. Cod. Tust. A-i })'^i 26 § 2; Nov. lust. 136, 4). 13 S. die Einl. 14 f. Zum liexpov bpojLiujv Tetpaxoi'viKov Kiu|arii; s. Wilcken, Öj7/-. I 750 f. 770 f; Waszyriski, Bodenpacht in; P. Hamb. I 5, 18 Einzelbem.; SS, 15 Einzelbem. S. auch Nr. 7, 1 1 f . 19 f. S. die Einl.
Nr. 6. GESUCH AN D. APXIAIKAITHI UM VERLAUTBARUNG EINES BANK-SCHECKS. 35
Nr. 6. GESUCH AN DEN APXIAIKASTHS UM VERLAUT- BARUNG EINES BANK-SCHECKS UND ZUSTELLUNG AN DEN ERBEN DES AUSSTELLERS NEBST ERLEDIGUNG DES GESUCHES.
Hcihc 33,7, Breite 12 cm; unten freier Raum von 5 cm. Faljum. 12. Januar 12$ nach Chr.
Um einem Handschein (xeipoTpacpov) die materiellrechtlichen Vorteile') der Publizität zu verschaffen, bedarf es der Verlautbarung bei den beiden alexandri- nischen Archiven (briiaocriuJcrK; im engeren Sinn)') oder seiner Erhärtung (Be- stätigung) durch die Aufnahme in eine vor einem öffentlichen Notariatsamt errichtete und an das Lokal-Registeramt eingereichte Urkunde (^KnapTÜpricTis)'). Für uns kommt hier nur die btinoaiuim? im engeren Sinne in Betracht.
An die Verlautbarung kann, aber braucht sich nicht anzuschließen die Zu- stellung des vcrlautbarten Handscheins seitens des > Gläubigers« 1 Destinatars) an den »Schuldner« (Aussteller des Handscheins) durch Vermittlung des Strategen seines Gaues. Falls die Zustellung erfolgt, bedeutet sie keineswegs immer die Einleitung zum gerichtlichen Zwangsvollstreckungsverfahren ^), dessen Voraus- setzung stets eine verlautbarte (oder öffentlich beglaubigte) Exekutivurkninde bildet.
Das Verlautbarungs- und Zustellungsverfahren') kennen wir vor allem aus den beiden, die Durchführung begehrenden Eingaben des »Gläubigers«: einem Gesuch an den alexandrinischen dpxibiKaaTiii; und einem solchen an den Gau- strategen des »Schuldners«. Das (persönlich oder durch einen Vertreter über- reichte) Gesuch an den dpxibiKaffTrji; enthält eine vollständige Abschrift des zu verlautbarenden Handscheins; zugleich wurde das Original in einfacher oder doppelter Ausfertigung übergeben. Das (in gleicher Weise überreichte) Gesuch an den Strategen enthält eine Abschrift des Gesuches an den dpxibiKaarrii; (ein- schließlich des Handscheins) nebst der Erledigung durch sein Büro (Zustellungs- Verfügung an den Strategen). Der Stratege erledigt das an ihn gerichtete Gesuch durch Zustellungs- Verfügung an einen Amtsdiener.
1) Hierum handelt es sich, nicht um die prozessuale Produktionsßihigkeit des x£ipÖTP<I<pov, die auch so vorhanden ist; das haben Schwarz, Homologie und Protokoll ( Festschrift- Zitelmann), Sonderabzug S. 49 A. I und besonders Jörs, Ztschr. Savignyst. R. A. XXXIV 143 ff. dargelegt. S. auch r. Lond. Inv. Nr. 1891 (= P. Jouguet 2 bei Kühn, Antinoopolis S. 143 f.) und Lewald, Vierttljakrssckr. f. Sozial- u. Wiitschaftsgesch. XII 476 zu Kol. 11 14 f. dieses Papyrus.
2) S. statt aller Jörs aaO. 108 ff., der die gesarate frühere Literatur auffuhrt.
3) S. Jörs aaO. 122 ff.
4) So schon Koschaker, Ztschr. Savignyst. R. A. XXIX 27 ; Schwarz, Hypothek und Hypallagma 86 A. i; Mitteis, Christ. S. 247 Anm. i; Jörs aaO. 154 f.
5) S. Koschaker aaO. 7 ff. ; Preisigke, /'. Strafsb. I 108 f. ; GirotMsen 294 ff. ; Schwarz aaO. 76 f.; Mitteis, Grimdziige 82 ff. 124 ff.; Jörs aaO. bes. 115 f.
5*
36 niE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 6. 12. JAN. 12Ö N. CHR.
Hierhergehörende Urkunden, die nur das Gesuch an den äpxiöiKa(TTn<; ent- halten, sind BGU. 455 (saec. I); 717 (a. 149); P. Lips. I 10 (= Mitteis, Clircst. Nr. 189: a. 240); P. Oxy. IX 1200 (a. 266)5"). Zu ihnen tritt unser Papyrus vom J. 125 nach Chr. Sehen wir zuerst von diesem ab, so finden wir nur im P. Oxy. IX 1200 die Erledigung seitens des äpxibiKaairiq-Amtes dem Gesuche hinzuge- fügt (s. Z. I — 4. 56); die übrigen Urkunden repräsentieren (von «'«rr Hand geschrie- bene) inoffizielle Abschriften des Gesuches. Alle aber bezwecken allein Verlaut- barung desHandscheins^); dasPetitum^) vonP. ö.i-/. IX 1200, P-LipsÄio., BGU.-ji-] ist erhalten, es fehlt in BGU. 455 (s. jedoch die Verso-Aufschrift). Von einem Gesuch um Zustellung an den Aussteller des Handscheins ist keine Rede.
Anders verhält es sich nun mit dem in unserem Papyrus vorliegenden Gesuch an den öpxibiKacfTriq. In dem Petitum folgt auf das öuvKataxtupiaai Tifbe TuJ i)Tro)Livr||LiaTi (Z. 29 ff.): Kai TpaH'ai Tiu .... arpaTtiYiiJ )ieT[a]boOvai [tou]- Tou dvTiTpaqpov TuJ 'Aqppobei0iuj napovriuv cpiKujv bOo^ , iV eibrj ev brnuodiqj ye- [t]ov6c; t6 e7Ti[ff]Ta\|a[a] Kai noiricrriTai ]xo\ Tr)V äTröboffiv. Nach vollzogener Ver- lautbarung soll die mit der Erledigung des äpxibiKacririq-Amtes versehene, die Abschrift des eTTi(TTa\)ua enthaltende Eingabe abschriftlich durch den Strategen dem Eröeti"^) des » Schuldners« zugestellt werden. Da das ^niffTaXua, auf das unten näher einzugehen ist, keinen Exekutionstitel darstellt, kann von einer durch die Zustellung bewirkten Einleitung des Vollstreckungsverfahrens keine Rede sein"). Zweck der Zustellung ist vielmehr die Mitteilung der Verlautbarung mit ihren materiellrechtlichen Folgen und ein (dem modernen Mahnverfahren ent- sprechender) Zahlungsbefehl an den Erben des Schuldners").
5 a) Nicht in Betracht kommt der fragmentierte Entwurf eines 6rmoaiU)ai(;-Gesuches im Berliner Papyrus P. 11644 (s. S. 28 f.), von dem nur der Anfang erhalten ist. (Korr.-Zusatz.)
6) Nur P. Oxy. IX 1200 enthält neben dem Gesuch um 6ri|U0(jiu)<Tii; ein solches um Tipoacpu»- vridig an die €YKTn(I€U)v ßißXioSpKri. Die itpoötpuivriai^ bezweckt Mitteilung der vollzogenen irr\)XO- aiuiöii; des Kaufvertrags-Handscheins an das »Grundbuchamt«, damit dieses die Umbuchung auf den Namen des Käufers vornehmen kann. S. Nr. 4 Einl. S. 19.
7) Ich führe das mit P. Lips. I 10 ziemlich übereinstimmende Petitum von P. Oxy, IX 1200 an
(Z. 44fr.): ßouX6n€vo(; öe .... novaxnv (daqpaXeiav) €v örmooiiu Teve(j9ai .... dEiüü öuvKara-
XU)p(aai auTr|v Tilibe tuj üirouvtiiiari eig rfiv 'Abpiavfiv ßtßXioÖtiKriv, tö 6e i'aov ei? Tf)v toO Na- vafou iTp6(; t6 (jeviv luoi tö öttö auTfl(; 6(Kaia lug iaCo 6ri|aoaiou xPII^OTianoO cvexa toO eiiöoKr)- Kevai (sc. der Schuldner) T^ 6rmoaiU)(jei. Es folgt ein zweites, auf die Trpoaqpijuvriaii; bezügliches Petitum (s. vorige Anm.).
8) S. dazu die Einzelbem. 3 1 f.
9) Vgl. Schwarz aaO. 87 Anm. I.
10) Ob P. Lips. Inv. Nr. 610, von dem Koschaker aaO. 27 Anm. 3 ein Bruchstück des Petitum an den dpxi&iKaOTiii; mitteilt, nur eine Eingabe an den dpxi6iKa(JTTi(; oder eine solche an den Stra- tegen ist und ob der Papyrus nach dem Gesuch um Zustellung an die Erben des Schuldners (wie in unserer Urkunde!) noch einen Hinweis auf die Einleitung des Vollstreckungsverfahrens enthält, läßt sich aus dem Mitgeteilten nicht ersehen.
11) Der technische Ausdruck für einen solchen Zahlungsbefehl, d.h. der amtlichen Zustellung eines Zahlungsauftrages des »Gläubigers«, ob es sich um Einleitung des Zwangsvollstreckungsverfahrens handelt oder nicht, ist öiaaroXiKOv (sc. inrönvrina). Zur allgemeinen Bedeutung des Wortes = »Zustellung einer Zuschrift« (so auch »Giroanweisung, Scheck« : s. unten S. 38) vgl. Koschaker aaO. 29f.; Preisigke, Girmvesen 119A. 6; Schwarz aaO. 116; Mitteis, Grimdzügc m.
GESUCH AN DEN APXIAIKAITHZ UM VERI.AUTBARUNC; EINES KANK-SCIIECKS. 37
Bei allen Eingaben an den Strategen ") ist natürlich das Zustellungsgesuch des Verlautbarten Ilandscheins an den »Schuldner« das Essentiale; um Einleitung des Vollstrcckungsvcrfahrens handelt es sich in BGU. 578 (= Mitteis, Chrest. Nr. 227: a. 189) und P. Flor. I 68 (a. 172), wohl auch BGU. 231 (Hadrian)'^), nicht dagegen im P. Oxy. IV 719 (a. 193) und wohl auch nicht im P. J-'lor. I 40 (a. 162/63)").
Wenden wir uns nun der speziellen Betrachtung unseres Papyrus zu. Er zerfällt in vier Teile:
1. Zustcllungsverfügung des äpxibiKafftri^-Amtes: Z. i — 6; Hand eines Kanzleischreibers (s. 3.) = i.Hand; 12. Januar 125.
2. Gesuch an den dpxibiKacVTriq um Verlautbarung und Zustellung, enthaltend die Abschrift des zu verlautbarenden ^TTiffiaXiaa (Z. 13 — 20) vom 16. Dezember 121: Z. 7 — 34; Hand eines Urkundenschreibers = 2. Hand.
Allen sonst bekannten Gesuchen um Verlautbarung liegt eine unmittelbar an den Gegenkontrahenten gerichtete Erklärung des Ausstellers des Handscheins, der der Publizität mit ihren Folgen entbehrt, zugrunde. Hier ist die zu ver- lautbarcnde Urkunde eine seitens des Darlehnsschuldners an einen Bankhalter gerichtete Anweisung, dem Gläubiger Rückzahlung zu leisten. Die Anweisung ist datiert vom 16. Dezember 121, die Rückzahlung ist fällig und soll erfolgen am 30. Payni des Jahres, d. h. am 24. Juni 122. Der anweisende Darlehns- schuldner ist OiXinnoi; 'AqppobKTiou (s. S. 30 s. 2). Darlehnsgeber, dem der Betrag der entliehenen Summe von 248 Silberdrachmen zurückgegeben werden soll, ist "Hpujv 'lffx"Piu"vo<;; es liegt eine XPncf'? aTOKOi; (bdveiov citokov), ein zinsloses Darlehn, vor, wie wenigstens der Wortlaut besagt"'). Die Anweisung wird (Z. 12. 24. 33) bezeichnet als ^ni(TTaX|ua (= Auftrag, speziell Zahlungsauftrag). Dem ist an die Seite zu stellen das tniaiaXiaa im P. Flor. I 61 (= Mitteis, Chrest. Nr. 80: a. 85), das zugleich als xeipoTPCupov bezeichnet wird. Nach unserer Ur- kunde werden wir auch dies als Zahlungsauftrag (in Form eines Handscheins) aufzufassen haben, und zwar des Darlehnsschuldners an seinen Sklaven und
12) S. oben S. 35; Ilauptliteratnr Koschaker aaO. 22ff. ; Schwarz aaO. 76 f. 86; Mittels, Grund- Züge 122 ff.
13) BGU. 578 (= Mitteis, Chrest. Nr. 227) ist allein vollständig erhalten, er enthält auch die Erledigung des Gesuchs durch den Strategen ; das Petitum des Gesuches an den äpxi&iKaari^^ lautet (Z. 17fr.): älmi ... [a^uvKaTOXiUJpfluai .... Kai cruvTaEai fpat"" tu) .... a-ipa-zr{\w |j[€]T;a6]iüvoi TOUTOU ävTiTpct(q)Ov) dem Schuldner, mwc, ■ao\r\ar\-:a\ |aoi TTiv öiTÖ&ocJiv . . . . ii ei6r| E0O)ievi)V ^Ol
xfiv ir'paSiv] 6H inrapx6vTii)[v aülroO , öcp' iDv ikv reXioiou) biixvpaaiae, •fpanM'i'Tiuv Der
fragmentierte P. Flor.lt?, gibt in '/,. 130". auch die /.ustellungsvermcrke der drei Schuldner und des Amtsdieners. In BGU. 231 enthält /,. i Reste der Erledigung durch den Strategen. Der zu- grunde liegende Ilandschein ist in allen drei l'apyri eine Darlehnsurkundc, also eine Exekutivurkunde.
14) In beiden l'apyri ist das x«ipOTpo<po^ &e6rino<JitU)ievov eine Kaufurkunde. S. zur Frage der Zustellung Jors aaO. 154 f. Der Endzvireck war hier wohl die Verbuchung durch die ßißXlo- qxjXaKEi; cfKTiiöeujv.
15) '/,. 15 f.: Tä(; faac; &y eüxpi^ffTIM"' öpoXM««;; ^g'- "'s Parallelen BGU. 1063 (a. 100;
Preisigke, Girmvesen 206); /'. Gm. 2, 4 f. (saec. III; Preisigke aaO. 209); BGU. 1064, 9 (etwa %. 278; Preisigke aaO. 204).
38 niE FAMILIENl'APIERE DES APHRODISIOS. Nr. 6. 12. JAN. 125 N. CHR.
Geschäftsführer'^). Dieser hatte sich dann durch Unterschrift unter dem Zahlungs- auftrag zur Leistung gegenüber dem Gläubiger verpflichtet, eine Leistung aber war nicht erfolgt (Z. 38 ff.)'')- Zu vergleichen ist auch der Ausdruck eTTiGriKTi in BGU. 1064'^). Der sonst für Anweisungen im Bank- wie im Speicherverkehr '^) in den Papyri übliche Ausdruck ist biaffioXiKov, ob es sich nun um eine »Giro- anweisung« oder um einen »Scheck« handelt^"). Sprachlich sowohl wie inhaltlich wurde kein Unterschied gemacht; die Giroanweisung geht unmittelbar dem als Adressaten genannten »Bezogenen«, d. h. der Bank oder dem Speicher, zu, der den Betrag dem Zahlungsempfänger gutschreibt; der Scheck wird dem Zahlungs- empfänger ausgehändigt, der seinerseits den »Bezogenen« um Zahlung anzu- gehen hat^').
Auch unser emcTTaXibia kann für sich betrachtet sowohl als Giroanweisung wie als Scheck aufgefaßt werden. Aus dem Zusammenhang geht aber hervor, daß hier ein Scheck vorliegt; es ist vom Aussteller ^iXitttto? nicht der Bank, sondern dem Darlehnsgläubiger "Hpujv, d. h. dem Zahlungsempfänger, ausge- händigt. Darauf weist schon das toO Tipoeiiaevou |uoi eTTiffTaXjuaToq hin, wie es Z. 1 1 f. entsprechend dem toO TTpoei)aevou laoi x^ ipoTP«<pou in den Gesuchen um Verlautbarung eines Handscheines heißt; noch mehr die Tatsache, daß "Hpuuv überhaupt in der Lage ist, die Urschrift dem dpxibiKacTTn«; einzureichen, nachdem der zahlungsanweisende <J>iXiTtTTOS gestorben ist, ohne daß Begleichung der Schuld stattgefunden hat (Z. 21 f.)"). Auch die Parallelurkunde BGU. 1063 "3) werden wir danach wohl eher als Scheck wie als Giroanweisung ansehen können.
Der ihm eingehändigte Scheck ist das einzige, ein Schuldanerkenntnis des (J^iXiTTTTO? enthaltende Dokument, das "Hpujv in Händen hatte und behalten hat, da die Bank die 248 Drachmen nicht ausgezahlt hat. Nachdem <J)iXi7T7T05 gestorben und über drei Jahre seit Ausstellung des Schecks verflossen sind, reicht er ein Gesuch um Verlautbarung beim äpxi&iKacnrii; ein zwecks Geltend- machung seiner Forderung gegenüber dem Erben des ^iXittttoi;, seinem Sohn ^A(ppob{(Tio? (s. oben S. 30 s. 3). Schuldverjährung tritt nach dem ägyptischen
16) Vgl. etwa P. Gen. 2; s. Anm. 28.
17) To |uev ETTiaTaXija toO nraxpjoc; toutou eöTi'v ■apoi5xä.\x\i:, (= praepositus, institor) 6e iliv 6 6o0\o5 \jit6fpavev öxi (jerpiiaei, oüöev 6e (JCfiExpriKev ctiraH dno toO CTnaxdXjuaTO?. So erkläre ich die Stelle abweichend von Wilcken, Archiv V^ ^\'}; Partsch, Biirgsdwftsrccht 122 i. Rabel bei Partsch aaO. 123 faßt eir{aTaX]ua ganz richtig als Anweisung des Herrn an seinen Sklaven; nur in- bezug auf seine Auslegung des vnt£Ypa>C£V weiche ich von ihm ab. Mitteis [Christ. Nr. 80, 38 Bern.) stimmt im ganzen Rabel zu. Partsch weist dann aaO. 316 Anm. i zur Stütze von Rabeis Ansicht auf das xä €TreaxaX|aeva Troieiv, »Honorierung des Akkreditivs durch den Beauftragten«, bei Isokr. or. 17, 37 hin.
18) S. Preisigke aaO. 204 und Fachw'örUr S. 84 s. v.
19) Eine Giroanweisung an den Staatsspeicher enthält Ostr. Nr. $6.
20) S. Preisigke aaO. 119. 128. 203. 209; vgl. oben Anm. 11.
21) S. Preisigke aaO. I ff.
22) Aus -welchem Grunde die Bank den ihr zweifellos am 30. Payni 122 präsentierten Scheck nicht honoriert hat, muß dahingestellt bleiben. Am wahrscheinlichsten ist es, daß das Guthaben des Oi'Xnnro? bei der Bank erschöpft war.
23) S. Preisigke aaO. 206.
GESUCH AN DEN APXIAIKAITHZ UM VERLAUTBAUUNG EINES BANK-SCHECKS. 39
Provinzialedikt für Peregrine erst nach 5 bzw. 10 Jahren ein (s. P. Flor. I 61 = Mittels, ehrest. Nr. 80, 43 Si.). Das übliche im griechischen Recht ist fünfjährige Klagenverjährung; sie wird in dem angeführten Florentiner Papyrus ausdrüci<lich für die Konventsstädte festgesetzt, zu denen ja auch Arsinoe zu rechnen ist'*).
Wie hier in unserer Urkunde Verlautbarung ibriMoaiujai?; eines Bankschecks vorliegt, so wahrscheinlich in BGU. 1155 (Mitteis, ChresLUv. bj: 10 vor Chr.), 15 f. EKMapTupricrK;''") eines solchen: der Aussteller >erhärtet€ die als tiittoikiov bezeichnete Urkunde durch mehrere aufXUJpnffeK;''*) und stellt diese dem Gläubiger zu; nach seinem Tode reicht dieser beim (ipxibiKaairi? eine Klageschrift gegen seine Erben ein, dTrairncTiv Tcpiouf^eyps''). Auch BGU. 1167 I 3 ff. (12 vor Chr.) scheint niTTCtKiov einen Scheck, eine Anweisung auf die Bank betreffend Rück- zahlung einer Darlehnssumme zu bezeichnen"'].
Die Überreichung''') des Schecks und Gesuches in Alexandreia findet statt durch den Bevollmächtigten des Gläubigers TTToXeiaaToi; 'ETTindxou toö Ka\ 'Ep(iiou toO Aibü|aou, einen civis Alexandrinus. Dieser erhärtet daselbst die Echtheit der Schrift des Philippos in der Anweisung durch einen unter das Original gesetzten schriftlichen Kaisereid (Z. 24ff.)'°). Das geschieht vor dem Abteilungs-Büro des KttTaXoTeiov (s. unten).
3. Eigenhändige Subscriptio eines Untergebenen des dpxibiKaatri?: Z. 35 — 37 = 3. Hand; 12. Januar 125. Das gemeinsame Datum von i. und 3. (s. Anm. 32) zeigt, daß es sich nur um den dpxibiKacTTris oder einen seiner Untergebenen handeln kann. Der dpxibiKaairic; selbst wird durch das £0n|uei[u)ad|a]r|V von 4. Hand Z. 38 ausgeschlossen. In Betracht kommt m. E. mit ziemlicher Wahr- scheinlichkeit der Vorstand des u. a. mit der Prüfung (biaXoTn) der Urkunden
24) S. Mitteis, Ztschr. Savignyst. R. A. XXVII 225 ff.; Christ. Nr. 80 Einl.; Wilcken, Archiv IV 446 f. — Zu Arsinoe als Konventsstadt s. Wilcken aaO. 397 ff.
25) S. oben S. 35.
26) Z. 1 1 ff. : äöirep öqpfXeaSai oürCii £Tpaq)€y ünö toO )H€TnXXax<i'ro? .... ITpiUTCipxou .... öq) ou itpofKaTo ouTO? uiTTOKiou nenopTuprinevou 6e öi' iliv <iv»iv£VK£v 6 TTptÜTapxo? ouvxiu- piiaeiuv.
27) S. Jürs aaO. 123. 129 f. Zur Urkunde im allgemeinen s. Schubsrt, Archiv V 6^.
28) lIuvx'ujpf.(T) 'Epuffac;) äyaMbövaip) o npoefKaTO [£!]<; aü(TÖv) 6 <J>i\'äpfupo?) .... i|i|Al(öv)
mTTUKio(v) öi^i Tfi;^) 'Epni'ou ipan[kZ\\(^ dpf upi'ou (6paxniliv) x OTftTxtilKEvai) .... T?VT??
Zum i(;iX;öv) itiTTCtKio(v) ist etwa das qjiXoy ödviov, ein nicht hypothekarisch gesichertes
Darlehn, in ]'. Hainb. I 14, 14 zu vergleichen; s. meine Bemerkungen daselbst S. 55 Anm. 3. — Im /'. Gm. 2 bedeutet niTTaKiov wohl eher Auftrag zur Zahlung einer Schuld an einen Gutsvcrwalter; s. Wilcken, Archiv III 380; I'reisigke, Girmoesen 209 f. In der Bedeutung »Schuldschein« wird das Wort gebraucht, ohne daß der rechtliche Charakter zu erkennen ist, im /'. I.oml. III 1007 p. 262f. : r.Gen. 62, 18; r. Oxy. I 136. 137. 153. VIII 1131, l8; Zum sonstigen Gebrauch s. .Schubart, HGC. 1167, 4; Kornemann, /'. Giss. I 13, 9 Einzelbem.; Preisigkc. Fachwörter s. v. Vgl. auch BcrI. phil. Wochenschr. 1915, 1004 f.
29) S. dazu Mitteis, (7>-««<Ä;V,i,'-t' 38. 84 Anm. 5 ; 124; Jürs aaO. 115.
30) .... Aü9evTiKÖv EniaraXua .... uTroK£xeipoTP<"PnM*vov ünö toö ii(nt£(iTaXfi£vou Oit* i(ioO . . . . TTEpi ToO £Tvai i6i6fpaq)ov toO <t>i\iiinou. S. d-xzu Jors aaO. 115 A. 6; 109. Zum OiTOKCXcipo- fpa9ii|.ievov (s- Wilcken, Archiv II 46 A. i; III U5. 236 f.) vgl. bes. P. Oxy. IV 719, 33.
40 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 6. 12. JAN. 125 N. CHR.
im dpxibiKaffTr|i;-Amte betrauten Abteilungsbüros, des KaTaXofeTov''). Auf diese Tätigkeit weist sein Amtstitel 6 npbc, xri bia XoYri) (T[f\(;) ttoX^cuji;)) im /'. Oxy. IX I200, 4 und in einem unveröffentlichten Paralleldokument aus Oxyrhynchos hin, ebenso oi -npbq x^ biaXoTr) Tf)? TToXeuug im R Lips. I lo (= Mitteis, ehrest. Nr. 189) II 32 f. Einer der im P. Oxy. I 34 (= Mitteis, Chrest. Nr. 188) II 3 genannten 01 KaXou)ievoi em Tfjq biaXoTfj«; tüjv Kaid Kaipbv dpxibiKaffTuiv [TpaJunaTeiq [■= TpaMMOTeT«; KaTaXoTeiou) ist es, der die als Superscriptio am Kopfe des Gesuchs stehende Erledigung (s. i.) im Namen des dpxibiKacTTns schrieb (oft auch im Namen des Abteilungsvorstandes unterfertigte). Der Ab- teilungsvörstand dagegen, der nur gelegentlich die Superscriptio unterfertigt, schreibt die am Fuße des Gesuches stehende Subscriptio stets eigenhändig. Wie das YtiveaQu)) ib? KaeriK^€l) mit folgendem Datum unserer Urkunde, so werden wir auch das übe; Ka9r|K(ei) mit Datum P. Oxy. IX 1200, 56 für ihn in Anspruch nehmen^'').
Die Superscriptio und Subscriptio erfolgte nach Vornahme der Prüfung und Verlautbarung. Der Scheck ist natürlich nur in ehiem Exemplar (s. Z. 24: TÖ au- GevTiKov eTricTTaXiaa) ausgestellt ; dieses wird zusammen mit dem Gesuch eingereicht und in dem Hadrianischen Archiv hinterlegt. Für das andere alexandrinische Archiv, das NavaTov, wird bei Handscheinen, falls nur ein Originalexemplar vor- liegf ), eine anitliche Abschrift gegen eine Gebühr von zwölf Drachmen an- gefertigt. Unser Gesuch spricht (Z. 29) nur allgemein von (TuvKaiaxiDpicrai xujbe TU) yTTOf.ivr||üiaTi. — Das f(iV£CTeu)) 65 xaGriK ei) kann sich hier nur auf die Ge- nehmigung zur Zustellung an den Schuldner beziehen; vgl. Z. 4: |ieTabo9r|TUJ ib? Ka0r|Kei dviü(mov) ; s. Z. 3 1 f. mit Einzelbem.
4. Noch eine Sonderheit findet sich in unserer Urkunde, das von 4. Hand in Z. 38 folgende ^cyri|aei[ujaä|u]riv, das ich als eigenhändige Unterschrift des dpxi- biKacrxri? erklären möchte^*). Mit den beiden Subscriptiones und der Super- scriptio versehen wird das Gesuch dem Petenten zurückgestellt.
31) S. Preisigke, Gircnvesem<j(tS.\ Mitteis, Grundsüge S4. A. 2; 125 A. 3; Jörs aaO. 115.
32) Ihm kommt auch die Subscriptio P. Oxy. II 286 (= Mitteis, Chrest. Nr. 232), 28 f. zu (an- ders Mitteis), ebenso P. Oxy. III 485 (= Mitteis, Chrest. Nr. 246), 34 f. (ctJa^Oüq)! Z) = Z. 7 (mit öjpja- (rriYoO) Z. 35 beginnt die Subscriptio des Strategen-Büros), BGV. 1038 (= Mitteis, Chrest. Nr. 240), 27
(. . . u)5 KaeiiK(£i). 'Etou? eß66nou T(t]ou .... r£[pn]aviKi'ou It) = 11 ff. (7. Jahr TTaxiiiv iZ)
und r. Oxy. X 1270, 54 f. — P. Flor. I 68, 12 ist wohl mit dem Herausgeber als Schluß der Eingabe
an den dpxi&iKaöTric; zu fassen und zu ergänzen: )ir) €VaJTTOU|a£[vr|(; |UOU ili^ "K"a6»iK6i.
DGU. 578 (= Mitteis, Chrest. Nr. 227), 22 f. ist mir die Sache zweifelhaft. Ich würde die Worte lüc; Ka[6tiK6]i als Subscriptio fassen, wenn nicht L Kr) .... Mexei'p statt des zu erwartenden L k9 .... Mexei'p (iöi : s. Z. 8) folgte. Eine Nachprüfung aller in Betracht kommenden Urkunden wäre wün- schenswert. — Nachträglich sehe ich, daß Grenfell-llunt (/'. Oxy. X 1270, 54 Bern.) das lii^ KaOi^Kei in BGU. 578, P. Oxy. 286. 485. 1200. 1270 gleichfalls absondern; sie beziehen es aber auf den öpxi- iiKOCTiit selbst (wohl nicht mit Recht).
33) S. Mitteis, Grundz'iige %y, Jörs aaO. 116; vgl. Anm. 7.
34) Vgl. etwa BGU. 578 (= Mitteis, Chrest. Nr. 227), 23.
GESUCH AN DEN APXIAIKAITHI UM VERLAUTBARUNG EINES BANK-SCHECKS. 41
I. Hand. 'AvbpoveiKOi; 6 iepeu? Ka\ dpxibiKaCTiri? tiI» Tf\q
'HpaKXeibou iiiepibo«; toO 'Apaivotirou ffTparnf ip) Xaipeiv. ToO b€bo)aevou uTTOiivrinaTO? ävTiTpacpov |a€Tabo9r|Tiu tb«; Ka9r,Kei ^vuj(mov). 5 ("Etous) ^vaTou AÜTOKpaxopo? Kai'ffapo? TpaiavoO
'AbpiavoO ZeßadToO TOßi iZ~. 12. Jan. 125. ^^K 2. Hand. "AvbpoveiKip veoKopijj toO luefäXou ZapoiTriboi; xuiv i\ Ttfi
iJ^h^ Mouffeiuj creiTouiatvtuv dreXuiv fevontvifj öTpaTriTü« ffll TroXe-
•*y^.iP'Y'^^ UJ? Km ^ävTeEriTIfifi iepei Ka\ dpxibiKaffTr) Ka\ tipbq irj dmneXeiqi
^ ' 10 TUIV XPIMCtTlffTlUV Ka\ TiiJv fiXXujv KpiTHpiUJV
Trapä "Hpuuvoq toO ^iCTxupiuuvo«;. ToO Ttpoei^^vou fioi imaTÜKiiaTOc, dvTiTpa90v uTroKeiTai. ^ ,^ ,
OiXmTTOS 'Aq)pobi0iou TTToX[€]|aaii}j TpaTrelCleiirj xo'P^iv. /'W.'2<',i7
Xpri|LidTi(Tov ^tt\ Tfji; TpiaKdb[o](; to[0] TTaüvi ur\yb<; 24. Juni 122.
15 ToO eveffTiIiTO? ?tous "Hp[ujvji ^lffx^P'"Jvo<; id; löo«;
(I)V €uxpnffTr||Liai T[U) . (Iiei) 'AbpiavoO To]p Kupj[ou] dpYupiou bpaxudi; biaKO[(T]iai; [TecrajapÖKOvia öktu», Yei'vovTai bpaxuai biaKofftai TcffffepaKOvra 6ktiu. "Etou? ^ktou AÜTOKpäT[o]po[(; Kai]aap[o]? TpaigvoO
20 'AbpiavoO ZeßacTToO XoiaiK £]i[K]dbi. 16. Dez. 121.
TouTOu ÖVTO? KOI |aTib6|a[iä]i; dTr[ob6 acuu? TfTOvui-
ris, luerriXXaxÖToq hk toO ct)iXinTrou in\ KXripov6|iip
uiu) 'A(ppobei(Tit|j, ßouX[oJ|noi iv br\\ioaii\}' feviaQai t6 ** "-
aüeevTiKÖv ^TTicTTaXua Ka\ dEiOü dvaXaßövTaq ^y
2$ auTÖ uTtOKexeipotpacpriM.EVov Otto toO biOTTtdraX-
fi^vou vn i\xo\j TTroXeiaaiou toO 'ETrindxou toO Ka\ 'Epim'ou toO Aibü^iou ZujaiKO<j|a£iou''ToO Ka\ ^AXGaieuji; Trepi toO eivai ibioTpaqpov toO <t)iXiTT7T0U auvKarax^picTai Tiübe tu) uTTOfivriiiaTi Ka\ TPÖ'H'a»
30 Till if[<; 'HpaKXeibou ncpibo? toO 'Apaivoeiiou aipa-
TiTTu) |ieT|^a]boOvai [tou]tou dvT{Tpa(pov tlü 'Aq)po- beiaiif) TTapövTUJV (piXujv büo, Tv' eibrj dv brmo0iifj Te[T]ovöi; TÖ dni[<T]TaX|i!o] Ka\ iroiriariTai MOi Tf|v dnobocTiv.
3. Hand. 35 Fiiveaeuj) ib? KaGriKi'ei). ("Etou?! dvdtou
AÜTOKpdTopoq KaicTapoq TpaiavoO
'AbpiavoO Ießa0[ToO TO]ßi il. 12. Januar 125.
4. Hand. 'E(Ttm£i|uj(J(in]riv.
1 1 las i von iepcui; ist aus e korrigiert. 7 1. 38 Das i<JnM€i[u)(J<5M;riv ist wahrscheinlich, aber veiUKÖpi}). 17 Am Schluß der Zeile ein Füllstrich, nicht sicher. ebenso Z. 27. 35 [ Pap. i= Yllve<'eu)\
l'M. Meyer, Griechische Texte aus Ägypten. 6
42 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 6. 12. JAN. 125 N. CHR.
Übersetzung. (i.Hand.) Andronikos der Priester und Erzrichter dem Strategen des Heraklidischen Bezirks des Arsinoitischen Gaus Gruß. Eine Abschrift des mir überreichten Gesuches soll wie üblich persön- lich zugestellt werden. Im neunten Jahr des Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus am 17. Tybi. (2. Hand.) An Andronikos, »Tempeldiener« des großen Sarapis, Pensionär des
Museums und (als solcher) Steuerfreier, ehemaliger Stratege der Stadt Alexandreia und Antexeget, Priester und Erzrichter und Aufsichtsführen- der über die Chrematisten und die anderen Kollegial- Gerichtshöfe
von Heron Sohn des Ischyrion. Von dem mir ausgehändigten Zahlungsauftrag folgt anbei die Abschrift: Philippos Sohn des Aphrodisios dem Bankhalter Ptolemaios Gruß. Zahle am 30. des Monats Payni des laufenden Jahres an Heron Sohn des Ischyrion die gleiche Summe, die ich (von ihm) entliehen habe im , . Jahre Hadrians des Herrn, nämlich 248 Silberdrachmen, macht 248 Drachmen. Im 6. Jahr des Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus am 20. Choiak. Da dies sich so verhält und keine Rückzahlung stattgefunden hat, Philip- pos aber gestorben und sein Sohn Aphrodisios Erbe ist, will ich, daß die Urschrift des Zahlungsauftrages im öffentlichen Archiv sei und ich ersuche darum, sie aufzunehmen und, nachdem sie von meinem Bevollmächtigten, Ptolemaios, dem Sohne des Epimachos der auch Hermias heißt und Enkel des Didymos, inbezug auf seine Phylenzugehörigkeit Sosikosmios, inbezug auf seine Demenzugehörigkeit Althaieus, durch unten hinzugefügten schriftlichen Kaisereid als von der Hand des Philippos her- rührend erhärtet ist, zusammen mit diesem meinem Gesuch zwecks Verwahrung einzusenden und dem Strategen des Heraklidischen Bezirks des Arsinoitischen Gaus zu schreiben, er solle eine Abschrift hiervon dem Aphrodisios zustellen lassen in Gegenwart von zwei Freunden, damit er Kenntnis davon erhalte, daß der Zahlungsauftrag im öffentlichen Archiv sei, und mir die Rückzahlung leiste. (3. Hand.) Zu geschehen wie es üblich ist. Im neunten Jahre
des Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus am 17. Tybi. (4. Hand.) Genehmigt.
Einzelbemerkungen.
1 ^AvbpöveiKO?, der nach unserem Papyrus am 12. Jan. 125 ctpxibiKacTTri«; war, ist sonst nicht bekannt. Im Jahre 122/123 fungiert Sarapion, imj. 130 C. lulius Dionysios: s. Otto, Priestern. Tempel \ 197. Das sind die zunächst bezeug- ten ö. Ob ihre .\mtsdauer eine einjährige war, ist nicht sicher.
GESUCH AN DEN APXIAIKAITHZ UM VERLAUTBARUNG EINES BANK-SCHECKS. 43
4; Zum Gebrauch des Wortes ^viuniov = »persönlich, in Anwesenheit«, bes. in Verbindung mit netabibovai, s. meine Ausführungen in den Libelli aus der decianiuhen Christenverfolgiing, Abh. Berl. Ak. 1910, Lib. Nr. 24 S. 34 Anm. 9; zu der dort angeführten Literatur füge jetzt hinzu Moulton, EM. in die Sprache des Neuen Testaments, Deutsche Ausg. 191 1, 159 A. 2; v. Druffel, Krit. Viertel- jahrsschr. f. Gesetzgebung u.Rcchtsw. XIV, 191 2, 528. — Statt des ^eTaboer|TUJ üj? KoGriKei ^vtju(mov) steht im Petitum Z. 31 f. (s. die Einzelbem.) : neT[a]boövai ... Tip ^AqppobeKTiijJ TtapövTUJV qpiXuJV buo.
7 ff. Der dpxibiKacTTns Androniicos bezeichnet sich Z. i selbst (oder vielmehr durch seine Kanzlei) als iepeu? Kai dpxibiKaairi?. In Z. 7 flf. ist seine vollständige Titulatur angegeben; sie enthält i. P^hren-Titel und Mitgliedschaften, 2. seinen früheren cursus bonorum, 3. seinen Amtstitel. Sein Amtstitel lautet d. ko\ Ttpöq Tri ^TriiaeXeia tu)V xPIILiaTicrTÜJV Ka\ tuiv äXXuJV KpiTnptuJV, Erzrichter und Aufsichtsführender über die Chr. und die anderen KoUegial-Gerichtshöfe. Über diesen aus der Ptolemäerzeit stammenden Titel s. Schubart, Archiv V 66 fF. — Der d. wird in ptolemäischer Zeit erwähnt P. Hai. 10 (3. Jahrh. vor Chr.); Dittenberger, OGI. I 136 (2. Jahrh. vor Chr.); vgl. Strabon, Geogr.\i p. 797, 12. Er ist königlicher Beamter, seine Funktionen erstrecken sich auch auf die X^Jüp«.
Als Ehrentitel wird genannt veujKopos TOO ueYciXou ZapdiTTibo?, »Tempel- diener« des großen S. : s. dazu Otto aaO. I 113 f. Weiter gehört er zu oi iv T^i Mouffei'ijj (TeiTOU|uevoi dTeXeii;, er ist Mitglied des alexandrinischen Museums und als solcher steuerfrei: s. Otto aaO. 166 f. Endlich ist er icpeuq (toO Mou- creiou?); s. Otto aaO. I 166 f.; Koschaker, Ztschr. Savignyst. R. A. XXVIII 26 1 f. Von seinem früheren cursus bonorum erscheinen hier nur zwei alexandrinische Ämter (vgl. Koschaker aaO. 260): Das höhere Amt ist das des (Ttpottitö? tr\<i TTÖXeuJ«; (= (TTp. "AXeEavbpeiaq^ des dem kaiserlichen praef. urbi als Vorbild dienenden Polizeimeisters von Alexandreia: s. Archiv III 71 f.; Jouguet, Vie mu- nicipale 22. 30. 194. 478; Schubart, Klio X 68 f.; Wilcken, Grundzüge 14. 47. Das an zweiter Stelle stehende Amt des ävTeEtiflTil? war uns bisher nur aus BGU. 362 XV 10 (a. 215 ; Arsinoe nach der Autonomie-Erteilung durch Severus) bekannt. Näheres ergeben beide Stellen nicht. Weist das dvT- auf eine städtische Promagistratur hin? Vgl. etwa P. Oxy. VI 907, 21: dpxovTa f^ dvT- ctpxovTo; CIG. II 2222, 17.
12 Zu ^TTi(TTaX|ua s. die Einl. S. 37 f.
Vk Das übliche Schlagwort in Zahlungsanweisungen im Bankverkehr ist xPIM^i- Tiffov. Zum umfassenden Gebrauch des Wortes XPI^otfiCeiv s. Gradenwiu, Archiv II 97 ft". ; Preisigke, Giromesen 203.
17 Hier steht [TecrcTjapaKCVTa, Z. 18 TecTffcpoiKOVTa. [Das Nebeneinander der von der gleichen Hand stammenden beiden Schreibungen in einer Urkunde des 2. Jahrhunderts nach Chr. ist bemerkenswert, einmal für den beginnenden Laut- wechsel (Moulton, Einleitung 67; Blaß-Debrunner, Gramm, d.neutest. Griechisch* % 29), sodann aber für die Tatsache, daß in unliterarischen Texten ein fester
6*
44 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 6. 12. JAN. 125 N. CHR.
Sprachgebrauch auch bei einer und derselben Persönlichkeit nicht immer vor- liegt. Auch im N. T. hat man hiermit zu rechnen. A. D.] 23 Zu den verschiedenen Bedeutungen von br^offiov s. Preisigke, Girowesen Index S. 563. An unserer Stelle bezeichnet das Wort >öffentliches Archiv« (briiaöaiov dpxeiov, und zwar die 'Abpmvii ßißXioöriKri (nicht auch x\ toö Navai'ou ßiß\io6r|Kti'; s. die Einl. S. 40. — In ptolemäischer Zeit läßt sich btinocTiov, ebenso wie in den außerägyptischen Griechenstädten, für das Stadt- archiv der Griechenstadt Ptolemais nachweisen (s. die Petersburger Inschrift aus dem J. 76/75 vor Chr. bei Plaumann, Ptolemais 35). Auf Alexandreia bezieht sich vielleicht das P.P. III 7, 14 f. (238/7 vorChr.) erwähnte brmoffiov (s. unten\ In diesem Stadtarchiv werden öffentliche und private Urkunden verwahrt (vgl. P.Hai. I S. 156 f.). Es ist also in gewissem Sinne Vorgängerin der in der Kaiserzeit in allen Gaumetropolen bestehenden brmotTia ßißXioenKti (= btil^o- (Tiiuv XÖyujv ßißX.\ von der in der zweiten Hälfte des i. Jahrhunderts nach Chr. die e^KTnCTeujv ßißXioGiiKri in allen Metropolen abgesondert wird. Die Ansicht Preisigkes [Kilo XII 406 ff.), der auYTpaqpocpuXaH sei der Vorgänger der brj- jioffia ßißXio9r|Kr|, ist zurückzuweisen. — Zu der unabhängig von dem griechi- schen Archivwesen sich vollziehenden Entwickelung der römischen Munizipal- archive (tabularia) s. Steinwenter, Beitr. z. öffentlichen Urkundenwesen der Römer., Graz 19x5, 26. Er identifiziert das btiof^CTiov dpxeiOV der Urkunden des 5. — 7. Jahrhunderts mit der statio des tabellio.
Zu P. P. III 7, 14 f.: Im Passus (KttTaXeiinu ..1 Kai koö' uTtOTpacpnv Tf)V ^v
briiuomijui ''ATroXX[ ] Trapembriliov, oc, Kai lupiffii "lujvaBäq [ku-
Xeirai, öqpeilXovTct moi dpTupiou (bpaxuä<;) pv . . . wird ÜTTOTpaqpri in der Bedeutung >Verpfändung» gebraucht; vgl. die tabula Heracleensis aus dem 4. Jahrh. vor Chr. [IG. XIV Nr. 645 = Rec. Inscr. iur. gr. I S. 193 ff.) § 14: oüx ÜTTOYpäipovTai be Tujq x^J^P^JU? toütuj«; ol liiaGuJCTdiLievQi . . . Und zwar handelt es sich um Selbstverpfändung des Schuldners: s. Hesychios ÜTTOYpa- qpiujv TU)V dm tJj (Tuüiaari bebaveiffnevuuv (dazu Salmasius, de med. usur. p. 754: ÜTTOYpatpiou«; graeci appellabant qui sub pignore corporis sui pecuniam acceperant). Jonathas ist UTTOf päcpioq , er hat »auf den Leib geborgt«. Als Schuldknecht (vgl. die kretischen KaraKeiiaevoi, die vorsolonischen dTiwTi^oi des attischen Rechts und das dYUJTi|Liov eivai der Perserepigonen in den alexan- drinischen au^Xi^ptlffei? der augustischen Zeit, weiter die den altrömischen nexi gleichzusetzenden obaerarii = obaerati des Varro) wird er vom Gläubiger neben seinem sonstigen Hab und Gut vermacht auf Grund der im Schuldamt als Unterabteilung des Stadtarchivs (in Alexandreia?) hinterlegten Verpfändungs- urkunde. Nach einer Inschrift aus Amorgos [IG. XII 7 Nr. 3 = Dittenberger, Syll.' 511) zeigt der Schuldner, um der gerichüichen Verurteilung und nach- folgenden gesetzmäßigen Personalexekution zu entgehen, sich als Selbstver- pfändeten beim Schuldamt an (Z. 33: ÜTrOTpaqprun iroiuJVTai -rrpö? TOq t'P^'Ji- cpuXoKac;). So wird der Fall auch hier liegen. Zum Vergleich ist noch heranzuziehen Lysias, Kard "EpaTOffOevouq § 98: oi b' em Eevt^q (vgl. den TTapeTTibriiuoq) mKpüJV av ?veKa 0u|ißoXaiujv dbouXeuov dprmia tuiv ettikou-
I
GESUCH AN DEN APXIAIKAITHZ UM VERI.AUTBARUNC EINES BANK-SCHECKS. 45
ptiöovTUJv; Menandros, "Hpiu? v. 36 (t6 XP^o? dTiepfaCojievo?) ; Dio Chryso- stomos, or. XV § 23 (bouXeueiv kotö (TuYTpacpnv). Auch die verstümmelte
Stelle des P. Ilal. i, 256: uTTOfpaqp^cTeuj TTpö[i; TÖ ] dq)€i-
Xonevov dürfte Pfandbestellung (nicht Selbstverpfändung) zur Sicherung der restlichen Kaufsurame betreffen; das TTpo? ist da gerade am Platze. Ebenso kann man wohl das auf einen demotischen Darlehnsvertrag bezügliche ünOTpCt- cpfiv TTOinffacrGai em AiO(pdvou[? P. Magd. 19, 7 auffassen. Nur das Ü7t[o]- YpäiyacrOai noi toO bnrXoO eKqpopiou P. MagJ. 7, 7 läßt sich mit meiner Er- klärung nicht vereinigen. — An Literatur zum Gegenstand im allgemeinen nenne ich nur Mitteis, Ztschr. Savignyst. R.A. XXII göff. ; XXV 282 f.; Swoboda ebendort XXVI 190 fr.; Lewald, Zur Personalexekution im Recht der Papyri, 1910; P. Hai. S. 15s ff.
24 AüBevTiKOV €TricrTaX|aa: zu auGevTiKoq s. die von mir P. Hamb. I S, 76 A. 4 angeführten Beispiele; dazu/". OxyNlW 1115,5. 9: a. änoxn; P.Oxy.W 1208,5: ibioYpacpo«; Ttpäcris . . f)? ^ovaxbv aüöevtiKov . . . dTTiive-fKa; vgl. auch P.Flor. II 223, 5: a. biuJpuE; P. Monac. 13, 29; 16, 17: a. öüpa.
25 Zu i)7TOK€X€ipOTpa(priiaevou und biaTreffxaXiaevou s. die Einl. Anm. 30.
27 f. ZujcTiKoffmoq 6 Kai ^AX9aieu?: Zu den alexandrinischen Phylen und Demen s. Schubart, Archiv ^ ^2 'S..:, Wilcken, Kaiser Nero und die alexandrinischen Phylen: Archiv V, 182 f. Der vornehmste bfi|Li0(; der 'AX9ai£i? wird in der Kaiserzeit (wohl seit Nero) geteilt und die Teile verschiedenen neuen Phylen zugewiesen, die jetzt stets hinzugefügt werden; s. Schubart aaO. 95 flf. [Das hier als Phyletikon gebrauchte Wort auJcriKoaimos, das später auch im christlichen Sprachgebrauch vorkommt, ist wichtig für die Geschichte der Einbürgerung der Weltheilandsidee durch den Caesarenkult ; die urchristliche Weltheilandsidee steht dazu in einem wohl schon früh empfundenen Kontrast; Licht vom Osten^-^ 276. A. D.] 39 Zu KataxtupiCeiv '(TufKaxaxujpiZeiv Tivi) ti eTq iiva oder Tivi, » ein Schriftstück (zusammen mit einem anderen) an jemanden einreichen«, s. Preisigke, Giro- wesen 455 f. Vgl. Nr. g, 13 f. mit Einl. Anm. 14.
31 f. Die Zustellung soll nach dem Gesuch des Gläubigers an den Erben des Schuld- ners TiapoVTUJV cpiXuJV büo erfolgen. Diesen zwei Zustellungszeugen sind die zwei Ladungszeugen bei der Privatladung des Beklagten (iTp6crKXr|(Ii<;, KXf\aiq; s. Lipsius, Attisches Recht 804 ff.) im attischen und im ptolemäischen Gerichts- verfahren an die Seite zu stellen (s. P.P. III 21g = Mitteis, Chrest. Nr. 21, 34; P.Nil?. 30 = Mitteis, Chrest. Nr. 20, 21; dazu Mitteis, Grimdziige 17, Zucker, Beitr, z. Kenntnis der Gerichtsorganisation im ptol. Äg. 46. 126; San Nicolö, H. Graf Archiv LV 250). Vgl. auch die Ladungszeugen im Deutschen Recht; z. B. lex Salica 47, 2; 45, 2; lex Ribuaria 33, 2; Sachscnsp. I 63 § 5: II 54 § 6. — In gleicher Weise vollzieht sich die Zeugenvorladung im alexandrini- schen (und ebenso wohl im attischen) Recht in Gegenwart zweier Ladungs- zeugen, wie das P. Hai. i Z. 222 f. zeigt (s. den Kommentar daselbst S. 126). Diese Ladungszeugen (ohne Unterschied) heißen nach alexandrinischem wie
46 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 7. 9. JAN. 130 N. CHR.
gemeingriechischem Sprachgebrauch KXriTOpeq, nach attischem KXriTiipe? {s. Lipsius aaO. 805 Anm. i). In der Inschrift von Teos bei Dittenberger, Syll.^ Nr. 177, 43 findet die Ladung statt evaviiov K[\r|]T6[p]ujv bu[oj dEioxpewv. Dem entspricht im P. Hai. i Z. 222 f.: Eiq |uapT[upijav KX^aiq' Ei[<;] ^ap- Tupiav KaXeiffeuj dvavTiov bOo KXrtiJropwv ... — Vgl. auch das statt des sonst üblichen (s. Nr. 15— ly) im irapovTUJV üjuaiv (^tti TtapoOcJiv u|aTv' in dem oben (Einzelbem. 4) angeführten Libellus gebrauchte eviwTTiov u|iü)V. 35 ff. Zu den beiden Subscriptiones s. die Einl. S. 39 f.
Nr. 7. VERTRAG ÜBER HINGABE AN ERFÜLLUNGSSTATT IN FORM EINES LIEFERUNGSKAUFES.
Höhe 17, Breite 7 cm. Faijum. 9. Januar 130 nach Chr.
Panesneus Sohn des Hatres, ein Persernachkomme, bescheinigt dem Aphro- disios Sohne des Philippos (s. S. 30 s. 3) am 9. Januar 130 den Empfang des nicht näher bestimmten Preises für 4 '/^ Artaben schwarzer Bohnen der kommenden Ernte und verpflichtet sich, diese im Mai/Juni des laufenden Jahres, nach der Ernte'), im Dorfe Sethrenpaei als Erfüllungsort (Z. 16) zu liefern. Kommt er seiner Verpflichtung nicht nach, soll er sofort anderthalbfach und mit Verzugs- zinsen zahlen, dem Aphrodisios steht gegen ihn Real- und Personalexekution zu"); seine übrigen Schuldforderungen werden dadurch nicht berührt').
Die Urkunde ist aufgesetzt im Dorfe Polydeukeia im Nordwesten des Faijum. Als Erfüllungsort ist das Dorf Sethrenpaei angegeben, dessen Name auch auf dem Verso steht. Die beiden genannten Dörfer sind, ebenso wie die Dörfer Apias und Philopator (s. Nr. 13), benachbart und haben eine gemeinsame Staats- notariats-Filiale (s. P. Fay. 344; P. Teb. II S. 401), vor der die Parteien nebst dem als Vertreter für den schreibunkundigen Panesneus fungierenden ÜTrofpaqjeiji; (Z. 26) erscheinen (vgl. Nr. 13 Einl.).
Wie ist der Vertrag aufzufassen? Ich habe die Parallelurkunde P. Hanib. I 21 (a. 315) in meiner Ausgabe als Lieferungskauf (Pränumerationskauf] erklärt und mich damit Wenger [GGA. 1Q07, 316 zu P. Siraßb. I i) und Berger [Siraf- klauseln 143 ff.) angeschlossen. Gegen diese Auffassung hat aber schon Rabel [Ztschr. Savignyst. R. A. XXVIII 315 A. i. 318), Preisigke [P.Straßb. I i) folgend,
i) Vgl. Kr. 5, 15. 2) Vgl. Nr. .,-, 2 ff.
3) Vgl. u. a. die Urkunden über datio in solutum BGV. 1055 (auYXUupei 6 öeiva £xiv irapa
ToO öeivoc; 6dvriov .... (6pax|nä<;) Eö ötokov, 6 Kai diro&uiösiv .... öiftoüi; koO' eKÖarriv r||uepav
A^"-^ .... öTCiiavbv ÖKTOKaibeKO Korupüiv YciXaKTO? .... ToOto 6' €(Jtiv t6 5dv£iov eKxöi; erepuuv lüv
rW'''^^' öqpiXci 6 öebaveionevo; tiü öebovciKOTi'". . . . dXXuüV (öpax^ÖJv) pj und BGU. 636 (Z. 21 f.: Kaxü
l^.l»!*^ |ari66VÖ(; eXarouinevou aou irepi erepaiv div öqpiXuji öoi; dazu Grademvitz, £infiihning'7,\ ff.; Z. 26ff. :
öjuoXofuii )a[€|ui]öeu)Kevai coi Kai Troii0u)i im uäai KaBuj; itpÖKeiTai koi X"JP>? äXXujv djv öqpiXiui;.
VERTRAG ÜBER inNGABE AN ERFÜLLUNOSSTATr. 47
geltend gemacht, daß die Urkunden, in denen der »Kaufpreis« nicht beziffert ist, nicht als Pränumerationskauf, sondern als datio in solutum, Hingabe an Kt- fiillungsstatt, aufzufassen seien. In unserer Urkunde ist der Preis nicht beziffert (Z. 9). Ein Teil der Schuldforderungen — in Geld — des Aphrodisios (s. Z. 24 f ; Anm. 3) soll durch Hingabe von 4'/,, zum Marktpreise berechneten Artaben Bohnen der kommenden Ernte als beglichen angesehen werden.
Ebenso sind als Urkunden über datio in solutum^) zu erklären die als Liefe-
jl<\H^ rungskaufverträge gefaßten F. Hibfl 84a (285/4 vor Chr.); P. Rein. 30*'(2. Jahrh. vor Chr.); P. Tel). II 379 (a. 128); P. Hamb. I 21 (a. 315); P. Strafib'!\ i a. 506 ;
;^' P. Lom/.llt^S. 270 Nr. 999 (a.538). looi (a. 539)^; P. Flor, l 6^ {&. 570/1?); P.Lond.
II .g II 390 S. 332 (saec. VI/VII); vgl. auch Nr. 5, 13. In allen ist der »Kaufpreis« nicht
'" beziffert =).
Für den Fall des Verzuges wird Panesneus wieder als Gelddarlehnsschuldner behandelt: er hat Ti|Lir| fmiöXios und »Zinsen« zu leisten Z. 19 f); darunter sind Verzugszinsen zu verstehen (vgl. Berger, Straf klausein ii8ff.\
Drei Zeilen fehlen.
T€(J(Tap[e]0Kaib€KdTr) TOßi ib ev TToXu- 9. Januar 130
beuKti'a Tfi? OeniaTou neptbo? toO
'Apaivouou vonoO. '0|uoXo-feT
TTaveaveuq 'Axpeiou? TTepcrriq tili; S dniYoyfis djc; dxiüv TeffffapdiKOVTia^
buo oü[X]rii x^ip^ dpicTTcpot 'Acppobiaiuji
<t>iXiTrTTOv "Jus eiuiv TrevTriKOvra
TeCTCTapujv cüXr) öqppuei dpiffTepä
?Xiv uap' aiiToO leiMi'iv Kuä|uo^u) n£Xavo((;) 10 vlou KaGapoO dboXou dpraßoiv
Te(Tcrdpu)v ifinicTovji; \xk.ipw bp6|au)v
xeTpaxoweiKif), iLv Kai inv dnö-
boCTiv nor^crdcTGu) 6 TTavetTveiK; Tilii
'Acppobiffi'iui ^v |uriv\ Zujtripeiuji Mai/Juni 130
15 ToO ^yeffTuJTOc; T£(Tcrape(TKaib€KdT(ou)
Itou? ^TTi Kuj|uri? ZeGpevTrdei
Die drei fürtgefnllenen Zeilen lauteten: ["Etou? 6 I. oüXti. 9 I. €X«lv, Tinnv. 12 1. TCrpaxoi- ^ TECöapcaKaiieKaTOu AÜTOKpaTopoi; Kafoapo^ v(kiu. 13 1. noiriadoöiu. 14 1. luiTT^piiff. TpaiavoO 'AöpiavoO ZeßaaroO Mr|vö<; Auarpou].
4) Über Hingabe von Pachtgrundstücken an ErRiUungsstatt s. A'r. 12 mit den daselbst In der Einleitung angeführten Parallelen.
5) PrSnunierationskauf mit beziffertem Kaufpreis liegt dagegen vor P. 'Jet. I 109 [93 vor Chr.) ; .j^^ n ^j. I^CV. 1142 (25/24 vor Chr.); P. Land. III n66 S. 104 (8.42); P. Amhfn 150 (a. 592). In dem ptolc- ,^ maischen Vertrag über Hingabe von drei Eseln an Erfiillungsstatt P. Grademoiti ed. Plaumann Nr. 10 * [Sitzungsler. HdJelh. Ak. d. IV., phil.-Mst. Kl. 1914, 15. Abh. S. 54 ff.) aus dem J. 215/14 vor Chr. ist
der »Kaufpreis«- ber.iffert. Vgl. BGL'.gt^ und weitere Beispiele bei Rabel aaO. 312 fr.
48 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 7. 9. JAN. 130 N. CHR.
av€u TTOKTti? unepeefTeuJ? Kai
ei)pr)[0]iXoYiaq. "Edv hi }xr\ dTTobuii
KttGd TeTPCTTTai, dTroxeKToiTUJ trapa- 20 xpf\\iq neG' rumoXiai; Kai tokiuv,
Teiv[o]yevtii; tüji 'Aqppobiffiuui Tfi<;
■iTpä[He]uji; 2k te toO riaveffveujq
KOI [4k t]u)V ÜTrapxovToiv aÜTuJi
7TdvT[uu]v KaGÖTTcp iK biKtig, X'JJp'i? 25 aXXuj[v] iLv 6(peiX€i 6 TTaveffveüi;
TiLi ''Aq)pobi[ffi]iui. 'YTTOTpa^eu? toO
TTave[(r]yeuui; 'Qpi'iuv Atupiiuvoq
wq L Xa (oüXri) laeTujJnifj] Meer ijj). 2. Hand TTaveffveui;
'ATpeioui; TlepcTiis rfiq dmTOviif?) 30 6|aoXofuJ ^Xiv napä toO
^Acpp9biaiou Tipr) Kuäy[o]u MeXavo(?)
veou dpiaßiiv Tecractpujv fim'-
(Tou? neTpijj bponujv Kai dTTObiu-
auU ^[v] |JT1V\ ZuJTTlpilUl TOO
Der Papyrus bricht ab.
Vi'fso. Ze9pevTT[d6i].
18 I. 6up£<Ji\oTia;. 19 1. dmoTiadTiu. 21 1. THir\v. 35 ff. Das Fehlende ist nach Z. 15 ff. zu •f ivo|uevri<;. 28 L = erOüv. 30 1. ex^'^- 31 1. ergänzen.
Übersetzung. [Im 14. Jahr des Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus im Monat Dystros am 14. =] 14. Tybi in Polydeukeia im Bezirk des Themistes des Arsinoitischen Gaus. Es bekennt Panesneus Sohn des Hatres, Perser- nachkomme, ungefähr 42 Jahre alt, eine Narbe an der linken Hand, dem Aphro- disios Sohne des Philippos, ungefähr 54 Jahre alt, eine Narbe an der linken Augenbraue, von ihm zu haben den Preis für 4'/, Artaben schwarzer Bohnen von der neuen Ernte, zu liefern frei von Schmutz und ohne Trug, gemessen mit dem Vierchoinikenmaß, wie es auf den Plätzen vor den Tempeln im Brauch ist. Und ihre Lieferung soll der Panesneus dem Aphrodisios leisten im Monat Soterios des laufenden 14. Jahres im Dorfe Sethrenpaei ohne jeglichen Aufschub und Aus- flucht. Wenn er aber nicht liefern sollte wie schriftlich bedungen ist, soll er sogleich anderthalbfach und mit Zinsen zahlen, indem dem Aphrodisios zustehen soll die Zwangsvollstreckung sowohl gegen die Person des Panesneus als sein ganzes Vermögen, gleichwie auf Grund eines gerichtlichen Urteils, unbeschadet dessen, was sonst der Panesneus dem Aphrodisios schuldet. Es unterschreibt für den Panesneus Horion Sohn des Dorion, ungefähr 3 1 Jahre alt, eine Narbe mitten auf der Stirn. [2. Hand). Ich, Panesneus Sohn des Hatres Persernach- komme, erkenne an, von dem Aphrodisios zu haben den Preis für 47, Artaben
Nr. 8. HYPOMNEMA AN DEN EPISTRATECEN L. TREBIUS PROCULUS. 49
schwarzer Bohnen von der neuen Ernte, lieferbar gemessen mit dem Maß wie CS auf den Plätzen vor den Tempeln im Brauch ist, und ich werde liefern im Monat Soterios des
Einzelbemerkungen. ^
1 Zum Dorfe Polydeukeia s. P. Teb. II S. 397. 5 f. (s. auch Z. 7 f. 28 f.) Zum Signalement der Parteien usw. s. Gradenwitz, Ein- führung 126 flf.; Mitteis, Grundziige 75; P. Hamb. I Nr. 38, 21 ff. Einzelbem.; Nr. 4 Einl. Anm. 48. 49.
9 Kuäno(u) |ne\avo(?) »Schwarzbohne*: s. P. Lond.Wl 1265 a. b S. 36 (Sokno- paiu Nesos); Homer, Ilias 13, 589; dazu Olck bei Pauly-Wissowa III 610. Kuano? in den Papyri s. u. a. BGU. 560 passim; 802 passim; P. Land. I S. 90, 183; III 900 S. 89f. ; P. Teb. I 90, 38; II 341, 13; P. Oxy. II 298, 41; P.P. III 75, 10. Kuaiiujv BGU. 11 19, 11. 19. 10 veou KaGapoO dboXou s. Waszynski, Bodenpacht 108 f. [Zu SboXoc s. Neue Bibelitudhvi S. 84. A. D.] 11 f. Zu neipifj bpö^uiv TeTpqxoiviKqj s. TW.J, 14 f. Einzelbem.
VXt Der Monat lujiripioq ist = TTaOvi (Mai/Juni); s. Hohmann, Zur Chronologie
der Papyrusurkunden, Diss. Münster 1911, 72. 16 Zum Dorfe Sethrenpaei s. P. Teb. II S. 401. 17—24 S. die Kinzelbemer-
kungen zu yV>. 5, iff. 24 f. S. die Einl. Anm. 3. 26 Zum OnoTpacptü?
s. iVr. /J Einl.; Nr. 33.
Nr. 8. HYPOMNEMA
AN DEN EPISTRATEGEN L. TREBIUS PROCULUS
(VINDIKATION VON BONA MATERNA).
Höhe 32, Breite 21,5 cm. Oben freier Rand von 3, unten von 7, links von 3,5 cm; rechts fehlen 10 — 14 Buchstaben. Eine Klebung. Z. I — 18 Kontext der Eingabe (Hand eines Schreibers], Z. 19 — 21 Subscriptio der Petenten (Hand des Philippos), Z. 22 Datum der Überreichung (Hand eines Kanzleibeamten), Z. 23 eigenhändige Subscriptio des Epistrategen. Foijum. 16. August 151 nach Chr.
Ich habe den Amtstitel des Adressaten der Eingabe L. Trebius Proculus, der bisher nicht bekannt war, als ^TTriffipaTiiTiui] ergänzt. Praef Aeg. kann er nicht sein: erstlich fungiert um diese Zeit als solcher L. Munatius Felix"), sodann wird die Ergänzung dTr[dpxuji AiTÜTrrou] prinzipiell durch den Rangtitel xdii Kpa- TiCTTUJi ausgeschlossen, der sich stets nur in Verbindung mit dem allgemeinen Ausdruck nxenövi, niemals mit dem eigentlichen Amtstitel dndpxuji AItOtttou findet. Wir werden danach L. Trebius Proculus als neuen Epistrategen der Hepta-
l) S. meine Ausführungen Klio VII 124 f.; Cantarelli. freftttidiEgitto I 51 f. PM. Meyer, Griechische Texte aus Ägypten.
50 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS. Nr. 8. 16. AUG. 151 N. CHR.
nomis anzusehen haben, der in der Liste') zwischen Crispus (147/8) und C. Valerius Maximus (nach 151, vor 156) einzusetzen ist.
Der Epistratege hat niemals selbständige Zivilgerichtsbarkeit^). Da hier von einer Delegation durch den praef. Aeg.'') keine Rede ist, so kann wohl nur Gewährung polizeilichen Schutzes oder schiedsrichterliches Eingreifen in Frage kommen'). Der Epistratege erklärt sich in der ÜTTOfpacpri Z. 23 nicht sofort für inkompetent, indem er die Sache an den praef. Aeg. verweist^), bedeutet viel- mehr die Petenten, nach der Aus.saat (gegen Ende unseres Jahres) sich von neuem an ihn zu wenden: nexd KaTaffTTopäv ?VTUxe |ioi. Das kann zwar auch besagen, daß er sich die nähere Prüfung der Sache für später vorbehält.
Petenten sind die beiden Kinder des »Faljum-Griechen« "Acppobiaioq <|)iXm- iTOU, Philippos und Charition; der Bruder fungiert zugleich als Geschlechtsvor- mund seiner Schwester. Klageobjekt sind die ihnen als Erben ihrer spätestens 127/128 nach Chr. verstorbenen Mutter Didymarion zugefallenen Vermögens- stücke. Das Petitum geht auf Restitution nebst Früchten und Zuwachs (Z. 1 6 ff.). Obwohl die Wiederherstellung der Zeilen 8 — 10 noch nicht vollständig gelungen ist, besteht doch kein Zweifel darüber, daß Aphrodisios es ist, der seinen Kindern die bona materna entzogen hat und gegen den die Klage sich richtet (s. oben S. 31). Nachdem er die Zapa[Tndi; f) Kai 'Aj9nvdpiov als zweite Frau geheiratet (Z. 8; iiii (TuvnXGev Z. xf) k. 'A.), bemächtigt er sich (nach dem J. 131/2: s. Nr. 9^ 13; S. 30) des gesamten Nachlasses und läßt ihn dann (nach dem J. 147: s. Nr. g, 10; S. 30) auf ihren Namen überschreiben (Z. 12: [Kaiatpaqpfivai] (TuveraSev eiq xö Tf\s fuvaiKoq aÜToO 8vo|ia)'). Seine Absicht ist klar; er will seinen Kindern auch nach seinem Tode ihr mütterliches Vermögen entziehen. Auffallend ist nur, daß diese die langen Jahre hindurch keine gerichdichen Schritte zur Wiedererlangung ihres Eigentums unternehmen, sondern erst nach der Übertragung auf Sarapias den Klageweg beschreiten. Das ließe trotz der gegenteiligen Angaben der Kinder vielleicht einen Rechtstitel ') vermuten, auf den sich Aphrodisios bei seinem ersten Vorgehen (nach dem J. 13 1/2) stützt. Sollte er etwa laut Testament der Mutter
2) S. Martin, hs Epistratiges iSofT.; dazu Archiv V\ 2\f) S^.
3) S. Mitteis, Zur Lehre von den Libellen: Ber.d.Sächs.Ges.d.\V.,phü.-hi5t.Kl.\.W.\, 1909, 79 ff.; Martin aaO. 157 ff.
4) Vgl. Mittels aaO. 98 ff.; Grunckügc 'i^; Martin aaO. 165 Anm. I.
5) Vgl. hes.BGü'. 168 (= Mitteis, C/irest-Nr. 121], weiter P. /Vor. I 58; P.Amk.llTT, BGU. 2^1; P. Gen. 31 (= Mitteis, Chrest. Nr. 119).
6j Wie z. B. P. Oxy. III 486 (= Mitteis, Chrest. Nr. 59), 8 f.
7) Zur Bedeutung von öuveXOeTv Tivi Z. 8 = »heiraten-, die hier, wie Wilcken betont, vorliegt, vgl. die Synonyma auvoiKeiv, <TU|ußioöv; s. Archiv lil "jo. — Die Ergänzung iKarafpaqpt^vaij (Juv- eraEev Z. 12 verdanke ich Wilcken, der mir schreibt: »Hierauf führte mich BGC/. 136, 9f. : €i<; rfiv auvr)Topou|aevriv . . . auvTeroxevaii KaTafpoq)ä(; uitapxovTUJV. Vgl. Mommsen zu dieser Stelle bei Gradenwitz, Hernics XXVIII 321 Anm.« — Zur Wendung cii; tÖ . . övo|na s. die Einzelbem. 13.
8) Vgl. andrerseits z. B. die von Gerhard herausgegebene Klageschrift bei Preisigke, S. B. Nr. 4638 (= P. Heid. 1280 + P. Grenf. I 17 + 15: Philometor), wo von dem Beklagten gesagt wird
(Z. 8 f.) : etteXeüjv aüv äWoi? oüre kot' äfxicSTeiav cntOTpavoMEvoi gute kotö öiaerJKriv dtro-
XeXei|H!iievDi etriTpoTToi ....
HYPOMNEMA AN DEN EPTSTRATEGEN I,. TREBIUS PROCUI.US. 51
bei Lebzeiten den vollen Niesbrauch des Vermögens haben? Oder hatten die Kinder auf Grund eines Erbvertrages ein Verfangenschaftsrecht ^KaToxn) am mütterlichen Vermögen, der Vater dagegen das Nutzungsrecht bei Lebzeiten»)? Unsere Urkunden weisen auf nichts dergleichen hin. Vielmehr bezeichnet die Subjektsdeklaration Nr. g (Z. lo) die Sklaven als im Eigentum des Aphrodisios befindlich. Sie geht zwar auf diesen selbst als procurator des Deklaranten zu- rück. Aber ebenso zeigen alle in unserer Klageschrift angeführten Handlungen des Aphrodisios, daß er sich als Eigentümer, nicht als Niesnutzer betrachtet. Auch die Worte xiuv cruj|udTUJV rd? dnocpopÖK; '") i.-(Ki.-^o\xhiov Z. 12 beweisen nichts dagegen: die Sklaven befinden sich nach der eben erwähnten Subjekts- deklaration bei der Volkszählung im J. 147 in dem an einen Verwandten des Aphrodisios vermieteten Hausteile des Deklaranten. Hier tun sie Dienste; es liegt zweifellos Sachmiete") vor, der Mieter des Hausteiles und der Sklaven hat für diese letzteren an Aphrodisios eine merces zu entrichten; das sind »die Er- träge der Sklaven«, die er beansprucht").
Die Kinder erheben gegen die Überschreibung auf die jetzige Frau ihres Vaters den Einwand, er sei (JiTOTTapaXriiiTTTTi?, ein dem (JitoXoto? untergeord- neter liturgischer Beamter der Speicherverwaltung '^), gewesen (Z. 13 f.) und da- durch »vermögenslos« geworden (eiq aiTOpov TpaTr[€]vTU)V, 1. -vto?'. Die aTropoi sind die in die dnopujv YPaqiai eingetragenen Personen, die (im Gegensatz zu den euTTopoi) keinen Ttopoi;, kein liturgiepfiichtiges Vermögen'^), besitzen '^j. Aphro-
9) Vgl. Mitteis, Grundiilgt 241 ff.
10) In oxyrhynchitischen Testamenten und Eheverträgen entspricht dem der Ausdruck T^iv 6oijXE(av KOI diioqpopCK; öoüXidv, »die Dienste und Erträge von Sklaven« : s. P. Oxy. II 265, »o; III 489, 8. 17; 494 (= Mitteis, ehrest. Nr. 306), 15; 496 (= Mitteis, Chrest. Nr. 287), 6; vgl. P. Flor. I5S>33; 56, 17-
11) Locatio conductio servorum, Sachmiete von Sklaven, liegt auch vor in den Ammenvertrlgen (3. zu Nr. II] BGU. 1058 (= Mitteis, Christ. Nr. 170). U09, vgl. P. Teb. II 399. /'. 0.xy. 1,91, BGU. IUI. 1112, wo die Amme eine fremde Sklavin ist. — Antichrelisch^ Dienstknechtschaft eines frem- den Sklaven haben wir im P. Rainer 138 (s. Wessely, Karanis S. 32), VerpfUndung von Sklaven P. Ttt. II 286 (= Mitteis, Chrest. Nr. 83), II : xö (TiünaTa KOt TÖi; k^aamc,.
12) Auch im attischen Recht bezeichnet diTTOcpopa häufig den dem Herrn fiir einen ausgeliehenen Sklaven (äv6pdTro&ov |Ui09o(popou|U€vovl gezahlten |aio96i;. Meist bedeutet es die .Abgabe, die der ein Handelsgeschäft auf eigene Rechnung betreibende Sklave an seinen Herrn zu entrichten hat. S. Lipsius, Attisches Recht III 797 mit Aum. 26.
13) S. Wilcken, Ostraka\(s(>\.
14) S. Wilcken, Grundzüge 343; Paul M. Meyer, P. Giss. I Nr. 58 Einl. S. 8.
15) Schwierig ist die Frage, ob die ömopiKä dvÖMOTO [BGU. 390, 8: saec. III), die äiropa Öv6- luara in Urkunden des 4. Jahrh. {P. Gen. 66 = Wilcken, Chrest. Nr. 381; 67; 69; P. Thead. 41* und endlich das öiropov rf^i; KU)|ur|i; im /'. Gen. 70 = Wilcken, Chrest. Nr. 380, 7 f. {a. 381) mit den öiropoi in Verbindung zu bringen sind, wie es Jouguet [Vie municipale ^<); P. Thead. \\ Einl.) tut. Die ge- nannten tJenfer Papyri (aus Philadelpheia), in denen es sich um Verpachtungen dito ToO dmöpou rf\t, KUifurii; = ctTtö ÖTTÖpiuv övo|.idTU)v durch das KOivöv Tfl? KUiMtli; bzw. die Komarchen handelt, sprechen dagegen und eher für Wilckens Auslegung [Chrest. Nr. 380 Einl.; S. VII), der änopov als »unfrucht- bares Land«, äiropa üv6|aaTa als »unfruchtbare Besitztitel« faßt (vgl. Zulueta, de patrocinüs vitv- rtim 72; s. auch /'. Cairo liyz. cd. Maspero I 67106, ll). Zweifelhaft ist mir die Sache inbezug »uf den leider unvollständigen BGU. 390.
52 DIE FAMlLIENPAriERE DES APHRODISIOS PHTLIPPU. Nr. 8. 16. AUG. 151.
disios ist als cnTOTTapaXrmTTTiT; durch das ßäpoq ifii; XeiTOup-feia?'*) in Vermögens- verfall geraten und seinen liturgischen Verpflichtungen nicht nachgekommen, sein Besitz daher vom Staate eingezogen''). , , . . j
AouKiiui Tpeßiuui TTpoKXuJi töii KpaTicTTUJi eTr[i(TTpaTr|TU)i]
TTapd OiXiTrnou xai XapiTi'ou dnqpoTepiuv "Acppobiffiou toO <J)i[XiTTTTOu
KaTOlKOU]
TU)V ev Tijj 'Apaivottr) dvbpujv 'EXXr|VUJV 3-uoe, i?\q be XapiTiou fierd
[Kupiou i|iO0 TOO] 0iXiinTOu. 'H dnqpoiepujv Mnirip Aibundpiov eieXeuxriffev In dito [. .
gTOuq]
5 öeoO 'AbpiavoO im KXTipovoMOiq fi|neiv loie dcpriXiSi, Kaid be [tous
voiaou? eXdxo|Liev] rd ÜTrdpxovia küi oiKoireba Kai bouXiKd ffiwiaaTa leaaepa koii T[d toO-
Tujv ?TTo]- va KOI dTTÖBeTa a ..[..] . '0 be TTpoTeTpaMMevo? f)fjiu)[v Trarrip 'Aqppobif CTio«; irdvTUJV dviecp.. .[.. .], ücTiepov, eni (yuvf)Xeev Iapa[Tnäbi irj Kai'A]- Gtivapitu, KOI ihq [. . .] Kti a . [. . . irJdvTiJUV eteveTO dXoTuuq dEiü)[v . . .
]
10 TuJv ibiujv nn^ev a[|ua xe] KaTaq)poviI)V rfis nep\ fmfi? dg[on9r|TOu dffGe-
veia?]. "Ektote ouv MEXPi ToO v[öv] irdvTUJV dvTiXa|ißavo|ievou Kcti [dvTi7roiou|i£]- vou KOI Ttiiv 0(ju|idTUJv xd? dTTocpopd? efXeTOlJevou, Travia [KataTpa-
qpfivai] (TuveiaHev ei? t6 ifj? TuvaiKoq aÜToO 6v9|Lia, KaiToi toO TraTpör? iiniliv
(TiTOTTapa]-
1 €tr[iOTpaTnTU)i] : s. die Einl. 2 Der Schnör- auch nicht ävTe(piuvr|oev. — im '}■ enei, auvj^X-
kel des lt von uapd geht bis zur vierten Zeile. — Gev getrennt nach Wilckens Vorschlag, dem ich
Zur Ergänzung des Schlusses s. S. 29. 3 3-uo£ auch die Ergänzung T.qpq'mabi (oder [-noOTi) Trj
= 6475 : s. S. 29. 4 Schluß zu ergänzen beu- KOi verdanke. 9 Die Ergänzung des [. . Jkt] ist
Tepou bis öuiöCKOTOU L bzw. exou^ : s. S. 30 Anra, 6. schwierig ; [6i"Kr) ist wohl ausgeschlossen. Wilcken
5 Schluß ist sehr verwischt. Die in den Text auf- denkt an [eiKrj und möchte ganz vermutungsweise
genommene Ergänzung übertrifft die der übrigen Km d)<; [cijKrj als adverbiellen Ausdruck zusam-
Zeilen um mehrere Buchstaben. 6 Zur Ergän- menfassen. — Schluß etwa äEiüüv ftoef^vai rmeiv] ?
zung vgl. A'r. g, lo ff. 7 äTr696Ta ist sicher; im 10 äjua T€] Wilcken. 12 1. eKXETOfievou. —
folgenden ist äXXa sachlich und paläographisch [KaTafpcKpilvaiJ Wilcken: s. die Einl. Anm. 7. •
ausgeschlossen, vielleicht dXX'orct? 8 Das w von 13 iraxpö"? rjuijüv Wilcken statt des von mir vor-
nävTluv ist korrigiert. — dvT£q) scheint sicher: her aufgenommenen aÜTfji;. övTeqpii oder dvT€qpepeTO stand nicht da, wohl
16) S. Wilcken, Grundziige 355; vgl. Nr. i Einl. Anm. 31.
17) Vgl. z. B. P. Tcb. II 327 = Wilcken, Chrest. Nr. 394, 7 ff.: ToO naxpö? |H€Td Tov [u):pia-
nevov xpövov Tfl<; [enirripiiaeuji; TeTeXeuTriKÖTOi; dir^dpou] \xvf>\ ev KnTaXei'irlovTO 5 . . . .; BGU. 106 = Wilcken, Chrest. Nr. 174, 3 ff.: irdvTa xöv iiöpov .... -fsvone vou^ |niöeu)xoO ouöfac; 'E. xpeuüöTou
To[0] xa|Lii€(ou qjpövjjiffov dva^r)xf|aai Kai ev daqpaXei noifiaai ; BGU. 462 = Wilcken, Chrest.
Nr. 376, 12 ff.; r. Oxy. III 487 = Mitteis, Chrest. Nr. 322.
HYPOMNEMA AN DEN EPISTRATEGEN L. TREBIUS PROCULUS. 63
X^^TTTOu T£vo|U€Vou Ka\ efs änopov TpaTr[l]vTUJV. Aütoi t€ ouv .[. . .
T€j-
15 vänevoi bid t6 Ka\ i^ii. töv <t)i\i7rTrov ^v briMoaia»? xPf'ö(')? TtTOvf^-
vai Ka\ dvoT]- ^6».i,,j< Koiius Tnv err'i dk tov euepferriv KaTa<puTr|V noiounevofi dHioOfiev] TÖ ibia fiiieiv dnoKaTaöTaefivai (Tüv taTq toO iravTÖs xp[r\ataiv, ?ti 6i] Ka\ Tujv (TiJuiadTuuv (rr)) dTTifovri, (iva> Ka\ Jinev ünö ao[öJ ßeßonen-
Hevoi. [AieuTuxei].
(2. Hd.) cj)i\iTTTTO<; Kai XapiTiov dnqporepoi 'Acppobeimou imbeboKanev. 0iXi[n- noq lfpai\ia Ka\] 20 ijTxip Tri? db€\(pfi(; nn ^boiri? fpdiaiiara. L ib AuTOKpdropo? KaicTapo«; T[iTou AiXi'ou 'Abpiavoö] , 'AvTUJveivou ZeßaffToO Eücffeßofl]? MecTop»^ kt- 16. Aug. 151 nach Chr. (3. Hd.) [L] ib Meaopn irf-
Freier Raum von 2,5 cm. (4. Hd.) Merd KaracTTropdv ?VTV)xe MOi.
14 1. TpaiievTO?. — Die Reste des letzten Buchstabens weisen auf ein K hin: K'aTa&E£ti;? 19 I. e1Il&E6ulKa^€v. 20 1. ciiuir)^
Übersetzung. An Lucius Trebius Proculus, den vir eg^egius und Epistrategen, von Philippos und Charition, beide Kinder des Aphrodisios, des Sohnes des Philippos, des Katöken und eines der 6475 Faijum-Griechen, Charition zugleich unter meiner, des Philippos, Assistenz als Geschlechtsvormund. Unser beider Mutter Didymarion ist schon seit dem . . Jahre des vergötterten Hadrian ver- storben und wir, die wir damals noch unmündig waren, wurden ihre Erben und erhielten gemäß den Gesetzen ihren ländlichen Grundbesitz und die Hausplätze
und vier Sklavinnen mit ihrer Nachkommenschaft und Verwahrgut. Unser
vorgenannter Vater Aphrodisios aber erhob Einspruch;?" gegen alles und später, nachdem er Sarapias, die auch Athenarion heißt, geheiratet hatte, wurde er
von allem, indem er unberechtigterweise verlangte, nichts von unserem
Eigentum [solle uns zurückgegeben werden?], und zugleich unserer hülf losen Schwachheit nicht achtete. Und indem er nun seitdem bis jetzt alles festhält und beansprucht und die Erträge aus den Dienstleistungen der Sklaven für sich fordert, hat er (jetzt) das ganze Vermögen überschreiben lassen auf den Namen seiner Frau, obwohl er, unser Vater liturgischer Beamter der Speicherverwaltung gewesen und infolgedessen vermögenslos geworden war. Da wir nun selbst be- dürftig geworden sind(?), weil auch ich Philippos mich in Staatsliturgien befunden habe, nehmen wir notgedrungen zu Dir dem Wohltäter unsere Zuflucht und beantragen, unser Eigen uns zurückzuerstatten mitsamt den vollen Nutzungen und außerdem auch dem Zuwachs an Sklaven, damit uns durch Dich geholfen werde. Lebewohl. (2. Hd.) Philippos und Charition, beide Kinder des Aphrodisios, wir haben die Eingabe eingereicht. Ich Philippos habe auch für meine schreibunkun-
54 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS PHILTPPU. Nr. 9. 8. JULI147.
dige Schwester geschrieben. Jahr 14 des Imperator Caesar Titus Aelius Hadrianus Antoninus Augustus Pius am 23. Mesore.
(3. Hd.) Jahr 14 am 23. Mesore.
(4. Hd.) Nach der Aussaat wende Dich an mich.
Einzelbemerkungen.
4 [ereXeuTticrev mit ctno ist ein gutes Beispiel der durativen, nicht momentanen
Aktionsart des Aorists, vgl. Moulton, Einleitung 187 ff. A. D.] 7 'ÄTToGeTa ist Verwahrgut; vgl. etwa P. Oxy. I 71 II 19: jiai; r|TOi anoQiia<i
im[. . . . 10 Karaqppovuüv Tfjq Tiepi ril^ä? aß[ori9r|TOu dffOevei'a?; vgl. P. Amh. II 142, 14;
BGU. 340, 21: K. Tfjq TT€pi ejafe dirpaYiaocTuVTig; P. Straßb. I 5, 12; P. Genu^.^..
6, 13: K. (noö) xfjq riXiKia<;; P. Gen. 31, 10: k. hoO iv^c, xripei'«?; P- Oxy. I 71
I 14: K. noO TTi? neipioTriTO«;; BGU. 291, 9: k. hoO diq TuvaiKO? dßotiöriTou; P. Flor. I 58,14: K. |uoö (ac, TuvaiKO? d(T0evoOq; P. Lond. II 358 S. 172, 11 ; P. Paris. 38, 14; Preisigke, S. B. Nr. 4638, 6: uTrepiaxuiJuv Kaiaqppovriaa? töii V£[u)]Tepai; dTToXeXeTqpöai; P.Lond. Inv. Nr. 1891 (s. Kühn, Antinoopolis S. i43f.)
II 24: K. |uoö Ttii; evTa09a Imnovfls.
11 — 14 Zum regelwidrigen gen. abs. vgl. Nr. I Einl. Anm. 12.
13 Zur Formel elq xo . . . övo|na s. Deißmann, Bibelstudien 143 ff.; Neue Bibel- studien 25; Licht vom Osten^-^ &6 {.; Preisigke, Girowesen 149 ff. S. auch Ostr. Nr. 56 z. 2.
18 AieuTuxei verdrängt seit dem Beginn des 2. Jahrh. nach Chr. das Simplex eÜTU- Xei ; s. Ziemann, De epistulariim graecarum formulis sollemnibus quaestiones selcctae^ Diss. phil. Hai. XVIII 4 p. 334 sq.
Nr. 9. VOLKSZÄHLUNGS-EINGABE AUS DER METROPOLE ARSINOE.
Höhe 20,5, Breite 40 cm; unten freier Kaum von 9 cm. Vom Zeilenanfang fehlen etwa 25 Buchstaben.
Zwei Klebungen. Faijum. 8. Juli 147.
Im Jahre 147 eingereichte Subjektsdeklarationen') für das Volkszählungs- jahr 145/6 (q. Jahr des Pius) aus dem Faijum (andere sind nicht erhalten) besitzen wir folgende:
aus der Metropole Arsinoe ^Cf/. 137; 182°); P. TViJ. II 3 2 1 ; 425; P.Ry Lands
III a^) und unsere Urkunde; aus Karanis BGU. g'S\ aus Soknopaiu Nesos P. AmJi. II 74.
i) S. statt Aller Wilcken, Ostr. I 435 ff. 474. 479; Grundzüge 192 ff.
2) S. Martin, Archiv V\ 157 Anm. 5. 3) S. Martin aaO. 157 f.
VOLKSZÄHI.UNGS-EINGABK AUS ARSINOE. 56
In der Adresse von BGU. 137 ist nur der Stratege genannt, in der von BGU. 182 der Stratege, ßaaiXiKÖ? fpaHMOiTeü? und die zwei TpaM^OTeii; unTpo- ttoXeuj?, im /'. Teb.W i2\ der Stratege, ßacTiX. TP, die zwei fp- MITponöXeiiJS, der dMcpobdpxir; und der Xaofpucpo? des betreffenden Stadtquartiers*;. Die Adresse unseres Papyrus ist die vollständigste aller uns überhaupt bekannten Volkszählungs-Eingaben einer Metropole, insofern nicht nur, wie im P. Teb. 11 321, alle Behörden genannt werden, an die Exemplare einzureichen sind, sondern auch die Namen sämtlicher Beamten verzeichnet werden. Es sind MdHinos (6 Ka\ Neapxo?), der Stratege der 'HpaKXeibou nepi? des Arsinoitischen Gaus'); Herakleides, der ßaaiXiKO? fpaMMOTeu? der lacpi's'); Sabinus und Anto- ninus'j, die beiden Stadtsekretäre der Metropole Arsinoe'j, und endlich die Be- amten des Stadtquartiers Aiovuffiou Tottujv'): drei XaoTpd<poi '°), X., Ptolemaios und Sarapion, und der äincpobdpxri'ä") Apion. Sowohl die beiden YPOMMOTeii; UnTpoTTÖXtiui; als die aufgeführten Beamten des aiicpobov sind (ebenso wie der ä^cpoboTpamaareu?) staatliche liturgische Beamte"). Beachtenswert ist, daß im Jahre 147 für das aiuqpobov Aiovuaiou Tottujv drei Xaofpdqpoi fungieren, während das ä. AivuqpeiuJV im gleichen Jahre nur einen Volkszähler aufweist"').
4) Ebenso wohl in dem nur beschriebenen P. Tel>. 11 425. Der P. Rylands llia ist nnver- üffentlicht; er scheint aber nur den Strategen zu nennen.
5) Für die Ergänzung des Doppelnamens MdEinoc; 6 KOI Ntapxoi; in Z. i ist kein I'lati; der einfache Name steht auch BGU. 95; /'. Teb. H 425. — Er ist als Stratege bezeugt durch Urkunden vom 3. Mai 146 bis zum 26. September 147. S. Martin, Archhi'SX 157 f.; dazu P. Flor. 111350, 8 (26. Juli 146).
6) Als ßaaiX. Yp. wird er genannt in Urkunden vom 28, Januar 146 bis 24. Juli 147; s. Martin aaO. 165. In BGU. 358 (= Wilcken, Ckrest. Nr. 246) vom 30. Januar 151 fungiert ein 'HpaKX£lir|(; als ßacT. TP- &ia6ex6n€vo<; Tf)v arpOTriYiciv, im P. Straßb. gr. 60 [Archiv II 4 ff.) ist ein vom Mai 149 datierter Brief des 'HpaKX£i'&ri<; arpaTrifcx; 'Apaivo(TOU 'HpaK\€iöou nepi'öo? an den dpxicpeüi; erhalten. Es läßt sich daraus nur der Schluß ziehen (s auch Martin aaO. , daß als Nachfolger des Maximus ein Herakleides Stratege war, daß ein anderer Herakleides mindestens seit 146 als ßaff. TP- fiingierte und dann stellvertretender Nachfolger seines Namensvetters wurde.
7) Sie werden auch P. Teb. II 321 genannt.
8) Zu den fpaniiOTeTi; \xr\TpQTt6\i.\uc, s. Preisigke, Städtisches Beamtenwesen im röm. .Ägypten, 1903, S. 9 f. 21; Juuguet, Vie municipale 2Cji.
9) S. Wessely, Die Stadt Arsinae: Sitzungsö. IVien. Ak. d. IV., phil.-hist. Kl. CXLV, 4, 190a, S. 25; Jouguet aaO. 288.
10) Zu den XaoTP<iq>oi = Volkszählern s. Wilcken, Ostr. I 441. 617. Ihnen liegt auch die Führung der Kopfsteuer-Listen ob ; gelegentlich werden sie bei der Kopfsteuer-Erhebung verwendet (s. i. B. Archiv V 172 Ostr. Nr. 10).
11) Zur Erklärung des Begriffes än9o6ov s. Jouguet aaO. 282 ff. Zum d^q)o6äpx>1<; s. P- Teb. 11 321,4 Bem.; Wilcken, Grundziige 40; Passow-Crönert, lyörterbuch der griech. Sprache s. v. — Der (iiaq>QSoTpa|i|LiaT€Üi; ist erst im 3. Jahrhundert nach Chr. geschaffen. Kax' oiKi'av änoTpa<pQ' <"> '•'" liegen vor P. Land. III 935 S. 30; 936 S. 31 (a. 217). Sonst wird er noch erwähnt P. Oxy. I 81, 7; VII 1030 (= Wilcken, am/. Nr. 36), I ; VIII 11 19 (= Wilcken, CAr«/. Nr. 397) passim; 1X1196,5; 1202, 8. 13; X 1267; P. Straßb. I 56; BGU. 1062 (= Wilcken, Chrest. Nr. 276), 3. 10. — /'. Tei. II 436 handelt es sich um zwei ä{Ltq>o&OYpa|aMaT€i^ KUi^r|<;.
12) S. Jouguet aaO. 291.
13) S. P. Teb. II 321. 4.
56 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS PHILIPPU. Nr- 9. 8. JULI 147.
Die uns vorliegende Volkszählungs-Eingabe trägt die eigenhändigen Ver- merke dreier von den fünf in der Adresse genannten Behörden, durch welche die Einreichung eines bzw. mehrerer Exemplare an sie bestätigt wird: der Kanzlei des Strategen, des ßaa. fP- und der Stadtsekretäre (Z. 13 f.: KOtTexujfpicröri) (JTpa(TtiTif') usw.)'''). Für wen war das Blatt mit diesen Vermerken bestimmt? Wohl nicht als Ausweis für den Deklaranten. Eher für die äiaqpobov-Beamten, deren Vermerke fehlen, zum Beweis der stattgehabten Einreichung an ihre Vor- gesetzten. Ihnen liegt doch, ebenso wie dem Kuj|iOTpa)a)aaTeiiq und den Xao- fpäqpoi in der Kiufiri) •" erster Linie die Nachprüfung der Deklaration ob. Mit Igxov icrov eis eSeiaaiv werden sie wie jene unterfertigt haben.
Die Vermerke der Beamten sind alle vom gleichen Tage, dem 8. Juli 147. An diesem sind die verschiedenen Exemplare persönlich in der Metropole über- reicht. Hier waren alle Gau- und Lokal-Beamten innerhalb des für die Ein- reichung der Deklaration festgesetzten Zeitraumes anwesend. Darauf hat schon mein Schüler Erhard Biedermann, der gleich zu Beginn des gewaltigen Krieges fürs Vaterland gefallen ist, in seinen Studien zur ägyptischen Verwaliungs- geschichte: Der ßaffiXiKÖ? TpaMHateus (Diss. Berlin 1913, 39 f) hingewiesen. Von den Subjektsdeklarationen des Jahres 147 sind die aus Arsinoe, soweit das Datum erhalten ist, am S.Juli (unser Papyrus) und 19. Juli [BGU. 182) eingereicht, die aus Karanis [BGU. 95) und Soknopaiu Nesos [P. Amh. II 74) am 24. Juli.
Die Deklaration betrifft den Achtteil eines Hauses nebst Höfen '^j, gelegen im >Stadtquartier der Makedonen« '^) (Z. 4). Der Name des Hauseigentümers ist fortgefallen (Z. 3); er ist » eingeschrieben < (ävaTpaqpoiievoq) im ancpobov Xrivo- ßocfKiujv TTpuÜTuuv'^): hier ist seine staatsrechtliche ibia. Diese Deklaration richtet er aber an die Beamten des a|icpobov Aiovuffiou Tottiuv (Z. 2. 5; s. oben). Daraus geht schon hervor, daß nicht er selbst in dem Hause wohnt, vielmehr seine Mieter, deren ibia das letztgenannte Stadtquartier ist. Denn die ibia des Be- wohners des Hauses ist stets maßgebend, nicht die des Eigentümers oder etwa gar das Quartier, in dem das Haus liegt '7"). Daß es sich um Deklaration von Mietern durch den Hauseigentümer'*) handelt, zeigt auch Z. 4, wo nur i\ il)
14) Vgl., um nur eine Parallele zu nennen, P. Teb. II 322, 30 f. — Zu Kaxaxujpßeiv t( Tivi »ein Schriftstüclc an jemanden einreichen« s. Nr. 6, 29 Einzelbem. — Gleiche Bedeutung wie hier das Kaxexiu^piööri) xivi hat das dTi€Tpa;<Pl) irapd Tlvi z. B. in den Steuersubjektsdeklarationen Stud. Pal. II S. 30 II Z. 17 ff. IV 14 ff, S. 31 V 17 ff
15) Ai'epiov KOI a\>\r\; zur Bedeutung von ai'Opiov = »Hof« s. Kühn, Antinoopolis pjss. Leipzig I9<3) 77-
16) Zum a)i(po6ov MaK€66vu)V s. Wessely aaO. 31.
17) S. Wessely aaO. 37 f. — 'Avafpatpofaevo? eTti wird nicht nur bei Städtern (a. €it' d|Ucpö&ou), sondern auch bei Dörflern gebraucht: s. z. B. Preisigke, S. B. 5136, 5: d. em xfic; .. Ktunri^.
17 a) Das fierctßaoiv noieioeai BGU. 55, 6; 137, 6 u. s. bezieht sich nicht auf Umzug, sondern auf einen, aus irgendwelchen Gründen erfolgten Wechsel der i&(a. (Korr. -Zusatz.)
18) Selbstdeklarationen von Mietern in den Gauen von Memphis und Heptakomia s. /'. Giss. I Nr. 42 Einl. S. 55 f.
I
VOI.KSZÄHLUNGS-EINGABE AUS ARSINOE. 5?
dT^[o]Tpacpo^al, nicht dv iL KaioiKiI) ko» in., steht. Dementsprechend habe ich Z. 6 TOÜ? UTTOTeTpa(|i)ievoui;) dvoiKJou?"') ergänzt.
Bei der Abgabe der Delilaration wird der Hauseigentümer vertreten durch seinen cppoviiffiris Aphrodisios Philippu (Z. 3). Das ist der uns aus den anderen Papyri unserer Gruppe bekannte >Faijum-Grieche«, dessen Familienangelegen- heiten wir in der allgemeinen Einleitung zu AV. 5 bis lO und zu Nr. 8 dargelegt haben. Auf den Streit seiner Kinder mit ihm wegen ihrer bona materna wirft auch unsere Urkunde Licht (s. Z. 10. 13 und dazu S. 30 f. und 50 f.). Wie ist hier nun (ppovTiatris aufzufassen? Das Wort läßt sich in folgenden privatrecht- lichen Bedeutungen feststellen:
1. = tutor impuberis (eTTiTpo7io<:)'°),
2. = tutor mulieris (KÜpio?)"'),
3. = curator eines unvollkommen oder vollkommen Geschäftsunfähigen (c. prodigi, furiosi)"),
4. = curator absentis"'],
5. = procurator: ein von einer geschäftsfähigen Person durch Rechtsge- schäft bestellter Vertreter '''!.
Der tutor mulieris ist von vornherein ausgeschlossen; auch der tutor impuberis kommt nicht in Betracht, da in diesem Fall zwischen dem Namen und [dvatpa- (po]ia6VOu in Z. 3 dcptiXiKoq stehen müßte. Auch cura furiosi oder prodigi dürfte nicht vorliegen; cura absentis wäre möglich. Am wahrscheinlichsten ist mir aber, daß Aphrodisios als procurator, und zwar hier als Verwalter eines Zinshaus- Besitzers fungiert.
19) Vgl. z. B. BGU. 123. [125]. 138. 182; /■. Teb. II 321. 322. Die besondere HerYOrhcbung, daß Mieter deklariert werden, fehlt BGU. ll6l. BGU. 119 wird als kJot* olK((av) diroTpa^tpf)) ^voiK.ujv) bezeichnet; s. Wilcken, Ostr. I 447 f.
20) S. Wenger, Stellvertretung 97 f. ; E. Weiß, Archiv IV 92 Anm. 3, dazu aber Mitteii, Grund- Züge 249 Anm. 2. — Vgl. die q)povT(<JTpia TOÖ ultuvoO P. Lond. III 1164 a S. 156, 6.
21) S. Gradenwitz, Archiv \\l i^Q,<)t; Beispiel /'. C<^«. 44 (= Mitteis, C/ir«/. Nr. 215', 7. Über den hier häufigen, abusiven Gebrauch von 6i(i statt |H€TCX (ppovTlOToO s. Wenger, Stellvertretung <)^\ Mitteis, Grundzüge 24() f.
22) Ich kenne für cppovTKJTllc; in dieser Bedeutung kein Beispiel. Zu vgl. ist die Kr\hi<npia ' TraptiXiKOc; (eines Altersschwachen) f. Ted. II 378 (= Mitteis, Chresf. Nr. 326), i ff. (dazu Wenger, Ztschr. Savignyst. H. A. XXVIII 305 ff.; Partsch, Archiv V 474) und der Koupdruip eines jir) exovTO? itapaKoXou9Ti<J€t? Archiv I 300 Z. 8/9.
23) S. z. B. BGU. 447, 18 f. 20 f.; 493 II 16.
24) S. Gradenwitz, Einführung lt,^fi.; Archiv lli ^Xi; Wenger, Stelhertretung <)q. 184; Com- paretti, />. /%r. 11 S. 59 f. ; UiXteis, Grundzüge 2^^ f.; Ostr. AV. .#<?— 5.2 Einl. Vor allem ist in ver- weisen auf den als (ppovTKJTi^? bezeichneten procurator omnium bonorum, den generellen Ver- mügensverwalter, in BGU. 300 (= Mitteis, Christ. Nr. 345; dazu Wenger aaO. 221 f.; Kubier, Ztschr. Savignyst. R, A. XXIX 219 f.) und /'. 0.xy. IV 727. — Unter diese Kategorie fallen auch die q>pov- Tiaxai der nach griechischem Recht handiungsfilhigen Vereine und Zünfte: San Nicolö, Ägypt. I 'ereins7thsen U i, 62. S. auch /'. Cairo byz. ed. Maspero I 67096, 8 den q)povTKJT^<; KOupaTwp eines Klosters.
FM. Meyer, Gricchilchc Texte aus Äg>-pten. $
58 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS PHILIPPU. Nr. 9. 8. JULI 147.
Folgende Personen werden nun deklariert:
1. Der Mieter Käpriq ^Arapiou toö Aiovuai'ou, der Großvetter des Aphrodisios, Katöke und zum TToXiTeufia der 6475 Faijum-Griechen gehörig (Z. 6; s. die allgemeine Einleitung zu Nr. 5 bis 10). Er ist 73 Jahre alt und ÜTrepeiriq. Dieser Ausdruck »Überjähriger« wird sonst gebraucht von Personen männlichen Geschlechts und Jüdinnen, welche das kopfsteuerpflichtige Höchstalter (60 Jahre) überschritten haben und daher von der XaoTpacpi'a (bzw. dem xeXecriaa "loubaiiuv?'^) nach stattgehabter Prüfung befreit sind^^). Kopfsteuerpflichtig ist aber der Katöke und Faijum-Grieche Chares niemals gewesen'''). Er wird also nicht erst als »Überjähriger« von der XaoTpacpia befreit. Ich möchte daher P. Giss. I Nr. 59 Kol. IV 14 f. aus dem J. 1 19/120 zur Erklärung heranziehen: ein Dörfler des Heptakomia-Gaus erhält eine siebenjährige vacatio munerum (avecTiv eOxi'^'ij'S iTTTaexiaq), vorübergehende Befreiung von Liturgien, als unepTtipw?''^). In diesem Sinne wird wohl auch hier das ÜTiepexri? zu fassen sein.
2. Die Frau und Stiefschwester des Chares vom gleichen Vater, 'Hpuji?, deren Mutter KOiTGiKOs ist, 41 Jahre alt (Z. 7; s. den Stammbaum S. 31 mit der Anm.). Weiter beider Kinder (Z. 8 f.),
3. 'Aiapia?, 21 Jahre alt, der nach erlangter Pubertät »unter den Katöken«, d. h. als Katöke, der Prüfung eTrlKpicTiq) unterzogen ist lemKCKpiia evo?! dv Katoi- KOis), und
4. "AOTiväpiov, 13 Jahre alt, dessen Frau und Schwester^').
5. 6. Zwei Töchter des Chares von einer anderen Frau (Z. 9 f.), XopiTiov r\ Ktti OeoboTri, 1 1 Jahre alt, und Aibupn-
7. 6 beiva AiocfKopou, 40 Jahre alt; er wird gekennzeichnet als eiriKCKpi- |n(dvo?) {biuJTtiS Xao-fpacpoünievos) (Z. lo). Die Wortstellung erweist m. E., daß die bisherige Erklärung der als zusammengehörig betrachteten Worte XaoTpa-
25) S. Ostr. Nr. 33.
26) S. die Akten des Amphodarchen des ä|nq)o5ov 'AttoWujviou TTap6nßo\fl(; in Arsinoe vom J. 72/73 bei Wessely, Stiid. Pal. IV 62 ff. Z. 489 ff.: fpa'Pni ÜTreperOüv Kai doeevüuv; Z. 550 ff.; 463 f. : eine von der Judensteuer befreite 61jährige Jüdin; dazu Wessely aaO. 61. Vgl. BGU. 560 {= Wilcken, ehrest. Nr. 64), 22; F. Land. 11 2tig S.38 (= Wilcken, CAresi. Nr.63), 64; .^6:6^1140, 22. Todesanzeigen von üirepeTeii; mit dem Gesuch, sie in die Liste der Verstorbenen einzutragen, liegen vor F. Oxy. VII 1030 (= Wilcken, Chrest. Nr. 36: ein 6oO\o<; üirepCTf]? ätexvo?) und IX 1198 (2 OnepcTd? UTex- voi); vgl. auch F. Oxy. III 478 (= Wilcken, Chrest. Nr. 218), 35.
27) S. mein Heerwesen 109. 114. 142; Wilcken, Grundzüge 57. 202.
28) Erst durch Severus und Caracalla (s. bes. Modestinas, Dig. 27, i, 2; F. Flor. I 57 = III 382) scheinen die Provinzialen des Ostens oi eßboniiKOVTa \\r\ ■Tr€TtXr|piJUK6T£(; dauernde Befreiung von den munera personalia (nicht von den honores, munera honoribus cohaerentia und munera patri- monii) erhalten zu haben. Auch die äXeiTOupfn"^'* "I^* ^'- Plor. I 57 = III 382 wird in dieser be- schränkten Bedeutung aufzufassen sein. S. meine Ausführungen F. Giss. I Nr. 59 Einl. S. 15.
29) Zur Geschwisterehe in Ägypten s. Wessely, Karanis und Soinopaiu Nesos 23 f. ; Nietzold, Die Ehe in Ägypten 1 2 ff.
I
VOLKSZÄHLUNGS-EINGABE AUS ARSINOE. 59
qpoü|uevO(; ^ttikekpiij^vo?'") unrichtig ist''). Die beiden Worte sind zu trennen. Die Ausdrücke eTriKpiaiq und ^niKeKpiiievo? bedeuten, wie das Wessely [ßpikrisis: Sitzgsber. Wiener A^. d. W., pJiil.-hist. Kl. 1900, CXLII, 9, S. 9 ff.) ganz richtig dar- gelegt hat, stets dasselbe: »Prüfung, Überprüfung, geprüft«; sie werden nicht etwa im Hinblick auf die Kopfsteuer ein besonderer terminus technicus. Wie die Soldaten und Veteranen, so sind auch die verschiedenen Klassen der Zivilisten (nach erlangter Pubertät oder Erreichung des Tnpa?) einer iiriKpiffi? ihres Personen- standes auf Grund der von ihnen bzw. ihren Gewalthabern eingereichten Aus- weise unterworfen: cives R., cives Alexandrini, Katöken, oi dno toO fUMvacriou, die der vollen oder ermäßigten Kopfsteuer Unterworfenen, Sklaven usw. Ent- sprechend finden wir Z. 8 den Ausdruck dniKeKpiia'evoi;) hi KaToiKOi? = KaTOiKO? ^TTiKCKpiiuevo? (s. 3.)'"). Meist wird aber das Wort ^niKCKpinevos, das durchaus nicht einen Gegensatz oder eine Abschwächung von Xaofpaqpoünevo? bedeutet, ohne weiteren Zusatz gebraucht, da die Beziehung sich aus dem Zusammenhange ergibt. Fast regelmäßig fehlt es andrerseits in den Personalien der kopfsteuer- pflichtigen Personen. Ausnahmsweise steht es an den Anm. 30 angeführten Stellen und in unserer Zeile 10; dort wie hier übersetze ich: »geprüft als der Kopf- steuer unterworfener ibidÜTti?'^^). Was ibituTriq heißt, ist unklar. Daß das Wort auf einen Beruf hinweist, ist sicher; in den meisten kot' okiav ÖTroTpatpai sind die so Bezeichneten ?voiKOi^''), auch unser ibiiuTriS wird Aftermieter oder Lohn- arbeiter sein.
Zum Schlüsse werden bcuXiKu criu|iaTa des Aphrodisios deklariert, die an Chares vermietet sind (Z. 10 — 13; s. S. 30 f. und 51), Sklavinnen und ihre ?TTOva:
8. bis II. eine Sklavin, deren Name und Signalement fortgefallen ist, mit ihren drei Kindern: TTacriujv 6 bid Xotujv") Eüiuxri?, 20 Jahre alt, ''ApnaXo^ 6 bid XoYUJV NiKti96poi;, 18 Jahre alt, und 'Hpujii;, 8 Jahre alt (Z. 11),
30) BGU. 118 ni 7 f.: epioJitXÜTTi? XaoTpatpIouncvo; €mK€Kpi]n€vo<;; 137, 10: ifti]iuT;»is) Xao- Xpa^cpounevoi;) £iriK€K(pi|aevo(;).
31) S. Grenfell-Hunt, /'. ar;-. IIS. 221; Wilcken, CAr«/. Nr. 217 EinL: »solche Privilegierten, die ein geringeres Kopfgeld zahlen und daher zur Kpikrisis kamen«. — Das Richtige hatte ich schon im Philohgus (1897) I,V1, 216 Anm. 33 gesehen, dann aber im Hurwesen 122 eine unrichtige Er- klärung gegeben.
32) Vgl. auch Sttid. J'al. IV S 71,464: dnö [iin£p](£Tii)v) L Ea ^mK(eKpin^vr)) tüpi 6 L . . . —
Kbenso könnte man erwarten ettiK£Kpi|Li6V0(; iv TOi(; dirö ToO TUMvaoiou, ^v Xaofpoi(pou)i€voi( (= £TriK€Kp. AaoTpa<poun. oder XaoYp- cniK.), iv &tu&eKa&päxiiioi; usw.
33) Vielleicht ist auch JSGU. 123, 13 zu ergänzen ^TtiKEKp,i^evO() i6fi6T(ri<i Xa;oTpa;(pou- nevo?) ...].
34) S. BGU. 493 passim; 494, 3. 4; 495. 6; 49», 5 ; 504. 3! SoSi «6; P. Land. II 476 a S. 61,4. Der ibiiXPTn«; Stud. Pal. IV S. 68, 306 ist öoOXoi;. — 'I611JUTT15 in der Bedeutung »Privatbesitzer« s. Dittenberger, OGI. II 669, 27; P. Land. II 257 S. 19 ff. passim (s. Rostowzew, Kolonat lio Anm. l); vgl. P. 7-;^. 11616,2; />. 0*)'. III 521,10; VIII 1101,6; /'S/. III 236,31; y.C<MVo*y». 167089,17. — Als militärische Bezeichnung in Ptolcmäerurkunden bedeutet iSllUTrn »gemeiner Soldat«.
35) '0 öm XoYUJV fasse ich als »nach Ausweis der (im Hause vom Besitzer geführten) Listen«. Der mit diesen Worten eingeführte Name des Sklaven ist nicht etwa der offizielle Name — der ist TTaoiuuv, "ApitaXoc; — , sondern die Epiklesis, mit der er im Hausstand nicht nur gerufen, sondern
8»
60 DIE FAMIIJENPAPIERE DES APHRODISIOS PHILIPPU. Nr. 9. 8. JULI 147.
12. eine zweite Sklavin (Z. 12),
13. 14. eine dritte Sklavin, 'IcTibiüpa rj koi 'HbicTTti, 23 Jahre alt, und ihr Kind 'AqppoboOq f] Kai TTapivoOc;, 6 Jahre alt (Z. 12),
15. eine vierte Sklavin (Z. 13). Das ist eine für Ägypten. verhältnismäßig hohe Zahl; es handelt sich auch hier, wie in den meisten Fällen, wo uns zahlreichere Sklaven in einem Hause be- gegnend^), um den Bewohner einer Metropole, und zwar einen Griechen'').
[McxEi^uji (TTpa^xriTuJi) Ap(Ji(voeiTOu) 'HpaKX^elbou} laepibo?] Kafi'Hpa-
KXeibJr^i ßa(TiX(iKU)) jpa'n^aTeT] inq aij[Tfiq liepijbos K[ai la-
ßjeiyiu Ka[\] 'Av[T]ujve[r]yijj Ypa[nya]Teö^ff[i] [uriTpoTToXeujq Kai tuj beivi koi TTlioX^eyaiiij Kai ZapaJTnujvi X[aoxßii-
(cpoii;) K]ai 'Amujvi [dinqpobapxr]] anqpöbo^u] [Aiovuai'oju T6[ttujv] [napä ] yo . . oq [dvaTpacpoJ^evou ^[tt"] d[|Li- ^^ ^
q)6]bou Xriv[oß]o(T[K]iujv TTpujTiu[v biet ypovTi]gTOu fA(ppo]b[€]i- 7 • T
cri[o]u 4>iX[iTr]Trou . . tt[. . .] . . ou . . [.] k . [.] [ )v&.vj-. ]evou vTi' l'\xov i.]v tri fitiTp[0TT6X(ei)] ^tt'
diicpobou M[a]Keb6viJUV ÖTb[o]ov nepoq oiKi'a«; Kai alGpi'ou Kai
aüXtiq, ev d) äTr[o]Tpa90|uqi e[ic,] 5 [Triv ToO bieXr|X(u66TOi;)'^e L 'Aviujveivou] Ka[(l(Ta'^poq to]ö K[u]pi'ou 145/6.
kot' [oiKiojv drroTpa'qpriv) eir' diicpöbou Aiovu[ffio]u Tottuuv, ^cp'^
oö Ka\ rrj tou ig L 6eo0 'Abpiav[o]0 kot' oiKjav) dT:o[Ypa(cpq!] 'Si/^-
1/2 S. die Elnl. S. 55. 3 Am Anfang wohl x ?! "''ch 0!^[f't''rou dastand, glaube ich nicht.
lHOTpo^. 3/4 Eine Beziehung auf den Aphro- Das üir' £'|ioO in Z. 4, wenn es richtig ergänzt ist,
disios als Faijum-Griechen stand am Schlüsse kann sich nur auf den Deklaranten, nicht auf den
von Z. 3 nicht. Vielmehr wird hier sogleich er- qjpovTiffTii? beziehen (s. bes. Z. lo; ToO 'Aqppobei-
wartet imdpxtl MOi oder ähnliches; daß yTt[ap- öi'ou).
unter der er auch in den Hauslisten geführt wird. So ist auch BGU. 493 II 5 zu erklären (um einen Rechnungsführer, wie Wilcken, Ostr. I 684, meinte, kann es sich nicht handeln): Ei)TUxr)(; 6oöX(oi;) aÜToO 6 öiä Xo^ijuv Tfj<; urirpo^ 'folgt der Name. BGU. 495, 2 ist sehr fragmentiert, doch glaube ich auch hier au dieselbe Bedeutung : Tf[C, öeTva 'lox^piiuvo? 6 6iä Xlofujv) 6oOX(o(;) [folgt der Name. — Gewöhnlich werden die Epikleseis auch der Sklaven eingeleitet durch 6, i\ KOl (s. Z. 12) oder durch eniKaXounEvo? = £mK€K\ti|aevo(; od. ähul.; vgl. z.B. BGU. 447, 25: TToXu&euKriv eiriK£K\;riH6vov) "EpuJTa; P.Grcnf. II 59, 7 fr.: 1101507 övona lTOTof|Ti<;(?) eTtiKa(Xou>n€vo5 Müpujva; s. auch Nr. 11, 12. Diese beiden Verbindungen weisen wohl nur auf einen Ruf- bzw. Kosenamen des Sklaven hin, der nicht schriftlich fixiert ist.
36) Wilcken, Grundzüge 260 Anm. 3, führt die Subjektsdeklarationen P. Lille 27 (= Wilcken, ehrest. Nr. 199: 3. Jahrh. vor Chr.) und P. Flor. I 4 (= Wilcken, Chrcst. Nr. 206: a. 245) an. In der kot' oiKfav dirofpaqpri aus Antinoupolis P. Oxy. Vni 11 10 (a. i88) meldet der Deklarant, der Mieter ist, zum mindesten 20 Sklaven und Sklavenkinder an. Vgl. auch die alexandrinische Urkunde der augusti- schen Zeit BGU. 1114: Q. Caecilius Oinogenes verschenkt 5 Sklaven; s. auch BGU. 1033, 9 (Trajan); BGU. 168 (= Mitteis, Chrest. Nr. 121: saec. 11; Faijum).
37) Vgl. Wilcken, Ostr. I 681 ff.; Grvndziige 27 f. 260; Reil, Bcitr. z. Kenntnis d. Geiverbes im hell. Ägypten, Diss. Leipzig 1913, I7off. ; Dikaiomata 164.
VOI.KSZÄHLUNGS-EINGABE AUS ARSINOE. 61
[dTTETpaivaMTiv, Toix; uTroTCTpaf^nevou?) ivoiK]ou(;, XdpnT[a 'Arjapiou
Toö A[iovuaio]u unTpö? [XapJeiTiou ir\<; ^A(p[p]obti(Ji[o]u kotoi-
k(o<;) Tiüv ''?-uoe OnepeT^? L [ö|t (äfönyo? Ka[\ rr^jv '"' '■ [toutou T^vatKa oucTav 6|Li07TaTpi]av (sie) (ibeX[q)]r)v 'Hpoi'ba MITpö?
Tepiiai; in? Aibynou euTa[Tp6]s KaTo[i]KOu ä[7roJT€TpaMtJi6v[nv]
Tijj if L e[e]90 'Abpiavop in] 131/*.
[toö aÜTOö unqpobou Aiov]u(Ti ou Tottiuv) L na datiMlov) koi dn-
qpOTitpujv) TCKva 'Arapiav L Ka aatiMi'o?) imK(.Kpinivo<i) ev — ^.-f. /•
kotoi'kok; Kg\ Tr)v tout[o]u TuvaiKO oücray ayfioö) [önoTraipiav (sie) Ka\ 6noiar|Tpiav (sie) dbeXqpjnv 'AGriväpiov L it äan-
|u(ov) Ka[i] XapiTiov itiv Kai Geoboitiv 9uT(aT6pa) toö XcipnTO?
L la aö'niL'iOv) Kai Aibuiariv dXXr|v e[uTa]T(€pa) 10 [toö XdpiiTO? L . a0til^;ov) Ka\ ] AiocTKopou MnTpoq 'PoboO-
To? Tri? AioffKopou ^TTiKCKpin'evo?) ibiurrn?^ XaoTpacpoünitvos) /S.
L |i affr|^o)<;) koi toO 'Aqppobeiöi'ou bouXiKÜ qw\x[a]i[a],k^-^.' [ L.. d{Trmo(v) KOI TauTri? Itt]ovov TTaaiujv~6 big XoTmv -f.J-p, vr
EÜTuxn? L K aa^ix'oc,] Kai 'ApTraXov 6 bid XÖTiuv NiKr|Cp6po?
L iri dffriMO? koi 'Hpoi'ba L x] a[ar]n'ow) Kai] [ aXXn bouXnv L . . dcrrij)i(ov) Ka\ 'l[a]ibiüpav Tr|V Ka\
'Hbi'ffTriv aXXri bouXr|v L kt dcxtinov Ka\ toOtiii; JtTOVOV
"Aqjpoboöv TVjV Kai TTapivoöv L ? datl(^ov) [koi aXXri bouXtiv L . . äar\pilov), &] dTroT€Tpa(p6a[i (sie) t](Iii
isr L UTTO TÜJy TeKvuuv c})iXiTT7T0u Ka\ XapiTi'ou . Alb ^mbibon(i). 131/a.
^ M (2. Hd.) KaT£xt£(piff6ri : (TypaiTriTiü) L i 'AvTUJveivou Kaiffapos
"^J'*"* TOÖ Kupi'ou 'ETTe\qp ib. S.Juli 147.
[(3. Hd.) KaTex^piaGri) ßacriXiKO)) Tpa(mnaTeT) L i 'AvTuiveivou Kai-
aapoq TOÖ] Kupiou 'Ene'iqp ib. (4. Hd.) KaTex(ujpiaen)
Tpa(|a|LiaTeöcri) Tr6X(euj(;) ['Eire'ijcp ib.
6 Zu evofK'ou; s. die Einl. S. 56 f. — "AT;ap(ou s. ibi\i)Tr]v XaofpoKpounevov, ä<Jr||iov. U 1. ey-
/..8. — Ich habe den in der Familie häufigen Namen fova, TTaöi'aiva (das uj von TTaoi'ujy ist aus o
[Xap'ciTi'ou ergänzt, obwohl Z. 9 XapiTiov steht. — korrigiert) TÖv 6ici Xotujv EÜTUxii, äffrinov, TÖv
1. KÖTOiKov, uiteperfi, üarmov. 7 1. önotraTpiov, 6.X. NiKricpöpov, äffriiLiov, 'Hp^JUl^a. 12 1. öAAnv.
'Hpuuföa. 8 1. äöriMov emKeKpinevov. — Das 13 1. ä\Xr)v, äitoTeTpoirrai, «m&(&uj^i. — Die
oV am Schlüsse ist nicht sicher. 9 I. onoird- ßuchstabcn von 'AvTiuvtivou sind ganz ver-
Tpiov Kai 6|nonriTpiov. 10 1. €TriKeKpi|U£vov schlifTen.
Übersetzung. An Maximus, Strategen des Heraklidischen Bezirks im Arsi- noitischen Gau» und Heraklides, Königlichen Sekretär desselben Bezirks, und Sabinus und Antoninus, Sekretäre der Metropole, und X., Ptolemaios, Sarapion, Volkszähler, und Apion, Quartiermeister des Stadtquartiers »Dionysios-Domäne«
von Y eingeschrieben im Stadtquartier »Erste Gänseweide«, ver- treten durch seinen Verwalter Aphrodisios Sohn des Philippos. (Mir gehört) . . .
in der Metropole belegen im Stadtquartier der Makedonen der Achtfeil
eines Hauses und offenen Platzes und Hofes, in dem ich deklariere für die
62 DIE FAMILIENPAPIERE DES APHRODISIOS PHILIPPU. Nr. 9. 8. JUU 147.
Deklaration Haus bei Haus des verflossenen 9. Jahres des Kaisers und Herrn Antoninus im Stadtquartier »Dionysios-Domäne', für das ich auch bei der Dekla- ration Haus bei Haus im 16. Jahre des vergötterten Hadrian die Deklaration abgegeben habe, die unten genannten Mieter,
Chares Sohn des Atarias Enkel des Dionysios, dessen Mutter Charition Tochter des Aphrodisios ist, den Katöken, zu den 6475 gehörig, überjährig, 71 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und seine Frau und Schwester vom gleichen Vater, Herois, deren Mutter, Tertia Tochter des Didymos, eine Katökin ist, deklariert im 16. Jahre des ver- götterten Hadrian in dem gleichen Stadtquartier »Dionysios-Domäne«, 41 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und beider Kinder, Atarias 21 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen, geprüft unter den Katöken, und seine Frau und Schwester von gleichem Vater und Mutter, Athenarion, 13 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und Charition, die auch Theodote genannt wird, Tochter des Chares, 1 1 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen, und Didyme, eine andere Tochter des Chares, [.] Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und Z. Sohn des Dioskoros, dessen Mutter Rhodüs Tochter des Dioskoros,
geprüft als der Kopfsteuer unterworfener (ibiujTti?), 40 Jahre alt, ohne
besondere Kennzeichen,
und die dem Aphrodisios gehörigen Sklaven, nämlich N., [. .] Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen, und ihre Kinder, Pasion, nach Ausweis der (Haus-)Listen den Namen Eutyches führend, 20 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen, und Harpalos, nach Ausweis der (Haus-)Listen den Namen Nikephoros führend, 18 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen, und Herois, 8 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und V., eine andere Sklavin, [. .] Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und Isidora, die auch Hediste genannt wird, eine andere Sklavin, 23 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen, und ihr Kind Aphrodüs, die auch Parinüs genannt wird, 6 Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen,
und R., eine andere Sklavin, [..] Jahre alt, ohne besondere Kennzeichen;
diese Sklavinnen sind im 16. Jahr deklariert von den Kindern Philippos und Charition. Und so reiche ich ein.
(2. Hd.) Dem Strategen eingereicht im Jahre 10 des Antoninus, des Kaisers und Herrn am 14. Epeiph. (3. Hd.) Dem Königlichen Sekretär eingereicht im Jahre 10 des Antoninus des Kaisers und Herrn am 14. Epeiph. (4. Hd.) Den Stadtsekretären eingereicht am 14. Epeiph.
Nr. 10. STEUERQUITTUNG. 24. NOV. 144 N. CHR. 63
Nr. 10. STEUERQUITTUNG DES PHILIPPOS APHRODISIU.
Höhe 9, Breite 13,$ cm. Faljum. 24. November 144 lueb Chr.
Philippos (s. S. 31 s. 4) zahlt am 24. Nov. 144 auf das Konto' des Monats September-Oktober an den drriTripriTfi? FaXaTti? 6 Ka\ Aibu MOI' ^"r die übliche Steuer von einem Siebentel seiner Erträge im Dorfe Theadelpheia 36 Drachmen.
Td Ka9r|K0VTa (sc. leXrii bezeichnet meist die feste, ständige Naturalsteuer, welche die Inhaber der Tn ibiuuTiKri, KXripouxiKr) (KaroiKiKri) zu leisten haben'). Hier ist von dieser natürlich nicht die Rede, vielmehr von einer Ertragssteuer in Geld; nepiTivoneva sind die »Einkünfte, Erträgnisse«') = Tevrinara. Die Ertragssteuer hat die Höhe von einem Siebentel, ist zweifellos von der auch für die Kaiserzeit bezeugten'') ^Kxr] Ttapabeiffujv und duTreXiuvuJV, der dTtonoipa, zu sondern.
Philippos zahlt diese Steuer an einen nicht näher bezeichneten diriiripriTri?. In der eigenartigen Sprache der Quittung erscheint er als Vertreter des Zahlenden; vgl. dazu /'. Hamb. I S. 183 zu Nr. 42. Philippos ist hier nicht etwa als Staats- schuldner aufzufassen (vgl. Nr. 6" Einl. Anm. 17), dessen TevrJMaTa beschlagnahmt sind und der durch den staatlicherseits als Verwalter bestellten ^TninpHTi^? T^vr]- |aaT0-fpa9r|9evTiuv; vgl. Nr. 3 Einl. Anm. 32) die Steuern an den (nicht genannten Erheber zahlt ^l
"Etoui; ri AÜTCKpaTopoi; Kai'ffapoi; TiTOU .yi'^*
^tJ(v»«- AiXi'ou 'Abpiavoö 'Avtuuvi'vou ZeßacTTOö ") jj^^'r'
v^'' Euffeßoöq ^9up löi eis dpie(|uti(Tiv) Oaüüqji bi(dTPOH'£)
(t^iXiTTiioq 'Aqppobfiaiou) bi(d) raXdiou toO koi 5 AibLniaou) tiTirriipriToO) ei? id Ka9(r|K0VTo) TrepiTHVon^viuv) 6iT(tp) 0eabeX(cpeias) ^ßb6)iri\v) s TpiÖKOvra 'ii Tc, Xs-.
4 Das hx'Ä] ist unsicher. 5 Das 6u des ersten Namens ist nicht sicher. 6 eßfton ist sicher. — c, = 6p(axMci?'. 7 T = f ((vovrm).
Übersetrjtug. Im Jahre 8 des Imperator Caesar T. Aelius Hadrianus Anto- ninus Augustus Pius am 28. Hathyr hat für das Konto Phaophi Philippos Sohn des Aphrodisios gezahlt durch Galates der auch Didymos heißt, den Aufpasser, an üblicher Ertragssteuer für Theadelpheia ein Siebentel, nämlich sechsund- dreißig Drachmen, macht 36 Dr.
1) ei? dp(9(Mriaiv} = dpiödutiaeuji;! ; s. /'. Ilamh. T S. 182 .\nm. 1.
2) S. Rostowzcw, Kvlonat 92 A. 2. 97. 98. 114; Wilcken, Grundsiige 303 f. ; P. Giss. I Heft 3 S. 28.
3) Vgl. das To ki oÜTÜiv nepiT€iv6n£vo (= nepieaöneva) dno(p£pca6at in den Kaufvertrigen und dgl.
4I S. Wilcken, Grumhüge 191 Anm. 4. 5) Vgl. Rostowzcw, Kolonat 140 A. 2.
64 Nr. 11. TRAJAN.
Nr. 11. AMMENVERTRAG.
Höhe 8,5, Breite 3 cm. Herkunft wohl aus dem Faijum. Trajan (zwischen Ende 102 und 114 nach Chr.).
Daß ein vor dem Staatsnotariatsamt abgeschlossener Ammenvertrag vorliegt, ist sicher. Meine Ergänzungen des winzigen Fragmentes erheben nicht den Anspruch, den ursprünglichen Wortlaut genau wiederherzustellen. Ammenver- träge aus Alexandreia in Form von (TuTXiwpr|(Ten; der augustischen Zeit sind BGU. 1058 (= Mitteis, Clirest. Nr. 170). 1106 (= Mitteis, Clirest. Nr. 108). 1107. 1108. iiog. 1153 I. Der einzige bisher bekannte Ammenvertrag aus der x^J^pa ist PSI. III 203 (a. 87) aus Oxyrhynchos. Zwei Ammenvertrags-Auszüge enthält die Vertragsmelderolle eines Staatsnotariats F. Cairo Preis. Nr. 31 V und XVI (a. 139/140; Faijum). Habequittungen der Amme bzw. ihres Herrn über den Empfang der tpocpeTa nach Ablauf der ganzen Vertragszeit oder eines Teiles derselben sind BGU. 11 10 — 1 1 1 2 (Augustus 1 aus Alexandreia, solche aus dem Faijum BGU. 297 (a. 50), P. Teb. II 399 (saec. 11), aus Oxyrhynchos P. Oxy. I 91 (a. 187), aus der Großen Oase P. Grenf. II 75 (a. 308). Vgl. endlich das Amts- protokoll des Strategen P. Oxy. I 37 (= Mitteis, Chrest. Nr. 79: a. 49) und das Hypomnema an den Präfekten P. Oxy. I 38 (= Mitteis, Chrest. Nr. 58: nach a. 49). In allen aufgeführten Urkunden handelt es sich um Sklavenkinder, für die eine Amme bestellt wird. Gelegentlich ist diese die Sklavin eines Dritten, die der Eigentümer des Sklavenkindes von ihrem Herren mietet 's. Nr. 8 Einl. Anm. 11). — Das Ammenwesen ist ausführlich behandelt von Sudhoff, Arzüiclies atis griechischen Papyrusurkunden 150 ff.; s. auch Berger, Strafklauseln 176 ff.
Als Kontrahenten treten auf einerseits die Amme und ihr Mann, wechsel- seitig für einander Bürgschaft leistend*], andrerseits die Eigentümerin des Sklaven- kindes unter Assistenz ihres Ehemannes als Geschlechtsvormund. Das Sklaven- kind stammt aus einer geschlechtlichen Verbindung (Pälikat) des Ehemannes mit einer seiner Frau gehörenden Sklavin. Ersteres erweist das t6 YeT0v[6? Z. 1 1 . Daß die Ehefrau Eigentümerin der Sklavin und damit des Kindes ist, zeigt das Kapd ix\c, [ Z. 13: sie, nicht ihr Mann, trägt die Kosten der Amme. Hieraus er- geben sich die weiteren Ergänzungen.
["Etou? Aü]TOKpdTop[o? Km'crapoc; Nepoua TpamvoO ZeßaffToO fepiua]-
[viKoO AttKiKoO mak. Monatjou Tecrcfape[(JKaibeKäTrii äg. Monat lö tv ]
[• • ■ TOO vo]|uo0. " 0|ao\[o-f oOcriv Name Patronymikon (rpocpo?) (üc,
diiuv ]
foüXri boKTÜXuji äpi(TT]epiui n€[-f]ä[Xuji Kai 6 ctvrip auiiiq koi Kupio? Name] 5 [Patronymikon]vri<; isic) TTepari^s xfiq emTOvn«; (uz, eioiv OÜXfi]
5 1. ]vou((;) statt ]vri(;.
6) S. Nr. 5 Einl. Anm. 2.
AMMENVERTRAG. . fj5
[ , ol büo dX\]r|Xujv Ittuo[i dq ^kiktiv, tt^i bcTvt ib? dioiv ]
[ oüXr) dvTiJKvriMiiiJ bt[iiüt uträ Kupiou toO dvbpo? Name Patronymi}-
[kon üjq dTdJv ]Ta ti. oüXi) p[ivi \xiat], napeiXticpdvai Txap' aÖTf\(; Ka\ Tienvnj-
[crciv Trjv beiva, ^w? eÜTJaKieT ^Tt\ rf) [TiBnvncTci, dTTÖ unvö? toO ^vcctt&to«;]
10 [. . (liovq) AÜTOKpdiopos KJaiöapoq Nepoua [TpaiavoO Zeßaaxoü TepuaviKoO AaKiKoö] [in\ xpovov unva]? ?S t6 TeTov[6(: tuj beivi Ik rfl? uTrapxoüdn? Tr| betvi bouXn«;] [Name dpffeviKoJy ^ktovov [ÜTTOTiTeiov Name ^TriK£KXnnevov Epikle}- [sis, maeöv Xanßdvouöjg napä tt^? [beivo? unip rpocpei'iuv Ka\ aXXujv banavii]- [ludtujv (TunTtdvTuuv Kaid] lafiva ?KaaT[ov dpTupiou ZeßaaioO vonianaio? bpax]-
'5 [|L>i«v KJai eXaiou [kotuXuiv
Der Papyrus bricht ab.
9 Tf)V 6etva ist die Amme. — km Tfl [rieir BGU. 859, 21; s. die Einl. 12 dp(J€ViK(5y oder
vtioci .inbezug auf die T.«. 11 Das ]<; vor cE ist eriXuKÖj'v. 13 f. S. PS/. UI 203, 5; r. Ttb. II
sicher; £Tn . . . KOt nf|val<; eE ist ausgeschlossen. — 399, 3 f. — I. Xaijßavouaav. Zu TÖ 'reTOv[öi; kto. vgl. 7'. 7';^. II 399, 6 f.;
Übersetzung. Im Jahre .... des Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus
Germanicus Dacicus am 14 = 14 in im ... . Gau. Es bekennen
die Amme X., ungefähr . . . Jahre alt, mit einer Narbe am linken großen Finger, und ihr Mann und Geschlechtsvormund Y., Persernachkomme, ungefähr . . . Jahre alt, mit einer Narbe . . . . , beide wechselseitig für den anderen Bürgschaft leistend hinsichtlich der Erfüllung, der Z., ungefähr ... Jahre alt, mit einer Narbe am rechten Schienbein, unter Assistenz ihres Geschlechtsvormundes und Mannes W., ungefähr [.]6 Jahre alt, mit einer Narbe mitten auf der Nase, von ihr erhalten zu haben den dem W. von der im Eigentum der Z. befindlichen Sklavin V. geborenen Sklavensäugling männlichen (?) Geschlechts mit Namen .... und Bei- namen Und die X. wird ihm die Brust reichen, solange als sie inbezug
hierauf in Ordnung ist, vom Monat . . . des laufenden . . Jahres an 6 Monate lang, indem sie als Lohn erhält von der Z. für Pflegegeld und alle sonstigen Auslagen jeden Monat .... Silberdrachmen kaiserlicher Prägung und . . . Krüge Öles ....
Einzelbemerkungen.
1 f . Trajan führt den Siegesbeinamen Dacicus seit Ende des Jahres 102 (6. Jahr\ Optimus ("Apiaxo«;) heißt er seit dem J. 114 (s. z. B. Nr. /.?, 3). Zwischen diese beiden Daten ist unsere Urkunde zu setzen, wohl näher dem letzteren; vgl. Nr. 25.
8 f. Im Hinblick auf die sechsmonatliche Dauer des Vertrages (Z. n) habe ich nur TiOnvii0eiv (= Gr|Xdff6iv) ergänzt (ohne KOi ipocpeucreiv' , da der Säugling die Ammenbrust während der ersten sechs Monate erhält; Ti9r|vri(Ji? Z. 9 ist >Dar- reichung der Ammenbrust«, s. £GU. 297, 15; TiGriviicTew? UnvuJV Vi\ P. Cairo Preis. 31 V 22: xöv Tfiq TiötiviicTeuji; ^Eduni^ov; vgl. SudhoflfaaO. 150 f.
PM. Meyer, Griechische Texte aus Ägypten. g
66 Nr. 12. 17. FEBR. 115 N. CHR.
,9 eÜTjaKiei >sie ist in Ordnung«. Das Medium eüraKTeiffGai hat in den Ammen- verträgen BGU. iio6 — 1109 die Bedeutung >sich verpflichten«. S. als Gegen- satz das ÖTaKTeTv >keine Ordnung halten, ungehorsam sein« (fjinepav >einen Tag lang«) in den Lehrlingsverträgen. EuiaKTO? s. z. B. P. Cairo byz. ed. Maspero 167120,4: eiiToiKTriS biaöeffeujq Kai KaGapäq TTpoaipeaeu)?.
Nr. 12. HINGABE EINES STAATSPACHTGRUNDSTÜCKES AN ERFÜLLUNGSSTATT IN FORM EINER KAUF- HOMOLOGIE.
Höhe 15, Breite 6,7 cm. Die Abkürzungen der Zeilenenden sind durch Platzmangel bewirkt. Faijum (Theadelphela). 17. Febr. 115 nach Chr.
Der Persernachkomme Apuleius überläßt (6|LioXoYeT .... iiriKexujpriK^vai) ') dem Phasis '^) für das laufende Jahr \ \\ -^ Arure des von ihm gepachteten Staatslandes (Z. 15 f.: dv oTi; Te^JupT^i • • • • bn^'offioiS dbäqpecni im Dorf bezirk von Theadelpheia »zur Nahrung und Lagerstatt für seine Rinder« (Z. 23 f.) und stellt ihm am 17. Februar 115 eine Quittung über den Empfang des vereinbarten »Preises« aus (Z. 24 f). Schon vor Errichtung dieser Überlassungsurkunde ist von Phasis die Aussaat mit Bohnenfrüchten (apaE = äpaKO?) vorgenommen worden (Z. 2 1 {.).
Die vor der Staatsnotariats-Filiale in Theadelpheia aufgesetzte Urkunde er- scheint auf den ersten Blick als ein als Kaufvertrag konstruierter Unterpacht- vertrag, wie z. B. P. Grenf. II 33 (100 vor Chr.)^). Statt des dort gebrauchten TTopaxujpeTv steht in unserem Vertrag ^TtixujpeTv; dem an das Formular der demotischen Urkunden erinnernden ffuvTremffeai aÜTiI» jx\c, cfufXUjp»i6ei(Jn? Ti|afiq des ptolemäischen P. Grenf. entspricht das dTtexiv . . . Tr|v cruvKexopri|aevr|v irpö? dXXriXoui; Tei|ir|v unserer Urkunde der Kaiserzeit. Während aber im P. Grenf. die als Pachtzins für 4 Jahre vereinbarte \\\yi\ angegeben wird, es sich danach um reale Pachtzinszahlung handelt, ist in unserer Urkunde die Ti|nr| nicht beziffert. Wir werden also die Überlassung des Grundstückes seitens des brinocTioi; feujpTO? Apuleius an Phasis, wie in Nr. 7 und 5, 13, als Hingabe an Erfüllungsstatt (datio in solutum) aufzufassen haben: Apuleius tritt dem Phasis zur Begleichung einer
i) Zum Sprachgebrauch von iitixujpeiv im Sinne von »Überlassen von Pachtrechten« und der ihm nahestehenden Worte €KXtupeiv, (JUTXlupeiv, uapaxujpeiv s. Schwarz, Homologie und Prolokoll, Fcstschr. für Zitelmann, 2g f. {Sonderabzug).
2) 0ä(Ji?, OdaiTo; ist, worauf Wilcken hinweist, nur eine dialektische andere Aussprache von TTäm?, -iTo;.
3) S, dazu Kabel, Ztschr. Savigny'st. R. A. XXVIII 318 A. 2; Eger, Griindbuchvcsen 102; Berger, Straf klauseln 151; Schwarz aaO. 28 — 32.
HINGABE EINES STAATSPACHTORUNDSTÜCKES AN ERFOLLUNGSSTATT. 67
Darlehnsschukl*) die Nutzung eines mit Bohnenfrüchten bebauten Teiles seines Staatspachtgrundstückes für das laufende Jahr ab. Die Homologie ist von Apuleius dem Phasis ausgestellt am 17. Februar 115; schon vorher aber hat dieser die Aussaat auf dem Grundstück vorgenommen (Z. 21 f.). Wir werden das nach den Ausführungen von Schwarz [Homologie und Protokoll 30 f.) hinsichtlich der (jufTpavai öiTTOffTam'ou (Kaufabstandsurkunden) und gleichartiger Erklärungen so auffassen können, daß die Einräumung des Grundstückes schon vor der Aus- zahlung des Darlehns und der im Anschluß daran vorgenommenen Errichtung unserer Homologie stattgefunden hat.
Ähnliche Verträge über Hingabe eines Grundstückes zur Pacht an Erfüllungs- statt liegen auch vor in BGU. 636 (a. 20), 526 (a. 86), P. Flor. I 20 (= Wilcken, ehrest. Nr. 35g: a. 127), Class. PhilologyY S. 168 Nr. III (a. 143)'); sie sind zu- sammenfassend von Rabel [Ztschr. Savignyst. R. A. XXVIII 317 f.) behandelt worden. In BGU. 636, P. Flor, l 20 wird auch das Verbum im\\upfX\ gebraucht').
"EtOUS ÖKTUJKaib€KdTOU
AÜTüKpoiTopoc; Ka{(Japo(; Nepoua Tpa'iavoö ^ApicTTOu • ZeßaffToO fepiuaviKoO AaKiKo(O)
5 Mexeip Tpirri Kai eiKÖibi ^v 6£a- 17. Februar 115 n. Chr. beXcpei'a rfi«; ©enicTTOu ineptbof?) ToO 'ApffivoeiTOu vonoO. '0|hoXot€T "ATToXneioi; ^AKOuaiXdou TTepcrrii; Tfji; eTnYovtic; ib? ^toiv TpidKo(vTa) 10 oüXn baKTÜXuj liiKpil) xe'Pof?) dpicriepag 0d(JiT€i Xaipri)io(vos) übq didiv T€(TcrepdKOVTa oüX(i?|)
Ö(pp[0]l dpiCTTCpqi ^TTlK£XUJptl-
Kevai aÜTiIi eiq tö ^v€(Jtö<; 15 ÖKTUJKaibeKaTov ?toi; ^v oI? TeujpfeT nepi Tr|v Kiuiuriv . , fhx\\xoa'\o\c, ^bdcpecTi npöq TÖfnifj)
r^i ''- " 'Apnaei«; ^v KXri(piij) Maiei Xefo-
laevif) dpoüpti? iinKJoi TeTapT(ov) 20 oTbov (sie) TeTpaKaiEriKO(TTÖv (sie)
8 = Apuleius. 11 1. 0aaiTi, Z. 22. 26 0(i- ist korrigiert. 19 I. »iMiau. 20 1. öxfioov, T£- OiTO^; s. die Einl. Anm. 2. 18 Das £ von ^v TpaKaieEriKOöTÖv iWilcken).
4) Die ganze Schuld wird hierdurch beglichen; ein Zusatz wie in AV. 7) *4f-i BGU. 636, 21 f. 26 ff.; 105s, 40 ff. (s. Nr. 7 Einl. Anm. 3) fehlt.
5) Auch /'. 7'e6. II 310 (a. 186) gehört wohl hierher; ebenso r. Cairo byz. ed. Maspero 1 Nr. 671 16, dazu meine Bemerkungen Ä/-/. />Ä;7. Wochmschr. 1915, 1004. Vgl. auch die irpo6onaTiKr| ufoöiuon im r. Lond. Inv. Nr. 1889 [,New I'alacosrafhical Society X Taf. 226) Kol. II 5, auf die Lewald, Vierteljahrsschr.f. Sozial- u. IVirlscha/tsgesch. XII 475 Anm. I hinweist.
6) Vgl. Schwarz aaO. 29 Anm. 4.
68 Nr. 12. 17. FEBR. 115 N. CHR. HINGABE EINES STAATSPACHTGRUNDSTÜCKES USW.
(Fl) ocTiuv edv fj t6 koi ttpoko-
T£[(T]iTapiaevov u^o toO <^äa€\-
Tos öfpaKei eis KaxcißpujiLia
KOI KOiiacinov ßoiuv KOI dne- 25 xiy Tov 'AiToXrieiov irapd
TOO OÖKTeiTO? Tnv (TuvKexo-
priiLievriv rrpo? dXXriXous
Teinnv £K TrXripouq KOi ßeßai-
iwöiv Tidcrr) ßeßaiiuffi. 'H cruvTpa- 30 [cpf) Kupia. Z.Hand. "ATToXrieioq "AKOJyaiXdou Der Papyrus bricht ab.
21 1. äv. 23 1. äpoKt, s. die Einzelbem. 28 f. 1. TiMnv, ßeßaiiuöeiv, ßcßatoiöei. 30 ff. Es 24 f. 1. ärrcxeiv. 26 f. 1. auTK£X"'pnM^vriv. folgt die subscriptio des 6noXoTiirv.
Übersetzung. Im 18. Jahre des Imperator Caesar Nerva Traianus Optimus Augustus Germanicus Dacicus am 23. Mecheir in Theadelpheia im Themistes- Bezirk des Arsinoitischeti Gaus. Es bekennt Apuleius, Sohn des Akusilaos, Persernachkomme, etwa 30 Jahre alt, mit einer Narbe am kleinen Finger der linken Hand, dem Phasis, Sohne des Chairemon, etwa 40 Jahre alt, mit einer Narbe an der linken Augenbraue, ihm eingeräumt zu haben für das laufende 18. Jahr W\j;^ Arure — oder wieviel es sein mag — der von ihm im Dorfbezirk beim Platz Harmaeis im Mates genannten Landlos gepachteten Staatsländereien zur Nahrung und Lagerstatt für Rinder; und diese (Parzellen) sind schon vorher vom Phasis mit Arakos besät worden. Und es hat empfangen Apuleius vom Phasis die unter einander verabredete Summe voll und ganz und wird Gewähr leisten mit voller Gewähr. Der Vertrag soll gültig sein. {2. Hand.) Ich Apuleius Sohn des Akusilaos
Einzelbemerkungen. 5 Über das Dorf GeabeXqpeia = HarJt s. statt aller Jouguet, P. Thead. S. 6 ff.
17 AriiJoffia ebdcpr) faßt Wilcken [Grundzüge 289) als »allgemeine Bezeichnung des öffentlichen Landes überhaupt, wahrscheinlich ganz allgemein im Gegensatz zu den ibiujTiKd ^bdqpr)«, während die briMOffia ffl nur einen von der ßacTiXiKr) Tri verschiedenen Teil der br||i6ffia dbdqpr) bilde. Nach ihm ist ßacTiXiKr) fH die von den Kaisern übernommene Ptolemäer-Domäne, br)|ao(Jia fH der erst unter den Römern hinzugekommene (vor allem durch Konfiskation entstandene) ager pubhcus. Dagegen spricht nur P. Giss. I 60 Kol. II 1 7 verglichen mit Kol. II 2 2 (s. dazu P. Giss. I 3. Heft S. 167). — Zur btiiaoffia th von Theadelpheia s. Nr. 4.
18 Der t6(ttoi;) 'ApiaaeT«; und der KXfj po?) Maifi? waren bisher nicht bekannt. 21 Zu (n) offujv edv (=: av) fj s. Waszyiiski, Bodenpacht 75.
23 Zum Dativ otpaKei f= dpoKi) vom vulgären Nominativ dpaE vgl. den Genetiv apoKO? BGU. 938, 5; PSI. I 34, 13. ['ApaS ist wohl aus dem als Genetiv empfundenen apaKOq zurückgebildet, wie wohl auch biaKUJV aus bidKOVO? und
Nr. 13. 18. DEZ. 141 N. CHR. NOTARIELLER KAUFVERTRAG ÜBER EINEN ESEL. 69
KarriTiwp aus Kairifopo? 'Licht vom OsUn^-3 6x f.). Die nächste Analogie ist (pdpiaaH aus gen. plur. cpapndKuuv (Radermacher, NTGr. S. i6J. A. D.] 23 f. ei? Kardßpujiaa Kai KOiiaanov ßoiuv »zur Ernährung und Lagerstatt von Rindern«. Vgl. P. Jand. 26, 10 (a. 98): elq Kajrdßpona Ka\ ic[a]Tavo[n]i'|v [npo]- ßdrujv. Auch BGU. 636, 16 ist i? KaTdß[puj])ia zu lesen. Das Wort begegnet häufig in der LXX: s. Hatch II p. 729. — Zu KOiTaanö? vgl. P. Teb. II 423, 19: Xaßujv Td Trpoßara Ttpö? K0iTa(J)i6? (1. -^6v); 619 Verso: ün(tp) KOiTaa(MoO) 8 Dr.; P. Titcad. 8,23: ^v [dJXXoTpion; ^bd(pe<Ji [t]oO? (Tuvri[ej€i? Ko[iT]a(Tnou? Trpieifföai; P.Lond. I 113 p. 209, 19: KOiTaffnoö irpoßÖTUJV. Vgl. KOiTti, koi- Tujv, KOiTdüeiv (s. Mayser, Grammatik ^o-j), KOiiacTia; alle vier Worte finden sich in der LXX; s. Hatch II p. 775.
Nr. 13. NOTARIELLER KAUFVERTRAG ÜBER EINEN ESEL.
Höhe 20,8, Breite 11,5 cm. p'aijum. 18. Dezember 141 nach Chr. Eine Klebung. Palimpsest'); Ton der ausgelöschten Schrift sind auf der Vorderseite, bes. von Z. 20 an, viele Spuren vorhanden, die Schrift auf der Rückseite links von der Klebung ist nur mangelhaft ausgelöscht, aber nicht mehr
zu entziffern.
Der Vertrag wird abgeschlossen in dem Dorfe Apias in der Geni'ffTOu fiepi? des Arsinoites, im Nordwesten des Faijum. Während im Präskript Z. 4 und auf dem Verso ^AttiÖi; steht, bezeichnet sich die Staatsnotariats-Filiale, vor welcher der Vertrag